Kapitalismus – Neoliberalismus

Diese Seite beleuchtet den Kapitalismus nicht nur als Wirtschaftssystem, sondern als tiefgreifende gesellschaftliche und psychologische Struktur. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Macht, Konkurrenz, soziale Ungleichheit und Manipulation das Denken und Verhalten von Menschen prägen – oft über Generationen hinweg.

Die Beiträge verbinden politische, historische und psychologische Perspektiven miteinander. Dabei geht es um Themen wie Neoliberalismus, Medienmacht, Finanzsysteme, soziale Spaltung und die Auswirkungen globaler Krisen. Die Seite versteht sich nicht als reine Kapitalismuskritik, sondern als Versuch, die tieferen Ursachen heutiger Konflikte sichtbar zu machen und in größere historische Zusammenhänge einzuordnen.

INGLOP knüpft dabei an die Idee eines notwendigen „Bewusstseinssprungs“ der Menschheit an: weg von kurzfristigem Konkurrenzdenken hin zu einer globalen Perspektive, die Empathie, Bildung und Verantwortung in den Mittelpunkt stellt. Die Seite verbindet aktuelle Ereignisse mit langfristigen systemischen Analysen und versteht sich als Teil einer umfassenden Zeitenwende-Debatte.

Das globale Casino

Wie sind die Finanzmärkte entstanden? Und was für Menschen bevölkern sie? Autorin Marije Meerman begleitet unter anderem den Begründer des Marktes für Öl-Termingeschäfte, einen der ersten Händler und eine Neuropsychologin, die Börsenhändler und Hedge-Fonds-Manager bei riskanten Entscheidungen mental berät – und zeigt, wie Planet Finance zu dem wurde, was es heute ist.

Dokureihe, Regie: Marije Meerman (NL 2022, 52 Min)

Autorin Marije Meerman führt die Zuschauerinnen und Zuschauer durch eine wundersame Parallelwelt, in der man Geld verdienen kann, wenn man glaubt zu wissen, was die Zukunft bringt. In dieser Folge: Auf Planet Finance gibt es für fast alles einen Markt. Auch für Katastrophen, die noch gar nicht eingetreten sind – und vielleicht nie eintreten werden!

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Auf Planet Finance gibt es für fast alles einen Markt. Auch für zukünftige Natur- und sonstige Katastrophen, die noch nicht eingetreten sind und vielleicht nie eintreten werden. Sogenannte Cat Bonds, also Katastrophenanleihen, spekulieren darauf, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es zu einer Katastrophe kommt. Und vor allem, wie viel Schaden sie anrichten könnte. Denn der Klimawandel ist eine Tatsache und es stellt sich heraus, dass seine Folgen – zum Beispiel verheerende Waldbrände, Überschwemmungen oder Wirbelstürme – für herkömmliche Versicherer immer schwieriger zu handhaben sind. Entsprechend wächst der Markt für Katastrophenanleihen. Städte wie New York haben nach den immensen Schäden durch Hurrikan „Sandy“ vor gut zehn Jahren in Cat Bonds investiert, um sich gegen die Risiken zukünftiger Katastrophen abzusichern. Wie funktioniert dieser Markt genau? Und was ist mit denen, die sich nicht gegen solche Katastrophen absichern können?

Autorin Marije Meerman führt die Zuschauerinnen und Zuschauer durch eine wundersame Parallelwelt, in der man Geld verdienen kann, wenn man glaubt zu wissen, was die Zukunft bringt. In dieser Folge: Leerverkäufer wetten auf fallende Kurse. Vorgestellt werden drei Unternehmen, die nach dem Börsenhype tief gefallen sind.

Auf Planet Finance scheint der Einzelne gegen das System wenig ausrichten zu können. Aber auch dort gibt es immer wieder Leute, die gerne gegen den Strom schwimmen: die sogenannten Leerverkäufer. Manche nennen sie auch die Aasgeier auf Planet Finance. Leerverkäufer leben von den Fehlern der anderen. Sie gewinnen nur, wenn andere verlieren. Ein Leerverkäufer profitiert von der Tatsache, dass sich viele Anleger von Börsenhypes verführen lassen und investieren. Statt auf steigende Kurse zu hoffen, wettet er darauf, dass sie fallen werden – zum Beispiel weil die Firma überbewertet ist oder Anleger mit Tricksereien getäuscht wurden. Diese Folge stellt drei Unternehmen vor, die mal als Börsenlieblinge galten und sogar den Status von „Einhörnern“ hatten. So nennt Planet Finance die seltenen Firmen mit Börsenbewertungen von einer Milliarde und mehr: das flämische Spracherkennungs-Unternehmen Lernout & Hauspie, der deutsche Finanzdienstleister Wirecard und die US-amerikanische Computerspiel-Kette GameStop. Alle drei Unternehmen fielen tief und rissen dabei viele gutgläubige Anleger mit in den Abgrund. Was für Menschen sind also Leerverkäufer, die es wagen, gegen einen übermächtigen Börsenhype zu wetten?

Jahrelang profitierten Planet Finance und das kommunistische China voneinander – bis es beim geplanten Börsengang von Chinas Börsen-Superstar Jack Ma und seiner Ant Group zur offenen Konfrontation zwischen Staat und Börse kommt. Was der gigantischste Börsengang in der Geschichte der Menschheit werden soll, endet in einer Katastrophe. Wer bestimmt die Regeln auf Planet Finance?

In der schillernden Welt von ʺMoneylandʺ verwandelt sich schmutziges Geld auf Knopfdruck in sauberes. Regisseur Marc Wiese taucht tief ein in die Welt der Banken und beleuchtet die Schattenseiten der internationalen Finanzindustrie. Er spricht mit ehemaligen Bankern und Finanzexperten über die Finanzskandale rund um die Deutsche Bank. Zinsmanipulationen, Geldwäsche und risikoreiche Derivate – Wetten auf Kreditausfälle – nennt der Film als Beispiele für ein System, in dem der Profit moralische Fragen in den Hintergrund drängt. So unterhielt die Deutsche Bank jahrelang Geschäftsbeziehungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein – selbst nachdem die Bank JPMorgan Chase, bei der Epstein zuvor Kunde war, die Zusammenarbeit beendet hatte.

Seit der Finanzkrise von 2008 gelten strengere Regeln für die Branche. Doch reichen diese aus? Wer trägt die Verantwortung, wenn Vorschriften gebrochen oder umgangen werden? Regisseur Wiese will mit seinem Film auf die dunklen Seiten der Finanzwelt aufmerksam machen – und stellt dabei die Frage nach der persönlichen Verantwortung in den Chefetagen der Banken.

Vom Finanzkapitalismus zum digitalen Kapitalismus

Die Dokumentationen „Tax Wars“, „Planet Finance“ und „Moneyland“ zeigen eindrucksvoll, wie sich wirtschaftliche Macht im Zuge der Globalisierung konzentriert hat. Steuervermeidung, Schattenfinanzplätze und internationale Kapitalströme machen deutlich, wie eng Politik, Wirtschaft und Finanzsystem miteinander verflochten sind.

Doch die Entwicklung endet nicht bei Banken, Fonds und Steueroasen. Im 21. Jahrhundert ist eine neue Form wirtschaftlicher Macht entstanden. Neben Kapital gewinnen Daten, Algorithmen und digitale Plattformen zunehmend an Bedeutung. Die größten Technologiekonzerne der Welt verfügen heute über einen Einfluss auf Kommunikation, Information und öffentliche Meinungsbildung, der weit über klassische Wirtschaftsstrukturen hinausreicht.

An diesem Punkt setzt die dreiteilige ZDF-Dokumentation „Control Alt Delete“ an. Sie zeichnet die Entwicklung der digitalen Revolution nach und untersucht, wie Technologieunternehmen, soziale Netzwerke und Künstliche Intelligenz Gesellschaften verändern. Dabei wird deutlich, dass die Frage nach Macht und Kontrolle längst nicht mehr nur im Bereich der Finanzmärkte entschieden wird, sondern zunehmend auch im digitalen Raum.

Aus Sicht von INGLOP eröffnet sich hier eine weitere Ebene der Analyse. Wer die Ursachen globaler Krisen verstehen will, muss nicht nur wirtschaftliche und politische Strukturen betrachten, sondern auch die psychologischen Auswirkungen digitaler Technologien auf Wahrnehmung, Verhalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Frage, wie Menschen denken, fühlen und Entscheidungen treffen, wird damit zu einem zentralen Thema der anstehenden Zeitenwende.

„Control. Alt. Delete“ – Teil 1: Ayn Rand

Die „Kulturzeit“-Reihe „Control. Alt. Delete“ widmet sich drei Vordenkern, deren Ideen den Einfluss der Tech-Branche auf die US-Politik und den fortschreitenden Abbau demokratischer Strukturen maßgeblich geprägt haben. Teil 1: die russischstämmige Autorin Ayn Rand.

„Control. Alt. Delete“ – Teil 2: René Girard

Teil 2: der Literaturwissenschaftler und Stanford-Professor René Girard.

„Control. Alt. Delete“ – Teil 3: Curtis Yarvin

Teil 3: der rechtslibertäre Blogger Curtis Yarvin.

Macht, Kontrolle und die lange Geschichte der Beeinflussung

„Control Alt Delete“ ist mehr als eine Geschichte über Computer, Internet und Künstliche Intelligenz. Die Dokumentation wirft letztlich eine viel grundlegendere Frage auf: Wer bestimmt, wie Menschen denken, woran sie glauben und nach welchen Regeln Gesellschaften funktionieren?

Diese Frage begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Herrschaft beruhte nie allein auf militärischer oder wirtschaftlicher Macht. Ebenso wichtig war stets die Kontrolle über Informationen, Weltbilder und gesellschaftliche Narrative. Vom Zusammenspiel von Religion und Politik in der Antike über die großen Ideologien der Neuzeit bis hin zu den digitalen Plattformen des 21. Jahrhunderts zieht sich ein roter Faden durch die Geschichte.

Kritische Historiker sehen bereits im Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) einen Wendepunkt, an dem religiöse Lehren zunehmend mit den Interessen staatlicher Macht verknüpft wurden. Das von Kaiser Konstantin dem Großen einberufene Konzil steht bis heute symbolisch für den Versuch, gesellschaftliche Einheit durch die Verbindung von politischer Autorität und ideologischer Ordnung zu schaffen.

Die Hintergründe des Konzils von Nicäa können an dieser Stelle nur angedeutet werden. Eine vertiefte Betrachtung seiner Entstehung, seiner politischen und religiösen Vorgeschichte sowie seiner langfristigen Auswirkungen würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Eine ausführliche Abhandlung zu diesem Themenkomplex ist daher zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen. Dabei sollen auch die Entwicklungen beleuchtet werden, die dem Konzil vorausgingen und den historischen Boden für die enge Verknüpfung von religiöser Lehre, politischer Macht und gesellschaftlicher Ordnung bereiteten.

Nicht zufällig üben historische Gestalten wie Konstantin auf manche moderne Vordenker eine besondere Faszination aus. Der Tech-Milliardär Peter Thiel hat wiederholt auf die Bedeutung großer historischer Umbrüche und ihrer prägenden Akteure hingewiesen. Unabhängig davon, wie man solche Bezüge bewertet, verweist dies auf ein wiederkehrendes Muster der Geschichte: Immer wieder geht es um die Frage, wie Gesellschaften organisiert, stabilisiert und gelenkt werden – und wer die Macht besitzt, die vorherrschenden Weltbilder zu prägen.

Von den religiösen Autoritäten der Antike über die Ideologien der Neuzeit bis hin zu den digitalen Plattformen und Technologieeliten des 21. Jahrhunderts verändern sich die Instrumente der Einflussnahme. Die grundlegende Frage bleibt jedoch dieselbe: Wer bestimmt, was Menschen für wahr halten, und welche Vorstellungen ihr Denken und Handeln leiten?

Heute stehen nicht mehr Kaiser, Könige oder Kirchen im Mittelpunkt dieser Entwicklung, sondern globale Konzerne, digitale Netzwerke und milliardenschwere Technologieeliten. Die Instrumente haben sich verändert, die Grundfrage ist geblieben: Wer verfügt über die Macht, Wahrnehmung, Verhalten und gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen?

Aus Sicht von INGLOP führt diese Entwicklung zu einer entscheidenden Erkenntnis. Die großen Krisen unserer Zeit sind nicht allein wirtschaftliche, politische oder technologische Probleme. Sie sind zugleich Bewusstseinsprobleme. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Manipulation von Aufklärung, Macht von Verantwortung und kurzfristige Interessen von langfristigem Denken zu unterscheiden. Genau darin könnte der nächste notwendige Bewusstseinssprung der Menschheit liegen.

Zusammenhänge und Vertiefung: ► Macht & ManipulationZeitenwende