Wer Zusammenhänge sucht, kann hier vielleicht neue Anregungen und Perspektiven finden.
Wer (noch) nicht über den Moment hinausblicken möchte, findet anderswo genügend Angebote und Ablenkungen.

01.09.26
16:00 | phoenix
Wie extrem wird das Wetter, Sven Plöger?
Sven Plöger wagt den Blick in die Zukunft: Wie wird sich unser Wetter entwickeln? Dafür erkundet der Meteorologe faszinierende Orte, die heute schon zeigen, welchen Einfluss Klimawandel und natürliche Wetterphänomene wie der El Niño auf das Wetter haben.
🔍 Hintergrund: ► Klimawandel ► Energiewende ► Klimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978
20:15 | ARTE
Mao – Chinas roter Kaiser
Hochgelobte, dreiteilige Dokumentarserie von LOOKSfilm, dem SWR und Arte aus dem Jahr 2024. Sie beleuchtet den unaufhaltsamen Aufstieg von Mao Zedong vom einfachen Bauernsohn zum absolutistischen Diktator der Volksrepublik China. Gleichzeitig zieht die Reihe eine direkte Linie zur Gegenwart und zeigt, wie Chinas aktueller Staatschef Xi Jinping Maos totalitäre Herrschaftsmethoden und Ideologie für seinen eigenen Machtanspruch nutzt
(1/3) Langer Marsch
21:05
(2/3) Großer Sprung
22:00
(3/3) Kulturrevolution
Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen
Nach Attacke auf Flughafen: Bundesregierung will russisches Generalkonsulat in Bonn schließen und Einreise für Staatsbürger verschärfen
»Deutschland wehrt sich gegen Gegner«: Russland soll maßgeblich an der Drohnenattacke von Leipzig beteiligt gewesen sein. Innenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul ziehen nun fünf Konsequenzen.
Versuchter Sprengstoffanschlag: Bundesregierung macht Russland für Angriff auf Leipziger Flughafen verantwortlich
Ein russischer Geheimdienst soll maßgeblich an der Drohnenattacke von Leipzig beteiligt gewesen sein. Die Erkenntnisse und Konsequenzen wollen Innenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul am Nachmittag vorstellen.
„Sie werden mich hängen“: Putin setzt auf Eskalation, weil er um sein Leben fürchtet
Seit fast fünf Jahren tobt die russische Großinvasion in der Ukraine. Einem Bericht zufolge will Putin vor einem Kriegsende mindestens den gesamten Donbas beherrschen. Ein Scheitern betrachtet der Kremlchef demnach als persönliche Bedrohung für sein Leben.
Versuchter Anschlag in Leipzig Russland will »spiegelbildlich« auf deutsche Strafmaßnahmen reagieren
Die Bundesregierung hat Russland für den versuchten Anschlag am Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht. Moskau bezeichnet das nun als »Provokation« – und kündigt eine Reaktion an.
Anschlag auf Flughafen Leipzig Nato begrüßt Maßnahmen, Grüne fordern härtere Sanktionen gegen Russland
Wegen des versuchten Angriffs in Leipzig hat die Bundesregierung mehrere Maßnahmen gegen Russland angekündigt. Partnerländer der Nato stellen sich neben die Regierung, die konkrete Reaktion aus dem Kreml ist noch abzuwarten.
🔍 Putins Krieg erreicht Deutschland: Die Eskalation ist keine Theorie mehr
Jetzt hat sich die Lage entscheidend verändert. Was bislang als schwerwiegender Verdacht formuliert werden musste, bewertet die Bundesregierung nun offiziell: Russland trägt nach ihren Erkenntnissen die Verantwortung für den versuchten Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Innenminister Dobrindt beruft sich dabei auf polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster sowie deutsche und ausländische Nachrichtendiensterkenntnisse. Er spricht ausdrücklich von einem russischen Muster aus „Sabotage, Spionage, Desinformation und der Vorbereitung von Anschlägen“.
Deutschland reagiert deshalb nicht mehr nur mit Warnungen. Der russische Botschafter wird einbestellt, das Generalkonsulat in Bonn soll zum 18. September schließen, die Grundlage für das Russische Haus in Berlin wird beendet, russische Einreisende sollen schärfer überprüft und der Druck auf die russische Schattenflotte erhöht werden.
Damit ist eine neue Schwelle überschritten. Der russische Angriffskrieg beschränkt sich längst nicht mehr auf ukrainisches Territorium. Wenn staatlich gesteuerte Akteure Sprengstoff gegen Infrastruktur und ukrainische Flugzeuge auf deutschem Boden einsetzen sollen, dann ist der hybride Krieg mitten in Deutschland angekommen. Das ist noch kein militärischer Angriff Russlands auf die NATO – aber es ist weit mehr als gewöhnliche Spionage.
Gerade deshalb gewinnt auch die Frage nach Putins persönlicher Eskalationslogik an Bedeutung. Berichte aus seinem Umfeld behaupten, er fürchte bei einem Scheitern des Krieges um Macht und möglicherweise sogar um sein Leben. Das spektakuläre Zitat „Sie werden mich hängen“ ist nicht unabhängig belegt; Zeitpunkt und Kontext sind unbekannt. Die dahinterstehende Logik ist jedoch plausibel: Je stärker Putin einen Ausgang ohne vorzeigbaren Sieg als existenzielle Niederlage begreift, desto gefährlicher kann eine Situation werden, in der seine Handlungsspielräume schrumpfen.
Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die weit über Leipzig hinausweist: Schwäche bedeutet bei autoritären Regimen nicht zwangsläufig Deeskalation. Sie kann den Anreiz zur Eskalation sogar erhöhen.
Europa muss darauf geschlossen reagieren – mit Schutz kritischer Infrastruktur, konsequenter Spionage- und Sabotageabwehr, wirtschaftlichem Druck und glaubwürdiger Abschreckung. Aber ebenso wichtig bleibt: keine Hysterie, keine unkontrollierte Eskalationsspirale. Stärke bedeutet auch, selbst darüber zu entscheiden, wann und wie man reagiert.
Die Hintergründe dieser Entwicklung reichen weit zurück: von Putins Herrschaftssystem über den Angriff auf die Ukraine bis zur Verbindung von autoritärer Macht, fossilen Interessen und geopolitischer Eskalation. – (Kommentar überarbeitet bzw. aktualisiert)
🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg ► Trump und Putin: Eskalation aus Schwäche – und der fossile Kern der Macht (Essay) ► Der Krieg gegen das Gegenmodell (Essay)
AfD: Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund und das Problem mit dem rechtsextremen Vorfeld
Offiziell unvereinbar, praktisch eng verbunden: Die AfD distanziert sich immer wieder vom rechtsextremen Vorfeld – arbeitet aber mit Ex-HDJ-Mitgliedern und nutzt die Identitäre Bewegung. Von Marcus Bensmann
Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt: AfD-Politik könnte Sachsen-Anhalt Milliarden kosten
Ausländerfeindlichkeit würde den Mangel an Arbeitskräften drastisch erhöhen, warnen Forscher aus Halle – um geschätzt 14.000 Menschen. Der Schaden wäre enorm. Von Marc Widmann
Jugendliche aus Thüringen: Anklage gegen weitere mutmaßliche Unterstützer der »Letzten Verteidigungswelle«
Zwei Jugendliche sollen die rechtsextreme Terrorgruppe »Letzte Verteidigungswelle« unterstützt und einen Anschlag auf eine Asylunterkunft versucht haben. Die Bundesanwaltschaft will sie in Jena vor Gericht sehen.
Durchsuchungen in mehreren Bundesländern: Ermittlungen nach Razzia bei »Artgemeinschaft« wegen Geheimnisverrats
Die Staatsanwaltschaft ermittelt, nachdem Beamte mehrere Objekte mit Bezug zu der verbotenen rechtsextremen »Artgemeinschaft« durchsucht haben. Wurden die mutmaßlichen Rechtsextremen vorgewarnt?
Wie du die Machtergreifung der AfD Sachsen-Anhalt verhinderst
Deine Stimme macht einen großen Unterschied! Viele glauben, sie allein könnten nichts ausrichten. Kaum ein Irrtum ist vor Wahlen gefährlicher. Wer am Sonntag, den 6. September in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt ist, steht vor einer wichtigen Entscheidung: Wählen gehen oder nicht? Die richtigere Frage wäre: Ist dir wichtig, über deine Freiheit, deinen Wohlstand und die Zukunft deines Bundeslandes mitzubestimmen?
🔍 Sachsen-Anhalt vor der Wahl: Die freundliche Fassade, das rechtsextreme Umfeld und der wirtschaftliche Preis
Diese Meldungen lassen sich sinnvoll zusammenführen – allerdings ohne AfD, rechtsextreme Vereinigungen und mutmaßliche Terrorgruppen organisatorisch gleichzusetzen. Eine direkte Verbindung zwischen der AfD und der „Letzten Verteidigungswelle“ ist nicht belegt. Zusammen zeigen die Vorgänge jedoch, welches gesellschaftliche Klima entsteht, wenn völkische Vorstellungen normalisiert, Abgrenzungen aufgeweicht und Menschen aufgrund ihrer Herkunft zu einem Problem erklärt werden.
Ulrich Siegmund präsentiert sich im Wahlkampf als freundlicher und bürgernaher Landespolitiker. Die Recherchen von Correctiv zeigen hinter dieser Fassade jedoch enge Berührungspunkte mit dem rechtsextremen Vorfeld: Aktivisten der Identitären Bewegung begleiten seinen Wahlkampf, führende AfD-Funktionäre suchen die Nähe zu Martin Sellner, und ehemalige Mitglieder der verbotenen neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ sind im Umfeld der Partei aktiv. Siegmund selbst nahm 2023 am Potsdamer Treffen teil, bei dem Sellner sein „Remigrationskonzept“ auch für deutsche Staatsbürger mit Migrationsgeschichte vorstellte.
Die Identitäre Bewegung steht zwar weiterhin auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Wenn ihre Aktivisten gleichzeitig Wahlkampfbilder produzieren, Funktionäre offen für eine Zusammenarbeit werben und Parteichefin Alice Weidel eine Überarbeitung der Liste ankündigt, wirkt die formale Distanzierung zunehmend wie politische Tarnung: offiziell unvereinbar, praktisch eng verflochten.
Diese Politik hat nicht nur demokratische, sondern handfeste wirtschaftliche Folgen. Sachsen-Anhalt verliert durch Alterung und Bevölkerungsrückgang in den kommenden Jahren Hunderttausende potenzielle Arbeitskräfte. Forscher aus Halle schätzen, dass ein ausländerfeindliches gesellschaftliches Klima den Arbeitskräftemangel um weitere rund 14.000 Menschen verschärfen könnte. Pflegeeinrichtungen, Kliniken, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Industrie sind aber längst auf zugewanderte Beschäftigte angewiesen.
Die AfD verspricht wirtschaftliche Erneuerung und lehnt gleichzeitig ausländische Zuwanderung als Antwort auf den Fachkräftemangel ab. Das ist ein fundamentaler Widerspruch. Wenn dringend benötigte Beschäftigte das Land verlassen oder Sachsen-Anhalt künftig meiden, sinken Produktion, Investitionen und Steuereinnahmen. Der über Jahre entstehende Schaden könnte sich nach den Berechnungen auf Milliarden summieren. Die vermeintliche Politik zum Schutz des eigenen Landes würde damit gerade jene Regionen am härtesten treffen, in denen die AfD besonders stark ist.
Wie gefährlich ein rechtsextrem geprägtes Klima werden kann, zeigt die Anklage gegen zwei Jugendliche aus Thüringen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, die mutmaßliche terroristische Vereinigung „Letzte Verteidigungswelle“ unterstützt und Beihilfe zu einem versuchten Mordanschlag auf eine Asylunterkunft geleistet zu haben. Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung. Dennoch macht der Fall deutlich, dass rechtsextreme Radikalisierung nicht bei Worten stehen bleiben muss. Die Vorstellung, Deutschland müsse gegen vermeintliche „Überfremdung“ verteidigt werden, kann bei Jugendlichen in Gewalt und Terror umschlagen.
Auch die Ermittlungen im Umfeld der verbotenen „Artgemeinschaft“ verweisen auf langlebige rechtsextreme Netzwerke. In fünf Bundesländern wurden Objekte von 15 Beschuldigten durchsucht, weil der Verdacht besteht, die Organisation sei trotz ihres Verbots fortgeführt worden. Unter den Betroffenen befinden sich nach Medienberichten auch zwei AfD-Landtagskandidaten aus Sachsen-Anhalt. Beide bestreiten die Vorwürfe und erklären, der Organisation nicht anzugehören. Zusätzlich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wegen möglichen Geheimnisverrats: Es besteht der Verdacht, dass Beschuldigte vor den Durchsuchungen gewarnt worden sein könnten. Ob das tatsächlich geschah und wer dafür verantwortlich wäre, ist bislang ungeklärt.
Damit werden vier Ebenen derselben Entwicklung sichtbar:
- Die AfD verschiebt völkische Vorstellungen aus dem rechtsextremen Vorfeld in die parlamentarische Politik.
- Dieses gesellschaftliche Klima schreckt benötigte Arbeitskräfte und Investoren ab.
- Rechtsextreme Organisationen versuchen offenbar, ihre Strukturen trotz Verboten aufrechtzuerhalten.
- Einzelne Jugendliche können sich bis zur mutmaßlichen terroristischen Gewalt radikalisieren.
Deshalb ist die Landtagswahl keine gewöhnliche Protestwahl. Die AfD strebt ausdrücklich eine Alleinregierung an. Wegen der Fünfprozenthürde könnte sie unter bestimmten Konstellationen auch mit deutlich weniger als der Hälfte aller abgegebenen Stimmen eine absolute Mehrheit der Landtagssitze erreichen, wenn viele Stimmen auf Parteien entfallen, die den Einzug verpassen. Wer eine AfD-Alleinregierung verhindern will, sollte diesen mathematischen Effekt bei seiner Wahlentscheidung berücksichtigen.
Der Begriff „Machtergreifung“ ist wegen seines historischen Bezugs auf 1933 außerordentlich aufgeladen. Präziser ist: Die AfD greift in Sachsen-Anhalt nach der Alleinregierung – getragen von einer freundlichen Fassade, verbunden mit einem rechtsextremen Vorfeld und gestützt auf eine Politik, die dem Land wirtschaftlich und gesellschaftlich schweren Schaden zufügen könnte.
Wer am 6. September nicht wählt, überlässt diese Entscheidung anderen. Es geht nicht nur darum, welche Partei künftig regiert. Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt offen genug bleibt, um wirtschaftlich bestehen zu können, ob Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleichberechtigt dazugehören – und ob rechtsextreme Ideologie weiter normalisiert oder demokratisch begrenzt wird.
🔍 Hintergrund:► AfD ► Rechte Gruppierungen ► Rechtes Gedankengut
Heizen, Kleidung, Essen Finanzsorgen von Eltern in Deutschland nehmen zu
Für viele Eltern sind laut einer Umfrage Möbel, Ausflüge oder Restaurantbesuche kaum finanzierbar. Mehr als ein Viertel sorgt sich zudem, in den kommenden zwölf Monaten Grundbedürfnisse ihrer Familie nicht mehr decken zu können.
Brief vor Kabinettssitzung: Wirtschaftsministerium wirft Lars Klingbeil »heimliche Steuererhöhung« vor
Über die geplante Einkommensteuerreform von Lars Klingbeil grollt das Wirtschaftsministerium. Katherina Reiches Staatssekretär hat den Unmut nun in Worte gefasst.
Umfragen zu neuen Plänen: Menschen in Deutschland zeigen sich offen für eine Zuckersteuer
Bei Verbrauchern stoßen die Pläne für eine Zuckersteuer auf Getränke durchaus auf offene Ohren. In einer Umfrage befürwortet sogar eine Mehrheit den Schritt, in einer anderen hält sich die Meinung darüber die Waage.
🔍 Wenn Eltern um Essen und Heizung fürchten, wird auch die Zuckersteuer zur Verteilungsfrage
Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Save the Children befürchten 27 Prozent der befragten Eltern minderjähriger Kinder, in den kommenden zwölf Monaten Grundbedürfnisse ihrer Familie wie Wohnen, Heizen, Kleidung oder Nahrung nicht mehr ausreichend decken zu können. Im September 2025 waren es 25 Prozent, im Januar 2025 noch 15 Prozent. Befragt wurden zwischen dem 13. und 30. Juli 2026 insgesamt 1.001 Eltern. Die Umfrage misst Sorgen und Erwartungen, nicht bereits eingetretene materielle Not – der deutliche Anstieg bleibt dennoch ein soziales Warnsignal.
Vor diesem Hintergrund erhält der Streit über Klingbeils Einkommensteuerreform besondere Schärfe. Das Wirtschaftsministerium kritisiert zu Recht, dass die kalte Progression nicht vollständig ausgeglichen werden soll. Inflationsbedingte Lohnerhöhungen können dadurch teilweise von einer steigenden Steuerbelastung aufgezehrt werden. Als „heimliche Steuererhöhung“ bezeichnet das Ministerium jedoch diesen unvollständigen Ausgleich – nicht die gesamte Reform.
Denn insgesamt soll die Reform kleine und mittlere Einkommen sowie Familien um jährlich rund zehn Milliarden Euro entlasten. Nach Berechnungen des Finanzministeriums soll eine vierköpfige Familie mit einem Haushaltseinkommen von etwa 60.000 Euro ab 2028 jährlich mehr als 600 Euro weniger Steuern zahlen. Zur Gegenfinanzierung sollen sehr hohe Einkommen stärker herangezogen werden: Der Grenzsteuersatz von 45 Prozent soll ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen greifen, ab 280.000 Euro ist ein Grenzsteuersatz von 47 Prozent vorgesehen. Diese Sätze gelten jeweils nur für den oberhalb der Schwelle liegenden Einkommensteil.
Auch die geplante Zuckersteuer muss an diesem sozialen Maßstab gemessen werden. Die Bevölkerung steht ihr keineswegs grundsätzlich ablehnend gegenüber: In einer Forsa-Erhebung befürworten 55 Prozent eine Sonderabgabe auf zuckerhaltige Getränke; bei YouGov halten sich Zustimmung und Ablehnung mit 43 beziehungsweise 44 Prozent nahezu die Waage. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen keine einhellige Mehrheit, aber eine beträchtliche gesellschaftliche Offenheit.
Entscheidend ist jedoch, dass die Zuckersteuer nicht zur pauschalen Belastung an der Ladenkasse wird. Sie sollte nach dem Zuckergehalt gestaffelt sein und vor allem die Hersteller zur Veränderung ihrer Rezepturen bewegen. Das britische Beispiel zeigt, dass Unternehmen den Zuckeranteil deutlich senken, wenn sie dadurch unter festgelegte Abgabeschwellen gelangen. Der gesundheitspolitische Erfolg besteht dann gerade darin, dass möglichst wenig Steuer anfällt, weil weniger Zucker in den Getränken steckt.
Werden dennoch Einnahmen erzielt, sollten sie möglichst für Prävention, gesunde Ernährung von Kindern sowie die Entlastung des Gesundheitssystems eingesetzt werden. Andernfalls droht eine widersprüchliche Politik: Familien werden bei der Einkommensteuer entlastet, aber beim täglichen Einkauf überproportional belastet.
Die politische Frage bleibt daher: Wessen Belastung erhält Priorität? Wenn immer mehr Eltern um elementare Ausgaben fürchten, während selbst eine begrenzte Mehrbelastung höchster Einkommen heftigen Widerstand auslöst, wird sichtbar, wie ungleich finanzielle Sorgen politisch gewichtet werden. Eine sozial gerechte Politik muss beides verbinden: Familien spürbar entlasten und gesundheitsschädliche Produkte so regulieren, dass zuerst die Hersteller reagieren müssen – nicht die ohnehin belasteten Eltern.
🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – Neoliberalismus ► Reschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiften ► Reformen für wen? Über Feindbilder, Macht und die eigentliche Konfliktlinie(Essay) ► Eigentum verpflichtet
► Tax Wars (Doku)
Neue Details durchgesickert: CIA-Chef war mit brisantem Vorschlag für Putin in Moskau
Nach dem Besuch von CIA-Chef John Ratcliffe in Moskau werden neue Details seiner Mission bekannt.
Weißes Haus verteidigt Einladung: G20-Treffen: Klingbeil irritiert über Teilnahme Russlands
Russlands Rückkehr an den G20-Finanztisch sorgt für Unmut bei Klingbeil. Das Signal sei „irritierend“. Russlands Finanzminister nahm erstmals seit Jahren wieder persönlich teil.
G20-Finanzministertreffen: Die US-Regierung düpiert Südafrika, lässt Journalisten nicht rein – aber Russland ist eingeladen
Beim Gipfel der Finanzminister der G20 in Asheville in den USA gerät Lars Klingbeil in eine heikle diplomatische Lage. Eindrücke von SPIEGEL-Reporter Gerald Traufetter.
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: Luftangriffe auf Kyjiw zu Beginn des neuen Schuljahrs – mehrere Tote
Vor Start des neuen Schuljahrs in der Ukraine greift Russland erneut Kyjiw aus der Luft an. Mindestens elf Menschen sterben. In Estland und Lettland gab es Warnungen vor eingedrungenen Flugobjekten, Kampfjets mussten aufsteigen.
🔍 Gespräche und Normalisierung, während Putin weiter bombardiert
Während Russland seine Angriffe auf die Ukraine verschärft, öffnet Washington Moskau gleichzeitig neue diplomatische und politische Türen. CIA-Direktor John Ratcliffe reiste nach Moskau und sprach dort mit führenden Vertretern russischer Geheimdienste. Putin selbst traf er nach Angaben des Kremls nicht, wurde anschließend aber über die Gespräche informiert. Nach einem Bericht von Axios, der sich auf zwei mit der Mission vertraute Quellen stützt, brachte Ratcliffe ein Dreiertreffen zwischen Donald Trump, Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj ins Gespräch. Offiziell bestätigt ist dieser konkrete Vorschlag bislang nicht.
Geheimdienstkontakte in einer angespannten Lage sind grundsätzlich sinnvoll. Sie können Fehleinschätzungen verhindern, Warnungen übermitteln und Wege zu Verhandlungen ausloten. Problematisch werden sie dort, wo Gesprächsbereitschaft mit politischer Aufwertung verwechselt wird. Genau diesen Eindruck verstärkte das G20-Finanzministertreffen in den USA: Russlands Finanzminister Anton Siluanow nahm erstmals seit Beginn des Großangriffs wieder persönlich teil. Klingbeil verweigerte gemeinsam mit anderen europäischen Vertretern das Gruppenfoto und warnte zu Recht vor einer Normalisierung Russlands.
Das Weiße Haus verteidigte die Einladung mit seinen Bemühungen um ein Ende des Krieges. US-Finanzminister Scott Bessent soll Siluanow zugleich deutlich gemacht haben, dass Russland vor einem Kriegsende keine wirtschaftlichen Erleichterungen erwarten könne. Das ist ein wichtiges Gegensignal. Dennoch bleibt die Symbolik: Moskau kehrt auf die internationale Bühne zurück, ohne zuvor auch nur einen Waffenstillstand akzeptiert zu haben.
Zur selben Zeit zeigt Putin, was er unter Verhandlungsbereitschaft versteht. Zu Beginn des neuen ukrainischen Schuljahres griff Russland Kyjiw und sein Umland erneut mit Drohnen und ballistischen Raketen an. Mindestens elf Menschen wurden getötet; spätere Berichte nannten zwölf Opfer. Unter den Toten waren mehrere Eisenbahnmitarbeiter. Auch im Luftraum über Estland und Lettland wurden Flugobjekte gemeldet und Kampfjets alarmiert. Deren Herkunft und Absicht müssen im Einzelnen geklärt werden – die Vorfälle zeigen aber, wie leicht der Krieg auf Nato-Gebiet übergreifen oder gefährliche Fehleinschätzungen auslösen kann.
Verhandlungen sind notwendig. Aber Verhandlungen ohne gleichzeitig wachsenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck können Putin signalisieren, dass Eskalation belohnt wird: Er lässt weiter bombardieren, während seine Regierung diplomatische Anerkennung zurückgewinnt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob mit Russland gesprochen werden darf. Sie lautet, unter welchen Bedingungen gesprochen wird. Diplomatie ist unverzichtbar – doch Normalisierung ohne Gegenleistung macht aus einem möglichen Weg zum Frieden einen Erfolg für die russische Strategie der Gewalt.
🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg
Erneuerbare Energien: China kann erstmals mehr Strom durch Solarenergie als mit Kohlekraftwerken erzeugen
Die Kommunistische Partei forciert den Ausbau der Sonnenenergie seit Jahren. Auch wenn der Aufbau von Photovoltaikanlagen zurückgeht, meldet Peking nun einen neuen Meilenstein bei der installierten Leistung.
🔍 Chinas Solarwende: Historischer Meilenstein mit fossilem Schatten
China hat einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht: Ende Juli betrug die installierte Leistung seiner Photovoltaikanlagen 1.286 Gigawatt und lag damit erstmals knapp über den 1.285 Gigawatt der Kohlekraftwerke. Solarenergie ist nun Chinas größte Stromquelle – allerdings nur gemessen an der installierten Nennleistung.
Das bedeutet noch nicht, dass China tatsächlich mehr Solarstrom als Kohlestrom erzeugt. Solaranlagen produzieren nur bei ausreichender Sonneneinstrahlung, während Kohlekraftwerke über wesentlich mehr Stunden Strom liefern können. In der ersten Hälfte 2026 stammten noch 49,7 Prozent des chinesischen Stroms aus Kohle; Wind- und Solarenergie kamen zusammen auf 24,6 Prozent. Der Unterschied zwischen installierter Leistung und tatsächlicher Erzeugung ist daher entscheidend.
Trotzdem markiert die Entwicklung einen strukturellen Wendepunkt. Innerhalb weniger Jahre hat China eine Photovoltaikleistung aufgebaut, die größer ist als die gesamte Kraftwerksleistung vieler Weltregionen. Solarenergie stellt inzwischen mehr als 30 Prozent der chinesischen Erzeugungskapazität. Selbst der zuletzt verlangsamte Ausbau ändert nichts an der Größenordnung dieser Transformation.
China zeigt damit zugleich die Widersprüchlichkeit der globalen Energiewende: Das Land ist der größte CO₂-Emittent und verbrennt weiterhin gewaltige Mengen Kohle. Gleichzeitig baut es Solarenergie, Windkraft, Stromnetze, Batteriespeicher und Elektromobilität schneller aus als jedes andere Land und beherrscht wesentliche Teile der dazugehörigen industriellen Lieferketten.
Der chinesische Solarausbau ist deshalb weder grünes Feigenblatt noch bereits vollendete Energiewende. Er ist ein realer Macht- und Technologiesprung. Während in Deutschland noch darüber gestritten wird, ob erneuerbare Energien wirtschaftlich zumutbar sind, hat China erkannt, dass die Kontrolle über die Energieversorgung der Zukunft zugleich industrielle, geopolitische und technologische Macht bedeutet. Die entscheidende Frage ist nun, wann die wachsende Solar- und Windstromproduktion Kohle nicht mehr nur ergänzt, sondern dauerhaft verdrängt.
🔍 Hintergrund: ► Klimawandel ► Energiewende ► Klimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978
Linker Politiker Yair Golan im Visier: Sara Netanyahu setzt im Wahlkampf auf Verschwörungstheorie zum 7. Oktober
Der hochdekorierte israelische Oppositionspolitiker Yair Golan ist am 7. Oktober auf eigene Faust losgezogen und hat gegen Hamas-Terroristen gekämpft. Kurz vor der Parlamentswahl ätzt die Frau des Premiers nun gegen den Veteranen.
🔍 Vom Helden zum Verräter: Sara Netanyahus gefährlicher Wahlkampf
Yair Golan ist ehemaliger stellvertretender Generalstabschef und einer der am höchsten dekorierten israelischen Soldaten. Am 7. Oktober 2023 fuhr der damals bereits pensionierte General auf eigene Initiative in das angegriffene Grenzgebiet, kämpfte gegen Hamas-Terroristen und half, Überlebende zu retten. Nun deutet Sara Netanyahu ohne Belege an, Golan könne vorab von dem Angriff gewusst haben.
Die Unterstellung ist so absurd wie politisch durchsichtig. Weil Golan heute die linksliberale Partei „Die Demokraten“ führt und Netanyahus Politik scharf kritisiert, wird ausgerechnet sein außergewöhnlicher Einsatz am Tag des Massakers gegen ihn gewendet: Woher habe er so früh gewusst, wohin er fahren müsse? Aus dieser suggestiven Frage entsteht eine Verschwörungserzählung, ohne dass eine überprüfbare Behauptung ausgesprochen und belegt werden müsste. Golan kündigte rechtliche Schritte an.
Dahinter steht ein bekanntes autoritäres Muster: Politische Gegner werden nicht mehr als legitime Konkurrenten behandelt, sondern als Verräter im Inneren. Zugleich wird die Verantwortung für das Staatsversagen vom 7. Oktober verschoben. Statt die politischen und sicherheitspolitischen Versäumnisse der eigenen Regierung vollständig aufzuarbeiten, wird der Verdacht gegen Oppositionelle und Sicherheitsorgane gelenkt.
Sara Netanyahu bekleidet zwar kein Regierungsamt. Als Ehefrau des Ministerpräsidenten und prominente Stimme seines politischen Lagers setzt sie aber eine Erzählung in die Welt, die Netanyahus Wahlkampf nutzt: Nicht seine Regierung müsse sich erklären – vielmehr seien angebliche Verräter, linke Gegner oder Teile des Sicherheitsapparats verdächtig.
Wer einen Mann, der am 7. Oktober sein Leben zur Rettung anderer riskierte, ohne Beweise zum Mitwisser des Massakers erklärt, betreibt keinen normalen Wahlkampf. Er zerstört gezielt die gemeinsame Wirklichkeit, auf die eine Demokratie angewiesen ist. Die Methode erinnert an Trump: Niederlagen und eigenes Versagen werden niemals eingestanden, sondern durch Verschwörungserzählungen über innere Feinde ersetzt.
🔍 Hintergrund: ► Nahostkonflikt ► Macht und Manipulation ► Fake News ► Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)
Antibiotika-Regeln EU setzt Fleischimporte aus Brasilien aus
Die EU verbietet den Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsförderung in der Vieh- und Geflügelzucht. Auch für Importe gelten klare Regeln. Das wird bei Tierprodukten aus Brasilien jetzt zum Problem.
🔍 Antibiotikaresistenzen: Freihandel darf Gesundheitsstandards nicht aushebeln
Die EU setzt ab dem 3. September nicht nur Fleisch-, sondern auch bestimmte weitere Tierprodukte aus Brasilien aus. Betroffen sind unter anderem Rindfleisch, Geflügel, Eier und lebende Tiere. Der Grund ist allerdings kein Nachweis, dass sämtliche brasilianischen Produkte mit Antibiotika belastet wären. Brasilien konnte nach Auffassung der EU vielmehr nicht ausreichend garantieren und dokumentieren, dass während der gesamten Produktionskette keine verbotenen antimikrobiellen Mittel eingesetzt werden.
In der EU dürfen Antibiotika nicht als Wachstumsförderer verwendet werden. Bestimmte Wirkstoffe sollen zudem der Behandlung schwerer Erkrankungen beim Menschen vorbehalten bleiben. Der Hintergrund ist eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit: Je häufiger Antibiotika routinemäßig in der Tierhaltung eingesetzt werden, desto schneller können resistente Bakterien entstehen und sich verbreiten. Dann verlieren lebenswichtige Medikamente auch in der Humanmedizin ihre Wirkung.
Die Entscheidung ist deshalb konsequent. Wer europäischen Landwirten strenge Vorgaben macht, darf diese nicht durch Importe aus Produktionssystemen mit geringeren oder nicht ausreichend nachgewiesenen Standards unterlaufen. Andernfalls würden verantwortungsvoll arbeitende Betriebe benachteiligt und gesundheitliche Risiken ausgelagert.
Gerade nach dem Inkrafttreten des EU-Mercosur-Abkommens ist der Vorgang ein wichtiger Test. Freihandel darf nicht bedeuten, dass europäische Gesundheits-, Umwelt- und Tierschutzstandards dem Preisdruck geopfert werden. Brasilien kann die Ausfuhr wieder aufnehmen, sobald es gleichwertige Kontrollen und verlässliche Nachweise vorlegt.
Antibiotika sind keine Produktionsbeschleuniger, sondern lebensrettende Arzneimittel. Ihr Schutz muss Vorrang vor möglichst billigem Fleisch haben.
🔍 Hintergrund: ► Freihandel auf Kosten der Landwirtschaft?
Unfaire Preise bei Auktionen?: Klage gegen Amazon wegen künstlich verteuerter Werbeplätze
Amazon verdient Milliarden mit dem Verkauf von Werbeplätzen. Bei Auktionen habe der Onlinehändler jedoch heimlich die Preise erhöht und einen »versteckten Aufschlag« verlangt, sagt die US-Wettbewerbsbehörde FTC.
🔍 Amazon: Wenn der Auktionator den Preis selbst erhöht
Der Vorwurf der US-Wettbewerbsbehörde FTC wiegt schwer: Amazon soll Werbekunden jahrelang erklärt haben, Anzeigenplätze würden nach dem Prinzip einer verallgemeinerten Zweitpreisauktion vergeben. Dabei entscheidet eine Kombination aus Gebot und Relevanz über den Gewinner; dieser soll grundsätzlich nur den zur Überbietung des nächstplatzierten Konkurrenten erforderlichen Betrag zahlen.
Stark vereinfacht: Bietet ein Händler einen Euro pro Klick und sein nächster Konkurrent 60 Cent, erwartet der Gewinner einen Preis von ungefähr 61 Cent – sofern beide Anzeigen ansonsten gleich bewertet werden. Nach Darstellung der FTC setzte Amazon jedoch zusätzlich einen intern berechneten „soft reserve price“ ein. Dieser konnte den tatsächlich verlangten Preis beispielsweise auf 80 Cent erhöhen, obwohl dieser Betrag nicht aus dem Gebot eines realen Konkurrenten hervorgegangen war.
Die FTC und 22 US-Bundesstaaten behaupten, Amazon habe diese Preisberechnung ab 2019 ohne ausreichende Information der Werbekunden eingesetzt. Nach der Klageschrift seien rund 1,2 Millionen amerikanische Werbekunden betroffen, darunter mehr als 500.000 kleine und mittlere Unternehmen. Die Behörde schätzt die dadurch zusätzlich erzielten Einnahmen auf mehr als 20 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich um Angaben und Vorwürfe aus der Klageschrift, nicht um gerichtlich festgestellte Tatsachen.
Amazon weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärt unter anderem, die FTC missverstehe das tatsächliche Bieterverhalten; Werbekunden passten ihre Gebote an den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Anzeigen an. Zudem seien die durchschnittlichen Gewinnergebote für bestimmte Anzeigen zwischen 2019 und 2025 deutlich gesunken. Einen Anstieg der Verbraucherpreise habe die FTC nicht belegt.
Der Fall zeigt dennoch ein strukturelles Problem digitaler Plattformmacht: Amazon betreibt den Marktplatz, gestaltet die Produktsuche, verkauft die Sichtbarkeit und legt die Regeln der Werbeauktionen fest. Für viele Händler ist bezahlte Sichtbarkeit wirtschaftlich wichtig. Wenn der Plattformbetreiber gleichzeitig die Preisregeln bestimmt und unmittelbar von höheren Preisen profitiert, entsteht ein erheblicher Interessenkonflikt.
Ob Amazon seine Kunden tatsächlich getäuscht und rechtswidrig überhöhte Preise verlangt hat, muss das Gericht klären. Die Klage zeigt aber, warum die Preisbildung marktbeherrschender Plattformen transparent und überprüfbar sein muss.
🔍 Hintergrund: ► Hinter den Kulissen von Amazon (Doku) ► Kapitalismus – Neoliberalismus