Die Koch Brothers und die organisierte Klimablockade

Wie aus wirtschaftlichen Interessen und radikaler Marktideologie ein politisches Netzwerk gegen den Klimaschutz entstand

Ein Essay von Volker Zorn | INGLOP | 05.09.26

Charles und David Koch haben die Leugnung des Klimawandels nicht erfunden. Sie waren auch nicht die einzigen Unternehmer, die Organisationen unterstützten, welche Zweifel an der Klimaforschung verbreiteten oder politische Maßnahmen gegen die Erderwärmung bekämpften. Exxon, andere Unternehmen der fossilen Industrie, konservative Stiftungen und zahlreiche Lobbyorganisationen spielten ebenfalls eine bedeutende Rolle.
Und doch nehmen die Koch Brothers in dieser Geschichte eine besondere Stellung ein. Denn ihre Bedeutung lag weniger darin, selbst öffentlich zu erklären, der Klimawandel existiere nicht. Wesentlich folgenreicher war etwas anderes: Über Jahrzehnte entstand mit ihrer finanziellen und organisatorischen Unterstützung eine politische Infrastruktur aus Thinktanks, Lobbyorganisationen, Wissenschaftlern, Aktivistennetzwerken und Kampagnen, die wissenschaftliche Zweifel verstärkte und vor allem staatliche Klimaschutzmaßnahmen bekämpfte.

Aus der Leugnung des Problems wurde schließlich die Blockade seiner Lösung.

Mehr als ein wirtschaftliches Interesse

Koch Industries – heute Koch Inc. – ist ein breit diversifizierter Industriekonzern. Seine historischen Wurzeln liegen jedoch unmittelbar im Ölgeschäft. Charles Koch selbst übernahm 1967 ein Unternehmen, dessen Geschäft wesentlich auf Rohöl, Raffinerien und Pipelines beruhte. Noch heute gehören mit Flint Hills Resources Raffinerien und Pipeline-Infrastruktur zum Konzern.
Doch allein mit wirtschaftlichen Interessen lässt sich die Rolle der Kochs nicht erklären. Mindestens ebenso wichtig war die politische Weltanschauung Charles Kochs: radikaler Marktliberalismus, möglichst wenig staatliche Regulierung und ein grundsätzlicher Widerstand gegen eine Ausweitung staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft.
Hier traf Klimapolitik gleich zwei empfindliche Punkte. Sie bedrohte einerseits wirtschaftliche Interessen fossiler Industrien. Andererseits verlangte sie genau jene Instrumente, gegen die Koch seit Jahrzehnten politisch kämpfte: Emissionsgrenzen, Umweltauflagen, CO₂-Preise, Steuern und staatliche Regulierung.
Deshalb ist die Geschichte der Koch Brothers auch eine Geschichte der Verbindung zwischen fossilem Kapital und libertärer Ideologie.
Eine zentrale Institution dieser Bewegung entstand bereits lange bevor der Klimawandel zum großen politischen Thema wurde. 1977 gründeten Edward Crane und Charles Koch das Cato Institute, einen Thinktank, der sich der Idee individueller Freiheit, freier Märkte und eines möglichst begrenzten Staates verschrieb. Cato bestätigt Charles Kochs Rolle bei der Gründung selbst.

Damit war eine institutionelle Infrastruktur vorhanden, auf die später auch im Kampf gegen Klimapolitik zurückgegriffen werden konnte.

Wie wissenschaftlicher Zweifel politisch hergestellt wurde

Anfang der 1990er-Jahre war die naturwissenschaftliche Diskussion über den menschengemachten Treibhauseffekt längst weit fortgeschritten. Die entscheidende politische Frage lautete zunehmend nicht mehr, ob CO₂ die Erde erwärmt, sondern wie Regierungen darauf reagieren würden.
Genau in dieser Phase gewannen Organisationen an Bedeutung, die den Eindruck einer weiterhin grundsätzlich offenen wissenschaftlichen Kontroverse erzeugten.
1991 veranstaltete das Cato Institute in Washington die Konferenz „Global Environmental Crises: Science or Politics?“. Unter den Teilnehmern befanden sich Richard Lindzen, Patrick Michaels und Fred Singer – Wissenschaftler, die in den folgenden Jahrzehnten zu den bekanntesten Stimmen der amerikanischen Klimaskeptikerbewegung gehörten.
Eine 2024 veröffentlichte historische Untersuchung der Forscher Connor Gibson und Robert Brulle rekonstruiert anhand umfangreichen Archivmaterials, wie Koch-nahe Organisationen in den folgenden Jahrzehnten wissenschaftliche Zweifel, Öffentlichkeitsarbeit und politische Lobbyarbeit miteinander verbanden. Die Autoren sprechen deshalb nicht mehr lediglich von „climate denial“, sondern von „climate obstruction“ – Klimablockade.
Das Prinzip war wirkungsvoll: Man musste nicht beweisen, dass die etablierte Klimaforschung falsch war. Politisch konnte es bereits genügen, Zweifel daran zu erzeugen, wie sicher die Erkenntnisse seien.

Denn wer glaubt, die Wissenschaft sei sich noch uneinig, akzeptiert leichter den Satz:

Dann sollten wir mit drastischen politischen Maßnahmen lieber noch warten.

Ein bemerkenswert direktes Dokument

Besonders aufschlussreich ist ein internes Vorstandsprotokoll des Competitive Enterprise Institute (CEI) vom März 1997.
Darin wird festgehalten, dass Amoco, Exxon und Koch dem CEI neues Geld ausdrücklich „just for the global warming project“ zur Verfügung stellten. Im selben Protokoll wird eine geplante Klimakonferenz beschrieben, die bewusst stärker die politischen als die naturwissenschaftlichen Aspekte behandeln sollte. Bei vollständiger Finanzierung waren darüber hinaus öffentliche Werbemaßnahmen vorgesehen. Die historische Untersuchung von Connor Gibson und Robert Brulle dokumentiert diese Passagen anhand der erhaltenen Vorstandsunterlagen.
Der Vorgang ist deshalb besonders aussagekräftig, weil hier nicht lediglich eine allgemeine Zuwendung an einen konservativen Thinktank dokumentiert ist. Die Finanzierung wurde ausdrücklich mit einem „global warming project“ verbunden.
Das CEI gehörte zugleich zu den Organisationen, die öffentlich die Sicherheit klimawissenschaftlicher Erkenntnisse infrage stellten und insbesondere politische Maßnahmen zur Begrenzung von Treibhausgasemissionen bekämpften. CEIs eigene Veröffentlichungen aus dem Jahr 1997 belegen diese Positionierung unmittelbar.


Hier wird ein Wirkungszusammenhang sichtbar, der sich innerhalb der amerikanischen Klimaschutz-Gegenbewegung vielfach wiederfindet:

Finanzierung → Thinktank → konträre Expertise und Argumente → öffentliche Verbreitung → politische Einflussnahme.

Dafür war keine zentrale Steuerung aller beteiligten Akteure erforderlich. Die politische Wirkung konnte gerade dadurch verstärkt werden, dass unterschiedliche, organisatorisch eigenständige Institutionen ähnliche Zweifel und Argumentationsmuster in Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik trugen.

Der Fall Willie Soon

Besonders anschaulich wird dieses Prinzip am Beispiel des promovierten Raumfahrtingenieurs und Solarphysikers Willie Soon.
Soon wurde über Jahre zu einer der prominentesten wissenschaftlichen Stimmen der amerikanischen Klimaskeptikerbewegung. Er vertrat insbesondere die Auffassung, Schwankungen der Sonnenaktivität könnten einen wesentlich größeren Anteil der jüngeren Erderwärmung erklären, als es der wissenschaftliche Mainstream annahm. Nature bezeichnete ihn 2015 als eine zentrale Figur der kleinen Gemeinschaft von Klimaskeptikern.
Aus veröffentlichten Unterlagen lässt sich rekonstruieren, dass die Charles G. Koch Foundation zwischen 2005 und 2012 insgesamt rund 230.000 Dollar für Projekte Soons bereitstellte. Dazu gehörten Forschungsprojekte über solare Variabilität, Strahlung und Klimawandel. Soon erhielt daneben erhebliche finanzielle Unterstützung unter anderem von ExxonMobil, dem American Petroleum Institute und dem Energieversorger Southern Company.
Entscheidend ist jedoch nicht allein die Finanzierung eines einzelnen Forschers. Soons Arbeiten und Positionen wurden anschließend von klimapolitisch aktiven Thinktanks aufgegriffen, auf Konferenzen präsentiert, medial verbreitet und in politische Auseinandersetzungen eingebracht. Er trat beispielsweise wiederholt auf den Klimakonferenzen des Heartland Institute auf und präsentierte dort seine Thesen über den Einfluss der Sonne auf das Klima.

So wird ein Verstärkungsmechanismus sichtbar:

Finanzierung ermöglichte Forschung und Expertise – Thinktanks und Veranstaltungen verschafften bestimmten Ergebnissen und Positionen Öffentlichkeit – und diese konnten wiederum als Argumente in der politischen Auseinandersetzung über Klimaschutz dienen.

Wie groß war das Netzwerk?

Das finanzielle Ausmaß dieses Netzwerks lässt sich zumindest teilweise anhand öffentlich zugänglicher Steuerunterlagen rekonstruieren. Greenpeace hat die Zuwendungen verschiedener Koch-Familienstiftungen ausgewertet und errechnet, dass zwischen 1997 und 2018 insgesamt rund 145,6 Millionen Dollar an 90 Organisationen flossen, die nach seiner Definition zur amerikanischen Gegenbewegung gegen Klimawissenschaft und Klimapolitik gehörten.
Die häufig verkürzte Aussage, die Kochs hätten damit „145 Millionen Dollar für Klimaleugnung“ ausgegeben, greift allerdings zu kurz. Viele der Empfänger waren große Thinktanks und politische Organisationen mit einem weit über die Klimafrage hinausreichenden Tätigkeitsfeld. Nicht jede Zuwendung war zweckgebunden, und deshalb lässt sich nicht jeder einzelne Dollar unmittelbar einer Kampagne gegen die Klimaforschung zurechnen.
Das schmälert die Bedeutung der Zahlen jedoch keineswegs. Entscheidend ist vielmehr das Muster der Finanzierung: Über Jahrzehnte unterstützten Koch-Familienstiftungen ein weit verzweigtes Netzwerk von Institutionen, von denen zahlreiche nachweislich Zweifel an der Klimaforschung verbreiteten, die Risiken der Erderwärmung relativierten oder konkrete Klimaschutzmaßnahmen bekämpften.
Die 145,6 Millionen Dollar sind daher kein exakter Preiszettel für „Klimaleugnung“. Sie dokumentieren vielmehr die Größenordnung, in der Koch-Gelder in eine politische und intellektuelle Infrastruktur flossen, die zu einem zentralen Bestandteil der amerikanischen Klimablockade wurde.

Die wissenschaftliche Netzwerkforschung

Dass es sich dabei nicht lediglich um einzelne zufällige Spendenbeziehungen handelte, zeigen inzwischen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen.
Der Soziologe Robert Brulle untersuchte für eine vielbeachtete Studie die Finanzierung von 91 Organisationen der amerikanischen „Climate Change Counter-Movement“. Er fand ein dichtes Netzwerk konservativer Stiftungen, Thinktanks und politischer Organisationen.
Dabei waren Koch-nahe Stiftungen keineswegs die einzigen Geldgeber. Auch andere konservative Familienstiftungen und Unternehmen spielten wichtige Rollen.
Interessant ist jedoch eine weitere Entwicklung: Im Laufe der Zeit wurde ein wachsender Teil der Finanzierung schwerer zurückzuverfolgen. Organisationen wie DonorsTrust und Donors Capital Fund gewannen an Bedeutung. Zwischen 2003 und 2010 leiteten sie mehr als 78 Millionen Dollar an Organisationen der untersuchten Klimagegenbewegung weiter.
Auch Koch-nahe Einrichtungen zahlten Geld an DonorsTrust.
Aber hier muss die Grenze des Wissens ausdrücklich genannt werden: Es lässt sich nicht nachweisen, welcher Anteil der von DonorsTrust anschließend verteilten Gelder ursprünglich von den Kochs stammte.
Die Behauptung, sämtliche anonymisierten Mittel dieses Netzwerks seien „Koch-Geld“, wäre deshalb unseriös.
Belegt ist etwas anderes: Parallel zur wachsenden Bedeutung anonymisierter beziehungsweise schwer nachvollziehbarer Finanzierungswege blieb ein weit verzweigtes politisches Netzwerk bestehen, dessen Organisationen Klimapolitik bekämpften.

Was bewirkte diese Finanzierung?

Eine besonders aufschlussreiche Untersuchung veröffentlichte Justin Farrell von der Yale University 2016 in den Proceedings of the National Academy of Sciences.
Farrell analysierte 164 Organisationen, 40.785 Texte und mehr als 39 Millionen Wörter, die zwischen 1993 und 2013 innerhalb der amerikanischen Klimawandel-Gegenbewegung produziert worden waren.
Sein Ergebnis: Organisationen mit entsprechender Unternehmensfinanzierung verbreiteten mit größerer Wahrscheinlichkeit polarisierende Botschaften über den Klimawandel. Noch wichtiger: Die Finanzierung stand auch mit dem thematischen Inhalt dieser Kommunikation in Zusammenhang.
Dabei ist allerdings eine wichtige Einschränkung nötig. Farrell untersuchte Unternehmensfinanzierungen unter anderem durch ExxonMobil und Koch-Familienstiftungen gemeinsam. Seine Studie beweist deshalb nicht, dass ein bestimmter Kommunikationseffekt isoliert auf Koch-Geld zurückzuführen wäre.
Sie zeigt aber etwas für die Gesamtfrage Entscheidendes:
Private Finanzierung war nicht nur Begleiterscheinung der Klimapolarisierung. Sie war strukturell mit der Produktion und Verbreitung polarisierender Klimakommunikation verbunden.
Damit wird wissenschaftlich fassbar, was zuvor häufig nur vermutet worden war.

Der entscheidende Schritt: von der Wissenschaft zur Politik

Die wahrscheinlich größte politische Wirkung des Koch-Netzwerks entstand jedoch dort, wo die wissenschaftliche Debatte zunehmend in den Hintergrund trat.
Eine Schlüsselrolle spielte Americans for Prosperity, eine der bedeutendsten politischen Mobilisierungsorganisationen des Koch-Netzwerks.
2008 startete AFP den sogenannten „No Climate Tax Pledge“. Politiker sollten sich verpflichten, gegen Klimagesetze zu stimmen, wenn diese zu höheren Staatseinnahmen führten.
Das war strategisch bemerkenswert.
Denn damit musste die Organisation überhaupt nicht mehr beweisen, dass der Klimawandel nicht existierte.
Aus der Frage
„Ist der Klimawandel menschengemacht?“
wurde die Frage
„Soll der Staat deshalb Steuern erhöhen und die Wirtschaft regulieren?“
Die Auseinandersetzung war damit aus der Klimawissenschaft in das ideologische Kerngebiet der Koch-Bewegung verschoben worden: Steuern, Regulierung, Staatsmacht und wirtschaftliche Freiheit.
Das erwies sich als außerordentlich wirksam.
Denn selbst ein Politiker, der die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel akzeptierte, konnte anschließend sämtliche konkreten Gegenmaßnahmen ablehnen.

Von „Denial“ zu „Delay“

Genau deshalb reicht der Begriff „Klimaleugnung“ heute nicht mehr aus.
Die moderne Klimablockade funktioniert sehr viel subtiler.
Sie kann problemlos zugestehen:

Ja, die Erde erwärmt sich.

Ja, der Mensch trägt dazu bei.

Ja, CO₂ spielt eine Rolle.

Dann folgen jedoch andere Argumente:

Die Folgen seien möglicherweise weniger dramatisch als behauptet.

Die Klimamodelle seien zu unsicher.

Technologische Innovation werde das Problem später lösen.

China müsse zuerst handeln.

CO₂-Steuern schadeten den Armen.

Regulierung vernichte Arbeitsplätze.

Ein schneller Ausstieg aus fossilen Energien gefährde den Wohlstand.

Die Schlussfolgerung bleibt immer ähnlich:

Jetzt nicht handeln. Nicht so schnell handeln. Nicht mit diesen Instrumenten handeln.
Aus Denial wird Delay.
Aus der Leugnung des Problems wird die Verzögerung seiner Lösung.

Die wissenschaftliche Forschung spricht deshalb zunehmend von climate obstruction. Der Begriff umfasst nicht nur das Bestreiten wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch Strategien, die wirksame Klimapolitik verzögern, abschwächen oder verhindern.

Ein wichtiger Gegenbeleg: Berkeley Earth

Gerade weil die Rolle der Kochs umfangreich dokumentiert ist, sollte ein Gegenbeispiel nicht verschwiegen werden.
Die Charles G. Koch Charitable Foundation unterstützte das Berkeley Earth Surface Temperature Project des Physikers Richard Muller mit 150.000 Dollar.
Muller war gegenüber Teilen der etablierten Klimaforschung ausgesprochen kritisch. Sein Projekt sollte unter anderem untersuchen, ob schlechte Wetterstationen, städtische Wärmeinseln oder andere Messprobleme den beobachteten Temperaturanstieg möglicherweise übertrieben hatten.
Das Ergebnis fiel anders aus, als viele Klimaskeptiker gehofft hatten:
Berkeley Earth bestätigte die globale Erwärmung. Mullers Team kam schließlich sogar zu dem Ergebnis, dass die beobachtete Erwärmung sehr gut mit den menschlichen CO₂-Emissionen übereinstimmt.

Dieser Fall ist wichtig.

Er zeigt:

Koch-Finanzierung bedeutet nicht automatisch manipulierte Wissenschaft.
Es wäre deshalb falsch, jede von einer Koch-Stiftung finanzierte Untersuchung pauschal als gekauft oder wissenschaftlich wertlos abzutun.
Doch gerade dieser Gegenbeleg stärkt die Gesamtargumentation. Denn die dokumentierte Bedeutung des Koch-Netzwerks beruht nicht darauf, dass jede einzelne Zuwendung ein vorgegebenes Ergebnis produzierte.

Sie beruht auf etwas Größerem:

auf dem Aufbau einer politischen und institutionellen Infrastruktur, die über Jahrzehnte hinweg Widerstand gegen staatliche Klimapolitik organisierte.

Die historische Wirkung des Koch-Netzwerks

Charles und David Koch gehörten über Jahrzehnte zu den wichtigsten privaten Finanziers und organisatorischen Akteuren eines Netzwerks, das Zweifel an der Klimaforschung verbreitete und vor allem die politischen Konsequenzen dieser Forschung bekämpfte.
Ihre vielleicht größte Wirkung bestand deshalb nicht darin, Menschen davon zu überzeugen, dass es überhaupt keinen Klimawandel gebe. Sie halfen entscheidend dabei, die Vorstellung politisch zu verankern, dass selbst ein realer und menschengemachter Klimawandel keine weitreichenden staatlichen Eingriffe rechtfertige.
Damit verschob sich die Auseinandersetzung zunehmend von der Frage, ob der Klimawandel existiert, zu der Frage, welche Konsequenzen aus ihm gezogen werden dürfen.

Die Argumentation wandelte sich:

Wir wissen nicht, ob der Mensch das Klima verändert.

Dann:

Wir wissen nicht, wie schlimm es wird.

Und schließlich:

Selbst wenn es schlimm wird, dürfen die Gegenmaßnahmen nicht Wirtschaftswachstum, Eigentumsrechte oder freie Märkte gefährden.

Damit schließt sich der Kreis.

Die Geschichte der Koch Brothers und des Klimawandels ist deshalb nicht nur eine Geschichte fossiler wirtschaftlicher Interessen. Sie ist zugleich die Geschichte einer politischen Ideologie, die weitreichende staatliche Regulierung grundsätzlich skeptisch betrachtet – und die deshalb mit einer Klimapolitik in Konflikt geriet, die Emissionsgrenzen, CO₂-Preise, Umweltauflagen und andere staatliche Eingriffe verlangt.

Genau darin liegt die dauerhafte Wirkung organisierter Klimablockade: Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen nicht mehr grundsätzlich bestritten werden. Es genügt, die politischen Konsequenzen daraus zu relativieren, zu verzögern oder zu verhindern.

Aus der Leugnung des Problems wurde die Blockade seiner Lösung.