Aktuelles – August 2026

Wer Zusammenhänge sucht, kann hier vielleicht neue Anregungen und Perspektiven finden.
Wer (noch) nicht über den Moment hinausblicken möchte, findet anderswo genügend Angebote und Ablenkungen.

31.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ARD
Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist das Land unter Druck, die Bevölkerung verunsichert, die Stimmung vielerorts mies. Wo entsteht der Frust? Was muss sich ändern? Können die Landtagswahlen zu einem Wendepunkt für unsere Demokratie werden?

21:00 | ARD
Hart aber fair: Vor den Wahlen im Osten: Woher kommt der Frust im Land?
Direkt nach der Doku „Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk“: Wut, Frust und Enttäuschung – vielerorts ist das die Reaktion auf die Politik aus Berlin. 71 Prozent der Deutschen sagen, die Demokratie habe sich in den vergangenen zehn Jahren eher zum Schlechteren entwickelt. Werden die Landtagswahlen im Herbst

22:50 | ARD
Game of Drones – Was fliegt da am Himmel?
Am 2. Oktober 2025 bringt eine Drohne den Flugverkehr in München zum Erliegen. Fast 80 Flüge fallen aus. Rund 3000 Menschen müssen am Flughafen übernachten. München ist kein Einzelfall – allein 2025 wurden an deutschen Flughäfen über 220 drohnenbedingte Störfälle registriert. Drohnen überfliegen auch immer wieder kritische Infrastruktur wie Kraftwerke, Häfen oder Raffinerien – was zu Evakuierungen oder Betriebsstopps führen kann.

01:10 | ZDFinfo
die doku: Trump und seine Milliardäre
Mit Hilfe der Tech-Giganten aus dem Silicon Valley hat Donald Trump das Weiße Haus zurückerobert. Wer sind diese Milliardäre? Was wollen sie erreichen und was treibt sie an? Aktualisiert am 04.03.2025.

02:40 | ZDFinfo
Trump und das Silicon Valley – Staatsstreich der Tech-Milliardäre
„Flood the Zone with Shit“, geprägt von Steve Bannon, wirkt: Medien kommen kaum nach. Die Doku über Trump und die Tech-Eliten zeigt, wie gefährlich dieser Trend für die USA wird.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon ValleyDie Elon-Musk-Story

Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Analyse des Deutschen Wetterdienstes: Gluthitze, leere Flüsse, brennende Wälder – das ist die Sommerbilanz 2026
Mehr als 40 Grad am Tag, gefolgt von Tropennächten: Der diesjährige Sommer erreichte laut Wetterdienst »Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden«. Das gilt auch für die Zahl der Hitzetoten.
Nach heftigen Regenfällen: Mehrere Vermisste nach Sturzflut im Grand Canyon
Nach einer Sturzflut im berühmten Grand Canyon im Westen der USA werden noch mehrere Menschen vermisst. Die Wassermassen rissen Geröll mit und beschädigten wichtige Infrastruktur.

El Niño bedroht Wälder der Meere: Korallenriffe haben kaum noch Zeit zur Erholung
Es ist die bisher größte globale Bestandsaufnahme: Forschende haben weltweit an Zehntausenden Standorten Korallenriffe untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen: Die Riffe sind massiv gefährdet. Aber noch nicht verloren.

🔍 Ein Klima der Extreme: Gluthitze in Deutschland, Sturzflut im Grand Canyon
Während Deutschland einen Sommer mit bislang unbekannten Hitzedimensionen, ausgetrockneten Flüssen, Waldbränden und einer Rekordzahl an Hitzetoten erlebt, richtet eine Sturzflut im Grand Canyon schwere Schäden an und reißt Menschen mit sich. Beide Ereignisse zeigen unterschiedliche Seiten derselben Entwicklung: Die Erderwärmung verschärft den Wasserkreislauf – mit längeren Hitze- und Dürreperioden einerseits und heftigeren Niederschlägen andererseits. Aus dem abstrakten Begriff „Klimawandel“ wird eine konkrete Bedrohung für Menschen, Natur und Infrastruktur.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

Migrationskrise in Ceuta: Spanien erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel und Russland
Rund 72.000 Menschen sind im Juli binnen zwei Tagen nach Ceuta gekommen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wirft Russland und Israel vor, die Situation mit Desinformationen angeheizt zu haben.

🔍 Migration als Waffe im Informationskrieg
Die Katastrophe von Ceuta zeigt, wie aus einer Falschmeldung eine reale humanitäre Krise werden kann. Tausende Menschen wurden mit dem Versprechen einer vermeintlich sicheren Einreise in Bewegung gesetzt – und zu Werkzeugen eines politischen Machtkampfs gemacht. Wenn russische, israelische oder rechtsextreme Netzwerke diese Täuschung tatsächlich gezielt verstärkt haben, geht es nicht mehr um Propaganda im üblichen Sinne: Dann wurden Menschenleben bewusst gefährdet, um Spanien unter Druck zu setzen und Europa zu spalten.
Die staatliche Verantwortung muss noch zweifelsfrei belegt werden. Doch der Mechanismus ist bereits sichtbar: Migration wird nicht nur politisch instrumentalisiert, sondern digital erzeugt, beschleunigt und gegen demokratische Gesellschaften gerichtet. Wer Ängste schürt und zugleich verzweifelte Menschen mit falschen Versprechen anlockt, bekämpft Europa von beiden Seiten – auf dem Bildschirm und an seinen Grenzen.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay) Die globale Schieflage (Essay)

»Es herrscht Alarmstufe Rot«: Den Pflegekassen geht das Geld aus
Die Bundesregierung versucht verzweifelt, die Kosten für die Pflege unter Kontrolle zu bringen. Wie dringend die geplante Reform ist, zeigen die aktuellen Zahlen für die ersten sechs Monate des Jahres.
Finanzielle Schieflage: Was der Weckruf der Pflegekassen bedeutet
Die Pflegekassen haben vor einer dramatischen Finanzlage gewarnt. Sie drängen die Regierung zum raschen Handeln – und signalisieren den Patienten trotzdem Entwarnung.

🔍 Pflegeversicherung vor dem Kollaps: Alarmruf trotz vorläufiger Entwarnung
Die Pflegekassen schlagen Alarm: Steigende Pflegekosten, eine alternde Bevölkerung und unzureichende Einnahmen bringen das System zunehmend in finanzielle Schieflage. Für Pflegebedürftige bedeutet das zunächst nicht, dass Leistungen ausbleiben – die gesetzlich zugesicherten Ansprüche bestehen weiter. Doch diese Entwarnung gilt nur für den Augenblick.
Die Bundesregierung steht vor einer Entscheidung, die sie nicht länger vertagen kann: Entweder die Beiträge und Eigenanteile steigen weiter, Leistungen werden begrenzt – oder die Finanzierung wird grundsätzlich neu und solidarischer organisiert. Eine alternde Gesellschaft darf nicht dazu führen, dass Pflegebedürftigkeit zum Armutsrisiko und gute Versorgung vom privaten Vermögen abhängig wird. Pflege ist keine beliebige Sozialausgabe, sondern eine gemeinschaftliche Aufgabe. Wer jetzt nur kurzfristig Haushaltslöcher stopft, verschiebt den Kollaps – und macht seine spätere Bewältigung noch teurer.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet
Tax Wars (Doku

»Deutschland spricht«: »Soziale Medien beeinflussen die Meinungsbildung zu krass«
Politisches Blind Date: Tausende hatten den Mut, mit jemandem zu diskutieren, der völlig andere Ansichten hat. So war der Tag bei »Deutschland spricht«.
Sachsen-Anhalt: AfD punktet vor Landtagswahl offenbar in allen sozialen Gruppen
Der typische AfD-Wähler ist männlich, mittelalt und Handwerker? Die AfD galt auch in Sachsen-Anhalt lange als Milieupartei. Laut Meinungsforschern hat sich das geändert.
Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Bürgerwacht-Plan der AfD: Experte sieht rechtliche Bedenken
Die AfD will in Sachsen-Anhalt eine „Bürgerwacht“ als „dritte Säule“ der Sicherheit aufbauen. Ein Experte hält das für verfassungsrechtlich heikel – und warnt vor den Plänen.

🔍 Reden gegen die Radikalisierung: Warum demokratischer Dialog allein nicht genügt
„Deutschland spricht“ zeigt, dass Gespräche über politische Grenzen hinweg weiterhin möglich sind. Zugleich macht der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt deutlich, wie weit ihre Positionen inzwischen in nahezu alle sozialen Gruppen vorgedrungen sind – befördert durch soziale Medien, deren Algorithmen Zuspitzung, Empörung und Feindbilder belohnen.
Der Plan einer AfD-„Bürgerwacht“ zeigt jedoch, dass es längst nicht mehr nur um unterschiedliche Meinungen geht. Wenn eine Partei staatliche Sicherheitsaufgaben durch politisch geprägte Strukturen ergänzen will, berührt das das Gewaltmonopol des Staates und schafft die Gefahr parteinaher Einschüchterung. Die AfD gewinnt gesellschaftliche Breite – und nutzt sie, um die Grenzen des demokratischen Rechtsstaats zu verschieben.
Dialog bleibt deshalb unverzichtbar. Aber Demokratie darf nicht bei der Aufforderung stehen bleiben, miteinander zu reden. Sie muss zugleich ihre Institutionen, das staatliche Gewaltmonopol und den öffentlichen Raum gegen organisierte autoritäre Machtansprüche verteidigen.

🔍 Hintergrund:► AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Angriffe gegen NATO-Staaten: „Putin eskaliert“
Russlands Präsident Putin eskaliert den Konflikt mit der NATO, sagt Militärhistoriker Neitzel. Deshalb müsse man ihm entschiedener entgegentreten. Und die Nachrichtendienste sollten den Bürgern deutlich machen, wie ernst die Lage wirklich sei.

AfD-Vize in Sachsen-Anhalt: Tillschneider verteidigt russische Armeetasse im Büro
Im Wahlkreisbüro von Hans-Thomas Tillschneider steht eine Tasse der russischen Armee. Der AfD-Politiker spricht von einem Geschenk und weist Kritik zurück. Die Veröffentlichung eines Podcasts dazu wollte er dennoch stoppen.

🔍 Während Putin gegen die NATO eskaliert, demonstriert die AfD Nähe zu seiner Armee
Russland verschärft nach Einschätzung des Militärhistorikers Sönke Neitzel seine Angriffe gegen NATO-Staaten und testet damit gezielt die Reaktionsfähigkeit des Bündnisses. Gleichzeitig präsentiert der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider in seinem Wahlkreisbüro eine Tasse der russischen Armee – und versucht offenbar, die Veröffentlichung eines Podcasts darüber zu verhindern.
Eine Tasse allein beweist noch keine politische Abhängigkeit. In diesem Zusammenhang ist sie jedoch mehr als ein belangloses Souvenir: Sie fügt sich in die fortgesetzte Russlandnähe führender AfD-Politiker ein. Während Putin Europas Sicherheit bedroht, verharmlost die AfD das Regime, bekämpft Sanktionen und fordert eine Rückkehr zu russischen Energielieferungen.
Der Vorgang ist deshalb symbolisch aufschlussreich: Eine Partei, die vorgibt, deutsche Interessen zu verteidigen, zeigt auffällige Sympathien für die Streitkräfte jenes Staates, der Deutschland und seine Verbündeten mit hybriden Angriffen, Sabotage und militärischer Einschüchterung unter Druck setzt. Patriotismus sieht anders aus.

🔍 Hintergrund: Ukraine-Krieg AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Ankündigung bei Truth Social: Trump will strategische US-Reserven mit Öl aus Venezuela auffüllen
Venezuela sitzt auf gigantischen Ölvorkommen. Donald Trump möchte einen guten Teil davon schon bald in Lagern in den USA wissen – und spricht von einem »Geschenk an die Vereinigten Staaten«. Doch so einfach ist das nicht.
Eskalation im Nahen Osten: USA greifen erstmals seit Wochen Iran an – Teheran reagiert mit Gegenschlägen
US-Einheiten nehmen Ziele auf der iranischen Insel Larak ins Visier. Das Regime in Teheran beklagt Todesopfer und attackiert zur Vergeltung zwei US-Stützpunkte in Jordanien. Der Überblick.
Trumps Feldzug gegen die Presse: US-Finanzministerium verwehrt Journalisten Akkreditierung für G20-Treffen
Als Gastgeber regeln die USA den Zugang zum G20-Finanzministertreffen. Einzelne Reporter der »New York Times«, des »Wall Street Journal« und von Bloomberg News müssen draußen bleiben. Die Reaktionen sind deutlich.
Medien in den USA: Trump fordert Strafe wegen kritischer Berichterstattung
Die renommierte US-Journalistin Kristen Welker von NBC ist zum Ziel von Angriffen durch Donald Trump geworden. Der US-Präsident ruft die Medienaufsichtsbehörde an.
Raketenwerfer bombardiert: US-Militär fliegt erstmals seit Juli Angriffe in Iran
Die USA haben offenbar zwei iranische Raketenwerfer bombardiert – wohl, um eine erneute Verminung der Straße von Hormus zu verhindern. Iran spricht von Toten und Verletzten.
Lake Ontario wird »Lake America«: Google Maps folgt Trumps Umbenennung
Als Reaktion auf den Handelsstreit mit Kanada hat US-Präsident Trump den Ontariosee umgetauft. Nun schafft Google Maps Fakten – und verzeichnet den »Lake America« auf seinen Karten.

🔍 Trumps Amerika: Öl, Krieg, Presseangriffe und imperiale Machtsymbole
Die Meldungen fügen sich zu einem Gesamtbild: Donald Trump behandelt Außenpolitik, staatliche Institutionen und selbst geografische Bezeichnungen als Instrumente persönlicher Macht. Venezolanisches Öl erklärt er kurzerhand zum möglichen „Geschenk“ an die USA, während das amerikanische Militär erneut iranische Ziele angreift und Teheran mit Attacken auf US-Stützpunkte antwortet. Fossile Interessen und militärische Eskalation gehen dabei Hand in Hand.
Im Innern wächst zugleich der Druck auf unabhängige Medien. Kritische Journalisten werden von internationalen Treffen ausgeschlossen, Reporterinnen persönlich angegriffen und die Medienaufsicht zur Bestrafung missliebiger Berichterstattung aufgefordert. Die Umbenennung des Ontariosees in „Lake America“, von Google Maps übernommen, mag grotesk wirken – sie folgt jedoch derselben Logik: Trump beansprucht die Macht, politische, wirtschaftliche und sogar geografische Wirklichkeit durch bloße Verfügung neu zu definieren.
Das ist kein Sammelsurium präsidialer Exzesse. Es ist ein autoritäres Herrschaftsmodell: Ressourcen werden als Beute betrachtet, militärische Gewalt als Mittel nationaler Dominanz, die Presse als Feind und Sprache als Werkzeug zur Schaffung einer eigenen Realität. Hinter „America First“ tritt immer deutlicher ein imperialer Anspruch hervor – nach außen aggressiv, nach innen repressiv und fest an die Macht fossiler Ressourcen gebunden.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Africa Corps von Russland: Russland soll Niger bei Niederschlagung von Meuterei geholfen haben
Im Niger hatten meuternde Soldaten mehrere Ziele in der Hauptstadt Niamey angegriffen. Bei der Niederschlagung half offenbar Russlands Africa Corps.

🔍 Russlands Africa Corps wird zum Schutztrupp der Militärjunta im Niger
Russlands Africa Corps hat nigrische Regierungstruppen bei der Niederschlagung einer Meuterei unterstützt. Das bestätigte auch der russische Botschafter im Niger. Nach Berichten von Reuters und AP halfen die russischen Kräfte bei der Rückeroberung eines Militärstützpunkts in Niamey. Moskau tritt damit nicht mehr nur als Ausbilder und Waffenlieferant auf, sondern unmittelbar als militärischer Stabilisator der 2023 durch einen Putsch an die Macht gelangten Junta.
Der Einsatz fügt sich in Russlands umfassendere Strategie in der Sahelzone ein: Nach dem Rückzug westlicher Truppen vertieft Moskau die militärische Zusammenarbeit mit Niger, Mali und Burkina Faso und gewinnt dadurch politischen und strategischen Einfluss. Das Africa Corps führt dabei wesentliche Aufgaben der Wagner-Gruppe unter direkterer Kontrolle des russischen Verteidigungsministeriums fort.
Die Junta hatte ihren Bruch mit dem Westen als Wiedergewinnung nationaler Souveränität dargestellt. Dass sie nun russische Kräfte gegen eine Rebellion in den eigenen Reihen einsetzt, offenbart jedoch eine neue militärische Abhängigkeit. Niger hat seine äußeren Schutzmächte nicht abgeschafft – sondern ausgetauscht.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Digital Services Act: ChatGPT muss strenge EU-Auflagen erfüllen
Weil immer mehr Menschen Informationen von Chatbots beziehen, verlangt die EU-Kommission nun von OpenAI gesteigerte Vorsichtsmaßnahmen. Auch eine Spiele- und eine Forenplattform werden neu eingestuft.

🔍 ChatGPT unter strengeren EU-Regeln: Wer Informationen vermittelt, muss Verantwortung tragen
Dass die EU ChatGPT nun strengeren Auflagen des Digital Services Act unterwirft, ist folgerichtig. Immer mehr Menschen nutzen KI-Systeme nicht nur als Schreibwerkzeug, sondern als Suchmaschine, Ratgeber und Informationsquelle. Damit wächst ihr Einfluss auf Meinungsbildung, politische Debatten und persönliche Entscheidungen.
OpenAI muss deshalb systemische Risiken genauer untersuchen, Schutzmaßnahmen transparenter machen und unabhängige Kontrollen ermöglichen. Entscheidend ist jedoch, dass Regulierung nicht nur auf einzelne falsche Antworten schaut. Das größere Risiko liegt in der massenhaften Verbreitung überzeugend formulierter Fehlinformationen, in möglichen Verzerrungen und in der Abhängigkeit von wenigen privaten Technologiekonzernen.
Die strengeren Regeln sind daher kein Angriff auf Innovation, sondern ihre notwendige demokratische Einhegung. Wer Wissen ordnet und Wirklichkeit erklärt, verfügt über Macht. Diese Macht darf weder unkontrolliert bleiben noch allein den Geschäftsinteressen eines Unternehmens folgen.

🔍 Hintergrund: ► KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Zeitenwende

30.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

19:35 | ZDFinfo
heute-show spezial vom 28.08.26: High Noon im Osten
Fabian Köster und Lutz van der Horst treffen auf Unternehmer, Wählerinnen und Wähler und einen Ostfluencer, um die wirtschaftliche und politische Befindlichkeit im Mittleren Osten zu hinterfragen.

20:15 | ARTE
Die Firma
Der aufstrebende Rechtsanwalt Mitch hat privat und beruflich das große Los gezogen. Er ist mit der charmanten Abby verheiratet und findet in einer renommierten Kanzlei in Memphis eine Anstellung. Doch dann gerät er ins Fadenkreuz der Mafia … – Justizdrama aus dem Jahr 1993 von Starregisseur Sydney Pollack, mit Tom Cruise in der Hauptrolle.

Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Experte zu Robotern im Alltag: „Wir stehen sehr nahe vor dem ChatGPT-Moment der Robotik
Humanoide Roboter sprinten schneller als Usain Bolt und können im Haushalt helfen. Im Interview erklärt ein Experte, wie sie künftig unseren Alltag verändern könnten.

🔍 Der „ChatGPT-Moment“ der Robotik verändert unseren Begriff von Arbeit
Humanoide Roboter könnten Pflegekräfte entlasten, gefährliche oder monotone Tätigkeiten übernehmen und angesichts einer alternden Gesellschaft Arbeitskräftelücken schließen. Doch die entscheidende Frage lautet nicht nur, was diese Maschinen bald können, sondern wem sie gehören und wer von ihrer Produktivität profitiert.
Robotik zwingt uns zugleich, unseren Begriff von Arbeit neu zu bestimmen. Noch immer wird gesellschaftliche Anerkennung vor allem an bezahlte Erwerbsarbeit geknüpft, während Erziehung, Pflege, Fürsorge, Bildung, Kreativität und gesellschaftliches Engagement häufig zu wenig zählen. Wenn Maschinen immer mehr notwendige Tätigkeiten übernehmen, kann menschliche Leistung nicht länger allein nach Arbeitsstunden und Marktertrag bewertet werden.
Fließen die Produktivitätsgewinne ausschließlich an wenige Konzerne und Kapitalbesitzer, verschärft die Robotik Arbeitsplatzverluste, Machtkonzentration und soziale Ungleichheit. Werden sie dagegen durch kürzere Erwerbsarbeitszeiten, höhere Löhne und angemessene Besteuerung geteilt, kann Technik Menschen von belastender Arbeit befreien und Raum für jene Tätigkeiten schaffen, die eine Gesellschaft zusammenhalten.
Der „ChatGPT-Moment“ der Robotik ist deshalb mehr als ein technischer Durchbruch. Er zwingt uns zu einer Grundsatzentscheidung: Dient die Maschine dem Menschen – oder muss der Mensch weiterhin der Vermehrung privaten Kapitals dienen?

🔍 Hintergrund: ► KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)
Kapitalismus – Neoliberalismus

Gewalt in Nahost: Offenbar mehrere Tote bei israelischen Angriffen in Gaza
Trotz der Waffenruhe hat Israels Armee wieder tödliche Angriffe im Gazastreifen geflogen: Laut palästinensischen Angaben wurden drei Menschen getötet und weitere verletzt.

🔍 Eine Waffenruhe, bei der weiter gestorben wird, ist keine Sicherheit
Nach palästinensischen Angaben wurden trotz geltender Waffenruhe erneut drei Menschen durch israelische Angriffe getötet. Israels Militär erklärte, bei einem Angriff einen militärischen Akteur getroffen zu haben; zu weiteren Vorfällen lag zunächst keine Stellungnahme vor. Solche Angaben müssen unabhängig überprüft werden.
Doch selbst gezielte Angriffe dürfen nicht zur Routine werden, durch die eine Waffenruhe schrittweise ausgehöhlt wird. Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor Angriffen zu schützen – aber nicht das Recht, militärische Gewalt ohne nachvollziehbare Begründung, Verhältnismäßigkeit und Schutz der Zivilbevölkerung einzusetzen.
Eine Waffenruhe ist mehr als eine Pause zwischen Luftschlägen. Sie muss Menschenleben schützen, humanitäre Hilfe ermöglichen und den Weg zu einer politischen Lösung öffnen. Jeder weitere Tote vertieft dagegen das Misstrauen und macht den nächsten Gewaltausbruch wahrscheinlicher.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Naturkatastrophe in Nepal und Tibet: China zensiert Informationen über Sturzflut in Tibet
Es ist, als hätte die verheerende Sturzflut nur in Nepal stattgefunden. Chinas Medien lassen kaum Bilder nach außen dringen. News-Aufmacher ist Xis neues Buch.

🔍 Wer die Katastrophe zensiert, verhindert die nächste Warnung
In Tibet werden nach chinesischen Staatsangaben 558 Menschen vermisst. Dennoch verschwinden Videos aus den sozialen Medien, ausländische Journalisten erhalten keinen Zugang, und die Hauptnachrichten beginnen mit Xi Jinpings neuem Buch. Sichtbar bleiben sollen vor allem geordnete Rettungskräfte und die Fürsorge der Partei – nicht das Ausmaß der Katastrophe und mögliche Versäumnisse.
Doch Zensur schützt keine Bevölkerung. Gerade bei Sturzfluten, Gletscherabbrüchen und anderen wachsenden Risiken im Himalaya sind offene Daten, unabhängige Untersuchungen und internationaler Austausch lebenswichtig. Wer Informationen unterdrückt, erschwert nicht nur die aktuelle Hilfe, sondern verhindert, dass aus der Katastrophe gelernt und vor der nächsten rechtzeitig gewarnt wird.
Die Klimakrise trifft auf ein autoritäres Informationssystem, das schlechte Nachrichten als Gefahr für die eigene Macht betrachtet. Damit wird aus einer Naturkatastrophe zusätzlich eine politische: Nicht das Leid der Menschen bestimmt die öffentliche Erzählung, sondern das Bedürfnis der Führung nach Kontrolle.

🔍 Hintergrund:
KlimawandelEnergiewendeZeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978 Macht und Manipulation

Knappes Ergebnis: Isländer stimmen gegen EU-Beitrittsverhandlungen
Die Menschen in Island haben sich gegen die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen entschieden. Das Ergebnis des Referendums fiel mit 52,8 zu 47,2 der Stimmen allerdings knapp aus.

🔍 Ein knappes Nein – und der Erfolg der Angst vor Kontrollverlust
Mit 52,8 zu 47,2 Prozent haben die Isländer nicht gegen einen EU-Beitritt gestimmt, sondern lediglich gegen die Wiederaufnahme von Verhandlungen. Über ein ausgehandeltes Beitrittsabkommen wäre später erneut abgestimmt worden. Diese Unterscheidung ging in einer emotional geführten Kampagne weitgehend unter.
Vor allem konservative und europaskeptische Kräfte mobilisierten mit der Angst vor dem Verlust nationaler Souveränität und der Kontrolle über Fischgründe und Landwirtschaft. Das sind nachvollziehbare Interessen. Doch gerade die mächtige Fischereiwirtschaft profitiert vom bestehenden Zustand und hat wenig Interesse daran, ihre Privilegien europäischen Regeln auszusetzen.
Das Ergebnis zeigt zugleich die bekannte Mechanik politischer Polarisierung: Komplexe Verhandlungen werden auf „Brüssel gegen Island“ und „Volk gegen fremde Kontrolle“ reduziert. Davon profitieren besonders jene konservativen und nationalistischen Kräfte, die gesellschaftliche Spaltung politisch bewirtschaften – auch über Island hinaus. Marine Le Pen und Nigel Farage begrüßten das Ergebnis umgehend.
Bei einem derart knappen Ausgang ist das Land jedoch keineswegs grundsätzlich gegen Europa. Fast die Hälfte wollte wenigstens prüfen, welche Bedingungen Island aushandeln könnte. Das Nein beendet daher nicht die europäische Debatte – es vertagt sie unter dem Eindruck erfolgreich mobilisierter Verlustängste.

🔍 Hintergrund:
Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Nach Umbenennung im Oval Office: Kanada verspottet Trump mit »Lake Ontario«-Schild
Der US-Präsident hat Lake Ontario jüngst in Lake America umtaufen lassen, um Kanada im Zollstreit zu provozieren. Doch die erhoffte Entrüstung hält sich in Grenzen. Auch ein US-Autobauer schert aus der Trump-Linie aus.

Wetten auf Reden des US-Präsidenten: Trumps Teleprompter-Mitarbeiter muss wegen Insiderhandels 173.000 Dollar zahlen
Wer im Voraus weiß, was der US-Präsident sagen wird, kann damit viel Geld verdienen. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses konnte dieser Versuchung nicht widerstehen. Am Ende war das kein gutes Geschäft.

🔍 Politik als Spektakel – das Präsidentenwort als Wettobjekt
Trump benennt im Oval Office den Lake Ontario in „Lake America“ um, um Kanada im Zollstreit zu provozieren. Kanada reagiert mit Humor und stellt demonstrativ ein Schild mit dem wirklichen Namen auf. Selbst ein US-Autobauer hält an „Made in Canada“ fest. Die Inszenierung läuft damit ins Leere: Nationalistische Symbolpolitik ersetzt keine vernünftige Handelsstrategie.
Die zweite Meldung zeigt die nächste Stufe dieser politischen Spektakelgesellschaft. Ein Teleprompter-Mitarbeiter nutzte sein Vorwissen über Trumps Reden, um auf einzelne Wörter und Formulierungen zu wetten. Er erzielte damit mehr als 107.000 Dollar Gewinn und muss nun Gewinn und Geldstrafe bezahlen.
Beides gehört zusammen: Wenn Politik vor allem als kalkulierte Provokation, mediale Show und permanentes Ereignis betrieben wird, wird selbst das Wort des Präsidenten zur handelbaren Ware. Aufmerksamkeit ersetzt Inhalt, Grenzverschiebung ersetzt Diplomatie – und Insider versuchen, aus der nächsten Inszenierung Kapital zu schlagen.
Wo Politik zum Geschäftsmodell wird, ist der Schritt vom Oval Office zum Wettbüro nicht mehr weit.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Drohnen und Raketen: Ukraine meldet Schlag gegen russische Ölraffinerie – Kreml kündigt »massive Angriffe« an
Russland bereitet nach eigenen Angaben umfassende Attacken gegen den ukrainischen Energiesektor vor. Aber auch die Regierung in Kyjiw macht nach ihren jüngsten Drohungen offenbar ernst.

Nach Angriff auf Präsidentenpalast: Niger erobert Militärbasis zurück – mit Hilfe des russischen Afrikakorps
Die »Meuterei« aufständischer Soldaten in Niger ist laut Sicherheitskreisen beendet – und ein wichtiger Stützpunkt der Luftwaffe nach russischer Intervention wieder unter Kontrolle. Offenbar gab es zahlreiche Tote.

🔍 Von der Ukraine bis Niger: Russlands Krieg ist ein globales Machtprojekt
Während Russland „massive Angriffe“ auf die ukrainische Energieversorgung ankündigt, attackiert die Ukraine gezielt russische Raffinerien. Sie trifft damit den ökonomischen Kern von Putins Macht: Öl finanziert den Krieg, versorgt die Streitkräfte und ermöglicht Russland zugleich, seinen militärischen Einfluss weit über Europa hinaus auszudehnen.
Das zeigt sich in Niger. Nach dem Putsch von 2023 verdrängte die Militärjunta westliche Partner und holte russische Kräfte ins Land. Nun half das vom Kreml kontrollierte Afrikakorps offenbar dabei, eine Meuterei niederzuschlagen und einen wichtigen Luftwaffenstützpunkt zurückzuerobern. Russland schützt damit nicht in erster Linie die Bevölkerung, sondern das Überleben einer autoritären Führung, die trotz ihrer Machtübernahme die dschihadistische Gewalt bislang nicht eindämmen konnte.
Beide Meldungen gehören deshalb zusammen: In der Ukraine zerstört Russland Energieanlagen, um eine demokratische Gesellschaft zu zermürben. In Afrika bietet es Militärregimen Schutz und sichert sich dafür politischen Einfluss und Zugang zu strategisch wichtigen Regionen und Rohstoffen.
Russlands Krieg endet nicht an der ukrainischen Grenze. Fossile Einnahmen finanzieren ein internationales Machtmodell, das von Krieg, Abhängigkeit und dem Schutz autoritärer Regime lebt.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Nordkoreas Streitkräfte: Kim Jong Un schasst Verteidigungsminister – und baut Militärspitze um
Die Armee spielt in der nordkoreanischen Diktatur eine zentrale Rolle. Personelle Veränderungen werden daher genau beobachtet. Das gilt auch und besonders für die jüngste Degradierung auf höchster Ebene.

🔍 Umbau der Militärspitze: Kontrolle durch permanente Unsicherheit
In einer Diktatur wie Nordkorea ist der Austausch eines Verteidigungsministers keine gewöhnliche Personalentscheidung. Kim Jong Un demonstriert damit, dass militärischer Rang und politischer Einfluss allein von seiner Gunst abhängen. Die regelmäßigen Degradierungen, Entlassungen und späteren Wiedereinsetzungen halten selbst höchste Funktionäre in permanenter Unsicherheit – und sichern ihre persönliche Loyalität.
Der bisherige Minister No Kwang Chol wurde allerdings nicht vollständig entmachtet, sondern in die wichtige Rüstungsabteilung der Partei versetzt. Sein Nachfolger Kim Song Gi leitete bislang das politische Kontrollorgan der Armee. Das deutet darauf hin, dass die Überwachung und ideologische Disziplinierung der Streitkräfte weiter gestärkt werden sollen. Zugleich kehrt mit Pak Jong Chon ein erfahrener Militärstratege in die Führung zurück.
Der genaue Anlass bleibt verborgen. Sichtbar ist jedoch der größere Zusammenhang: Nordkorea modernisiert sein Waffenarsenal, baut die Rüstungsproduktion aus und vertieft seine militärische Zusammenarbeit mit Russland. Kim ordnet daher nicht nur Personal neu – er hält die Armee unter politischer Kontrolle und richtet sie zugleich auf eine verschärfte militärische Konfrontation aus.

🔍 Hintergrund: ► Nordkorea

29.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 – 23:55 | ZDFinfo
Humans – Geschichte der Menschheit


… ist eine fünfteilige Dokumentationsreihe, die die Entstehung, Verbreitung und das Überleben unserer Spezies, des Homo sapiens, untersucht. Die Serie beleuchtet mit neuesten wissenschaftlichen Funden, warum sich ausgerechnet der moderne Mensch gegen andere Menschenarten durchgesetzt hat.

06:35 | ARTE
California! – Testlabor für die Welt
Surfer, Hollywood, Free Speech, Hippie-Kultur, Raumfahrt – ohne Kalifornien wäre die Welt eine andere. Egal, ob in Pasadena die größte Mission der Menschheit vorbereit wird, Studenten in Berkeley für ihr Recht auf Meinungsfreiheit kämpfen oder die Hippies die Gesellschaft auf den Kopf stellen – der „Goldene Staat“ an der Westküste Amerikas ist immer einen Schritt voraus.

07:30
Von Revolten und Tech-Revolutionen
Skateboards, Personal Computer, California Cuisine, Hollywood – ohne Kalifornien wäre die Welt eine andere. Egal, ob aus Umweltkatastrophen neue bahnbrechende Gesetze erwachsen, einige Nerds im Silicon Valley einen weltweiten Tech-Boom auslösen oder ein Österreicher die kalifornische Küche neu erfindet. Der „Goldene Staat“ an der Westküste Amerikas ist immer einen Schritt voraus.

Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Drohnenvorfall in Leipzig: Bundesregierung sieht offenbar Russland hinter Drohnenvorfall
Am Flughafen Leipzig wurde im August eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt. Laut Medienberichten will die Regierung Russland dafür offiziell verantwortlich machen.
🔍 Gefährliche Annäherung an den Bündnisfall
Sollte sich bestätigen, dass Russland eine mit Sprengstoff bestückte Drohne gezielt am Flughafen Leipzig eingesetzt hat, wäre das weit mehr als Spionage oder eine gewöhnliche Sabotageaktion: Es wäre eine bewusst in Kauf genommene Gewalttat auf dem Gebiet eines NATO-Staates – mit kaum kalkulierbarem Eskalationspotenzial.
Allerdings löst nicht jeder Drohnen- oder Sabotageakt automatisch den Bündnisfall aus. Zunächst kämen Konsultationen nach Artikel 4 des NATO-Vertrags in Betracht. Artikel 5 greift bei einem „bewaffneten Angriff“; ob diese Schwelle erreicht ist, hängt unter anderem von Ausmaß, Wirkung und zweifelsfreier staatlicher Urheberschaft ab. Selbst dann folgt nicht automatisch ein Krieg: Jedes Mitglied ergreift die Maßnahmen, die es für erforderlich hält.
Doch genau darin liegt die Gefahr: Russland scheint auszutesten, wie weit es mit hybriden Angriffen gehen kann, ohne diese Schwelle eindeutig zu überschreiten. Eine Fehlkalkulation, zivile Opfer oder eine größere Explosion könnten aus dem Schattenkrieg sehr schnell eine offene Konfrontation zwischen Russland und der NATO machen. Deshalb muss der Vorgang lückenlos aufgeklärt und unmissverständlich beantwortet werden
– besonnen, aber ohne jede Verharmlosung. NATO-Vertrag, Artikel 4 und 5

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Sorge um deutsche Autoindustrie: Umweltminister Schneider fordert höhere Zölle für Plug-in-Hybride aus China
Für vollelektrische Autos aus chinesischer Produktion gelten bereits Ausgleichszölle. Nun will Carsten Schneider sie auch für Plug-in-Hybride einführen. »Wir sind weltoffen, aber nicht naiv«, sagt der Umweltminister.

🔍 Zölle ersetzen keine versäumte Transformation
Ausgleichszölle können berechtigt sein, wenn chinesische Hersteller durch staatliche Subventionen einen unfairen Wettbewerbsvorteil erhalten. Es wäre auch widersinnig, nur vollelektrische Autos zu erfassen, während Plug-in-Hybride als Ausweichroute für subventionierte Importe dienen.
Doch Zölle lösen das Grundproblem der deutschen Autoindustrie nicht. Sie können allenfalls Zeit kaufen – und genau davon wurde bereits zu viel verspielt. Deutsche Hersteller haben die Entwicklung erschwinglicher Elektroautos, Batterietechnik und einer verlässlichen Ladeinfrastruktur zu lange verschleppt und zugleich an schweren, hochpreisigen Modellen festgehalten. Hinzu kommt: Plug-in-Hybride sind nur dann klimafreundlicher, wenn sie regelmäßig geladen und überwiegend elektrisch gefahren werden. Andernfalls schleppen sie zwei Antriebssysteme mit sich herum und verbrauchen real oft erheblich mehr als auf dem Prüfstand.
„Weltoffen, aber nicht naiv“ darf deshalb nicht bedeuten: abschotten und weitermachen wie bisher. Nötig sind fairer Wettbewerb, eine konsequente europäische Industriepolitik und endlich Elektroautos, die sich auch Normalverdiener leisten können.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

Attestpflicht: Arbeitsministerin Bas stellt Krankschreibung ab erstem Tag infrage
Müssen Arbeitnehmer bald schon am ersten Krankheitstag zum Arzt? Über das umstrittene Vorhaben will Arbeitsministerin Bas jetzt noch einmal mit dem Koalitionspartner verhandeln.
Lohnfortzahlung: Unternehmen in Deutschland zahlen Rekordsumme für kranke Beschäftigte
Mehr als 85 Milliarden Euro: Noch nie mussten Firmen hierzulande so viel für krankheitsbedingte Lohnfortzahlung zahlen. Die Zunahme bedeutet nicht zwingend, dass die Menschen öfter krank sind.

🔍 Misstrauen macht Beschäftigte nicht gesünder
Die Rekordsumme von 85,6 Milliarden Euro klingt alarmierend, beweist aber keineswegs, dass Beschäftigte immer häufiger „blaumachen“. Sie ist auch durch gestiegene Löhne, höhere Sozialbeiträge und mehr Beschäftigte gewachsen. Zudem erfasst die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Krankheitsfälle vollständiger als früher – ein statistischer Anstieg ist nicht automatisch ein realer Anstieg der Fehlzeiten.
Eine generelle Attestpflicht ab dem ersten Tag wäre daher Symbolpolitik auf Kosten von Beschäftigten und Hausarztpraxen. Menschen mit leichten Infekten müssten sofort zum Arzt, würden dort andere gefährden und am Ende womöglich länger krankgeschrieben, als wenn sie sich ein oder zwei Tage zu Hause erholt hätten. Selbst das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft beurteilt eine solche Pflicht skeptisch.
Wer Fehlzeiten wirklich reduzieren will, sollte die Ursachen angehen: Arbeitsverdichtung, psychische Belastungen, schlechte Arbeitsbedingungen, Langzeiterkrankungen und mangelnde Prävention. Krankheit ist kein Charakterfehler – und pauschales Misstrauen keine Gesundheitspolitik.

AfD-Jugend in Magdeburg: AfD-Nachwuchskongress mit Kampfansagen gegen Linke begonnen
Auf dem Bundeskongress der Generation Deutschland spottet der AfD-Landesvorsitzende über »verkommene linke Zustände«. Auf seine Schmähungen wurde mit Jubel reagiert.

Generation Deutschland in Magdeburg: Chef der AfD-Jugend fordert millionenfache Remigration
»Millionen sind gegen unseren Willen in dieses Land gekommen« sagt Jean-Pascal Hohm von der AfD-Jugend in Magdeburg. Deutschland müsse »das Land der Deutschen bleiben«.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund: Posterboy eines radikalen Programms
Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sehen Umfragen die AfD klar vorn. Spitzenkandidat Siegmund schafft es, sich mit wohlfühlweicher Unklarheit durch den Wahlkampf zu lächeln.

🔍 Die Rhetorik der AfD und jene Trumps ähneln sich bis zur Verwechslung. Beide sprechen nicht über konkrete Positionen oder tatsächliche Extremisten, sondern pauschal über „die Linken“. Politische Gegner werden als „verkommen“, „krank“, „radikal“ oder als „Feinde im Innern“ diffamiert. So wird demokratischer Widerspruch nicht mehr als legitimer Bestandteil der Demokratie behandelt, sondern zur Bedrohung erklärt. Die Wortwahl ist kein Zufall: Sie soll Feindbilder schaffen, Anhänger mobilisieren und die Grenze zwischen politischer Auseinandersetzung und autoritärer Ausgrenzung verschieben. Die AfD übernimmt damit nahezu wortgleich das Drehbuch Trumps: Wer widerspricht, ist nicht mehr politischer Gegner, sondern innerer Feind.
🔍 Hintergrund: heute-show spezial: High Noon im Osten AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut ► Donald TrumpRechtsruck im Silicon Valley

Privilegierter Zugang: US-Regierung prüft Verkauf von Land des Yosemite-Parks an Immobilienfirma
Privatstraße durch Amerikas bekanntesten Nationalpark: Die Trump-Regierung verhandelt wohl über den Verkauf von Land im Yosemite an einen Immobilienentwickler aus Nevada. Naturschützer sprechen von einem Angriff auf das Volk.

„Größter Öl-Deal in der Weltgeschichte“: Trump: USA sichern sich riesige Ölvorkommen in Venezuela
Venezuelas Ölreserven sind die größten der Welt. Nun sichern sich die USA Zugriff auf mehr als 65 Milliarden Barrel davon. Trump spricht vom „größten Öl-Deal in der Weltgeschichte“.
»Kein Grund für Panikkäufe«: In den USA könnte das Klopapier deutlich teurer werden
Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada könnte die Menschen bald bis ins Badezimmer verfolgen. Ein Branchenverband ruft zur Besonnenheit auf.

Vor den Midterms Trump-Regierung ficht Gerichtsentscheid zur Briefwahl an
Die US-Regierung zieht im Streit über geänderte Regeln zur Briefwahl vor die nächste Instanz. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, die Stimmabgabe per Post erschweren zu wollen.

Entscheidung in Kalifornien: US-Gericht erklärt Visaentzug für propalästinensische Studierende für verfassungswidrig
Weil sie Israel kritisierten oder sich mit Palästina solidarisierten, entzog die Trump-Regierung einigen Studierenden ihre Visa. Eine Bundesrichterin hält nun fest: Die rechtliche Grundlage hatte Mängel.

🔍 Trump unterwirft Natur, Wirtschaft und Demokratie seinen Machtinteressen
Die fünf Meldungen zeigen unterschiedliche Facetten derselben Politik: Öffentliche Güter, natürliche Ressourcen, Handel, Wahlrecht und Meinungsfreiheit werden den Machtinteressen der Trump-Regierung untergeordnet.
Im Yosemite-Nationalpark soll öffentliches Land privaten Immobilieninteressen zugänglich gemacht werden. In Venezuela feiert Trump den Zugriff auf gewaltige Ölvorkommen als historischen „Deal“ – ungeachtet der Klimakrise und der Frage, wem diese Ressourcen eigentlich gehören. Gleichzeitig treibt sein Zollstreit mit Kanada selbst die Preise für Alltagsprodukte wie Toilettenpapier nach oben.
Innenpolitisch versucht die Regierung weiterhin, die Briefwahl vor den Midterms zu erschweren. Auch gegen ausländische Studierende, die Israel kritisieren oder sich mit Palästina solidarisieren, ging sie durch Visaentzug vor – bis ein Gericht einschritt.
Das verbindende Muster ist unverkennbar: Privatisierung von Gemeineigentum, fossiler Machtanspruch, wirtschaftlicher Nationalismus und Angriffe auf demokratische Teilhabe und Meinungsfreiheit. Gerichte können einzelne Maßnahmen stoppen. Doch in ihrer Gesamtheit dokumentieren sie den fortschreitenden autoritären Umbau der USA.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Ukrainische Gegenangriffe: Selenskyj droht Russland mit bis zu 1000 Drohnen täglich
Wolodymyr Selenskyj sieht Kyjiws Schläge gegen Ziele tief im russischen Hinterland als Erfolge. Der ukrainische Präsident will sogar noch deutlich nachlegen – mit einem klaren Ziel.

Putins Krieg: Ukraine meldet mindestens 27 Tote bei russischem Angriff nahe Kyjiw
Bei einem Drohnenangriff im Bezirk Butscha sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Dutzende wurden verletzt. Nach russischen Angaben war ein Munitionslager Ziel der Attacke. Die ukrainischen Behörden ermitteln.

🔍 Die Eskalationsspirale des Drohnenkriegs
Nach einem russischen Drohnenangriff im Bezirk Butscha nahe Kyjiw mit mindestens 27 Toten und Dutzenden Verletzten kündigt die Ukraine eine massive Ausweitung ihrer Gegenangriffe an. Präsident Selenskyj droht Russland mit bis zu 1000 Drohnen täglich. Ziel sei es, militärische Infrastruktur und kriegswichtige Anlagen tief im russischen Hinterland zu treffen und damit Moskaus Angriffsfähigkeit zu schwächen.
Die beiden Meldungen zeigen die gefährliche Dynamik dieses Krieges: Russland setzt seine tödlichen Angriffe auf ukrainischem Gebiet fort, während die Ukraine den Krieg zunehmend nach Russland zurückträgt. Ihr Recht auf Selbstverteidigung steht außer Frage. Doch mit Reichweite und Zahl der eingesetzten Drohnen wächst auch das Risiko ziviler Opfer, von Fehleinschätzungen und einer weiteren Eskalation. Verantwortlich für diese Spirale bleibt Putins Angriffskrieg – beendet werden kann sie nur, wenn Russland seine Angriffe einstellt und sich aus der Ukraine zurückzieht.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Auftrag an Boston Dynamics: US-Einwanderungsbehörde bestellt Roboterhunde
Bei ihren umstrittenen Abschieberazzien könnte die US-Einwanderungsbehörde ICE bald hundeähnliche Roboter nutzen. Die kommen auch in Deutschland bereits zum Einsatz.
🔍 Roboterhunde für Trumps Abschiebemaschinerie
Der Einsatz von Roboterhunden kann in gefährlichen Umgebungen sinnvoll sein – etwa bei Bränden, Katastrophen oder der Suche nach Verschütteten. Wenn jedoch ausgerechnet die wegen ihrer brutalen Abschieberazzien umstrittene Einwanderungsbehörde ICE solche Systeme beschafft, erhält die Technik eine bedrohliche politische Funktion.
Mit Kameras, Sensoren und möglicherweise weiterer Ausrüstung könnten die Roboter Gebäude und Grundstücke erkunden, Menschen aufspüren und Einsätze vorbereiten, ohne dass Beamte sich selbst einem Risiko aussetzen müssen. Für die Betroffenen bedeutet das eine weitere Entmenschlichung staatlicher Gewalt: Sie stehen nicht mehr nur bewaffneten Einsatzkräften, sondern zunehmend automatisierter Überwachung und Einschüchterung gegenüber.
Entscheidend ist daher nicht, was die Technik grundsätzlich kann, sondern wer sie zu welchem Zweck und unter welcher Kontrolle einsetzt. In den Händen einer Behörde, die Trumps massenhafte Abschiebungen durchsetzt, werden Roboterhunde zum Sinnbild eines autoritären Staates, der Menschen wie aufzuspürende Objekte behandelt.

KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Zeitenwende

28.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ZDFinfo
Die SS – Macht und Mythos
( 6 Teile )
Die Schutzstaffel ist der Inbegriff für Terror und Tod unter dem Hakenkreuz. Im Mittelpunkt steht der Aufstieg der SS von einer unbedeutenden Wachtruppe zu Hitlers wichtigstem Machtinstrument. Kein Bereich im NS-Staat bleibt von ihnen unberührt.
Die SS – Macht und Mythos
Terror
Die SS – Inbegriff für Terror und Tod unter dem Hakenkreuz. Der Film zeigt den Aufstieg der SS von einer unbedeutenden Wachtruppe zu Hitlers wichtigstem Machtinstrument.
21:00
Himmler
Heinrich Himmler – ein Mann, getrieben von Germanentümelei, Siedlerträumen und Rassenwahn. Der Film entlarvt den vermeintlichen „Reichsheini“ als fanatischen Haupttäter des Holocaust.
21:45
Heydrich
Reinhard Heydrich gilt einst als Vorzeige-Nazi: blond, groß, wagemutig. In Wahrheit ist er der skrupellose Vollstrecker des Holocaust. Am Ende wird ihm die eigene Arroganz zum Verhängnis.
22:30
Krieg
Die Waffen-SS – von der Propaganda zur militärischen Elite stilisiert. Tatsächlich stehen die SS-Soldaten für Kriegsverbrechen und hohe Verluste. Vor allem auf der eigenen Seite.
23:15
Totenkopf
Der Holocaust wird nur möglich durch das moralische Versagen von Zehntausenden Männern und Frauen der SS. Die Mörder handeln aus fanatischem Hass – oder mit abgestumpfter Gleichgültigkeit.
23:55
Täterjagd
Nach 1945 entziehen sich die meisten SS-Täter ihrer Verantwortung. Durch Leugnen, neue Identitäten oder Flucht nach Südamerika. Geheime Nazi-Netzwerke helfen ihnen, der Justiz zu entkommen.

01:10 | ZDFinfo
Hitlers Sklaven
Ausbeutung
Zwangsarbeit in Nazideutschland war ein Massenphänomen – vom Regime organisiert, von der Gesellschaft getragen. Der Einsatz von Zwangsarbeitern im Reich geschah vor aller Augen.
01:55
Vernichtung
Zwangsarbeit in Nazideutschland war ein Massenphänomen – vom Regime organisiert, von der Gesellschaft getragen. Der Einsatz von Zwangsarbeitern im Reich geschah vor aller Augen.
2:40
Sühne
Zwangsarbeit in Nazideutschland war ein Massenphänomen – vom Regime organisiert, von der Gesellschaft getragen. Der Einsatz von Zwangsarbeitern im Reich geschah vor aller Augen.

Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Sahra Wagenknecht: Wagenknecht hält Teile der Bundesregierung für »rechtsextrem«
»Was ist heute rechts, was links?« Die BSW-Gründerin ist sich nicht sicher. Die Bundesregierung jedenfalls unterdrücke die Meinungsfreiheit und baue die Demokratie ab.
🔍 Wagenknecht betreibt hier eine bemerkenswerte Umkehr der Maßstäbe. Teile der Bundesregierung erklärt sie aufgrund einer selbst gewählten, extrem weit gefassten Definition kurzerhand für „rechtsextrem“. Bei der AfD dagegen wird sie plötzlich begrifflich vorsichtig und fragt: „Was ist heute rechts, was links?“
Dabei ist die Sachlage zumindest in Sachsen-Anhalt wesentlich konkreter: Der dortige AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft – unter anderem aufgrund muslimfeindlicher, rassistischer und antisemitischer Aussagen von Funktionären.
Natürlich darf und muss man eine Bundesregierung wegen Einschränkungen von Bürgerrechten, Überwachung oder autoritären Tendenzen kritisieren. Aber „rechtsextrem“ ist kein beliebiges Schimpfwort für Politik, die einem nicht gefällt.
Wer den Begriff gegenüber demokratischen Parteien maximal ausweitet und ihn gleichzeitig dort relativiert, wo Rechtsextremismus konkret dokumentiert ist, verwischt entscheidende Grenzen. Das nützt am Ende vor allem der AfD: Rechtsextremismus wird normalisiert, indem plötzlich angeblich alle irgendwie rechtsextrem sind.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Linke Gruppierungen ► Sahra Wagenknechts vielsagender Versprecher

Teillegalisierung von Cannabis: Cannabis? Längst nicht unser größtes Drogenproblem
Seit der Teillegalisierung diskutieren wir über Cannabis. Doch dessen Konsum ist gar nicht gestiegen. Ein Blick ins Abwasser zeigt: Die wahren Drogenprobleme sind andere. Eine Kolumne von Marcel Fratzscher
🔍 Drogenpolitik: Ursachen bekämpfen statt Konsumenten kriminalisieren
Die Debatte über Cannabis war von Anfang an ideologisch überladen. Die Teillegalisierung hat offenbar nicht zu dem behaupteten Konsumsprung geführt. Das eigentliche Problem bleibt der illegale Markt für Kokain, Crack und synthetische Drogen – und damit die organisierte Kriminalität, die von Verboten und fehlenden legalen Alternativen profitiert.
Entscheidend ist zudem nicht allein die Substanz. Ob Konsum zur Abhängigkeit wird, hängt wesentlich von Umwelt und Sozialisation ab: von Armut, Ausgrenzung, psychischen Belastungen, traumatischen Erfahrungen und fehlenden Zukunftsperspektiven. Wer nur verbietet und bestraft, bekämpft Symptome, nicht Ursachen.
Zugleich darf man psychoaktive Substanzen weder verteufeln noch romantisieren. Cannabis und andere Wirkstoffe können unter medizinischer und therapeutischer Begleitung Leiden lindern und neue Zugänge zum eigenen Erleben ermöglichen. Eine vermeintliche „Bewusstseinserweiterung“ ist aber kein Selbstzweck und ohne geschützten Rahmen auch nicht ungefährlich. Nötig sind deshalb Aufklärung, Prävention, Therapie und ein regulierter Markt – statt einer Drogenpolitik, die Konsumenten kriminalisiert und das Milliardengeschäft der organisierten Kriminalität überlässt.

🔍 Hintergrund: ► PsychologieUmwelt und Sozialisation DrogenOrganisierte_Kriminalität Empathie – der verdrängte Schlüssel der Zeitenwende (Essay)

Shein und Co.: Frankreich erhebt Sondergebühr für Wegwerfmode
Zwölf Euro Abgabe pro Jacke, neun Euro für eine Jeans, zwei Euro für ein T-Shirt: Frankreich will die Verbreitung von Billigmode mit Strafzahlungen einschränken. In den kommenden Jahren sollen sie noch weiter angehoben werden.
Trotz leichten Emissionsrückgangs: Deutschland droht laut Berechnung Klimaziel für 2026 zu verfehlen
Berechnungen eines Thinktanks mit vorläufigen Zahlen zeigen: Wenn sich die Emissionen weiter wie im ersten Halbjahr entwickeln, wird Deutschland 2026 erstmals sein gesetzliches Klimaziel nicht erreichen.
Nach Sturzflut in Nepal: Behörden melden fast 400 Tote und 1400 Vermisste
»Nur blutbeschmierte Kiesel sind noch übrig«: Augenzeugen schildern erschütternde Szenen aus den betroffenen Gebieten in Nepal und Tibet. Derweil erhöht sich die Zahl der Opfer weiter. Zahlreiche Deutsche werden vermisst.

🔍 Frankreich setzt ein wichtiges Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft
Die französische Abgabe auf Wegwerfmode ist ein sehr gutes und überfälliges Signal. Billigkleidung ist nur deshalb so billig, weil ihre tatsächlichen Kosten ausgelagert werden: auf schlecht bezahlte Arbeitskräfte, die Umwelt und letztlich die Allgemeinheit. Ressourcenverbrauch, kurze Nutzungsdauer, Müllberge und Treibhausgasemissionen verschwinden schließlich nicht mit dem nächsten Modetrend.
Während Deutschland sein Klimaziel zu verfehlen droht, führt uns die Katastrophe in Nepal erneut vor Augen, was auf dem Spiel steht. Eine einzelne Sturzflut lässt sich nicht pauschal dem Klimawandel zuschreiben. Doch die Erderwärmung intensiviert den Wasserkreislauf und kann extreme Niederschläge verschärfen – besonders verwundbare Regionen tragen die schwersten Folgen.
Frankreich zeigt deshalb in die richtige Richtung: Umweltzerstörender Konsum muss seinen tatsächlichen Preis erhalten. Freiwillige Appelle reichen nicht mehr aus. Das Zeitfenster schließt sich – und wer weiterhin Wegwerfproduktion fördert, lässt andere für deren vermeintlich billige Produkte bezahlen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

„Habe einen Fehler gemacht”: Ricarda Lang übt nach Zuckersteuer-Wut Selbstkritik
Vor zwei Tagen positioniert sich Ricarda Lang sehr klar gegen einen geleakten Entwurf zur Zuckersteuer. Nun rudert sie zurück und gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben.

🔍 Ricarda Langs erstaunliche Naivität
Ricarda Langs Selbstkritik ist richtig – doch ihr vorschneller Wutausbruch war erstaunlich naiv. Sie kennt den Politikbetrieb schließlich in- und auswendig und müsste wissen, wie gezielt geleakte Entwürfe eingesetzt werden, um Vorhaben schon vor einer sachlichen Debatte zu skandalisieren und politisch zu zerstören.
Beim sogenannten Heizungsgesetz ließ sich dieses Muster geradezu exemplarisch beobachten: Ein unfertiger Entwurf wurde durchgestochen, verkürzt dargestellt und öffentlich zerredet, bevor überhaupt eine vernünftige Diskussion über Ziele, Ausgestaltung und soziale Absicherung stattfinden konnte. Wer auf solche Leaks reflexhaft reagiert, macht sich ungewollt zum Teil dieser Kampagne. Gerade bei einer Zuckerabgabe wäre zuerst zu klären gewesen, ob sie vor allem Einnahmen erzielen oder – wie das britische Modell – Hersteller zur Reduzierung des Zuckergehalts bewegen soll. Erst den Entwurf prüfen, dann urteilen: Diese politische Lektion sollte Ricarda Lang eigentlich längst gelernt haben.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpFake News

Nordrhein-Westfalen: SPD im Ruhrgebiet fordert von Merz mehr Respekt im menschlichen Umgang
»Wer Veränderungen verlangt, muss mit Respekt sprechen«, lautet der Appell der SPD im Ruhrgebiet an die Bundesregierung. Sie fordert Nachbesserungen der Reformvorhaben.

🔍 Reformen brauchen Respekt – und soziale Gerechtigkeit
Die Ruhrgebiets-SPD trifft einen entscheidenden Punkt: Wer den Menschen Veränderungen und Belastungen abverlangt, darf nicht von oben herab über sie sprechen. Friedrich Merz erweckt jedoch immer wieder den Eindruck, Beschäftigte, Rentner, Arbeitslose und Menschen mit geringem Einkommen seien vor allem Kostenfaktoren oder reformunwillig.
Respekt zeigt sich allerdings nicht nur im Ton, sondern vor allem in der Verteilung der Lasten. Wer beim Sozialstaat kürzt, während große Vermögen, Erbschaften und Spitzenverdiener weitgehend geschont werden, betreibt keine ausgewogene Reformpolitik. Veränderung kann nur Akzeptanz finden, wenn sie nachvollziehbar, sozial gerecht und gemeinsam mit den Betroffenen gestaltet wird. Andernfalls wird „Reform“ lediglich zum freundlicher klingenden Begriff für Umverteilung von unten nach oben.

🔍 Hintergrund: Zeitenwende Die globale Schieflage (Essay)

So wird die AfD Sachsen-Anhalt dich arm und arbeitslos machen!
Auf dem Altar ihrer extremistischen Rassenideologie würde die AfD Sachsen-Anhalt hunderttausende Arbeitsplätze vernichten und die Wirtschaft in Schutt und Asche legen. Wir haben das Wirtschaftsprogramm der gesichert rechtsextremen Partei analysiert.
YouTuber im Wahlkampf Die AfD und ihre Streamer
Livestreamer begleiten den Wahlkampf der AfD und provozieren mit ihrem Auftreten. Das sorgt für Aufmerksamkeit, aber auch für Konflikte – auch innerhalb der Partei.

TV-Debatte in Frankreich: »Le Pen, das ist immer dasselbe: Subjekt, Verb, Einwanderung«
Der französische Präsidentschaftswahlkampf nimmt Fahrt auf: Sieben Bewerber liefern sich erstmals einen Schlagabtausch. Es geht um Migration, die Staatsfinanzen und das Klima – und um die Nachfolge Macrons.

🔍 Rechte Politik: Hass statt Lösungen
Ob AfD oder Le Pen: Das politische Geschäftsmodell der extremen Rechten besteht darin, nahezu jedes Problem auf Migration und ethnische Herkunft zurückzuführen. Statt über Vermögenskonzentration, marode Infrastruktur, fehlende Investitionen, Klimakrise oder den Umbau der Wirtschaft zu sprechen, werden Minderheiten zu Sündenböcken erklärt. Das ist keine Problemlösung, sondern systematische Aufstachelung zu Fremdenfeindlichkeit und Rassenhass.
Streamer und soziale Netzwerke dienen dabei als Verstärker: Provokation ersetzt Argumente, Reichweite ersetzt Wahrheit, Ressentiment ersetzt Politik. Zugleich würden Abschottung, „Remigration“ und die Vertreibung dringend benötigter Arbeitskräfte gerade in Sachsen-Anhalt Wirtschaft und öffentliche Versorgung massiv beschädigen. Diejenigen, die glauben, die AfD werde ihren Wohlstand schützen, könnten am Ende Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und demokratische Freiheit verlieren.
Die extreme Rechte lebt von den Krisen, die sie vorgibt zu bekämpfen. Sie braucht Feindbilder, weil sie für die wirklichen Ursachen gesellschaftlicher Probleme keine tragfähigen Antworten besitzt. Ihr Programm ist keine Alternative – es ist ein Angriff auf Menschenwürde, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Zukunft.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut  Rassismus

Zwei Monate vor den Midterms: Richterin stoppt Trumps geplante Änderungen am Briefwahlrecht
Im März beschloss Donald Trump per Verordnung weitreichende Änderungen für die Rolle der US-Post beim Briefwahlrecht. Doch nach Prüfung durch eine Bundesrichterin ist der Erlass »wahrscheinlich verfassungswidrig«.

»Kriegsminister« gegen KI-Firma: US-Gericht stoppt Sperrung von Anthropic durch Pentagon
Anthropic will nicht, dass das US-Militär seine KI-Modelle ungezügelt nutzen kann – und steht deshalb auf der schwarzen Liste des Pentagon. Nun ging eine Richterin mit klaren Worten dazwischen.Sicherheitsabstand von »Marine One«: Trumps Baustelle sorgte offenbar für »sehr schwerwiegende« Panne bei Helikopterflug
Mit viel Aufwand lässt US-Präsident Trump das Weiße Haus umgestalten. Die Bauarbeiten sorgen jedoch offenbar für Probleme im Luftverkehr über Washington. Ein Bericht zeigt nun, wie weitreichend die Konsequenzen waren.

Trumps Amerika: Gerichte als letzte Brandmauer gegen die Willkür
Drei Meldungen, ein Muster: Donald Trump behandelt den Staat wie sein persönliches Eigentum. Per Verordnung will er kurz vor den Midterms in das Briefwahlrecht eingreifen. Eine KI-Firma soll vom Pentagon bestraft werden, weil sie dem Militär keine schrankenlose Nutzung ihrer Technologie gestattet. Und selbst Trumps prestigeträchtiger Umbau des Weißen Hauses missachtet offenbar Sicherheitsabläufe mit potenziell schwerwiegenden Folgen.
Noch funktionieren Teile der rechtsstaatlichen Kontrolle: Richterinnen stoppen mutmaßlich verfassungswidrige Eingriffe und politische Vergeltungsmaßnahmen. Doch eine Demokratie kann nicht dauerhaft davon abhängen, dass Gerichte jeden einzelnen Übergriff nachträglich abwehren. Trump testet systematisch, wie weit er gehen kann – gegen Wahlregeln, unabhängige Unternehmen, Behörden und institutionelle Grenzen.
Die Baustelle am Weißen Haus wird damit unfreiwillig zum Symbol: Während Trump an der Fassade seines persönlichen Machtzentrums baut, beschädigt er das demokratische Fundament des Landes. Die USA erleben keine Reihe zufälliger Pannen, sondern eine Regierungsweise aus Größenwahn, Einschüchterung und institutioneller Willkür.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Russischer Angriffskrieg gegen Ukraine: Gouverneur ruft Einwohner von Cherson zur Evakuierung auf
Im südukrainischen Cherson könnten wochenlang Strom und Heizung ausfallen. Deshalb rufen die Behörden die Einwohner zur Evakuierung auf. Die Flugabwehr ist machtlos gegen russische Lenkbomben und Drohnen mit Düsenantrieb.

🔍 Cherson trägt die Handschrift von Mariupol
Was in Cherson geschieht, trägt die Handschrift von Mariupol: Wohngebiete werden bombardiert, die Energieversorgung wird zerstört und die Zivilbevölkerung durch Kälte, Dunkelheit und Dauerangriffe zur Flucht gezwungen. Es ist das wiederkehrende Muster dieses russischen Angriffskrieges.
Wir haben es in Butscha gesehen, wo Hunderte Zivilisten getötet wurden; in Mariupol mit dem bombardierten Theater und der Geburtsklinik; in Isjum mit Massengräbern und Folterstätten; in Kramatorsk beim Angriff auf den voll besetzten Bahnhof; in Hrosa, wo eine Rakete eine Trauerfeier auslöschte; und in zahlreichen zerstörten Wohnhäusern wie in Dnipro. Dazu kommen die Verschleppung ukrainischer Kinder und die systematische Zerstörung ziviler Infrastruktur.
Wer angesichts dieser Verbrechen pauschal „Verhandlungen“ verlangt, ohne von Russland ein Ende der Angriffe und den Rückzug aus den besetzten Gebieten zu fordern, verwechselt Frieden mit Unterwerfung. Die Friedensbereitschaft muss der Aggressor beweisen. Die Ukraine braucht zugleich wirksame Flugabwehr, Energiehilfe und humanitäre Unterstützung – bevor Cherson ein weiteres Mariupol wird.
Europa muss der Ukraine zugleich genügend Flugabwehr, Energiehilfe und humanitäre Unterstützung zur Verfügung stellen. Cherson darf nicht deshalb preisgegeben werden, weil Russland seine Angriffswaffen schneller weiterentwickelt als der Westen seine Hilfe organisiert.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

27.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

21:50 | ARTE
Dolly Parton: Everybody’s Darling
Die US-Country-Ikone Dolly Parton ist am 25. August im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Dokumentation führt noch einmal durch ihr Leben, ihre Musik und vor allem ihre Texte, die von den Widersprüchen des Lebens in den heutigen USA geprägt sind. Vor allem aber erlebt man eine große Künstlerin, deren Talent allzu oft von ihrem Aussehen und ihren Schönheitsoperationen überschattet wurde.

22:58 | 3sat
Kokain-Flut – Die Schweiz im Griff des globalen Kartells
Der Kokain-Konsum hat sich in der Schweiz innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Der Stoff wird immer reiner und immer billiger. Was tun?

23:50 | ZDFinfo
KI-Revolution – Der Aufstieg der Maschinen
Ist künstliche Intelligenz ein Heilsbringer, oder stürzt sie die Menschheit ins Verderben? Reporter Miles O’Brien untersucht den Meilenstein der technischen Entwicklung und dessen Gefahren.

00:30 | phoenix
Nächstes Level: Menschenhass – Rechtsextremismus auf Gaming-Plattformen
Auf den Gaming-Plattformen breitet sich rechtsextremes Gedankengut immer weiter aus. Was lässt sich dagegen unternehmen?

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Dritte Störung dieser Art: 200 Tonnen Quallen legen Atomkraftwerk in Frankreich lahm
Frankreich setzt intensiv auf Atomkraft. Nun sorgen zahlreiche Quallen erneut dafür, dass das größte Atomkraftwerk des Landes nicht wie geplant arbeiten kann. Helfen soll nun eine ungewöhnliche Maßnahme.
Sturzflut im Himalaja: Wie konnte es zur Katastrophe in Nepal kommen?
Die dramatischen Bilder vom Aufprall der Flutwelle auf einen Grenzposten zwischen China und Nepal gingen um die Welt. Wieso war die Flutwelle so gewaltig? Einschätzungen von SPIEGEL-Wissenschaftsdokumentar Marc Theodor.
🔍 Das Zeitfenster schließt sich – und die Rechnung wächst
200 Tonnen Quallen beeinträchtigen erneut das französische AKW Gravelines; fast zeitgleich verwüstet eine gewaltige Sturzflut Teile des Himalaja. Zwei völlig unterschiedliche Ereignisse – und dennoch zwei Warnsignale für eine Welt, deren natürliche Systeme sich verändern.
Beim Quallenbefall von Gravelines wäre es unseriös, den Klimawandel als konkrete Ursache zu behaupten: EDF bezeichnet die Ursachen bislang als ungeklärt. Der Vorfall zeigt aber, wie verletzlich auch vermeintlich zuverlässige Großinfrastrukturen gegenüber veränderten Umweltbedingungen sein können.
In Nepal ist der Zusammenhang grundsätzlicher: Die Katastrophe wurde durch einen gewaltigen Gletscherabbruch ausgelöst. Ob die Erwärmung dieses einzelne Ereignis verursacht hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftlich gesichert ist jedoch, dass Gletscherschwund und auftauender Permafrost Hochgebirge destabilisieren und Risiken durch Fluten, Erdrutsche und Gletscherseeausbrüche erhöhen.
Und damit kommen wir zur Rechnung: Wetter- und Klimaextreme verursachten allein in der EU von 1980 bis 2024 bereits 822 Milliarden Euro Schäden – davon 208 Milliarden allein in den letzten vier Jahren.
Das Zeitfenster für wirksamen Klimaschutz schließt sich. Je länger wir warten, desto höher werden nicht nur Temperaturen und Risiken, sondern auch die Folgekosten. Klimaschutz ist teuer. Kein Klimaschutz wird unbezahlbar.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

»Schlicht unbezahlbar«: Deutschland und fünf weitere EU-Länder widersprechen Entwurf für EU-Finanzrahmen
Die EU-Länder ringen um den Haushalt für 2028 bis 2034. Kanzler Merz will Hunderte Milliarden Euro weniger zahlen als von der EU-Kommission vorgeschlagen. Dafür bildet er Allianzen.

🔍 Wie in Deutschland: Nicht das Geld fehlt – sondern der politische Wille, es dort zu holen, wo es sich konzentriert
„Schlicht unbezahlbar“ – dieses Wort hört man inzwischen überall. In Deutschland angeblich kein Geld für Infrastruktur, sozialen Ausgleich und Klimaschutz, auf EU-Ebene nun kein Geld für die gemeinsamen Aufgaben Europas. Dabei schlägt die Kommission für 2028–2034 rund zwei Billionen Euro vor – für Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Energieunabhängigkeit, Innovation und Zusammenhalt. Deutschland und fünf weitere Nettozahler wollen mehrere hundert Milliarden streichen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wo können wir kürzen? Sondern: Wer trägt eigentlich angemessen zur Finanzierung des Gemeinwesens bei?
Allein die Mehrwertsteuer-Compliance-Lücke in der EU belief sich nach jüngsten Kommissionsdaten auf 128 Milliarden Euro in einem einzigen Jahr. Bei der Körperschaftsteuer fehlen in den untersuchten EU-Staaten im Durchschnitt weitere Einnahmen in Höhe von fast elf Prozent des tatsächlich erhobenen Aufkommens. Die Kommission selbst fordert deshalb wirksamere Steuerverwaltungen und entschlosseneres Vorgehen gegen Steuerbetrug und Steuervermeidung.
Und während Staaten sparen, wächst extremes Privatvermögen weiter. Der EU Tax Observatory zufolge zahlen Milliardäre gemessen an ihrem Vermögen häufig extrem niedrige effektive Steuersätze; eine internationale Mindestbesteuerung großer Vermögen wäre technisch keineswegs undenkbar.
Für Deutschland steht der Grundsatz sogar im Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Das wäre auch für Europa eine brauchbare politische Leitlinie: Steuerflucht und aggressive Steuervermeidung konsequent bekämpfen, Schlupflöcher schließen und sehr große Vermögen angemessener beteiligen – bevor Zukunftsinvestitionen zusammengestrichen werden.
Denn ein Europa, das bei Klimaschutz, Infrastruktur, Forschung und sozialem Zusammenhalt spart, weil es sich nicht an die großen Vermögen und Gewinnverschiebungen herantraut, spart am Ende an seiner eigenen Zukunft.

🔍 Hintergrund: ► Tax Wars (Doku) Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Treffen mit Lawrow in Moskau: „Leiden muss aufhören“: Vatikan-Vertreter fordert Kriegsende
Der Vatikan bietet sich im Ukraine-Krieg als Vermittler an. In Moskau hat der Papst-Außenbeauftragte das Kriegsende gefordert. Außenminister Lawrow zeigte sich offener als bisher.

🔍 Jetzt muss Russland seine Friedensbereitschaft beweisen
Die Worte aus Moskau klingen zunächst ermutigend: Sergej Lawrow zeigt sich gegenüber dem Vatikan offener als bisher und stellt neue politische Konsultationen in Aussicht.
Doch Friedensbereitschaft bemisst sich nicht an freundlicheren Formulierungen, sondern an konkreten Handlungen.
Russland hat diesen Krieg begonnen und hält weiterhin große Teile der Ukraine besetzt. Noch vor wenigen Tagen erklärte Moskau, neue Friedensvorschläge kämen nur infrage, wenn sie die von Russland geschaffenen „Realitäten vor Ort“ und Putins Ziele berücksichtigen. Die russischen Gebietsansprüche bleiben damit ein zentrales Hindernis.
Gerade deshalb sollte das Vermittlungsangebot des Vatikans angenommen und Russland beim Wort genommen werden: Ist Moskau tatsächlich an Frieden interessiert, muss es zu ernsthaften Verhandlungen ohne unerfüllbare Vorbedingungen bereit sein, einer belastbaren Waffenruhe zustimmen und auf weitere Angriffe verzichten.
Die Ukraine bemüht sich derzeit um eine Wiederaufnahme von Gesprächen im September. Damit liegt eine Möglichkeit auf dem Tisch.
Gallaghers Satz trifft den Kern: „Dieser Krieg muss enden.“ Jetzt ist vor allem Russland gefordert zu zeigen, dass hinter der neuen Gesprächsbereitschaft mehr steckt als diplomatische Rhetorik.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg
Vatikan

Reise nach Russland: CIA-Chef warnte in Moskau laut US-Medienberichten vor Angriff auf Nato-Verbündete
Die Reise von CIA-Direktor Ratcliffe nach Russland sorgte zuletzt für heftige Spekulationen und löste besorgte Reaktionen aus. Nun berichten mehrere Medien über ein heikles Ziel des Besuchs.

🔍 CIA-Warnung an Moskau: Testet Putin bereits die Grenzen der NATO?
Der Vorgang ist tatsächlich ungewöhnlich – und je genauer man hinschaut, desto brisanter wird er. Nach übereinstimmenden Berichten von Wall Street Journal, ABC und CBS reiste CIA-Direktor John Ratcliffe am 25. August 2026 nach Moskau, um Russland ausdrücklich vor Angriffen oder Provokationen gegen NATO-Staaten zu warnen. Hintergrund sollen neue US-Geheimdiensteinschätzungen sein, wonach Putin versuchen könnte, die Geschlossenheit der NATO und vor allem die amerikanische Beistandsbereitschaft zu testen – etwa durch Cyberangriffe, hybride Operationen oder begrenzte militärische Aktionen, insbesondere gegen die baltischen Staaten.
Für die Einordnung ist eine Parallele besonders wichtig: Im November 2021 flog der damalige CIA-Chef William Burns nach Moskau, um Putin vor einem Angriff auf die Ukraine und vor den Konsequenzen zu warnen. Am 24. Februar 2022 begann Russland trotzdem die großangelegte Invasion. Dass nun erneut ein CIA-Direktor persönlich nach Moskau geschickt wird, um vor einer militärischen Eskalation zu warnen, zeigt zumindest, wie ernst Teile des amerikanischen Sicherheitsapparats die Lage offenbar einschätzen.
Wichtig ist dabei die saubere Trennung zwischen gesichertem Befund und Berichtslage: Der Kreml bestätigt Ratcliffes Gespräche mit russischen Geheimdiensten und dass Putin anschließend informiert wurde. Der genaue Inhalt der Warnung ist offiziell bislang nicht bestätigt. Die Angaben zu NATO und Iran stammen aus Berichten unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Quellen. Trump selbst bezeichnete die Reise dagegen als „semi-routine“ und bestritt, dass NATO oder Iran der Anlass gewesen seien.
Genau dieser Widerspruch macht die Sache politisch interessant: Trump beschwichtigt öffentlich, während sein eigener Geheimdienst die Lage offenbar ernst genug nimmt, den CIA-Direktor persönlich nach Moskau zu schicken. Falls die Geheimdienste tatsächlich einen russischen Test der NATO für möglich halten, wäre das auch eine Folge der Unsicherheit, die Trump selbst immer wieder über die amerikanische Bündnistreue erzeugt hat. Für Putin könnte gerade die Frage entscheidend sein, ob Washington bei einer bewusst begrenzten Provokation wirklich geschlossen und entschlossen reagieren würde.
Und da liegt die eigentliche Gefahr. Putin müsste keinen offenen Großkrieg gegen die NATO beginnen. Schon ein begrenzter Zwischenfall könnte darauf zielen, Artikel 5 politisch auszutesten. Würde die Allianz darauf zögerlich oder uneinig reagieren, wäre der strategische Schaden enorm. Ratcliffes Reise wäre dann weniger ein Zeichen von Entspannung als ein Warnsignal dafür, wie eng Abschreckung und gefährliche Fehlkalkulation inzwischen beieinanderliegen.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Neuer Podcast »Mad Kings«: Und plötzlich hätte Putin Zugriff auf die deutsche Innenpolitik
Die AfD von Kandidat Ulrich Siegmund gilt als besonders russlandfreundlich. Sollte er Ministerpräsident werden, könnte Putin Zugang zu hochsensiblen Staatsinformationen bekommen. Erste Hinweise gibt es schon jetzt.

Deutschlandweite Umfrage: Mehrheit lehnt zentrale AfD-Forderungen ab
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nimmt eine bundesweite Umfrage entscheidende Aussagen aus dem AfD-Wahlprogramm in den Blick. Bei einem Kernthema der Partei fällt das Ergebnis besonders deutlich aus. Ein Podcast von Britta Sandberg und Christoph Hickmann
Mecklenburg-Vorpommern: Landeswahlleiter kontert AfD-Kritik an Briefwahl
Die AfD warnt vor Manipulationen bei der Briefwahl. Mecklenburg-Vorpommerns Landeswahlleiter Christian Boden hält nun dagegen.

TV-Debatte vor Landtagswahl: Schulze gegen Siegmund – so lief das Duell
Bei der TV-Debatte im MDR lieferten sich die Kandidierenden in Sachsen-Anhalt einen Schlagabtausch. Der Ton wurde dabei zwischenzeitlich rauer.

So bedroht die AfD Sachsen-Anhalt deine Kinder!
Mit ihrer Politik gefährdet die gesichert rechtsextreme AfD auch deine Kinder, indem sie ihre Rechte in Frage stellt, ihnen den Zugang zu Aufklärung verwehrt, die Schulpflicht abschaffen will, manchen Kindern sogar ärztliche Versorgung verbieten möchte – und „Sicherheitsdienste“, bewaffnet mit Tränengas, auf dem Schulhof aufstellen möchte. DAS sind die haarsträubenden Forderungen der AfD Sachsen-Anhalt im Wahlprogramm, die deine Kinder, ihre Bildung und ihre Zukunft in Gefahr bringen.

Bündnis Sahra Wagenknech: „Zwischen AfD light und SED 2.0“ – Neue Kritik zu BSW-Spitzenkandidaten
Nach dem Austritt von 21 bekannten Mitgliedern in Sachsen-Anhalt ebbt die Kritik am BSW und seinen Spitzenkandidaten nicht ab. Grund ist die Nähe der Partei zur AfD. Von Isabel Knippel

🔍 Sachsen-Anhalt vor der Richtungsentscheidung: Die Gefahr reicht bis Moskau
Was sich derzeit zusammenfügt, sollte niemand als gewöhnlichen Wahlkampf abtun. Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt bei rund 42 Prozent, obwohl zentrale Forderungen ihres Programms bundesweit mehrheitlich abgelehnt werden. Gleichzeitig säen AfD-Politiker erneut Zweifel an der Briefwahl, ohne Belege für systematische Manipulation vorzulegen; der Landeswahlleiter Mecklenburg-Vorpommerns weist diese Vorwürfe zurück und betont die Sicherheitsmechanismen.
Besonders alarmierend ist jedoch die Russlandfrage. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beschreibt einen Landesverband, der für eine Annäherung an Russland wirbt. CORRECTIV dokumentiert Russlandreisen, Kontakte, Forderungen nach einem Ende der Sanktionen und nach Wiederinbetriebnahme von Nord Stream sowie AfD-Politiker, die Deutschlands Westbindung infrage stellen.
Sollte Ulrich Siegmund Ministerpräsident werden, warnen Sicherheitsexperten deshalb vor einem bislang kaum vorstellbaren Szenario: Eine ausgesprochen russlandfreundliche AfD bekäme Regierungsverantwortung und damit Zugang zu sensiblen staatlichen Informationen. Dass diese Informationen tatsächlich bei Putin landen würden, ist nicht bewiesen. Das Sicherheitsrisiko, vor dem Experten warnen, ist dennoch real und darf nicht verharmlost werden.
Hinzu kommt das BSW: Nach dem Austritt von 21 Mitgliedern gibt es massive innerparteiliche Vorwürfe, die Spitzenkandidaten rückten bewusst näher an die AfD.
Es geht am 6. September deshalb um weit mehr als einen Regierungswechsel. Es geht um die Frage, ob ein vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch bewerteter, Russland-naher AfD-Landesverband erstmals Regierungsgewalt erhält – während gleichzeitig Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen geschürt wird. Wer diese Gefahr kleinredet, könnte erst begreifen, was auf dem Spiel stand, wenn staatliche Macht bereits in den falschen Händen liegt.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut Ukraine-Krieg

ARD-Korrespondent zu Nepal: Wohl eine „furchtbare Folge“ des Klimawandels
Wie viele Menschen durch die Sturzflut in Nepal ums Leben gekommen sind, ist noch unklar. Erst nach und nach wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich, die laut ARD-Korrespondent Markus Spieker vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen ist.

🔍 Nepal: Das Zeitfenster schließt sich – und die Rechnung wächst
Die Katastrophe im Himalaja ist mehr als eine weitere Meldung über „Extremwetter“. Nach aktuellem Stand sind mindestens 165 Menschen tot, nahezu 1.500 werden vermisst. Ganze Siedlungen, Straßen und Brücken wurden zerstört. Wissenschaftler sehen in der Erwärmung einen wichtigen Verstärker: Schmelzendes Eis, tauender Permafrost und veränderte Niederschlagsmuster destabilisieren die Hochgebirge. Zugleich gilt wissenschaftlich sauber: Der Klimawandel ist nicht zwangsläufig die einzige Ursache dieses einzelnen Ereignisses.
Doch genau hier beginnt die verdrängte ökonomische Rechnung der Erderwärmung: Rettungseinsätze, zerstörte Infrastruktur, Wiederaufbau, Produktionsausfälle, beschädigte Wasserkraftwerke, Einbußen im Tourismus – und vor allem menschliches Leid, das sich überhaupt nicht in Geld beziffern lässt. Diese Folgekosten verschwinden nicht. Sie werden mit jedem weiteren Zehntelgrad Erwärmung größer und landen zunehmend bei Staaten, Kommunen und der Allgemeinheit.
Und deshalb ist das sich schließende Zeitfenster entscheidend. UNEP warnt inzwischen, dass selbst bei vollständiger Umsetzung der derzeitigen Klimazusagen eine Erwärmung von etwa 2,3 bis 2,5 Grad droht; mit der gegenwärtigen Politik sind es bis zu 2,8 Grad. Jedes vermiedene Zehntelgrad reduziert Schäden und Risiken.
Wir entscheiden heute nicht mehr darüber, ob Klimawandel Kosten verursacht. Wir entscheiden darüber, wie gewaltig diese Kosten noch werden. Je länger die Energiewende verschleppt wird, desto höher wird die Rechnung – und desto kleiner wird der Handlungsspielraum der kommenden Jahre. Nepal ist dafür eine weitere brutale Warnung.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

Wahl in Berlin: Chef des Dachverbandes der DDR-Opfer kritisiert Linken-Forderung nach Enteignung
Die Enteignungspläne der Linkspartei sorgen in Berlin für Wirbel. Nun gibt es heftige Kritik aus dem Verband der DDR-Opfer. Verstaatlichungen seien »der Weg zum Sozialismus«.
Sachsen-Anhalt: Linke nennt Bedingungen für Zusammenarbeit mit CDU in Sachsen-Anhalt
Die CDU schließt eine Zusammenarbeit mit der Linken aus. Für den Fall einer Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt hat Heidi Reichinnek dennoch Bedingungen genannt.
🔍 Die beiden Meldungen zeigen ein Problem, das angesichts der Stärke der AfD immer dringlicher wird: Die demokratischen Parteien müssen unterscheiden zwischen fundamentaler Systemgefahr und hartem politischen Streit.
Die Berliner Forderung der Linken nach Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne kann man ökonomisch scharf kritisieren. Es stellen sich erhebliche Fragen nach Entschädigung, Finanzierung, Investitionen und danach, ob dadurch auch nur eine einzige zusätzliche Wohnung entsteht. Die pauschale Gleichsetzung mit DDR-Verstaatlichungen greift allerdings ebenfalls zu kurz. Artikel 15 des Grundgesetzes sieht Vergesellschaftung ausdrücklich vor, und eine vom Berliner Senat eingesetzte Expertenkommission kam 2023 mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände grundsätzlich verfassungskonform ausgestaltet werden kann. Außerdem stimmte 2021 eine deutliche Mehrheit beim Berliner Volksentscheid dafür.
Das macht die Forderung noch lange nicht ökonomisch sinnvoll. Gerade die Linke sollte begreifen, dass bezahlbarer Wohnraum vor allem zusätzlichen Wohnraum benötigt und eine milliardenschwere Übernahme vorhandener Wohnungen öffentliche Mittel binden kann, die dann beim Neubau fehlen. Gleichzeitig geht die Berliner Linke inzwischen noch weiter und fordert ausdrücklich die Vergesellschaftung großer profitorientierter Immobilienunternehmen.
In Sachsen-Anhalt stellt sich jedoch eine andere, wesentlich grundsätzlichere Frage. Dort liegt die AfD vor der Wahl am 6. September 2026 klar vorn. Heidi Reichinnek signalisiert, dass die Linke eine CDU-Minderheitsregierung unter Bedingungen tolerieren könnte: keine Umsetzung von AfD-Politik und konkrete soziale Verbesserungen im Haushalt.
Hier beginnt staatspolitische Verantwortung. CDU und Linke müssen keine Freunde werden, und niemand muss linke Enteignungsforderungen akzeptieren. Aber eine demokratische Partei mit zum Teil radikal anderen wirtschaftspolitischen Vorstellungen ist etwas anderes als eine Partei, deren möglicher Regierungsantritt inzwischen sogar sicherheitspolitische Fragen bis hin zu ihrer ausgeprägten Russlandnähe aufwirft.
Deshalb wäre es fatal, wenn die CDU aus ideologischer Starrheit jede Verständigung mit der Linken ausschlösse – und ebenso fatal, wenn die Linke die Notlage dazu nutzte, Maximalforderungen durchzusetzen. Demokratie lebt vom politischen Gegner, mit dem man streitet und Kompromisse schließen kann. Ihre eigentliche Gefahr beginnt dort, wo Kräfte an die Macht kommen könnten, die diese demokratischen Spielregeln selbst infrage stellen.
Die Brandmauer darf deshalb nicht zur politischen Gleichung „AfD = Linke“ verkommen. Kritik an linker Politik ist notwendig. Aber wer Unterschiede zwischen einer verfassungsgemäß umstrittenen Wirtschaftsordnung und einer möglichen Bedrohung demokratischer Institutionen verwischt, verliert ausgerechnet in dieser Situation den Maßstab.

Aufsichtsrat beim Autokonzern: Niedersachsens Ministerpräsident Lies warnt vor Massenentlassungen bei VW
Die Fronten zwischen Vorstand und Beschäftigten bei Volkswagen sind verhärtet. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies verlangt von der Führung ein »tragfähiges Zukunftskonzept«.

🔍 VW: Die Beschäftigten dürfen nicht die Rechnung für jahrzehntelange Fehlentscheidungen bezahlen
Olaf Lies hat recht: Massenentlassungen sind kein Zukunftskonzept. Volkswagen steht zweifellos unter enormem Druck. Chinesische Hersteller greifen mit günstigeren und oft schneller entwickelten Elektroautos an, die Gewinne in China schrumpfen, die Kosten in Deutschland sind hoch, und VW selbst spricht inzwischen von möglicherweise bis zu 50.000 Stellen, die im Zuge des Umbaus wegfallen könnten.
Aber die Krise ist nicht einfach vom Himmel gefallen. VW und große Teile der deutschen Autoindustrie haben viel zu lange auf den Verbrennungsmotor gesetzt. Beim Elektroauto, bei Batterien und insbesondere bei der Software wurden entscheidende Jahre verloren. Dass VW 2024 Milliarden in eine Kooperation mit Rivian investieren musste, war auch die Konsequenz jahrelanger Probleme der eigenen Softwaretochter Cariad. In China räumte VW-Chef Oliver Blume selbst bereits ein, bei Elektroautos mit den führenden Herstellern nicht mithalten zu können.
Hinzu kommt ein historischer Managementskandal: Der Dieselskandal kostete Volkswagen allein in den USA mehr als 20 Milliarden Dollar an Strafen, Vergleichen und Entschädigungen und beschädigte Vertrauen und Reputation weltweit. Rund elf Millionen Fahrzeuge waren von manipulierter Abgassoftware betroffen.
Deshalb ist es zu einfach, jetzt vor allem über Löhne, Werke und Stellenabbau zu reden. Die Beschäftigten haben weder den Dieselskandal verursacht noch die Elektromobilität verschlafen noch die Softwarestrategie vermasselt.
Ein tragfähiges Zukunftskonzept muss deshalb genau dort ansetzen, wo VW zu lange zurücklag: bezahlbare Elektroautos, konkurrenzfähige Software, Batterietechnik, schnellere Entwicklungszyklen und eine konsequente Nutzung der deutschen Werke für die Mobilität der Zukunft.
Die Energiewende ist nicht die Ursache der VW-Krise. Die eigentliche Gefahr bestand darin, sie zu lange als Bedrohung des alten Geschäftsmodells zu behandeln, statt sie frühzeitig als industrielle Zukunftschance zu begreifen. Wer jetzt lediglich Arbeitsplätze abbaut, ohne diesen strategischen Rückstand aufzuholen, spart Volkswagen nicht gesund – er verwaltet seinen Niedergang.

🔍 Hintergrund: KlimawandelEnergiewende Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

Brief an Uno: Iran bezeichnet US-Sanktionen als Wirtschaftsterrorismus
Die USA wollen künftig alle, die Handel mit Iran betreiben, ebenfalls mit Sanktionen bestrafen. Iran reagiert mit einem empörten Brief an die Vereinten Nationen und warnt vor einer humanitären Krise.
Mehr importiertes Rindfleisch: Trump macht Burger billiger – und die Bauern wütend
Horrende Lebensmittelpreise plagen die US-Bevölkerung. Den Republikanern könnten sie die Midterms verhageln. Nun steuert das Weiße Haus gegen. Doch die jüngste Maßnahme verprellt eine wichtige Wählergruppe.

🔍 Trump gegen Trump: Wirtschaftskrieg nach außen, Notoperation im eigenen Land
Die beiden Meldungen zeigen exemplarisch, wie widersprüchlich Trumps Wirtschaftspolitik inzwischen geworden ist. Gegen Iran setzt Washington auf maximale wirtschaftliche Erpressungsmacht: Nicht nur iranische Unternehmen sollen getroffen werden, sondern künftig auch ausländische Staaten, Banken und Firmen, die weiter Geschäfte mit Teheran machen. Das Instrument sind Sekundärsanktionen – faktisch die Drohung: Wer mit Iran handelt, riskiert den Zugang zum amerikanischen Markt und Finanzsystem.
Irans Bezeichnung als „Wirtschaftsterrorismus“ ist politische Rhetorik und sollte nicht unkritisch übernommen werden. Ebenso wenig darf aber ausgeblendet werden, dass umfassende Sanktionen weit über politische Eliten und Rüstungsprogramme hinauswirken können. Selbst wenn Lebensmittel und Medikamente formal ausgenommen sind, können Banken und Unternehmen aus Angst vor Sanktionen Geschäfte vollständig meiden. UN-Berichte haben solche Auswirkungen auf die Versorgung der iranischen Bevölkerung bereits dokumentiert.
Und während Trump international den Handel als Waffe einsetzt, entdeckt er zu Hause plötzlich dessen Vorteile. Weil Rindfleisch für amerikanische Verbraucher massiv teurer geworden ist, lässt seine Regierung für 90 Tage bis zu 300.000 Tonnen zusätzliches Rindfleisch ohne die sonst fälligen Zusatzzölle ins Land. Die Rinderbestände der USA befinden sich auf einem 75-Jahres-Tief; Rind- und Kalbfleisch waren zuletzt rund neun Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Amerikanische Viehzüchter protestieren, weil billigere Importe ihre Preise und Einkommen drücken können.
Das ist der Kern des Widerspruchs: Zölle und Handelsbarrieren werden als großartige Waffe gefeiert, solange andere ihre Kosten tragen sollen. Treffen steigende Preise jedoch die eigenen Wähler kurz vor den Midterms, werden dieselben Barrieren hastig beseitigt.
Noch bemerkenswerter: Zu den Ursachen der Probleme amerikanischer Farmer gehören inzwischen hohe Diesel- und Düngemittelkosten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg, während Dürren und Waldbrände zusätzlich die Viehbestände belasten. Außenpolitische Eskalation, fossile Abhängigkeit und Klimafolgen schlagen damit immer stärker auf den heimischen Supermarktpreis durch.
Trump versucht eine hochgradig vernetzte Weltwirtschaft mit Druck, Zöllen und Sanktionen zu beherrschen – und muss anschließend zu Hause die Folgen dieser Politik reparieren. Das ist keine konsistente Wirtschaftsstrategie. Es ist Politik nach dem Prinzip: maximaler Druck, bis die Rechnung bei den eigenen Wählern ankommt – und dann möglichst schnell jemand anderen bezahlen lassen.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon ValleyDie Elon-Musk-Story


26.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

18:45 | ZDFinfo
Russlands Kriege
Das Zarenreich
19:30
Die Sowjetunion
20:15
Die Russische Föderation

21:00 | 3sat
Frauen für Trump – Amerikas neue Rechte
Rechte Influencerinnen gewinnen in den USA über soziale Medien an Einfluss. Die Doku zeigt, wie sie auf Instagram und YouTube konservative und rechtsextreme Ideologien verbreiten.

21:00 | ZDFinfo
Die Kriege der USA
Von der Kolonie zur Weltmacht
21:45
Im Namen der Freiheit
22:30
Öl, Macht, Terror

02:30 | ZDF
Wohnungsleerstand: Mieter raus – Rendite rein?

02:45 | ZDF
Fischmehl – Ein schmutziges Business
Jeder fünfte Fisch wird zu Fischmehl als Tierfutter verarbeitet. Beispielsweise für Zucht-Lachs aus Aquakultur. Doch diese Praxis hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

der Podcast: Der Trump Effekt: Folge 70: Kriege aus Schwäche – wird Trump immer gefährlicher?
Zollstreit mit Kanada, neue Iran-Sanktionen und Konflikte in der Ukraine: US-Präsident Donald Trump setzt auf Konfrontation. Wird seine Politik aggressiver, weil sein Rückhalt schwindet?
Drohungen verlieren an Wirkung:“Trumps Präsidentschaft befindet sich im roten Bereich“
Donald Trump unter Druck: Erreichen ihn noch alle wichtigen Informationen? Und wer ist die neue Vertraute an seiner Seite? Die Debatte im auslandsjournal-Podcast.

Pflege von Geheimdienstkontakten Kreml bestätigt Moskau-Visite von CIA-Chef Ratcliffe
Erst wollte der Kreml nichts über ein in Moskau gelandetes US-Militärflugzeug wissen. Nun bestätigt der Kreml: CIA-Chef Ratcliffe ist nach Russland gereist. Über den Anlass des Geheimdiensttreffens wird geschwiegen.

Kurswechsel durch neue Regierung: Ungarn stuft Russland als »Bedrohung« ein
Jahrelang galt Ungarn mit Premierminister Viktor Orbán als langer Arm Moskaus innerhalb der EU. Mit einem Dokument besiegelt Orbáns Nachfolger Péter Magyar nun einen weitreichenden außenpolitischen Kurswechsel.

Sturer US-Präsident Trump droht Kanada mit Umbenennung von Lake Ontario (und mit dem Kennedy Center ist er auch noch nicht fertig)
Kanada bietet dem US-Präsidenten im Handelsstreit die Stirn. Donald Trump reagiert trotzig und umreißt bemerkenswerte Pläne für den Ontariosee. Im Namensdisput um das Kennedy Center schickt er Anwälte.

🔍 Trump und Putin: Eskalation aus Schwäche – und der fossile Kern der Macht
Trump und Putin steht – auf sehr unterschiedliche Weise – das Wasser bis zum Hals. Beide Systeme geraten unter Druck, beide reagieren mit Konfrontation, Feindbildern und dem Versuch, Macht zu sichern. Das macht sie nicht identisch. Aber es macht die Strukturen vergleichbar.
Bei Trump kommt hinzu, dass politische Macht, Familieninteressen, wirtschaftliche Netzwerke und persönliche Loyalitäten immer schwerer voneinander zu trennen sind. Bei Putin ist die Verschmelzung von Staatsmacht, Oligarcheninteressen, Rohstoffreichtum und politischer Repression seit Jahren ein tragendes Element seines Systems.
Deshalb müssen auch die Verbindungen hinter den Kulissen weiter untersucht werden: Geldflüsse, Mittelsmänner, Geschäftsinteressen, persönliche Netzwerke und mögliche politische Gegenleistungen. Nicht mit Verschwörungstheorien, sondern mit maximaler journalistischer und parlamentarischer Härte.
Die jüngste Moskau-Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe ist dafür ein Beispiel. Belastbar ist: Es gab einen ungewöhnlich hochrangigen, weitgehend vertraulichen Kontakt zwischen Washington und Moskau. Belastbar ist auch, dass die USA die Ukraine Berichten zufolge um eine zeitweise Einschränkung bestimmter Angriffe baten. Nicht belegt ist dagegen bislang, dass dabei private Geschäftsinteressen, Geldflüsse oder persönliche Gegenleistungen verhandelt wurden. Genau diese Grenze zwischen Fakt, Indiz und Spekulation muss eingehalten werden.
Doch der eigentliche Zusammenhang reicht viel tiefer.
Das sich schließende Zeitfenster beim Klimawandel ist kein Nebenschauplatz dieser Machtkämpfe. Es ist einer ihrer zentralen Brennpunkte.
Wir erleben nicht mehrere voneinander unabhängige Krisen. Wir erleben verschiedene Erscheinungsformen derselben zerstörerischen Logik: Machtkonzentration, fossile Abhängigkeit, maßlose Bereicherung, Ressourcenkriege, Nationalismus, Desinformation und die systematische Verschiebung der Kosten auf die Allgemeinheit und auf kommende Generationen.
Öl und Gas finanzieren autoritäre Regime, schaffen geopolitische Abhängigkeiten und halten Machtapparate am Leben. Fossile Konzerne und ihre politischen Netzwerke profitieren davon, dass der notwendige Umbau verzögert wird. Kriege treiben Energiepreise, Rüstungsausgaben und Rohstoffkämpfe weiter an. Gleichzeitig verschlingt die Klimakrise immer größere Summen durch Hitze, Dürren, Überschwemmungen, Ernteausfälle, zerstörte Infrastruktur und gesellschaftliche Destabilisierung.
Während wenige an diesem System verdienen, bezahlt die Mehrheit die Rechnung.
Sie bezahlt mit höheren Lebenshaltungskosten. Mit zerstörter Natur. Mit Steuergeld für immer neue Klimaschäden. Mit gesellschaftlicher Unsicherheit. Mit Kriegen um Einfluss und Ressourcen. Und am Ende möglicherweise mit Lebensbedingungen, die für Millionen Menschen nicht mehr beherrschbar sind.
Das ist der Punkt, an dem aus Politik eine historische Verantwortung wird.
Denn wir verfügen heute über das Wissen. Wir kennen die physikalischen Ursachen der Erderwärmung. Wir kennen die Risiken. Wir kennen die Technologien, mit denen sich Emissionen drastisch reduzieren lassen. Und wir wissen zugleich, welche politischen und wirtschaftlichen Kräfte seit Jahrzehnten bremsen, relativieren, verzögern oder Zweifel säen.
Wer unter diesen Bedingungen weiterhin am fossilen Geschäftsmodell festhält, verteidigt nicht den Status quo. Er verschärft bewusst ein bekanntes Risiko.
Das Zeitfenster schließt sich nicht irgendwann in ferner Zukunft. Es schließt sich jetzt.
Jede weitere verlorene Legislaturperiode, jedes weitere Jahrzehnt fossiler Investitionen, jeder weitere Krieg um Rohstoffe und jede weitere Kampagne gegen wissenschaftliche Erkenntnisse verkleinert unseren Handlungsspielraum.
Deshalb geht es längst nicht mehr nur um „Klimapolitik“.
Es geht darum, wer über die Zukunft verfügt.
Ob einige wenige Macht- und Vermögensnetzwerke weiter kurzfristige Gewinne, politische Kontrolle und geopolitische Dominanz über die langfristigen Lebensinteressen von Milliarden Menschen stellen dürfen.
Oder ob demokratische Gesellschaften endlich die Kraft aufbringen, diesen Mechanismus zu durchbrechen.
Kriege, fossile Abhängigkeit, oligarchische Bereicherung, autoritäre Macht und Klimazerstörung sind keine getrennten Kapitel unserer Gegenwart. Sie greifen ineinander. Sie nähren einander. Und wer sie weiterhin isoliert betrachtet, wird niemals verstehen, warum wir trotz jahrzehntelanger Warnungen immer tiefer in dieselbe Krise geraten.
Die entscheidende Auseinandersetzung unserer Zeit lautet deshalb:
Werden wir die vorhandenen Machtstrukturen verändern – oder werden diese Machtstrukturen die Lebensgrundlagen verändern, bis wir keine Wahl mehr haben?

🔍 Hintergrund: Donald Trump Trump – Die Spur des Geldes Ukraine-Krieg Russland, Putin und die OligarchenWem gehört die Zukunft? (Essay) Die globale Schieflage (Essay) ► Klimawandel ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

Nepals Grenzregion zu Tibet Sturzflut im Himalaja spült Dörfer weg – viele Opfer befürchtet
Die Behörden befürchten zahlreiche Opfer und enorme Schäden: Mindestens acht Menschen sind bei einer Sturzflut in Nepal gestorben. Aus dem benachbarten Tibet wurde ein Erdrutsch gemeldet.
Nepal: Hunderte vermisste Touristen nach Sturzflut in Nepal
Nach einer Sturzflut in Nepal werden mindestens 384 Reisende vermisst. Unter den 291 ausländischen Vermissten sind auch Deutsche. Die Behörden meldeten bisher 22 Tote.

🔍 Die Natur schickt ihre bittere Rechnung
Ganze Dörfer werden fortgerissen, Menschen sterben, Hunderte gelten als vermisst. Noch ist nicht abschließend geklärt, was die verheerende Sturzflut in Nepal ausgelöst hat; derzeit gilt eine gewaltige Eis- und Felslawine als wahrscheinlicher unmittelbarer Auslöser. Eine direkte Zuschreibung dieses einzelnen Ereignisses an den Klimawandel wäre deshalb unseriös.
Aber der größere Zusammenhang ist unübersehbar: Der Himalaja erwärmt sich nahezu doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, seine Gletscher verlieren immer schneller Eis. Seit 2000 hat sich die Geschwindigkeit des Eisverlusts etwa verdoppelt. Damit wachsen die Risiken von Gletscherseeausbrüchen, Lawinen, Erdrutschen und verheerenden Sturzfluten.
Die Natur schickt ihre bittere Rechnung für eine Welt, die ihre physikalischen Grenzen jahrzehntelang ignoriert hat. Und diese Rechnung wird mit jedem weiteren Zehntelgrad höher – bezahlt mit zerstörten Lebensgrundlagen, Milliardenkosten und Menschenleben.
Das Zeitfenster, die Erderwärmung noch auf ein beherrschbares Maß zu begrenzen, schließt sich. Nicht irgendwann. Jetzt.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Umstrittenes Gesetzesvorhaben Jetzt gibt es auch aus Hessen Widerstand gegen Klingbeils Zuckersteuer
Eine Zuckersteuer ist kein Allheilmittel, aber sie wirkt: Erfahrungen etwa aus Großbritannien, Mexiko und mehreren anderen Ländern zeigen, dass Abgaben auf stark gezuckerte Getränke den Zuckergehalt senken und den Konsum verschieben können. Besonders wirksam ist das britische Modell, weil Hersteller ihre Rezepturen änderten, um höhere Abgaben zu vermeiden. Entscheidend ist, die Einnahmen zusätzlich für Prävention und gesunde Ernährung einzusetzen. Eine gut gemachte Zuckersteuer ist deshalb vor allem Gesundheitspolitik – nicht Bevormundung.
SPD-Vorschlag zur Klimakrise: Unionsfraktionschef Frei stemmt sich gegen Aufnahme von Hitzeschutz ins Grundgesetz
Hitze- und Klimaschutz sind bei der Kabinettsklausur nur ein Randthema. Unionsfraktionschef Thorsten Frei hat zu einem Vorschlag der SPD aber eine entschiedene Haltung.
Kabinettsklausur: Friedrich Merz hält an Abschaffung von Rente mit 63 fest
Der Kanzler will die Rentenreform wie geplant umsetzen – trotz Kritik der CDU-Regierungschefs im Osten. Die Bevölkerung ruft er zu mehr Zuversicht auf. Von Sarah Kohler
Streitpunkt Rente mit 63 Unionsfraktionschef Frei zeigt sich »irritiert« über ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten
Erst waren sie sich einig, dann rebellierten die Ost-Männer: Im Streit über die Rente mit 63 zeigt sich Unionsfraktionschef Frei überrascht von einigen CDU-Kollegen. Nun hat er das Vorhaben verteidigt – ebenso wie Kanzler Merz.

🔍 Leere Kassen – aber wo wird gespart?
Die Debatten dieser Tage haben einen gemeinsamen Hintergrund: Die öffentlichen Finanzen stehen unter erheblichem Druck. Bei der Rente soll deshalb die abschlagsfreie Möglichkeit nach 45 Beitragsjahren fallen; gleichzeitig verweigert die Union dem Vorschlag, Klimaanpassung und Hitzeschutz stärker als gemeinsame staatliche Aufgabe zu verankern, ihre Zustimmung. Dabei können unterlassene Vorsorge und Klimaanpassung langfristig erheblich teurer werden als rechtzeitiges Handeln. Die Bundesregierung selbst verbindet ihre Haushaltsplanung inzwischen ausdrücklich mit Konsolidierung und wachsenden Ausgaben für Sicherheit, Infrastruktur und Klimaschutz.
Die Zuckersteuer gehört allerdings nicht in diese fiskalische Logik. Sie sollte nicht eingeführt werden, um Haushaltslöcher zu stopfen, sondern weil sie Gesundheitsvorsorge ist. Das britische Beispiel zeigt, wie stark der Lenkungseffekt sein kann: Bei den von der Abgabe erfassten Getränken sank der durchschnittliche Zuckergehalt seit Einführung beziehungsweise Ankündigung massiv – vor allem, weil Hersteller ihre Rezepturen änderten. Die britische Regierung beziffert die Reduktion zwischen 2015 und 2020 auf rund 46 Prozent.
Gerade wenn die Kassen angespannt sind, gilt deshalb: Nicht an sinnvoller Prävention sparen. Hitzeschutz verhindert Schäden und Todesfälle, Gesundheitsvorsorge verhindert Krankheiten und Folgekosten. Sparpolitik, die Vorsorge verhindert, kann am Ende die teuerste Politik überhaupt sein.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Jugend-Droge »Baller-Liquid«: Synthetisch, billig und lebensgefährlich
Sie haben knallige Farben und riechen nach Obst: Sogenannte Baller-Liquids gelten unter Minderjährigen als Trenddroge. Was dahintersteckt – und wie Ermittler gegen skrupellose Dealer vorgehen. Ein SPIEGEL-TV-Film von Noah Cordes, Marie Groß und Jessy Schrödter
Neurowissenschaftliches Experiment: Wenn männliche Mäuse einsam sind, neigen sie zum Alkohol
Werden männliche Mäuse isoliert, trinken sie eher Alkohol als Wasser: Das zeigt ein Experiment aus den USA. Weibchen reagieren anders auf Einsamkeit.

🔍 Sucht entsteht nicht im Stoff – sondern im Zusammenspiel von Mensch und Umwelt
Auf den ersten Blick haben lebensgefährliche »Baller-Liquids« unter Jugendlichen und ein Experiment mit isolierten Mäusen wenig miteinander zu tun. Tatsächlich führen beide Meldungen zu einer entscheidenden Frage: Warum greifen Menschen überhaupt zu Drogen – und unter welchen Bedingungen wird aus Konsum problematischer Konsum oder Abhängigkeit?
Das neue Experiment zeigt zunächst nur bei Mäusen einen bemerkenswerten Mechanismus: Sozial isolierte männliche Tiere tranken mehr Alkohol; die Forscher konnten dabei einen beteiligten neuronalen Schaltkreis zwischen Amygdala und präfrontalem Cortex identifizieren. Das lässt sich nicht einfach auf Menschen übertragen. Es passt aber zu einem wesentlich breiteren Forschungsstand: Soziale Isolation, chronischer Stress und belastende Lebensbedingungen gehören zu den Faktoren, die psychische Gesundheit und Suchtrisiken beeinflussen.
Damit sind wir bei einer Erkenntnis, die in der Drogenpolitik noch immer viel zu wenig Konsequenzen hat: Umwelt und Sozialisation prägen Verhalten. Menschen werden nicht unabhängig von ihren Lebensbedingungen abhängig. Familie, Bindung, Freundeskreis, Armut, Ausgrenzung, Stress, Zukunftsperspektiven und die Verfügbarkeit von Drogen wirken zusammen.
Gerade die »Baller-Liquids« zeigen zugleich die andere Seite des Problems. Synthetische Cannabinoide können hochpotent sein, ihre Zusammensetzung und Dosierung sind für Konsumenten häufig nicht erkennbar; solche Stoffe werden seit Jahren auch in E-Liquids gefunden. Jugendliche brauchen deshalb besonderen Schutz – und Dealer, die ihnen solche unkalkulierbaren Substanzen verkaufen, müssen konsequent verfolgt werden.
Aber Repression allein ist keine Drogenpolitik. Wer ausschließlich Stoffe verbietet und Konsumenten bestraft, behandelt Symptome, während er viele Ursachen unangetastet lässt.
Eine vernünftige Drogenpolitik müsste deshalb mehrere Ebenen gleichzeitig angehen: frühzeitige Prävention, soziale Sicherheit und Perspektiven für Jugendliche, niedrigschwellige Beratung und Therapie, Aufklärung ohne moralische Panik, Schadensminimierung für bereits Konsumierende – und konsequentes Vorgehen gegen diejenigen, die mit besonders gefährlichen Substanzen Geschäfte machen. Genau einen solchen gesundheitsorientierten Ansatz vertreten WHO und UNODC: Abhängigkeit gilt dort ausdrücklich als multifaktorielles, behandelbares Gesundheitsproblem, nicht einfach als individuelles moralisches Versagen.
Wer Sucht wirklich bekämpfen will, darf deshalb nicht nur fragen: „Welche Droge hat dieser Mensch genommen?“ Die wichtigere Frage lautet oft: „Was ist in seinem Leben passiert, dass diese Droge eine solche Bedeutung bekommen konnte?“
Eine andere Drogenpolitik beginnt genau dort.

🔍 Hintergrund: ► PsychologieUmwelt und SozialisationEmpathie – der verdrängte Schlüssel der Zeitenwende (Essay)

Social Credit, Überwachung und KI: Wie Peking seine Bürger kontrolliert
Das Social-Credit-System galt als Symbol für Chinas Überwachungsstaat. Heute kontrolliert Peking die Bevölkerung vor allem mit Kameraüberwachung, Gesichtserkennung und KI.

Kritik von Amnesty International: Chinesischer Künstler wegen satirischer Mao-Skulpturen zu drei Jahren Haft verurteilt
Die Gao-Brüder stellten Mao Zedong kniend oder mit Brüsten dar. Als Gao Zhen zu einem Familienbesuch in China war, wurde er festgenommen. Nun hat ein Gericht gegen ihn die Höchststrafe für »Heldenbeleidigung« ausgesprochen.

🔍 Der perfekte Überwachungsstaat braucht keinen Punktestand mehr
Das oft beschworene chinesische »Social-Credit-System« war nie das eine flächendeckende Punktesystem für jeden Bürger, als das es im Westen häufig dargestellt wurde. Die eigentliche Entwicklung ist längst weitergegangen: Kameras, Gesichtserkennung, digitale Bezahldaten, Bewegungsprofile, Datenbanken und zunehmend KI greifen ineinander.
Wie eng technische Überwachung und politische Repression zusammengehören können, zeigt nun auch ein anderer Fall: Der chinesische Künstler Gao Zhen wurde wegen satirischer Mao-Skulpturen zu drei Jahren Haft verurteilt. Amnesty International kritisiert das Urteil scharf. Wer selbst künstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kriminalisiert, zeigt, worum es letztlich geht: nicht nur um Sicherheit oder Ordnung, sondern um die Kontrolle darüber, was gedacht, gesagt und erinnert werden darf.
Damit verändert sich die Qualität autoritärer Herrschaft. Es muss nicht jeder Bürger ständig bestraft werden. Entscheidend ist das Wissen, dass Bewegungen, Kontakte, Äußerungen und Regelverstöße prinzipiell nachvollziehbar sind. Genau das fördert Selbstzensur und Anpassung.
China zeigt damit, wohin die Verbindung von autoritärer Macht, umfassender Datenerfassung und moderner Informationstechnologie führen kann. KI ist dabei weder gut noch böse. Entscheidend ist, wer über die Daten verfügt, wer die Algorithmen kontrolliert und ob unabhängige Gerichte, freie Medien und demokratische Institutionen staatliche Macht begrenzen.
Die gefährlichste Form der Herrschaft ist möglicherweise nicht jene, die jeden Widerstand offen niederschlagen muss. Es ist eine Gesellschaft, in der Menschen ihr Verhalten bereits ändern, weil sie davon ausgehen müssen, jederzeit gesehen, analysiert und identifiziert werden zu können – und in der selbst Kunst zum Straftatbestand wird, wenn sie das falsche historische Bild infrage stellt.
Der Kampf um Macht wird damit immer stärker zu einem Kampf um Daten, Erinnerung und letztlich um die Köpfe der Menschen. Gerade deshalb müssen demokratische Gesellschaften jetzt klare Grenzen für Gesichtserkennung, staatliche Datenverknüpfung und KI-gestützte Überwachung ziehen. Sonst liefert die Technik Möglichkeiten, von denen frühere autoritäre Regime nur träumen konnten.

🔍 Hintergrund: KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Macht und Manipulation

Brandbrief über NRW-Landesverband AfD-Abgeordneter erhebt in internem Brief an Weidel schwere Vorwürfe
Angebliche Geldabgaben, ein aufgehängtes »Verräter«-Schild: Der AfD-Abgeordnete Manuel Krauthausen schildert in einem Brandbrief mächtige Grabenkämpfe im NRW-Landesverband. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor.
Bevorstehende Landtagswahl: Forscher: AfD-Regierung würde Wirtschaft in Sachsen-Anhalt bremsen
Eine Machtübernahme durch die AfD dürfte der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt schaden, prognostizieren Forscher. Das ökonomische Wachstum hängt demnach vor allem von einem Faktor ab, den der rechtsextreme Landesverband aktiv bekämpft.

🔍 AfD: Machtkampf nach innen, wirtschaftlicher Schaden nach außen
Zwei Meldungen, die zusammengehören. Im größten AfD-Landesverband NRW schildert der eigene Bundestagsabgeordnete Manuel Krauthausen in einem neunseitigen Brandbrief Zustände, die bemerkenswert sind für eine Partei, die sich selbst gern als demokratische Erneuerungsbewegung inszeniert: Lagerdenken, »interne Brandmauern«, Druck auf Funktionäre und sogar ein angebliches »Verräter«-Schild an einer Bürotür. Landeschef Martin Vincentz bestreitet Teile der Darstellung. Fest steht jedoch: Die innerparteilichen Machtkämpfe sind real und inzwischen so eskaliert, dass selbst die Bundesspitze wegen der Vorgänge bei der Listenaufstellung intervenierte.
Noch schwerer wiegt, was eine AfD-Regierung praktisch bedeuten könnte. Sachsen-Anhalt altert und verliert einheimische Arbeitskräfte. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt deshalb: Eine Politik, die Zuwanderung abschreckt, könnte das Wirtschaftswachstum des Landes um 0,5 bis 1 Prozentpunkt pro Jahr vermindern. In einzelnen Branchen wie Bau, Gastronomie, Logistik und Lebensmittelproduktion stellen ausländische Beschäftigte bereits einen erheblichen Anteil der Arbeitskräfte.
Das DIW kommt aus einer anderen Perspektive zu einem ähnlichen Ergebnis: Gerade strukturschwache Regionen mit besonders hohen AfD-Ergebnissen wären von weniger Zuwanderung, weniger europäischer Integration und geringeren öffentlichen Investitionen besonders betroffen. Für Sachsen-Anhalt errechnet die Studie im untersuchten Szenario mögliche Verluste von rund 1.600 Euro Einkommen pro Einwohner und Jahr sowie etwa 10.000 Arbeitsplätzen. Das sind Modellrechnungen, keine sicheren Vorhersagen – aber die Richtung des Problems ist ökonomisch schwer zu bestreiten.
Das ist das AfD-Paradox: Eine Partei gewinnt dort besonders viel Zustimmung, wo demografischer Niedergang, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Unsicherheit besonders groß sind – und propagiert gleichzeitig eine Politik, die genau diese Probleme verschärfen könnte.
Und während sie nach außen behauptet, Deutschland von angeblichen »Altparteien« und deren Machtstrukturen befreien zu müssen, liefert ihr eigener größter Landesverband Anschauungsmaterial dafür, wie schnell auch innerhalb der AfD Lagerbildung, Loyalitätszwang und Machtkampf entstehen.
Wer die AfD aus Protest gegen wirtschaftlichen Niedergang wählt, sollte deshalb sehr genau hinschauen: Protest ersetzt keine Wirtschaftspolitik. Und Abschottung schafft keine Fachkräfte.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

25.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ZDFinfo
Der vergiftete Frieden
Versailles und Europa
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hofften viele Völker Osteuropas, die durch Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn beherrscht waren, auf Freiheit und Eigenständigkeit.
21:00
Das Ende der Osmanen
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stand neben dem Vertrag von Versailles noch ein anderer Ort für die Neuordnung der Welt im Blickpunkt: Sèvres, ein Pariser Vorort.

21:40 – 23:55 | ZDFinfo
Geheimnisse der Weimarer Republik ( 3 Teile )
Die Weimarer Republik war ein Aufbruch in die Moderne, hatte aber zu viele Gegner, die die Uhr wieder in die Vergangenheit zurückstellen wollten. Die Mehrheit war noch nicht reif für eine Demokratie.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Extremwetter: Dutzende Verletzte durch Tornado im Südwesten Frankreichs
Schwere Stürme haben in Südfrankreich für Schäden gesorgt. In einem Ort nahe den Pyrenäen tobte eine Windhose. Mehr als 40 Menschen erlitten Verletzungen, ein Haus brach über einer Schwangeren zusammen.
🔍 Das Zeitfenster schließt sich – und die Rechnung wird immer höher
Mehr als 40 Verletzte, rund 300 beschädigte Häuser, Stromausfälle: Der Tornado im südfranzösischen Pomas zeigt erneut, wie verletzlich unsere Gesellschaft gegenüber Extremwetter ist.
Ob und in welchem Ausmaß die Erderwärmung diesen einzelnen Tornado wahrscheinlicher oder stärker gemacht hat, lässt sich wissenschaftlich derzeit nicht mit letzter Sicherheit feststellen. Doch am Gesamtbild besteht kein Zweifel: Europa erwärmt sich rapide, viele Wetterextreme werden häufiger oder intensiver – und ihre wirtschaftlichen Folgen wachsen.
Allein von 1980 bis 2024 verursachten Wetter- und Klimaextreme in der EU Schäden von rund 822 Milliarden Euro. Mehr als 208 Milliarden Euro davon entfielen auf die vier Jahre 2021 bis 2024. Die durchschnittlichen jährlichen Verluste stiegen von 8,6 Milliarden Euro in den Achtzigerjahren auf 44,9 Milliarden Euro zwischen 2020 und 2024.
Das Zeitfenster, die Erderwärmung noch auf ein beherrschbares Maß zu begrenzen, schließt sich. Wer heute Klimaschutz und Energiewende weiter verzögert, spart kein Geld – er verschiebt eine immer größere Rechnung in die Zukunft. Und bezahlen werden wir sie alle.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Protestbewegung gegen die Regierung: Wie eine neue Protestbewegung ihre rechtsextremen Netzwerke nutzt
In Plauen fordern zehntausend Menschen den Rücktritt der Bundesregierung. Rechtsextreme wirken dabei an wichtigen Positionen mit. Was steckt hinter dem »Projekt M1llion«? Von Michael Krell

🔍 Neue Verpackung – alte rechtsextreme Netzwerke
„Projekt M1llion“ zeigt exemplarisch, wie moderne rechtsextreme Mobilisierung funktioniert: Man gründet eine vermeintlich parteiunabhängige „Bürgerbewegung“, sammelt sehr unterschiedliche Unzufriedene unter möglichst anschlussfähigen Forderungen – und greift für Reichweite, Organisation und Straßenmobilisierung auf längst vorhandene rechte Netzwerke zurück.
Das Muster ist nicht neu. Von Pegida über die Corona- und Montagsproteste entstand gerade in Sachsen eine Infrastruktur aus Telegram-Kanälen, lokalen Demonstrationsgruppen und erfahrenen Organisatoren. Davon profitiert nun „Projekt M1llion“. In Plauen mobilisierten die rechtsextremen Freien Sachsen massiv mit, ihre Fahnen prägten den Zug, bekannte Szeneakteure waren präsent; anschließend trat M1llion-Initiator Marcel Baldauf bei einem Chemnitzer Montagsprotest auf, an dessen Organisation die Freien Sachsen maßgeblich beteiligt sind.
Das ist besonders brisant, weil der sächsische Verfassungsschutz die Freien Sachsen ausdrücklich als rechtsextremistische Sammlungsstruktur beschreibt, die extremistische und nicht extremistische Protestmilieus miteinander vernetzen will.
Natürlich sind deshalb nicht 10.000 Demonstranten automatisch Rechtsextreme. Genau darin liegt aber die Strategie: berechtigte Unzufriedenheit aufgreifen, Grenzen verwischen, demokratischen Protest mit extremistischen Netzwerken verzahnen – und so Menschen schrittweise für antidemokratische Erzählungen empfänglich machen. Das sollte man erkennen, bevor aus einer vermeintlich „neutralen Bürgerbewegung“ die nächste Rekrutierungszone der extremen Rechten wird.

🔍 Hintergrund: ► Macht und Manipulation Fake News AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Reformdebatte: AOK-Chefin warnt vor Acht-Milliarden-Loch in Pflegeversicherung
Die Kosten für die Pflege laufen aus dem Ruder. Die Vorstandschefin des AOK-Bundesverbandes warnt vor einem heftigen Defizit im kommenden Jahr und macht zwei Vorschläge, um höhere Beiträge zu vermeiden.

🔍 Pflegeversicherung: Reichtum verpflichtet
Für 2027 droht der Pflegeversicherung nach Einschätzung der AOK ein Defizit von acht Milliarden Euro. Wieder wird reflexartig über höhere Beiträge, Leistungskürzungen und „Eigenverantwortung“ diskutiert. Dabei nennt AOK-Chefin Reimann selbst einen richtigen Ansatz: gesamtgesellschaftliche Aufgaben müssen aus Steuermitteln finanziert werden; außerdem fordert sie einen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung.
Doch die Debatte muss weitergehen. Deutschland ist nicht zu arm, um menschenwürdige Pflege zu finanzieren. Es ist ein Land mit einer extrem ungleichen Vermögensverteilung: Den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte gehören rund 54 Prozent des gesamten Nettovermögens, der ärmeren Hälfte nur etwa 2,4 Prozent.
Warum sollen also ausgerechnet Beschäftigte, Rentner, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen immer stärker belastet werden, während große Vermögen weitgehend außen vor bleiben?
Im Grundgesetz steht nicht: Arbeit verpflichtet. Dort steht: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Eine stärkere Beteiligung sehr großer Vermögen an der Finanzierung unseres Sozialstaats ist deshalb keine Neiddebatte. Sie ist eine Frage gesellschaftlicher Verantwortung – gerade wenn es um die würdevolle Pflege von Millionen Menschen geht.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Staatsschutz ermittelt: Kabel an Bahnstrecke beschädigt – Verdacht auf Sabotage
Beschädigte Kabel haben im schwäbischen Backnang Zugverkehr und Internet beeinträchtigt. Die Polizei geht von einem mutwilligen Angriff aus.

Anschlagsversuch von Anfang: August Ermittler finden weitere Drohne und Sprengstoff am Flughafen Leipzig
Zum gescheiterten Anschlag am Leipziger Flughafen gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Erkenntnisse. Demnach wurden eine weitere Drohne und Spuren militärischen Sprengstoffs gefunden.

🔍 Angriffe auf unsere Infrastruktur: Deutschland muss seine Verwundbarkeit ernst nehmen
Zwei Fälle innerhalb weniger Wochen zeigen, wie schnell aus scheinbar einzelnen Vorfällen eine ernste Sicherheitsfrage wird.
Bei Backnang drangen Unbekannte in einen Kabelschacht an der Bahnstrecke ein und durchtrennten mehrere Leitungen. Zugverkehr sowie Internet- und Telefonverbindungen wurden beeinträchtigt. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts auf Sabotage.
Noch weit gravierender sind die Erkenntnisse zum Flughafen Leipzig/Halle: Nach dem Anschlagsversuch Anfang August wurden inzwischen weitere Drohnen und Spuren beziehungsweise Mengen militärischen Sprengstoffs gefunden. Leipzig/Halle ist nicht irgendein Flughafen, sondern ein bedeutendes Fracht- und Logistikzentrum, das auch für Transporte im Zusammenhang mit NATO und Ukraine wichtig ist. Die Bundesregierung spricht von einem schwerwiegenden hybriden Angriff; wer konkret dahintersteht, ist bislang nicht abschließend öffentlich festgestellt.
Eine Verbindung zwischen Backnang und Leipzig ist nicht belegt. Trotzdem gehören beide Vorgänge in einen größeren sicherheitspolitischen Zusammenhang. Der Verfassungsschutz warnt seit Jahren davor, dass kritische Infrastruktur – von Verkehrswegen über Energienetze bis zu Datenkabeln – Ziel von Sabotage und hybriden Operationen sein kann. Gerade Russland zählt Sabotage gegen KRITIS und gegen die Unterstützung der Ukraine ausdrücklich zum bekannten Bedrohungsspektrum.
Wer einen modernen Staat destabilisieren will, muss keine Panzer schicken. Es genügt unter Umständen, Kabel zu kappen, Logistik zu stören, Computersysteme anzugreifen oder Angst und Unsicherheit zu verbreiten.
Deutschland muss deshalb seine kritische Infrastruktur endlich so behandeln, wie der Name es sagt: kritisch – und entsprechend schutzbedürftig.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Klimaanpassung: Grüne werfen SPD Scheinheiligkeit beim Hitzeschutz vor
Die SPD will das Grundgesetz ändern, um den Hitzeschutz zu verbessern. Das stößt auf Kritik der Grünen. Der Vorwurf: Die Sozialdemokraten fordern mehr Geld für Programme, die sie zuvor selbst gekürzt haben.
🔍 Scheinheilig? Dann sollten die Grünen zuerst in den Spiegel schauen
Die SPD beim Hitzeschutz als „scheinheilig“ zu beschimpfen, ist bemerkenswert geschichtsvergessen. Ja: Auch die SPD hat beim Klimaschutz Fehler gemacht, und aktuelle Kürzungen bei der Klimaanpassung kann man kritisieren. Aber die Grünen wissen ganz genau, wo die deutsche Energiewende ihren entscheidenden politischen Ausgangspunkt hatte.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2000 entstand unter Rot-Grün. Einer seiner entscheidenden Architekten war der SPD-Politiker Hermann Scheer. Ohne ihn wäre der Durchbruch von Wind- und Solarenergie in Deutschland kaum in dieser Form erfolgt.
Und auch in der Großen Koalition von 2017 bis 2021 setzte die SPD einen wichtigen klimapolitischen Meilenstein durch: Unter Umweltministerin Svenja Schulze wurde 2019 das erste Bundes-Klimaschutzgesetz verabschiedet. Es schrieb erstmals verbindliche jährliche Emissionsmengen für einzelne Sektoren bis 2030 fest. Nach dem historischen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24. März 2021 wurde das Gesetz noch in derselben Großen Koalition verschärft: mindestens 65 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 gegenüber 1990 und Klimaneutralität bis 2045.
Die Grünen wissen ebenso, wer die Energiewende zuvor immer wieder ausgebremst hatte: CDU/CSU und FDP verlängerten 2010 zunächst die Atomlaufzeiten, kürzten anschließend die Solarförderung und schufen immer neue Ausbauhemmnisse. In Bayern kam die von der CSU durchgesetzte 10-H-Regel hinzu, die den Windkraftausbau massiv erschwerte.
Umso erstaunlicher ist die politische Flexibilität der Grünen: Ausgerechnet mit der CDU, deren energiepolitische Bilanz über Jahre von Bremsen, Verzögern und Verwässern geprägt war, liebäugeln sie immer wieder als Koalitionspartner.
Wer der SPD nun „Scheinheiligkeit“ vorwirft, sollte deshalb zunächst eine einfache Frage beantworten:
Warum sucht man ausgerechnet die Nähe zu jener Partei, die zentrale Etappen der Energiewende jahrelang ausgebremst hat – während man der Partei, die mit Hermann Scheer das EEG auf den Weg brachte und in der Großen Koalition das erste verbindliche Klimaschutzgesetz durchsetzte, klimapolitische Scheinheiligkeit vorwirft?
Kritik an der SPD: selbstverständlich. Aber wer mit zweierlei Maß misst, sollte anderen keine Scheinheiligkeit vorwerfen.

🔍 Hintergrund: Große Koalitionen – Der unterschätzte Einfluss der SPD (Essay) KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Bericht einer Kinderrechtsorganisation: Hunderttausende Rohingya von akutem Hunger bedroht
Kein sauberes Wasser, fehlende Einkommensmöglichkeiten, überfüllte Camps: Die Versorgungslage der Rohingya in Bangladesch könnte noch kritischer werden, warnt die Organisation Save the Children.

🔍 Es ist eine Schande für die gesamte Menschheit
Mehr als jeder dritte Rohingya in den Flüchtlingslagern von Bangladesch dürfte 2026 unter akutem Hunger auf Krisenniveau oder schlimmer leiden. Rund 1,2 Millionen Menschen leben dort unter Bedingungen, die von überfüllten Lagern, mangelndem sauberem Wasser, fehlenden Erwerbsmöglichkeiten und gekürzter Hilfe geprägt sind.
Und niemand soll behaupten, der Menschheit fehlten die Mittel.
Für die lebensnotwendige Versorgung von Rohingya und aufnehmenden Gemeinden werden 2026 insgesamt 710,5 Millionen Dollar benötigt. Das ist bereits ein auf das Minimum zusammengestrichener Hilfsplan.Zum Vergleich: Die Welt gab 2025 2,887 Billionen Dollar für Militär aus – so viel wie nie zuvor. Der gesamte Jahresbedarf für die Rohingya entspricht damit kaum mehr als zwei Stunden der weltweiten Militärausgaben.
Das entlarvt die eigentliche Katastrophe: Hunger ist heute vielfach nicht das Ergebnis fehlender technischer Möglichkeiten oder mangelnden globalen Reichtums. Wir können Milliarden Menschen ernähren, Lebensmittel transportieren, Wasser aufbereiten, Krankheiten behandeln und innerhalb kürzester Zeit gigantische Geldsummen mobilisieren.
Wenn trotzdem Kinder hungern, ist das kein Naturgesetz. Es ist politisches und moralisches Versagen.
Eine Menschheit, die Billionen für Waffen aufbringt, aber um Millionen für Nahrung, Wasser und Medikamente feilscht, muss sich fragen, was ihre viel beschworene „Zivilisation“ eigentlich wert ist.

Dass im 21. Jahrhundert Menschen verhungern, obwohl Geld, Wissen und Technik im Überfluss vorhanden sind, ist eine Schande für uns alle.
🔍 Hintergrund: Die globale Schieflage (Essay) Wem gehört die Zukunft? (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus ZeitenwendePlanet Finance: Wie man Unglück zu Geld macht

Künstliche Intelligenz: London und Kyjiw schließen Abkommen zur militärischen Nutzung von KI
Schlachtfeldaufnahmen gegen KI-Expertise: Die Ukraine und Großbritannien kooperieren bei militärischer KI. Trainingsdaten aus dem Krieg gegen Russland sollen künftig auch britische Infrastruktur schützen.

🔍 Der Ukrainekrieg entwickelt sich zunehmend zum Versuchslabor für die Kriegsführung der KI-Ära.
Großbritannien erhält als erster ausländischer Partner Zugang zu den ukrainischen Avengers AI Labs. Besonders wertvoll sind dabei rund fünf Millionen annotierte Bilder aus realen Kampfeinsätzen. Systeme zur automatischen Erkennung gegnerischer Ziele werden bereits mit Daten aus mehr als 100.000 monatlichen Drohnen-Videostreams trainiert; nach britischen Angaben erreichen sie dabei eine Erkennungsrate von etwa 70 Prozent. Geplant sind außerdem KI-Sensoren zum Schutz militärischer Infrastruktur sowie besonders stromsparende Chips für Drohnen und autonome Systeme.
Darin steckt eine bittere historische Ironie: Russlands Angriffskrieg beschleunigt genau jene militärtechnologische Entwicklung, die künftig auch Russlands Gegner erheblich stärker machen dürfte. Die Ukraine liefert etwas, das sich für kein Geld der Welt künstlich erzeugen lässt: millionenfach dokumentierte Erfahrungen aus einem realen, hochtechnisierten Krieg. Großbritannien bringt Forschung, Rechenleistung und Rüstungsindustrie ein. Die gemeinsame Erklärung spricht ausdrücklich vom Aufbau „KI-gestützter Streitkräfte der nächsten Generation“ und von autonomen Systemen.
Für die Ukraine ist diese Zusammenarbeit nachvollziehbar: Sie kämpft um ihr Überleben und muss technologisch möglichst schnell auf russische Angriffe reagieren. Für Europa ist sie ebenfalls strategisch bedeutsam. Aber genau deshalb muss jetzt eine Grenze festgeschrieben werden: KI darf Menschen bei Aufklärung, Drohnenabwehr und Zielerkennung unterstützen – die Entscheidung über den gezielten Einsatz tödlicher Gewalt darf nicht unkontrolliert an einen Algorithmus delegiert werden.
Denn hier beginnt die nächste Zeitenwende: Nach Schießpulver, Industrialisierung und Atomwaffen hält nun lernende Software Einzug in die Kriegsführung. Und diesmal entwickeln sich die Systeme nicht über Jahrzehnte, sondern anhand von Millionen realer Kampfdaten innerhalb von Monaten. Das Abkommen enthält zwar ausdrücklich Prinzipien zu Sicherheitsvorkehrungen, Kontrolle und „AI assurance“. Ob die politische und völkerrechtliche Kontrolle mit dem technologischen Tempo Schritt hält, dürfte eine der entscheidenden Sicherheitsfragen der kommenden Jahre werden.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

Neue Sanktionen angedroht: USA reden von wirtschaftlichem »D-Day« gegen Iran – doch was ist mit China?
Bombardements haben bisher wenig erreicht, jetzt erhöhen die USA den ökonomischen Druck auf Teheran. Donald Trump und sein Wirtschaftsminister wählen harte Worte. Der Blick richtet sich auf Peking.

Massiver Widerruf: US-Regierung will bis zu 200.000 Visa aufheben
Die Trump-Regierung plant eine massive Aufhebung von Visa. Sämtliche Geschäfts- und Touristenvisa sollen auf den Prüfstand. Eine Gruppe Einreisender ist besonders im Fokus.

🔍 Trumps Politik der maximalen Einschüchterung – und ihre Grenzen
Zwei Meldungen, ein politisches Muster: Druck, Drohung und Ausschluss werden unter Donald Trump immer stärker zum bevorzugten politischen Instrument.
Gegen Iran kündigt Washington einen regelrechten wirtschaftlichen „D-Day“ an. Fast 60 Personen, Unternehmen und Schiffe wurden zunächst sanktioniert; wer weiter iranische Geschäfte ermöglicht, soll im Extremfall den Zugang zum Dollar-System verlieren. Das erklärte Ziel lautet, Iran wirtschaftlich möglichst vollständig zu isolieren.
Doch genau hier zeigt sich die Grenze der martialischen Rhetorik: China ist der entscheidende Abnehmer iranischen Öls. Will Washington Teheran wirklich wirtschaftlich strangulieren, müsste es letztlich auch große chinesische Finanzinstitute treffen – mit kaum kalkulierbaren Folgen für Welthandel und Finanzsystem. Selbst US-Finanzminister Scott Bessent räumte sinngemäß ein, dass man deshalb nicht einfach die großen chinesischen Banken sanktionieren könne.
Gleichzeitig soll im Inneren beziehungsweise an den Grenzen der USA ein weiterer Rekord gebrochen werden: Die Regierung bereitet den Widerruf von bis zu 200.000 B1- und B2-Geschäfts- und Touristenvisa von Menschen vor, die anschließend Asyl beantragt haben. Es wäre die größte derartige Massenaufhebung von Visa in der US-Geschichte. Die Betroffenen würden dadurch nicht automatisch sofort abgeschoben, verlören aber ihren bisherigen Visa-Status.
Das verbindende Prinzip ist unübersehbar: Wer sich nicht fügt, soll den Preis spüren – Staaten durch Sanktionen und wirtschaftliche Isolation, Menschen durch Entzug von Aufenthaltsrechten und Abschottung.
Natürlich darf ein Staat seine Einwanderungsregeln durchsetzen, und selbstverständlich darf das iranische Regime für sein Handeln politisch und wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden. Aber Politik darf nicht auf die Vorstellung zusammenschrumpfen, jedes Problem lasse sich mit immer größeren Drohkulissen lösen.
Denn die entscheidende Frage beim groß angekündigten „D-Day“ lautet ausgerechnet: Was passiert, wenn China Nein sagt?
Dann stößt Trumps Politik der maximalen Drohung auf eine Macht, die selbst mächtig genug ist, zurückzudrohen. Und genau dort zeigt sich der Unterschied zwischen martialischer Inszenierung und verantwortungsvoller Außenpolitik.
Wer die Welt ausschließlich durch Druck, Strafe und Unterwerfung ordnen will, schafft keine stabile Ordnung – sondern eine Welt permanenter Konfrontation.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Rechtsextremer Politiker Zvi Sukkot: Palästinensisches Denkmal zerstört – heftige Kritik an israelischem Abgeordneten
Ein israelischer Parlamentarier schwingt in einem palästinensischen Dorf den Hammer, die Opposition wirft dem Politiker vor, im Westjordanland neue Konflikte zu schüren. Auch der Außenminister schaltet sich ein.

🔍 Das ist keine Politik – das ist Selbstjustiz und Provokation
Was der rechtsextreme israelische Abgeordnete Zvi Sukkot im palästinensischen Dorf Madama getan hat, ist auf das Schärfste zu verurteilen. Ein Parlamentarier zieht unter militärischem Schutz in ein palästinensisches Dorf und schlägt eigenhändig mit einem Hammer auf ein Denkmal ein – und lässt die Aktion auch noch filmen. Das ist keine verantwortungsvolle Politik, sondern eine demonstrative Machtdemonstration, die in einer ohnehin explosiven Situation weitere Konflikte provoziert.
Besonders entlarvend: Selbst die israelische Armee erklärte, Sukkot und seine Begleiter hätten „täuschend und manipulativ“, ohne Befugnis und entgegen den Absprachen gehandelt. Soldaten waren eigens zu seinem Schutz abgestellt worden. Der militärische Schutz wurde damit faktisch zur Kulisse einer eigenmächtigen Zerstörungsaktion.
Ob man ein solches Denkmal politisch oder moralisch für vertretbar hält, ist eine andere Frage. Kein Abgeordneter erhält dadurch das Recht, im besetzten Westjordanland selbst den Hammer zu schwingen und sich über staatliche Verfahren hinwegzusetzen. Selbst Israels Außenminister Gideon Sa’ar stellte klar, dass über eine Entfernung solcher Monumente allein die zuständigen staatlichen Stellen und Sicherheitskräfte entscheiden können.
Gerade Politiker hätten die Pflicht, Gewalt einzudämmen. Wer stattdessen bewusst Bilder der Demütigung und Zerstörung produziert, gießt Öl in ein Feuer, das längst viel zu viele Menschenleben gekostet hat.
Dass dieser Vorgang inzwischen selbst von Politikern der israelischen Rechten und aus Sukkots eigener Partei kritisiert wird, zeigt, wie weit hier eine Grenze überschritten wurde.
Rechtsstaatlichkeit gilt auch dann, wenn man den politischen Gegner verachtet. Wer sie durch Selbstjustiz ersetzt, verteidigt keinen Staat – er beschädigt ihn.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Extremwetter: Dutzende Verletzte durch Tornado im Südwesten Frankreichs
Schwere Stürme haben in Südfrankreich für Schäden gesorgt. In einem Ort nahe den Pyrenäen tobte eine Windhose. Mehr als 40 Menschen erlitten Verletzungen, ein Haus brach über einer Schwangeren zusammen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

24.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

21:45 | ZDFinfo
Was die Welt besser macht
Freiheit
Mit Freiheit bezeichnet man meist die Möglichkeit, das eigene Leben frei zu gestalten. Mirko Drotschmanns Reise beginnt an der Freiheitsstatue in New York, dem weltweit bekanntesten Symbol für Freiheit.
22:30
Gerechtigkeit
Gerechtigkeit ist einer der wichtigsten Schlüssel für eine bessere Welt. Ohne sie ist ein Leben in Frieden und Freiheit schwer vorstellbar. Mirko Drotschmanns Spurensuche für Terra X beginnt in der Steinzeit.
23:15
Frieden
Sind Menschen von Natur eher kriegerisch oder friedlich? Das will Wissenschaftsjournalist Mirko Drotschmann in der ersten Folge des „Terra X“-Dreiteilers „Was die Welt besser macht“ herausfinden.

22:00 | ARTE
Zwei Leben
Norwegen, 1990: Katrine hat scheinbar ihr Familienglück gefunden. Doch dann fällt die Berliner Mauer und die Weltgeschichte bricht in Katrines Leben ein. In den 1970er Jahren kam Katrine als DDR-Spionin nach Norwegen – mit einer fiktiven Identität. Georg Maas inszenierte das historisch inspirierte Drama (2012) mit Juliane Köhler in der Hauptrolle.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Streit zwischen Union und SPD: Mittelstandsverband warnt Merz vor drohendem Koalitionsbruch
Zum Ende der Sommerpause wächst der Druck auf die Koalition: Der Mittelstandsverband BVMW verlangt von Kanzler Merz klare Führung, die SPD warnt vor neuen Grundsatzdebatten.
🔍
Klare Führung heißt nicht: Durchregieren im Interesse der Wirtschaftsverbände
Der Mittelstandsverband hat in einem Punkt recht: Eine Koalition, die ständig unausgegorene Vorschläge veröffentlicht und anschließend öffentlich darüber streitet, verspielt Vertrauen. Auch der Antragsstopp beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand ist angesichts schwacher Investitionen und des technologischen Wettbewerbs ein schwerer Fehler. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen Planungssicherheit und verlässliche Förderung.
Problematisch wird es jedoch, wenn „klare Führung“ bedeutet, der Kanzler solle seine Richtlinienkompetenz einsetzen, um sozialpolitische Grundsatzfragen einfach zugunsten der Arbeitgeberseite zu entscheiden. Über Rente, Gesundheit, Arbeitszeit oder Sozialleistungen muss in einer Demokratie gestritten werden. Friedrich Merz ist nicht der Vorstandsvorsitzende der Deutschland AG, und ein Wirtschaftsverband ist nicht sein Aufsichtsrat.
Die SPD darf deshalb nicht zum bloßen Mehrheitsbeschaffer für eine Politik werden, die Beschäftigte, Rentner und sozial Schwächere die Kosten wirtschaftlicher Reformen tragen lässt. Umgekehrt genügt es nicht, jede Veränderung reflexhaft abzuwehren. Notwendig sind tragfähige Konzepte, die Investitionen, soziale Sicherheit und den ökologischen Umbau miteinander verbinden.
Wer bereits mit dem Koalitionsbruch droht, weil politische Entscheidungen nicht schnell genug den eigenen Forderungen entsprechen, betreibt selbst genau jene Verunsicherung, die er der Regierung vorwirft. Merz muss führen – aber Führung bedeutet, Konflikte sachlich zu klären, Kompromisse herzustellen und das Gemeinwohl im Blick zu behalten. Sie bedeutet nicht, Forderungen einflussreicher Lobbyverbände zum Regierungsprogramm zu erklären.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – Neoliberalismus Große Koalitionen – Der unterschätzte Einfluss der SPD (Essay) Zeitenwende

Vorsitzender der AfD: Das Interview mit Chrupalla im Faktencheck
Der AfD-Vorsitzende Chrupalla war im ARD-Sommerinterview zu Gast. Viele Aussagen halten einer Überprüfung stand. Doch beim Thema Klimawandel lag er daneben, einige Aussagen zur Migration waren ebenfalls falsch.

🔍 AfD-Politik: Wirklichkeit leugnen, Ressentiments schüren
Tino Chrupalla demonstriert exemplarisch, wie die AfD Politik betreibt: wissenschaftliche Erkenntnisse bestreiten, Zahlen zur Migration verzerren und unbelegte Verdächtigungen gegen demokratische Wahlen streuen. Einen Sommer mit Rekordhitze, anhaltender Trockenheit und außergewöhnlich vielen Hitzetoten erklärt er zum „ganz normalen Sommer“. Den menschlichen Anteil am Klimawandel nennt er „sehr gering“ – entgegen dem nahezu geschlossenen Konsens der Klimaforschung.
Auch bei der Migration arbeitet Chrupalla mit irreführenden Zahlen: Abgelehnte Asylanträge bedeuten keineswegs automatisch, dass Menschen kein Aufenthaltsrecht besitzen. Von den tatsächlich Ausreisepflichtigen hat die große Mehrheit eine Duldung. Trotzdem behauptet er pauschal, 280.000 Menschen „gehörten abgeschoben“.
Besonders infam wird es, wenn Chrupalla Manipulationen bei der Briefwahl suggeriert, dafür aber ausdrücklich keine Belege nennt. So untergräbt man Vertrauen in die Demokratie: erst Verdacht säen, dann die Beweisführung verweigern.
Das ist kein Versehen, sondern das politische Geschäftsmodell der AfD: Ängste erzeugen, Wirklichkeit verfälschen und anschließend die selbst geschaffene Empörung bewirtschaften. Eine Partei, die bei Klima, Migration und Wahlen derart verantwortungslos mit Tatsachen umgeht, will Deutschland nicht regieren – sie will es in Misstrauen, Hass und Realitätsverlust treiben. Der Faktencheck der Tagesschau entlarvt dieses Vorgehen Punkt für Punkt.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

Wahl in Sachsen-Anhalt: Lackmustest für die Linke
Die Linke präsentiert heute ihr Programm für ein „zukunftsfestes Sachsen-Anhalt“. Die Partei kämpft um ein starkes Ergebnis bei der Wahl – mit prominenter Unterstützung. Aus Berlin kam aber nicht nur Rückenwind. Von Alexander Budweg, ARD-Hauptstadtstudio

🔍 Auch linker Populismus vergiftet die Demokratie
Bezahlbare Wohnungen, funktionierende Schulen, gute medizinische Versorgung und handlungsfähige Kommunen sind berechtigte Forderungen. Doch soziale Ziele rechtfertigen weder propagandistische Feindbilder noch Versprechen, deren Finanzierung im Ungefähren bleibt.
Wenn Linken-Chef Luigi Pantisano der CDU pauschal „faschistische Politik“ vorwirft, ist das keine mutige Kapitalismuskritik, sondern verantwortungslose Begriffsverfälschung. Wer demokratische Konservative mit Faschisten gleichsetzt, verharmlost den historischen Faschismus, zerstört die politische Sprache und erschwert zugleich jede Zusammenarbeit demokratischer Parteien gegen die tatsächlich rechtsextreme AfD.
Zum linken Populismus gehört auch die Erzählung, nahezu jedes gesellschaftliche Problem lasse sich allein durch „die Reichen“, Konzerne oder den Kapitalismus erklären. Extreme Vermögenskonzentration und wirtschaftliche Macht müssen ohne Zweifel begrenzt werden. Aber ein Bundesland benötigt darüber hinaus realistische Antworten auf Fachkräftemangel, Alterung, Investitionsschwäche, Abwanderung und die Finanzierung seiner sozialen Infrastruktur. Moralische Empörung ersetzt kein tragfähiges Regierungskonzept.
Linker Populismus ist nicht mit dem völkischen Nationalismus und der Demokratiefeindlichkeit der AfD gleichzusetzen. Harmlos ist er trotzdem nicht. Er teilt die Gesellschaft ebenfalls in moralisch reine Opfer und angeblich durchweg verwerfliche Gegner, vereinfacht komplexe Zusammenhänge und verkauft Gesinnung als Lösung.
Gerade in Sachsen-Anhalt, wo eine rechtsextreme Regierungsübernahme droht, braucht es demokratische Zusammenarbeit statt propagandistischer Selbstinszenierung. Wer jede abweichende Position als „faschistisch“ diffamiert, stärkt nicht den Antifaschismus – er entwertet ihn.

🔍 Hintergrund: Rechte Gruppierungen Linke Gruppierungen 

Übernahmen von Unternehmen: US-Investoren auf Einkaufstour in Deutschland
Deutsche Unternehmen sind bei US-Investoren offenbar gefragt wie nie. Zahl und Wert der Übernahmen sind im vergangenen Jahr laut einem Medienbericht massiv angestiegen. Das hat wohl auch mit der Politik von Donald Trump zu tun.

🔍 Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland
Das stark gestiegene Interesse amerikanischer Investoren an deutschen Unternehmen kann als Vertrauensbeweis verstanden werden – es sollte aber ebenso als Warnsignal gelten. Übernahmen bringen Kapital und können Wachstum ermöglichen. Zugleich besteht besonders bei Industrieunternehmen die Gefahr, dass Entscheidungen über Technologien, Standorte und Investitionen künftig außerhalb Deutschlands getroffen werden.
Gerade finanzstarke Private-Equity-Fonds kaufen Unternehmen häufig nicht aus Heimatliebe, sondern um Renditen zu maximieren – notfalls durch Verschuldung, Stellenabbau, Zerschlagung oder späteren Weiterverkauf. Das trifft keineswegs auf jede Übernahme zu, doch die Risiken fremdfinanzierter und kurzfristig renditeorientierter Geschäftsmodelle sind real.
Die zunehmenden Käufe fallen in eine Phase, in der viele deutsche Unternehmen unter schwachem Wachstum, hohen Kosten und wirtschaftspolitischer Unsicherheit leiden. Dadurch können grundsätzlich wettbewerbsfähige Unternehmen leichter zu Übernahmezielen werden. Trumps Zoll- und Standortpolitik dürfte den Druck zusätzlich erhöhen; ob sie den Anstieg der Übernahmen verursacht hat, lässt sich aus den Zahlen allein jedoch nicht beweisen.
Deutschland sollte ausländisches Kapital deshalb weder grundsätzlich abwehren noch jede Übernahme als Erfolg feiern. Bei Schlüsseltechnologien, kritischer Infrastruktur und sicherheitsrelevanten Unternehmen braucht es eine konsequente Investitionsprüfung. Vor allem aber benötigt Europa mehr eigenes langfristiges Kapital, damit innovative Unternehmen wachsen können, ohne aus finanzieller Not ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Das ist kein nationalistischer Protektionismus, sondern eine Frage wirtschaftlicher Souveränität.

🔍 Hintergrund: Kapitalismus – Neoliberalismus Wem gehört die Zukunft? (Essay)

Krise bei Volkswagen: Belegschaft wirft Management „desaströse Kommunikation“ vor
Die VW-Belegschaft kritisiert die Kommunikation des Vorstands scharf. Eine interne Umfrage zeigt die Verunsicherung der Mitarbeiter. Die Konzernspitze soll nun auf Betriebsversammlungen Antworten geben.

🔍 Nicht die Energiewende allein erklärt die Krise bei Volkswagen
Die „desaströse Kommunikation“ des VW-Vorstands ist nur ein Teil des Problems. Volkswagen hat zwar früh in Elektromobilität investiert und seit 2019 mehrere Millionen Elektrofahrzeuge auf seiner MEB-Plattform verkauft. Dennoch reagierte der Konzern insbesondere in China zu langsam auf den rasanten technologischen Wandel. Softwareprobleme, verzögerte Fahrzeugplattformen und die starke Konkurrenz chinesischer Hersteller schwächten seine Position. Inzwischen entwickelt Volkswagen gemeinsam mit Xpeng neue Fahrzeuge und eine elektronische Architektur für den chinesischen Markt.
Der Dieselskandal war dabei mehr als ein Kommunikationsfehler. Volkswagen hatte Abgasprüfungen mithilfe illegaler Abschalteinrichtungen manipuliert. Das kostete Milliarden, zerstörte Vertrauen und band erhebliche Kräfte, die für den technologischen Umbau benötigt wurden.
Die heutige Krise lässt sich deshalb nicht einfach der Energiewende oder den europäischen Klimavorgaben anlasten. Diese erhöhen zwar den Anpassungsdruck. Entscheidend ist jedoch, wie rechtzeitig und erfolgreich ein Unternehmen darauf reagiert. VW investierte viel, hatte aber erhebliche Schwierigkeiten, daraus schnell genug konkurrenzfähige, bezahlbare und softwareseitig überzeugende Modelle zu entwickeln.
Nun sorgen mögliche Werksschließungen und ein erheblich größerer Personalabbau für Angst in der Belegschaft. Noch sind weder 50.000 Stellenstreichungen noch konkrete Werksschließungen beschlossen. Gerade deshalb schuldet der Vorstand den Beschäftigten klare Informationen – und eine überzeugende Erklärung dafür, wie Verantwortung und Lasten der Krise verteilt werden.

🔍 Hintergrund: Kapitalismus – Neoliberalismus Energiewende Klimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Ärger zwischen den Nachbarn: »Schluss damit!« – Trump legt im Zollstreit mit Kanada nach
Er hatte sich verdächtig ruhig verhalten: Doch mit etwas Verspätung mischt sich auch Donald Trump direkt in den Handelsdisput mit Kanada ein. Im Fokus: Bauern und das Märchen vom kanadischen Anschluss an die USA.

Wegen Irankrieg: USA sagen Militärübung mit Südkorea ab
Die USA streichen eine geplante Militärübung mit Südkorea. Als Grund nennt Washington »die Lage im Nahen Osten«. Erst vor wenigen Tagen war ein Manöver mit dem ostasiatischen Land deutlich verkürzt worden.

🔍 Trump schwächt Amerika und seine Verbündeten
Mit Kanada führt Donald Trump einen immer aggressiveren Zollkrieg, überzieht den engsten Nachbarn mit verbalen Angriffen und bringt erneut sein groteskes Märchen von Kanada als künftigem US-Bundesstaat ins Spiel. Gleichzeitig müssen die USA wegen ihres Krieges gegen Iran eine Militärübung mit Südkorea absagen, nachdem bereits ein anderes Manöver erheblich verkürzt worden war.
Beide Meldungen zeigen dieselbe verhängnisvolle Politik: Trump behandelt Verbündete nicht als Partner, sondern als Untergebene, die zahlen, gehorchen und sich seinen Kriegen anschließen sollen. Kanada wird wirtschaftlich drangsaliert, Südkorea offenbar auch dafür abgestraft, dass es sich nicht am Irankrieg beteiligen will. Zugleich bindet dieser Krieg so viele militärische Kräfte, dass Washington seine Verpflichtungen in Ostasien nur noch eingeschränkt erfüllen kann. Die Absage wurde ausdrücklich mit der begrenzten Verfügbarkeit amerikanischer Streitkräfte begründet. (Reuters)
Das ist keine Politik der Stärke, sondern strategische Selbstschädigung. Trump eröffnet Konflikte an immer neuen Fronten, zerstört Vertrauen und überdehnt gleichzeitig die militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der USA. Davon profitieren vor allem China, Russland, Nordkorea und andere autoritäre Staaten. Sie erleben, wie Washington seine demokratischen Partner gegeneinander aufbringt und die Verlässlichkeit amerikanischer Sicherheitszusagen selbst untergräbt.
Trump macht Amerika nicht größer. Er macht es einsamer, unberechenbarer und schwächer – und die Welt gefährlicher.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Gesundheitsversorgung in Gaza: »Voll funktionsfähig ist keines der Krankenhäuser mehr«
Wie steht es um die Gesundheitsversorgung in Gaza? Der Leiter einer neuen Klinik erzählt, welche Herausforderungen es gibt und wie ein typischer Arbeitstag aussieht.

🔍 Netanjahus Politik ist ein moralischer und politischer Abgrund
Kein einziges Krankenhaus in Gaza ist mehr voll funktionsfähig. Ärzte operieren unter katastrophalen Bedingungen, Medikamente, medizinisches Gerät, sauberes Wasser und Treibstoff fehlen. Schwerverletzte, Krebskranke, Schwangere und mangelernährte Kinder können nicht angemessen behandelt werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren im April 2026 von 683 medizinischen Einrichtungen lediglich 296 überhaupt noch in Betrieb – die meisten davon nur teilweise. 2026 registrierte die WHO weitere Angriffe und Behinderungen des Gesundheitswesens. (OCHA)
Dafür trägt die Regierung Benjamin Netanjahus politische Verantwortung. Wer militärische Operationen, Evakuierungsbefehle und Zugangsbeschränkungen so gestaltet, dass ein gesamtes Gesundheitssystem zusammenbricht, nimmt den vermeidbaren Tod unzähliger Zivilisten in Kauf. Das ist durch kein Recht auf Selbstverteidigung zu rechtfertigen.
Der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober war ein entsetzliches Verbrechen. Er erteilt Israel aber keinen Freibrief, die Zivilbevölkerung Gazas kollektiv für die Taten der Hamas büßen zu lassen. Kranke und Verwundete sind keine militärischen Ziele, Kinder keine Terroristen und Krankenhäuser kein entbehrlicher Luxus.
Netanjahus Regierung hat aus einem berechtigten Schutzanspruch eine Politik grenzenloser Verwüstung gemacht. Wer angesichts zerstörter Kliniken, sterbender Patienten und verzweifelter Ärzte weiterhin Waffen liefert, diplomatisch abschirmt oder schweigt, macht sich politisch mitschuldig. Die internationale Gemeinschaft muss endlich wirksamen Druck ausüben: ungehinderte humanitäre Hilfe, Schutz medizinischer Einrichtungen, konsequente Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen und persönliche Rechenschaft für die Verantwortlichen. Menschlichkeit darf nicht länger der politischen Rücksichtnahme auf Netanjahu geopfert werden
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🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Südukrainische Stadt Cherson: Leben mit der russischen Menschenjagd
Im ukrainischen Cherson werden Menschen zur Zielscheibe russischer Drohnen. Für die Bewohner bedeutet dies einen täglichen Überlebenskampf. Den ertragen manche von ihnen irgendwann einfach nicht mehr. Von Rebecca Barth, ARD Kiew
Ankündigung zum Unabhängigkeitstag: EU gibt Milliarden für Ukraine frei
Zum heutigen Unabhängigkeitstag der Ukraine hat die EU neue Finanzhilfen in Milliardenhöhe genehmigt – auch vor dem Hintergrund intensivierter russischer Angriffe. Viele Verbündete der Ukraine treffen sich heute in Kiew.

Verteidigungskrieg gegen Russland: Britischer Premierminister Burnham übergibt Marschflugkörper-Baupläne an Ukraine
Neue Hilfen für die Ukraine: Der britische Premier Burnham will Kyjiw bei der Produktion von Langstreckenwaffen unterstützen. Die EU gibt derweil weitere 6,1 Milliarden Euro für das angegriffene Land frei.

🔍 Wer Menschen mit Drohnen jagt, darf nicht mit Wehrlosigkeit belohnt werden
Was Russland in Cherson betreibt, ist Terror gegen eine Zivilbevölkerung. Drohnen verfolgen Menschen auf Straßen, vor Geschäften und in ihren Wohnvierteln. Der Alltag wird zur tödlichen Lotterie. Diese „Menschenjagd“ ist keine bedauerliche Begleiterscheinung des Krieges, sondern Ausdruck einer Kriegsführung, die Angst verbreiten, Lebensräume unbewohnbar machen und den Widerstand der Bevölkerung brechen soll.
Die Verantwortung dafür trägt das Putin-Regime. Russland hat die Ukraine überfallen, Gebiete besetzt, Städte zerstört und Zivilisten zu Zielscheiben gemacht. Wer angesichts dessen vor allem vor einer „Eskalation“ durch westliche Waffenlieferungen warnt, verdreht Ursache und Wirkung. Nicht die Unterstützung des Opfers verlängert den Krieg – der russische Angriff ist seine Ursache.
Die Ukraine benötigt deshalb nicht nur Geld und Solidaritätsbekundungen, sondern wirksame Luftabwehr, Drohnenabwehr, Munition und Langstreckenwaffen. Sie muss militärische Stellungen, Flugplätze, Abschussrampen und Nachschubwege bekämpfen können, von denen die Angriffe ausgehen. Die Übergabe von Bauplänen für Marschflugkörper und die Milliardenhilfen der EU sind daher keine leichtfertige Eskalation, sondern notwendige Hilfe zur Selbstverteidigung. Die EU selbst begründet ihre militärische Unterstützung ausdrücklich mit dem völkerrechtlich verankerten Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung. (Rat der EU)
Putin wird nicht durch die Wehrlosigkeit seiner Opfer zum Frieden bewegt. Jede verweigerte Abwehrmöglichkeit erleichtert vielmehr die Fortsetzung des russischen Terrors. Frieden entsteht nicht dadurch, dass man dem Angegriffenen die Hände bindet, während der Angreifer weiter mordet. Wer die Menschen in Cherson schützen will, muss der Ukraine ermöglichen, die russischen Angriffe wirksam zu stoppen.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Schätzung von Greenpeace: Hitze kostet Wirtschaft zweistelligen Milliardenbetrag
Niedrige Flusspegel, schlechte Ernten, Waldbrände – die Hitze bringt einer Schätzung von Greenpeace zufolge wirtschaftliche Einbußen in zweistelliger Milliardenhöhe mit sich. Zu den Folgekosten der Hitze gibt es bereits mehrere Studien.
Experten rechnen mit heftigem Ereignis: El Niño bahnt sich an – Folgen für Deutschland befürchtet
Der Deutsche Wetterdienst geht von einem „der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen“ aus. Auch Deutschland könnte die Folgen zu spüren bekommen.

US-Bundesstaat Nevada: Brände nähern sich Großstadt Reno
Die als „Hawk Fire“ bezeichneten Brände im US-Bundesstaat Nevada haben die ersten Wohnviertel der Großstadt Reno erreicht. Die Behörden rufen Zehntausende Menschen dazu auf, ihre Häuser zu verlassen.

Guinea in Westafrika: Müllkippe rutscht auf Siedlung – mindestens 30 Todesopfer
Tagelanger Regen hatte das Gelände aufgeweicht, dann geriet die Deponie ins Rutschen: Dutzende Menschen sind in Guineas Hauptstadt Conakry ums Leben gekommen. Viele hatten Anordnungen zur Evakuierung missachtet.

🔍 Die Klimakrise ist längst eine globale Wirtschafts- und Überlebenskrise
Niedrige Flusspegel, Ernteausfälle und Waldbrände verursachen allein in Deutschland Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe. In Nevada erreichen die Flammen Wohnviertel von Reno und zwingen Zehntausende zur Flucht. In Guineas Hauptstadt Conakry begräbt eine durch tagelangen Regen instabil gewordene Müllhalde Menschen unter sich. Gleichzeitig kündigt sich im Pazifik ein möglicherweise außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis an, das die globalen Wetterextreme zusätzlich verschärfen könnte.
Nicht jedes einzelne Feuer, Unwetter oder Unglück lässt sich unmittelbar dem Klimawandel zuschreiben. Doch das Gesamtbild ist wissenschaftlich eindeutig: Die menschengemachte Erwärmung erhöht die Wahrscheinlichkeit und Intensität von Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Brandwetter. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen – trifft aber heute auf einen bereits stark erwärmten Planeten und kann die Temperaturen vorübergehend weiter nach oben treiben. Der Deutsche Wetterdienst hält eines der stärksten Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen für möglich.
Die Folgen treffen nicht alle gleich. Reiche Länder verlieren Milliarden, verfügen aber wenigstens über Versicherungen, Feuerwehren und staatliche Hilfen. In ärmeren Staaten werden Menschen durch Armut, mangelhafte Infrastruktur und fehlende sichere Wohnräume gezwungen, unmittelbar neben Müllhalden oder in anderen Gefahrenzonen zu leben. Dort wird ein Extremereignis schnell zur tödlichen Katastrophe.
Wer Klimaschutz weiterhin als kostspielige Zumutung darstellt, kehrt die Wirklichkeit um. Nicht der Klimaschutz ist zu teuer – unbegrenzte Erderwärmung ist unbezahlbar. Jeder weitere Aufschub vergrößert Schäden, soziale Ungleichheit und menschliches Leid. Wir befinden uns nicht mehr in einer Debatte über ferne Zukunftsszenarien, sondern mitten in der Rechnung für jahrzehntelanges politisches Versagen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Unterstützung für Familien: Singapur will Eltern pro Kind rund 55.000 Dollar Prämie zahlen
Singapur gehört zu den am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt – und will dem nun mit einer kräftigen Familienprämie entgegenwirken. Einen Teil der Zahlung sollen Eltern direkt bei der Geburt erhalten.

🔍 Familien unterstützen – aber nicht den Wachstumszwang verewigen
Dass Singapur Familien finanziell unterstützt, Elternzeit ausweitet und bezahlbares Wohnen erleichtert, ist grundsätzlich richtig. Niemand sollte auf Kinder verzichten müssen, weil Wohnraum, Betreuung und Bildung unbezahlbar geworden sind. Zudem handelt es sich bei den genannten rund 55.000 US-Dollar nicht um eine einmalige Geburtsprämie, sondern überwiegend um über 17 Jahre verteilte Hilfen, Zuschüsse und Bildungsguthaben.
Problematisch wird es jedoch, wenn Familienpolitik vor allem dazu dienen soll, immer neue Arbeitskräfte, Steuerzahler und Konsumenten für ein auf permanentes Wachstum angewiesenes Wirtschaftssystem hervorzubringen. Sinkende Geburtenraten werden dann ausschließlich als ökonomische Bedrohung betrachtet – statt auch die grundlegende Frage zu stellen, warum Wohlstand, Renten und gesellschaftliche Stabilität weiterhin von stetigem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum abhängig sein sollen.
Auf einem endlichen Planeten kann weder die Bevölkerung noch der Ressourcenverbrauch unbegrenzt wachsen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl der Menschen, sondern besonders der extrem ungleiche Pro-Kopf-Verbrauch: Wohlhabende Gesellschaften beanspruchen weit mehr Energie und Rohstoffe und verursachen erheblich höhere Emissionen als arme.
Eine verantwortliche Politik muss deshalb beides verbinden: gute Lebensbedingungen für Kinder und Eltern sowie den Umbau zu einer Wirtschaft, die auch ohne ewiges Wachstum funktioniert. Familienförderung ist richtig. Kinder jedoch als Mittel zur Stabilisierung eines ökologisch nicht zukunftsfähigen Wachstumsmodells zu behandeln, greift zu kurz. Die Antwort auf alternde Gesellschaften liegt auch in höherer Produktivität, gerechter Verteilung, Zuwanderung und nachhaltigen Sozialsystemen – nicht allein in immer höheren Geburtenzahlen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelZeitenwende ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978

23.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ARTE
Perfect World
Texas, 1963. Nach dem Attentat auf Präsident Kennedy nimmt Butch, ein Verbrecher auf der Flucht, den kleinen Phillip als Geisel. Sheriff Red Garnett heftet sich an seine Spur, begleitet von einem Scharfschützen und der Kriminologin Sally Gerber. Doch die Verfolger beginnen allmählich, zu verzweifeln … – Spannendes, melodramatisches Psycho-Drama (1993) mit Kevin Costner.

🔍 „Perfect World“ aus dem Jahr 1993 gehört zu den stilleren, aber eindringlichsten Filmen Clint Eastwoods. Im Mittelpunkt steht der entflohene Häftling Butch Haynes, der den achtjährigen Phillip als Geisel nimmt. Während der Flucht entwickelt sich zwischen beiden eine ungewöhnliche Beziehung: Phillip erlebt erstmals Freiheit und väterliche Zuwendung, Butch begegnet in dem Jungen seiner eigenen verlorenen Kindheit. Kevin Costner verkörpert diesen Mann mit bemerkenswerter Ambivalenz – fürsorglich und verletzlich, zugleich unberechenbar und gewaltbereit. Eastwood erzählt jedoch keine sentimentale Läuterungsgeschichte. Er zeigt, wie familiäre Gewalt, fehlende Liebe und staatliche Härte einen Menschen prägen können, ohne dessen spätere Taten zu entschuldigen. So wird aus einem scheinbar klassischen Fluchtdrama eine psychologisch genaue Untersuchung über Schuld, Verantwortung und die Weitergabe von Gewalt.

00:00 | ZDF
Was ist deutsch? Die Geschichte der Migration
Bei uns reden manche von „deutschen Wurzeln“ und lehnen Zuwanderer als „fremd“ ab. Sie glauben an das „Volk“ als homogene Gruppe. Doch wissenschaftlich ist das nicht haltbar.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Chrupalla im ARD-Sommerinterview: „Klima ist ein Nebenthema“
Deutschland erlebt einen Extremsommer mit Hitzetoten und Waldbränden. Der AfD-Vorsitzende Chrupalla kritisiert dennoch einen „Klima-Hype“. Wichtig sei, den Strom für Klimageräte bezahlbar zu machen, sagte er im ARD-Sommerinterview.
Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview: Die Aussagen der AfD-Chefin unter der Lupe
Im ZDF-Sommerinterview sprach AfD-Parteichefin Alice Weidel über den Klimawandel, die Autoindustrie, Migration und einen deutschen Euro-Ausstieg. Ihre Aussagen im Faktencheck.

🔍 Chrupalla, Weidel und die AfD: Fakten werden passend gemacht
Zwei Sommerinterviews, dasselbe erschreckende Muster: Die AfD versucht nicht, komplizierte Wirklichkeit zu erklären – sie biegt sie zurecht.
Tino Chrupalla erklärt mitten in einem Extremsommer mit Hitzetoten, Waldbränden, Dürre und Ernteproblemen das Klima zum „Nebenthema“, spricht von „Klima-Hype“ und einem „ganz normalen Sommer“. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die gegenwärtige globale Erwärmung hauptsächlich menschengemacht ist, spielt er herunter. Seine Antwort auf steigende Temperaturen: mehr Strom und Klimaanlagen.
Alice Weidel liefert die passende Fortsetzung. Sie behauptet, 2025 seien 306.000 Arbeitslose eingebürgert worden. Das ist irreführend. Die Zahl bezeichnet Menschen, die im Dezember 2025 arbeitslos waren und irgendwann zuvor eingebürgert worden waren – möglicherweise Jahre oder Jahrzehnte vorher. Aus einer Bestandszahl wird kurzerhand eine angebliche Einbürgerungszahl gemacht.
Beim Klima dasselbe Spiel: Natürlich hat sich das Erdklima schon immer verändert. Aber genau daraus folgt nicht, dass die heutige Erwärmung natürlich wäre. Frühere Klimaveränderungen hatten andere Ursachen; für die gegenwärtige globale Erwärmung sind nach dem Stand der Klimaforschung menschliche Treibhausgasemissionen eindeutig der dominierende Faktor.
Das ist der Kern des Problems mit dieser AfD: Statistiken werden aus ihrem Zusammenhang gerissen, wissenschaftlicher Konsens wird relativiert und aus Halbwahrheiten werden politische Botschaften gebaut.
Und ausgerechnet Weidel erklärt gleichzeitig, sie wolle nicht mehr von Politikern „angelogen“ werden.
Wer der Bevölkerung mit einer falsch interpretierten Zahl Angst vor Einbürgerungen macht und gleichzeitig eine wissenschaftlich zweifelsfrei belegte Klimakrise herunterspielt, sollte mit diesem Vorwurf äußerst vorsichtig sein.
Eine Partei, die Wirklichkeit nur dann akzeptiert, wenn sie in ihr Weltbild passt, ist keine Alternative. Sie ist eine Gefahr für jede Politik, die auf Fakten, Vernunft und Verantwortung angewiesen ist.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Vorhaben des Bundeskanzlers: Merz nennt Wachstum und Beschäftigung als wichtigste Themen
Die Sommerpause endet und Kanzler Friedrich Merz legt eine Anpacker-Mentalität an den Tag: Bei den Gesetzgebungsverfahren wolle er Tempo sehen, sagte er der »Bild am Sonntag«. Und: Die Regierung wisse, was gut sei für das Land.

🔍 Das Zeitfenster schließt sich: Wachstum muss die Klimakrise berücksichtigen
Wachstum und Beschäftigung sind zweifellos wichtig. Doch wer sie 2026 zu den wichtigsten Themen erklärt, ohne gleichzeitig die sich verschärfende Klimakrise ins Zentrum zu stellen, betreibt Politik mit dem Blick in den Rückspiegel. Blindes Wirtschaftswachstum, das weiterhin Rohstoffe verschwendet, fossile Energien verbrennt und ökologische Folgekosten auf die Allgemeinheit abwälzt, ist keine Lösung, sondern Teil des Problems.
Das Zeitfenster, die Erderwärmung noch einigermaßen zu begrenzen, schließt sich rapide. Gerade deshalb muss die Bundesregierung Wachstum neu definieren: als beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, der Stromnetze, Speicher, Wärmepumpen, klimaneutraler Industrie und öffentlicher Verkehrssysteme. Eine konsequente Energiewende schützt nicht nur das Klima, sondern schafft dauerhaft Arbeitsplätze, senkt die Abhängigkeit von Energieimporten und stärkt Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Wirtschaft wachsen soll, sondern was wachsen darf – und was endlich schrumpfen muss. Wer diese Unterscheidung verweigert, verspielt unter dem Schlagwort „Wachstum“ unsere wirtschaftliche und ökologische Zukunft.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) Große Koalitionen – Der unterschätzte Einfluss der SPD (Essay)Zeitenwende

Die AfD Sachsen-Anhalt will nicht, dass du diese 12 Neonazi-Zitate teilst!
Ihre gefährlichen, rechtsextremen Pläne versteckt die AfD Sachsen-Anhalt kaum noch: Man kann sie in ihrem Wahlprogramm ganz einfach nachlesen. Der wahre Charakter der Partei offenbart sich auch in diesen Aussagen von AfD-Mitgliedern aus Sachsen-Anhalt. Wer keine Zeit oder Lust hat, unsere Analysen der etlichen Anträge und Forderungen der gesichert rechtsextremen Partei nachzulesen, kann sich auch mit nur diesen 12 Zitaten von auch führenden Politikern der AfD Sachsen-Anhalt sehr schnell selbst ein Bild machen. Hier zeigen sie ihren Neonazi-Hass auf Menschen, die Verachtung für ihre Demokratie und die Freiheiten und ihr Gewaltpotential unverholen. Von Charlotte Theis, Leonie Wiegel, Thomas Laschyk

🔍 Keine Ausrutscher, sondern ein rechtsextremes Programm
Wer Homosexuelle ins Gefängnis stecken will, von einem „weißen“ Deutschland und einem „ethnisch homogenen Volk“ schwärmt, Menschen nach Hautfarbe sortiert, Migrantenkinder als „Wölfe“ entmenschlicht und politische Gegner sowie Medien „zur Rechenschaft“ ziehen möchte, hat den Boden der freiheitlichen Demokratie längst verlassen.
Besonders abgründig ist die Heuchelei beim Thema Homosexualität: Mit Alice Weidel wird die AfD ausgerechnet von einer offen lesbisch lebenden Frau geführt, während Funktionäre ihrer eigenen Partei Gefängnisstrafen für gelebte Homosexualität befürworten. Weidels persönliche Lebensform dient der AfD dabei offenbar als Feigenblatt, während Teile der Partei die Rechte und gesellschaftliche Anerkennung homosexueller Menschen bekämpfen. Wer glaubt, die eigene herausgehobene Stellung schütze dauerhaft vor der Ideologie der eigenen Partei, sollte einen Blick in die Geschichte autoritärer Bewegungen werfen.
Diese dokumentierten Aussagen sind keine vereinzelten Entgleisungen irgendwelcher Hinterbänkler. Sie stammen auch von führenden Funktionären und ergeben zusammen ein geschlossenes Weltbild: völkischer Rassismus, Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit, autoritäres Herrschaftsdenken sowie offene Verachtung für Menschenwürde, Rechtsstaat und Pressefreiheit.
Niemand kann später behaupten, er habe von nichts gewusst. Die AfD verbirgt ihre Absichten kaum noch – sie spricht sie aus und testet, wie viel eine schläfrige Demokratie hinnimmt. Wer diese Partei trotz solcher Aussagen wählt, wählt ihren Hass und ihren Angriff auf die Demokratie mit.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Westküste: 1400 Menschen in Spanien wegen Bränden und Überschwemmung in Sicherheit gebracht
Nur etwa 30 Kilometer von der Stadt Valencia entfernt ist ein Waldbrand außer Kontrolle, tausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen. An der Costa Dorada wurde nach Regenfällen ein Campingplatz evakuiert.
Baltikum: Heftige Stürme treffen Lettland und Litauen – mehrere Tote und Verletzte
Hunderttausende sind ohne Strom, zwei Menschen kamen ums Leben: Über die baltischen Länder fegen schwere Unwetter. Starke Regenfälle und Windböen werden weiterhin erwartet.
Nahe der deutschen Grenze: Vier Tonnen tote Fische – Polen kämpft gegen giftige Goldalge in Oder-Nebengewässer
Polnische Behörden haben eine Blüte der giftigen Goldalge in einem Nebengewässer der Oder gefunden. Die Folge: ein Fischsterben. Nun gibt es erste Maßnahmen, um eine Katastrophe zu verhindern.
Kürzerer Handelsweg: Südkorea testet Schifffahrtsroute durch die Arktis
Nach China und Russland möchte auch Südkorea die Nordostpassage nutzen. Ein erstes Containerschiff legte in Busan mit Kurs auf Europa ab.

🔍 Vier Meldungen – ein zerstörerischer Zusammenhang
Waldbrände und Überschwemmungen in Spanien, tödliche Stürme im Baltikum, tonnenweise verendete Fische in einem Oder-Nebengewässer – und gleichzeitig wird die durch das schmelzende Polareis zunehmend befahrbare Nordostpassage als wirtschaftliche Chance getestet.
Keines dieser einzelnen Ereignisse beweist für sich den Klimawandel. Zusammengenommen zeigen sie jedoch, wohin die Entwicklung führt: Eine wärmere Atmosphäre begünstigt Wetterextreme, Hitze und Trockenheit verschärfen die Brandgefahr, belastete und erwärmte Gewässer werden anfälliger für ökologische Katastrophen. Bei der Goldalge kommt der durch industrielle Einleitungen erhöhte Salzgehalt als entscheidender Faktor hinzu.
Besonders zynisch ist die Reaktion auf das schwindende arktische Eis: Statt dessen Verschwinden als dramatisches Warnsignal zu begreifen, wird sofort geprüft, wie sich daraus kürzere Handelswege und wirtschaftliche Vorteile gewinnen lassen. Die Erderwärmung öffnet die Route – zusätzlicher Schiffsverkehr mit Ruß, Abgasen und Unfallrisiken beschleunigt wiederum die Zerstörung dieses hochempfindlichen Lebensraums.
Brände, Überschwemmungen, Tote, Stromausfälle und kollabierende Ökosysteme erscheinen in den Nachrichten als voneinander getrennte Meldungen. Tatsächlich sind sie Teile derselben Systemkrise: Die Natur sendet immer lautere Warnsignale, während die Wirtschaft bereits kalkuliert, wie sich selbst aus ihrer Zerstörung noch Profit schlagen lässt. Genau diese Blindheit müssen wir überwinden.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Verhandlungen geplatzt: US-Konzerne schlagen im Zollstreit mit Kanada Alarm
Der Nachbarschaftsstreit zwischen den USA und Kanada eskaliert, mit unabsehbaren Folgen für Verbraucher und Unternehmen: Mehr als 200 US-Konzerne fordern neue Verhandlungen. Doch nach Deeskalation sieht es nicht aus.

🔍 „America First“ schadet zuerst Amerika
Mehr als 200 US-Unternehmen schlagen Alarm – deutlicher lässt sich das Scheitern von Trumps Zollpolitik kaum dokumentieren. Zölle sind keine Rechnung, die Kanada einfach an Washington überweist. Sie verteuern importierte Rohstoffe und Vorprodukte, zerreißen über Jahrzehnte gewachsene Lieferketten und treiben am Ende die Preise für amerikanische Unternehmen und Verbraucher hoch.
Die USA und Kanada bilden einen eng verflochtenen Wirtschaftsraum. Wer daraus aus nationalistischer Großmannssucht einen Handelskrieg macht, trifft nicht nur den Nachbarn, sondern die eigene Industrie, gefährdet Arbeitsplätze und schafft dauerhafte Unsicherheit für Investitionen. Dass ausgerechnet US-Konzerne neue Verhandlungen verlangen, entlarvt Trumps Behauptung, seine Zollpolitik schütze die amerikanische Wirtschaft.
Trump verwechselt wirtschaftliche Stärke mit der Fähigkeit, Partner unter Druck zu setzen. Doch wer selbst seine engsten Verbündeten wie Gegner behandelt, wird am Ende tatsächlich nur noch von Gegnern umgeben sein. Den Preis für diese Politik zahlen nicht Trump und seine Milliardärsfreunde, sondern Beschäftigte, kleinere Unternehmen und Verbraucher auf beiden Seiten der Grenze.

🔍 Hintergrund: ►

Donald TrumpMacht und ManipulationDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des Geldes

Ziel in Europa: Iranische Hacker haben britische Energieanlage für vier Tage lahmgelegt
Das britische Nationale Zentrum für Cybersicherheit hatte Organisationen gewarnt, sich »auf die Gefahr von Kollateralschäden« vorzubereiten, im Zusammenhang mit dem Krieg der USA gegen Iran. Tatsächlich haben Hacker eine kleinere Energieanlage angegriffen.

🔍 Der Krieg überschreitet längst alle Grenzen
Der Angriff auf eine britische Energieanlage zeigt, wie schnell sich der von den USA begonnene Krieg gegen Iran weit über das eigentliche Kampfgebiet hinaus ausbreitet. Moderne Kriege werden nicht mehr nur mit Raketen und Bomben geführt. Sie erreichen über Computernetze Kraftwerke, Wasserwerke, Krankenhäuser, Verkehrswege und Unternehmen – und damit unmittelbar die Zivilbevölkerung anderer Staaten.
Sollte sich die iranische Urheberschaft bestätigen, ist der Angriff uneingeschränkt zu verurteilen. Energieanlagen sind keine legitimen Spielfelder für politische Vergeltung. Dass diesmal nur eine kleinere Anlage betroffen war und die allgemeine Stromversorgung nicht ausfiel, darf niemanden beruhigen. Großbritannien meldete bis Mai bereits mehr als 200 abgewehrte Angriffe auf kritische Infrastruktur. Der nächste Angriff könnte ein Krankenhaus, ein Wasserwerk oder ein größeres Stromnetz treffen.
Gleichzeitig bestätigt der Vorfall die Warnung vor den kaum kontrollierbaren Folgen des US-Krieges. Wer einen Krieg beginnt, entscheidet nicht darüber, wo er endet und welche Staaten hineingezogen werden. Die Zivilbevölkerung wird zum potenziellen Ziel, obwohl sie weder über den Krieg entschieden hat noch ihn beenden kann.
Cyberangriffe senken die Schwelle zur Eskalation: Urheber lassen sich verschleiern, Gegenangriffe schnell rechtfertigen und Fehler kaum zurückholen. Der angeblich begrenzte Krieg beginnt sich zu entgrenzen – genau davor wurde gewarnt.

🔍 Hintergrund: ► Nahostkonflikt

Über 100 Meter: Sprintende Roboter knacken laut chinesischen Medien den Rekord von Usain Bolt
China steckt Abermilliarden in die Entwicklung von humanoiden Robotern. Und die Technologie entwickelt sich rasend schnell – wie zwei Hightech-Sprinter in Peking beweisen. Am Abbremsen müssen sie aber noch arbeiten.

🔍 Nicht der Sprintrekord ist entscheidend, sondern das Entwicklungstempo
Ob diese Roboter unter exakt denselben Bedingungen tatsächlich schneller sind als Usain Bolt, ist eher eine unterhaltsame Randfrage. Entscheidend ist, mit welchem Tempo China künstliche Intelligenz, Robotik, Sensorik und industrielle Produktion miteinander verbindet. Was heute noch unbeholfen abbremst oder spektakulär stürzt, kann in wenigen Jahren Fabriken, Lagerhäuser, Pflegeeinrichtungen, Baustellen und militärische Systeme verändern.
China investiert Abermilliarden und verfolgt eine langfristige Industriestrategie. Europa dagegen diskutiert häufig erst über Risiken, Zuständigkeiten und Datenschutz, während andere bereits Produktionskapazitäten, Lieferketten und technisches Wissen aufbauen. Regulierung ist notwendig – aber sie ersetzt keine eigene Entwicklung.
Die zentrale gesellschaftliche Frage lautet jedoch nicht, ob Roboter bald schneller laufen als Menschen. Sie lautet: Wem gehören diese Maschinen, wer verfügt über ihre Produktivität und wer profitiert von den eingesparten Arbeitsstunden? Wenn die Gewinne ausschließlich bei wenigen Konzernen und Investoren landen, wird der technische Fortschritt die soziale Ungleichheit weiter verschärfen. Werden seine Erträge dagegen gerecht verteilt, könnte Robotik Menschen von gefährlicher, gesundheitsschädlicher und monotoner Arbeit befreien.
Der Roboterlauf von Peking ist deshalb kein sportlicher Gag, sondern ein Vorgeschmack auf einen tiefgreifenden Umbruch. Die Maschinen beschleunigen bereits – politisch und gesellschaftlich sind wir darauf kaum vorbereitet.

🔍 Hintergrund: ►
KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

Russlands Krieg gegen die Ukraine: Putin droht Kyjiw nach Angriffen auf Wirtschaftsstandorte mit Vergeltung
Die Ukraine hat mit Schlägen gegen Ölraffinerien und Logistikzentren die russische Wirtschaft empfindlich getroffen. Nun hat Wladimir Putin im Staatsfernsehen Schäden eingeräumt und eine scharfe Antwort angekündigt.

🔍 Putin hat die Büchse der Pandora selbst geöffnet
Ausgerechnet Wladimir Putin wirft der Ukraine vor, mit Angriffen auf russische Wirtschaftsstandorte die „Büchse der Pandora“ geöffnet zu haben. Dabei war er es, der vor viereinhalb Jahren den Angriffskrieg begann, ukrainische Städte verwüsten, Energieanlagen bombardieren und Millionen Menschen vertreiben ließ. Nun, da die Ukraine Ölraffinerien und Logistikzentren trifft, die Russlands Kriegsmaschinerie versorgen, inszeniert sich der Aggressor plötzlich als provoziertes Opfer.
Besonders perfide ist Putins Drohung, nun die vom Agrarexport abhängige ukrainische Wirtschaft anzugreifen. Russland hat längst Häfen, Getreidespeicher und landwirtschaftliche Betriebe zerstört und damit nicht nur die Ukraine, sondern auch die Lebensmittelversorgung ärmerer Länder gefährdet. Wer erneut mit der Vernichtung von Agrarstrukturen droht, setzt Hunger bewusst als Waffe ein.
Selbstverständlich bleibt auch die Ukraine an das humanitäre Völkerrecht gebunden. Angriffe müssen militärischen Zielen gelten und Zivilisten so weit wie möglich schützen. Doch Putin kann keinen Krieg gegen ein Nachbarland führen und gleichzeitig verlangen, dass dessen wirtschaftliche Grundlagen in Russland unantastbar bleiben.
Seine martialische Vergeltungsdrohung verrät vor allem eines: Die ukrainischen Angriffe wirken. Was Putin als „Provokation“ bezeichnet, ist die Konsequenz seines eigenen Krieges. Er könnte sie jederzeit beenden – indem er seine Truppen aus der Ukraine abzieht.

🔍 Hintergrund: ►
Ukraine-Krieg

22.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ARTE
Habsburg gegen Hohenzollern: Die Schlacht bei Königgrätz
Am 3. Juli 1866 besiegt Preußen überraschend den Platzhirsch Österreich. Die Schlacht bei Königgrätz beendet die Dominanz der Habsburger, ebnet den Weg zu einem geeinten Deutschland und befeuert die deutsch-französische Rivalität. Das Dokudrama „Habsburg gegen Hohenzollern – Die Schlacht bei Königgrätz“ räumt mit alten Mythen auf.

23:15 | ARTE
Langeweile – Das unerforschte Gefühl
Schneller, höher, weiter: Unser modernes Leben ist von Produktivität, Tempo und immer neuen Reizen geprägt. Langeweile? Fehlanzeige. Dabei kann Langeweile Kreativität fördern und schon im Kindesalter helfen, den Umgang mit den eigenen Emotionen zu lernen. Doch wie viel Langeweile ist gesund? Forschende auf der ganzen Welt sind dabei, das rätselhafte Gefühl zu entschlüsseln.

00:45 | phoenix
Das Schicksal der Anne Boleyn
Die Dokureihe lässt die Geschichte von Anne Boleyn, der zweiten Ehefrau von Henry VIII., Revue passieren. Sie wurde wegen verschiedenster Verbrechen angeklagt, von Inzest bis Ehebruch, in einem Schauprozess verurteilt und schließlich exekutiert.
Die Verhaftung
01:30
Der Prozess
02:15
Die Hinrichtung

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Brief an Macron und Burnham: Französische und britische Ex-Diplomaten fordern härtere Linie gegenüber Israel
»Palästina wird vor den Augen der Welt ausgelöscht«: Dutzende ehemalige französische und britische Diplomaten haben ihren Regierungschefs einen Brandbrief geschickt. Das Ziel: eine andere Israelpolitik.

🔍 Vertreibung, Enteignung, Annexion – Europa muss endlich handeln
Die Siedlungspolitik der Regierung Netanjahu ist auf das Schärfste zu verurteilen. Im besetzten Westjordanland werden palästinensische Familien verdrängt, Häuser zerstört, Land beschlagnahmt und immer neue völkerrechtswidrige Siedlungen errichtet. Gewalttätige Siedler schaffen – häufig unter dem Schutz israelischer Sicherheitskräfte – Tatsachen, die einen lebensfähigen palästinensischen Staat systematisch unmöglich machen.
Auch das Vorgehen in Gaza lässt sich längst nicht mehr mit dem berechtigten Kampf gegen die Hamas rechtfertigen. Das Massaker vom 7. Oktober war ein abscheuliches Verbrechen. Es gibt Israel jedoch kein Recht, eine ganze Bevölkerung kollektiv zu bestrafen, ihre Lebensgrundlagen zu zerstören und sie dauerhaft aus ihrer Heimat zu vertreiben.
Wer angesichts dieser Politik weiterhin nur mahnt, macht sich politisch mitschuldig. Frankreich, Großbritannien, Deutschland und die EU müssen Konsequenzen ziehen: Waffenlieferungen stoppen, das Assoziierungsabkommen aussetzen, Geschäfte mit den Siedlungen verbieten und Verantwortliche sanktionieren. Israels Existenzrecht bedeutet keinen Freibrief für Vertreibung, Annexion und schwerste Verstöße gegen das Völkerrecht.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Pressefreiheit in den USA: Pentagon entlässt Führungsriege von Militärzeitung
Die US-Militärzeitung »Stars and Stripes«, zum Teil staatlich finanziert, brachte immer wieder kritische Berichte. Nun wurde die journalistische Führung gefeuert. Die Betroffenen äußerten sich deutlich.
Handelsstreit: Gespräche gescheitert – USA und Kanada verhängen neue Zölle gegeneinander
Kein Abkommen um jeden Preis: Kanadas Premier hat seine Unterhändler zurückgerufen, im Zollstreit mit den USA will das Land nicht vor dem Nachbarn einknicken.
US-Einwanderungspolitik Bundesrichterin kippt Trumps Visastopp für Staatsangehörige aus 75 Ländern
Seit Januar vergeben die USA keine Einwanderungsvisa mehr an Bürger aus 75 Staaten, darunter Brasilien und Bangladesch. Eine Bundesrichterin fand für das von der Trump-Regierung erlassene Dekret jetzt vernichtende Worte.
Rückkehr zu den Wurzeln: Scheidende Trump-Sprecherin Leavitt schließt sich MAGA-Organisation an
Präsidentensprecherin Karoline Leavitt verlässt das Weiße Haus und kehrt zu MAGA Inc. zurück. Der Super-PAC, der unbegrenzt Spenden für Donald Trump sammeln darf, gewinnt damit eine seiner engsten Vertrauten zurück.
Hohe Verbraucherpreise in den USA: Trumps Initiative für günstiges Rinderhack erntet heftige Kritik
Der US-Präsident will Rinderhackfleisch in den USA günstiger machen. Die geplante Umsetzung stößt jedoch auf massiven Widerstand. Donald Trump deutet die Kritik als Bestätigung für seine Pläne.

🔍 Trumps Amerika: Angriff auf Presse, Recht und Nachbarn
Fünf Meldungen, ein politisches Muster: Trump behandelt demokratische Institutionen, internationale Partner und selbst wirtschaftliche Probleme nach dem Prinzip persönlicher Gefolgschaft und maximalen Drucks. Im Pentagon wird die kritische Führung von »Stars and Stripes« entlassen – ein Angriff auf journalistische Unabhängigkeit. Eine Bundesrichterin muss einen pauschalen Visastopp für Menschen aus 75 Ländern kassieren. Kanada wiederum verweigert sich Trumps Zolldiktat und schlägt mit eigenen Abgaben zurück.
Währenddessen wechselt Trumps Sprecherin nahezu nahtlos vom Weißen Haus zu MAGA Inc. – dorthin, wo unbegrenzt Geld für Trumps Bewegung gesammelt werden kann. Die Grenze zwischen Staatsamt, persönlicher Loyalität und politischer Propagandamaschine wird immer undeutlicher.
Und gegen hohe Lebensmittelpreise präsentiert Trump eine umstrittene Rinderhack-Initiative, statt die Folgen seiner eigenen Wirtschafts- und Zollpolitik anzuerkennen. Wer widerspricht, bestätigt in seiner Logik nur, dass er recht hat. So entsteht ein autoritäres System: Kritik wird bekämpft, Gerichte werden zum letzten Korrektiv, Verbündete zu Gegnern erklärt und wirtschaftliches Scheitern propagandistisch umgedeutet.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Russische Kriegsführung gegen Zivilisten: Die erste Drohne tötet Menschen im Einkaufszentrum, der zweite Angriff gilt denen, die helfen
Die Zahl der Todesopfer steigt, Präsident Selenskyj spricht von einer Gräueltat: Bei der jüngsten russischen Attacke auf die Ukraine wurden viele Kinder und Jugendliche verletzt. Der Angriff kam gezielt in zwei Wellen.
Nach Angriff auf Einkaufszentrum: Ukraine attackiert russische Raffinerie und Onlinehändler Ozon
Kurz nach den Angriffen Russlands auf ein ukrainisches Einkaufszentrum schlägt die Ukraine offenbar zurück. Getroffen wurde erstmals ein großer Onlineversandhändler.
Frage an Selenskyj auf Pressekonferenz: Russische Behörden schreiben »FAZ«-Korrespondent zur Fahndung aus
Nach seiner Frage zur Tötung russischer Soldaten wird ein Journalist der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« aus Russland angegriffen. Nun reagiert die Zeitung und spricht von einem Einschüchterungsversuch.

🔍 Russlands Krieg gegen Zivilisten, Helfer und Wahrheit
Der Angriff auf das Einkaufszentrum in Krywyj Rih zeigt erneut die Brutalität der russischen Kriegsführung: Zuerst trifft eine Drohne einen zivilen Ort, dann folgt offenbar eine zweite Attacke, als Helfer eintreffen. Solche zeitversetzten Angriffe nehmen bewusst in Kauf, dass Rettungskräfte, Angehörige und Passanten getötet werden. Dass unter den zahlreichen Verletzten viele Kinder und Jugendliche sind, macht die Gräueltat besonders deutlich.
Die Ukraine reagiert mit Angriffen auf Ziele in Russland, darunter eine Raffinerie und erstmals Einrichtungen des Onlinehändlers Ozon. Doch bei aller verständlichen Gegenwehr gilt auch für die Ukraine: Militärische Notwendigkeit und Schutz von Zivilisten müssen Maßstab bleiben. Russlands gezielter Terror gegen die Bevölkerung rechtfertigt keine unterschiedslose Vergeltung.
Gleichzeitig verfolgt Moskau kritische Berichterstattung über den Krieg. Die Fahndung nach dem »FAZ«-Korrespondenten Michael Mertens wegen einer Frage an Selenskyj ist ein unverhohlener Einschüchterungsversuch. Putin führt diesen Krieg nicht nur mit Raketen und Drohnen, sondern auch gegen Zeugen, Journalisten und überprüfbare Wirklichkeit. Wer Verbrechen begeht, versucht anschließend, die Bilder, Fragen und Berichte darüber zu unterdrücken.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

AfD will mehr Abschiebungen: Fachkräftemangel: Wer hält Sachsen-Anhalt am Laufen?
Sachsen-Anhalt schrumpft: Zu wenig Geburten, viele Ältere, die in Rente gehen. Viele Stellen können nicht besetzt werden. Die AfD will mehr abschieben – verschlimmert das die Lage? Von Andreas Weise
Wie die AfD Windkraftgegner für ihren Kulturkampf mobilisiert

🔍 Die AfD unterstützt Bürgerinitiativen, organisiert Proteste und schürt Ängste vor Windrädern. Berechtigte lokale Einwände werden dabei mit Falschbehauptungen und völkischer Heimatideologie vermischt – zulasten von Klimaschutz, Energieunabhängigkeit und sachlicher Debatte.
Die AfD gefährdet Sachsen-Anhalts Zukunft
Sachsen-Anhalt verliert Einwohner und Arbeitskräfte, während immer mehr Beschäftigte in Rente gehen. Trotzdem will die AfD mehr Menschen abschieben und zugleich den Ausbau der Windenergie blockieren. Damit verschärft sie den Fachkräftemangel, gefährdet Investitionen und verhindert neue Wertschöpfung in den Kommunen. Ihre Politik löst die Probleme des Landes nicht – sie bewirtschaftet Ängste und schwächt genau jene Grundlagen, auf denen Sachsen-Anhalts Zukunft beruht.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

meinung • Die Lage: Inside Austria Wenn Rechtsradikale regieren
In Österreich regiert die FPÖ aktuell in fünf von neun Bundesländern mit. Was setzt die Rechts-außen-Partei um, wenn sie an der Macht ist? Von Lucia Heisterkamp

🔍 Österreich zeigt, was Rechtsradikale mit Macht anfangen
Wo die FPÖ mitregiert, beginnt der autoritäre Umbau nicht unbedingt mit dem großen Staatsstreich, sondern mit vielen gezielten Eingriffen: Genderverbote, zusätzliche Pflichten für Asylbewerber, Abbau von Umweltauflagen sowie Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich. Vieles ist Symbolpolitik – aber sie verschiebt gesellschaftliche Grenzen und gewöhnt die Öffentlichkeit an Ausgrenzung.
Wie gefährlich es wird, sobald Rechtsradikale zentrale Staatsorgane kontrollieren, zeigte FPÖ-Innenminister Herbert Kickl 2018: Bei einer später in wesentlichen Teilen als rechtswidrig und unverhältnismäßig bewerteten Razzia im Verfassungsschutz wurden hochsensible Daten beschlagnahmt und der österreichische Staatsschutz nachhaltig beschädigt. Die Lehre für Deutschland ist eindeutig: Wer Rechtsradikalen Ministerien überlässt, gibt ihnen Zugriff auf Personal, Informationen und Institutionen. Sie regieren vielleicht zunächst pragmatischer, als sie reden – harmloser werden sie dadurch nicht.

🔍 Hintergrund: Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Folge der Hitzewellen: Mindestens 32.000 zusätzliche Todesfälle in Europa seit Sommerbeginn
Der Klimawandel zeigte sich in den vergangenen Wochen in Europa auf brutale Weise: viele Waldbrände infolge der Trockenheit und mutmaßlich 32.000 Hitzetote. Die Opferzahlen dürften in Wahrheit sogar noch größer sein.

🔍 Das Zeitfenster schließt sich
Mindestens 32.000 zusätzliche Todesfälle seit Sommerbeginn: Die Klimakrise ist keine abstrakte Bedrohung kommender Generationen mehr, sondern tötet heute – mitten in Europa. Und weil hitzebedingte Todesfälle oft erst nachträglich erkannt werden, dürfte die tatsächliche Opferzahl noch höher liegen.
Trotzdem wird Klimaschutz weiterhin behandelt, als könne man ihn je nach Haushaltslage, Wahltermin oder Lobbydruck aufschieben. Doch jede weitere Verzögerung bedeutet mehr Hitze, mehr Brände, höhere gesellschaftliche Kosten und zusätzliche Tote. Das Zeitfenster für wirksames Handeln schließt sich. Wer jetzt noch bremst, kann nicht mehr behaupten, er habe die Folgen nicht gekannt.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

21.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | 3sat
Schachnovelle
Österreich, 1938. Der Wiener Lebemann Dr. Josef Bartok verdrängt die Gefahr der NS-Machtübernahme. Erst kurz vor dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich entschließt er sich zur Flucht.

22:30 | ZDFinfo
The Chinese Dream – 24h junges China
Ein Tag mit Paintboxern, Influencern und Millionären
Streetfood-Verkäufer, Kunststudentin, Influencer und KI-Unternehmerin: Chinas Jugend sucht nicht nur Erfolg, sondern auch Freiheit und persönliche Erfüllung – und bricht mutig mit Traditionen.
23:15
Eine Nacht mit Rockstars, Rebellen und Prinzessinnen
Eine Nacht mit jungen Menschen in China: Rockstars, Skater und Fußballerinnen brechen mit Traditionen und suchen Freiheit, Glück und ihre eigene Identität.

00:27 | 3sat
Reschke Fernsehen
Grundwasser-Stress: Der Kampf um Deutschlands größten Schatz
Grundwasser ist ein wertvolles Gut. In Zeiten von zunehmenden Trockenphasen, den Folgen des Klimawandels und der Versiegelung von Flächen wird es umso wertvoller. In einigen Orten wie in Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen sind Konflikte rund um die Nutzung des Grundwassers zwischen Bürgern, Politik und Unternehmen entfacht. Reschke Fernsehen beleuchtet in dieser Folge: Wem gehört das Wasser, kontrollieren wir die Nutzung genug und

02:10 | ARTE
Deep Thought – Das große Gespräch mit Wolf Biermann
Das ARTE-Gesprächsformat „Deep thought“ sucht außergewöhnliche Denkerinnen und Denker in ganz Europa auf und bittet sie zum vertieften Gespräch. Dieses Mal mit Wolf Biermann. In Hamburg blickt der Liedermacher auf sein Leben in der DDR und der Bundesrepublik zurück. Dabei geht es auch um den Zustand der Demokratie und eine unerwartete Wendung, die uns bevorstehen könnte.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Klimakrise Warum die Feuersaison 2026 womöglich nur ein Vorgeschmack ist
Eine neue Studie beschreibt Szenarien, wie sich das Feuerrisiko in Europa entwickeln könnte. Viel wird vom Kurs der internationalen Klimapolitik abhängen. Ein Newsletter von Kurt Stukenberg

CORRECTIV-Fluss-Atlas: Deutschlands Flüsse trocknen aus
Eine Datenanalyse von CORRECTIV zeigt: Die Niedrigwasser-Krise ist kein Ausreißer, sondern ein langjähriger Trend – mit Folgen für Natur, Wirtschaft und Trinkwasser.

Vermögenssteuer: Warum eine stärkere Besteuerung hoher Vermögen überfällig ist
Leistung muss sich lohnen: Superreiche müssen mehr Steuern zahlen. Und das hat nichts mit einer Neiddebatte zu tun, sondern mit ökonomischer Vernunft und Gerechtigkeit. Eine Kolumne von Marcel Fratzscher
🔍 Klimakrise und Vermögenskonzentration: Die Profiteure müssen zahlen
Europas wachsende Waldbrandgefahr und Deutschlands austrocknende Flüsse sind keine isolierten Naturereignisse. Sie sind Folgen einer Wirtschaftsweise, die fossile Gewinne, grenzenloses Wachstum und private Vermögensanhäufung jahrzehntelang über den Schutz unserer Lebensgrundlagen gestellt hat. Besonders profitiert haben Konzerne, Großaktionäre und Superreiche – während die Folgekosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.
Wer aus Gier wissenschaftliche Warnungen ignoriert, Klimaschutz blockiert oder Desinformation finanziert hat, darf sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Eine wirksame Vermögensteuer ist daher keine Neiddebatte, sondern ein Gebot ökonomischer Vernunft und gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Die Hauptverursacher und größten Profiteure müssen endlich angemessen für Klimaschutz, Anpassung und entstandene Schäden aufkommen. Gewinne privatisieren und die ökologischen Verwüstungen sozialisieren – dieses Geschäftsmodell muss enden.

🔍 Hintergrund: KlimawandelEnergiewende Kapitalismus – Neoliberalismus Eigentum verpflichtet Wem gehört die Zukunft? (Essay)

Frank Gotthardt: »Ich bin ein Typ, der auch mal eingreift«
Der Unternehmer Frank Gotthardt finanziert das rechtspopulistische Portal »Nius«. Er selbst meidet die Öffentlichkeit. Drei Tage in Venedig mit einem leisen Mann, der viel Geld für Krawall ausgibt. Von Stefan Willeke, Venedig
🔍 Nius: Mit Millionen finanzierter Kulturkampf
Rechte Medien wie „Nius“ wollen nicht nur informieren, sondern politische Deutungsmacht gewinnen. Sie erklären Zuspitzung zur Wahrheit, Empörung zum Geschäftsmodell und gesellschaftliche Minderheiten oder demokratische Institutionen zu Feindbildern. Wiederholung und Reichweite sollen rechte Narrative bis in die bürgerliche Mitte tragen.
Julian Reichelt spielt dabei die zentrale Rolle: Als publizistisches Gesicht und Geschäftsführer macht er aus komplexen Vorgängen personalisierte Skandale und aus Ressentiments vermeintlichen Widerstand gegen ein angebliches Establishment. Frank Gotthardt liefert dafür das notwendige Kapital. Dass ein einzelner Vermögender ein politisch ausgerichtetes Medium trotz hoher Verluste finanzieren kann, zeigt, wie sich ökonomische Macht in publizistischen Einfluss verwandelt. Hier geht es nicht bloß um eine weitere Stimme im demokratischen Meinungsspektrum, sondern um einen mit Millionen ermöglichten Kampf um die Grenzen des Sagbaren.

🔍 Hintergrund: Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

2033 – noch einmal 1933?
Alice Weidel im Kanzleramt, die AfD an den Schalthebeln der Macht: Justus Benders Szenario ist Fiktion. Doch die Voraussetzungen dafür entstehen bereits in der politischen Gegenwart.
🔍 Wenn Demokratie sich mit demokratischen Mitteln abschafft
Geschichte wiederholt sich nicht identisch. Gerade deshalb wäre es fatal, nur nach Hakenkreuzen und offenen Staatsstreichen Ausschau zu halten. Autoritäre Systeme können heute schrittweise und formal legal entstehen: durch Angriffe auf unabhängige Medien, Gerichte, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, durch die politische Unterordnung des Staatsapparats und die systematische Ausgrenzung von Minderheiten. Die AfD spricht vieles davon längst offen aus; Wahlerfolge könnten ihr die Machtmittel zur Umsetzung verschaffen. Das Szenario für 2033 ist daher keine Prophezeiung, aber eine realistische Warnung. Demokratie scheitert nicht erst, wenn sie abgeschafft ist, sondern wenn ihre Verteidiger die Gefahr so lange verharmlosen, bis demokratische Mehrheiten gegen die Demokratie eingesetzt werden.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Schneider in der Ukraine: Umweltschutz in Zeiten des Krieges
Der Krieg gegen die Ukraine bedroht auch die Natur: Die Tschernobyl-Schutzhülle ist beschädigt, große Teile der ukrainischen Wälder sind besetzt. Umweltminister Schneider war vor Ort – und will helfen. Von Dominic Hebestreit, ARD-Hauptstadtstudio
Mutmaßlich russisch: Sicherheitsbehörden finden geheimes Waffendepot nahe Berlin
Deutsche Sicherheitsbehörden haben in der Nähe von Berlin ein geheimes Waffenlager gefunden.
Schleuserwege aus Belarus: Lettland entdeckt weiteren Minitunnel unter Grenzzaun
Lettische Grenzschützer haben erneut einen schmalen Tunnel unter der Grenze zu Belarus aufgetan. Das EU-Land vermutet Unterstützung aus Minsk hinter dem Bauwerk – und kontert mit der »Operation Werwolf«.

🔍 Russlands Krieg reicht weit über die Front hinaus
Die Meldungen zeigen verschiedene Dimensionen einer umfassenden Bedrohung: In der Ukraine zerstört Russlands Angriffskrieg nicht nur Städte und Menschenleben, sondern auch Wälder, Böden und Schutzanlagen. Die beschädigte Tschernobyl-Hülle macht deutlich, dass selbst atomare Risiken Teil der Kriegsfolgen werden.
Zugleich untersuchen deutsche Behörden ein professionell angelegtes Waffendepot bei Berlin. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat; Sicherheitsbehörden vermuten einen russischen Geheimdiensthintergrund. Bewiesen ist diese Zuordnung bislang nicht abschließend.
An Lettlands Grenze wiederum nähren Tunnel und organisierte Schleusungen den Verdacht, dass Belarus Migration gezielt als Druckmittel gegen die EU einsetzt. Zusammengenommen ergibt sich ein beunruhigendes Bild: Militärische Gewalt, ökologische Zerstörung, mögliche Geheimdienstoperationen und hybride Angriffe greifen zunehmend ineinander. Europa muss darauf geschlossen reagieren – mit Unterstützung der Ukraine, widerstandsfähigen Sicherheitsstrukturen und rechtsstaatlicher Aufklärung.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg Klimawandel Der Krieg gegen das Gegenmodell (Essay)

Nachfolge von António Guterres: Russland und USA weisen Baerbock in ihre Schranken
Annalena Baerbock engagiert sich im Auswahlverfahren für den nächsten UN-Generalsekretär. Deswegen werfen Vertreter Russlands und der USA ihr Heuchelei vor.
🔍 Trump und Putin verteidigen die Macht der Vetostaaten
Dass ausgerechnet die USA unter Donald Trump und Russland unter Wladimir Putin gemeinsam gegen Baerbocks Vorstoß auftreten, ist kein Zufall. Beide Regierungen verfolgen trotz ihrer unterschiedlichen Systeme eine nationalistische, machtpolitische Außenpolitik und betrachten unabhängige internationale Institutionen vor allem danach, ob sie den eigenen Interessen dienen.
Putins autoritäres Russland bekämpft die regelbasierte Ordnung offen durch Angriffskrieg und Vetomacht. Trumps „America First“-Politik schwächt multilaterale Institutionen durch Alleingänge, politischen Druck und die Abwertung internationaler Verpflichtungen. Beide wollen deshalb die privilegierte Stellung der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat bewahren – einschließlich der nicht öffentlichen Vorauswahl des UN-Generalsekretärs.
Baerbocks Vorgehen mag diplomatisch angreifbar sein. Der gemeinsame Widerstand Washingtons und Moskaus zeigt jedoch vor allem eines: Wo Transparenz ihre Sonderrechte begrenzen könnte, finden Trump und Putin trotz aller Gegensätze schnell zusammen. Das ist keine Gleichsetzung beider Staaten, aber eine belegbare Übereinstimmung ihrer aktuellen Machtpolitik.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg
Donald Trump Rechtsruck im Silicon Valley

„Wirtschaftskrieg“ gegen Teheran: Und was folgt auf Trumps „wirtschaftlichen D-Day“?
Trump droht Iran mit neuen Wirtschaftssanktionen. Zum Einlenken brächten sie das Regime in Teheran wohl kaum, meinen Experten – und sehen einen Präsidenten auf Kurssuche. Von Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.
🔍 Trumps Wirtschaftskrieg trifft die Bevölkerung, nicht das Regime
Trumps martialischer Begriff vom „wirtschaftlichen D-Day“ ersetzt keine politische Strategie. Sekundärsanktionen gegen Irans Handelspartner sollen Teheran isolieren, richten sich aber faktisch vor allem gegen China, das rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abnimmt. Damit weitet Trump den Konflikt aus und setzt zugleich Drittstaaten unter die Drohung: „für uns oder gegen uns“.
Die Erfahrung aus Jahrzehnten zeigt: Das iranische Regime sichert seine eigenen Machtstrukturen, während Inflation, Versorgungsmangel und wirtschaftlicher Zusammenbruch vor allem die Bevölkerung treffen. Politisches Einlenken lässt sich dadurch kaum erzwingen. Trumps Drohung wirkt daher weniger wie durchdachte Diplomatie als wie der Versuch, nach militärischer Eskalation und festgefahrenen Verhandlungen erneut Stärke zu inszenieren. Ein Wirtschaftskrieg ohne glaubwürdiges Verhandlungsziel verschärft das Leid – und erhöht das Risiko eines noch größeren Konflikts.

🔍
Hintergrund: Nahostkonflikt Donald Trump

20.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | phoenix
Sommer, Sonne, Hakenkreuz – Rechte und Altnazis in Spanien
Nach dem Zweiten Weltkrieg finden sie zu Tausenden in Spanien Unterschlupf: Hochrangige SS-Offiziere, gesuchte Kriegsverbrecher, unbelehrbare Rechte. Unter Diktator Franco bauen sie sich völlig unbehelligt neue Existenzen auf. Viele von ihnen werden zu Pionieren der spanischen Tourismusindustrie – und verdienen kräftig mit an den deutschen Urlaubsträumen der Wirtschaftswunderjahre.

21:00 | phoenix
Vom Hakenkreuz zum Totenkopf – Der FC St. Pauli und seine Geschichte
Der FC St. Pauli steht für Antifaschismus und gesellschaftliches Engagement im Fußball. Doch hinter dem Image des Kiezklubs steckt eine komplexe Geschichte – auch mit dunklen Kapiteln. Die Dokumentation zeigt, wie die Nazizeit und die Ausländerfeindlichkeit im Stadion in den 1980er und -90er Jahren den Verein bis heute beschäftigen.

02:15 | ARTE
Je suis Karl
Ein Bombenattentat zerreißt Maxis Leben. In ihrer Trauer lernt sie Karl kennen, der ihr Halt verspricht. Doch es zeichnet sich ab, dass Karl nicht der ist, für den er sich ausgibt. „Je suis Karl“ zeigt, wie rechtsextreme Bewegungen gesellschaftliche Ängste schüren und nutzen, um junge Menschen für ihre Ideologie zu gewinnen. Ein politisches Drama von Christian Schwochow.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Niedrige Speicherstände: Verbraucherschützer warnen vor steigenden Gaspreisen
Der Herbst naht, doch die Gasspeicher sind so leer wie seit Jahren nicht mehr. Das könnte Verbraucher bald teuer zu stehen kommen. Das Wirtschaftsministerium nimmt die Händler in die Pflicht.

🔍 Versorgungssicherheit darf kein Glücksspiel sein
Die Gasspeicher sind nur etwa zur Hälfte gefüllt, doch das Wirtschaftsministerium beschränkt sich weitgehend auf Appelle an die Händler. Das ist zu wenig: Unternehmen kaufen Gas nach Gewinnerwartung ein, nicht nach dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung. Wenn das gesetzliche Ziel von 80 Prozent bis November kaum noch erreichbar ist, muss der Staat rechtzeitig gegensteuern, statt im Winter die Verbraucher für Versäumnisse zahlen zu lassen. Zugleich zeigt sich erneut: Wirkliche Energiesicherheit entsteht nicht durch immer neue fossile Abhängigkeiten, sondern durch erneuerbare Energien, Wärmepumpen, Gebäudesanierung und einen dauerhaft sinkenden Gasverbrauch.

🔍 Hintergrund: ► Zur aktuellen Speicherlage Kapitalismus – Neoliberalismus

Wahl in Sachsen-Anhalt: Spende an AfD – CDU prüft Ausschluss von Kommunalpolitiker
Der CDU-Bürgermeister Bernd Prange aus Sachsen-Anhalt hat die AfD mit 10.000 Euro finanziell unterstützt und zur Wahl der Partei aufgerufen. Die CDU kritisiert das Verhalten – und droht mit dem Parteiausschluss.
Zwist über Umgang mit AfD: Thüringer BSW-Chefin Wolf distanziert sich weiter von Wagenknecht
Thüringens Landeschefin Katja Wolf grenzt sich weiter von BSW-Parteigründerin Sahra Wagenknecht ab. Mit ihrer Annäherung an die AfD habe sie »eine Grenze überschritten«, sagt Wolf in einem Interview mit der »Zeit«.

🔍 Die Brandmauer entscheidet sich im Handeln
Ein CDU-Bürgermeister, der die AfD mit 10.000 Euro unterstützt und öffentlich zu ihrer Wahl aufruft, hat sich faktisch von seiner eigenen Partei verabschiedet. Alles andere als ein Ausschluss würde die viel beschworene Brandmauer zur bloßen Kulisse machen. Umso bemerkenswerter ist Katja Wolfs klare Distanzierung von Sahra Wagenknecht: Wer sich einer rechtsextremen Partei annähert, überschreitet tatsächlich eine demokratische Grenze. Entscheidend ist nicht das Parteibuch, sondern die Haltung: Die AfD darf weder finanziert noch politisch normalisiert oder zum möglichen Partner erklärt werden. Demokratische Glaubwürdigkeit zeigt sich dort, wo Abgrenzung Konsequenzen hat.

🔍 Hintergrund: ►
AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Kurs der Bundesregierung:“Klimapolitik von der Kür zur Pflicht machen“
Die Wochen voller Hitze, Niedrigwasser und Waldbrände waren unübersehbar – auch für die Bundesregierung. Politikwissenschaftlerin Lena Partzsch erklärt, wie es um die deutsche Klimapolitik steht und welchen Stellenwert sie hat.
Nach Dürre und Rekordhitze: Starker El Niño erwartet: Was auf Europa zukommt
Europa hat gerade eine historische Hitze- und Dürreperiode erlebt. Jetzt könnte ein starker El Niño drohen und das Wetter weltweit aus dem Takt bringen. Was auf uns zukommt.

🔍 Das Zeitfenster schließt sich
Hitze, Dürre, Niedrigwasser und Waldbrände sind keine vorübergehenden Ausnahmen mehr, sondern Vorboten einer sich verschärfenden Klimakrise. Ein starker El Niño könnte die menschengemachte Erwärmung zeitweise zusätzlich verstärken – er verursacht sie aber nicht. Während die Warnsignale immer lauter werden, behandelt die Bundesregierung Klimaschutz noch immer wie eine politische Verhandlungsmasse. Doch das Zeitfenster für wirksames Handeln schließt sich rapide: Was heute aus Bequemlichkeit oder Rücksicht auf mächtige Interessengruppen unterbleibt, lässt sich morgen nur noch zu erheblich höheren Kosten bewältigen – sofern es überhaupt noch rückgängig zu machen ist. Klimapolitik ist längst keine Kür mehr, sondern staatliche Pflicht zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Migration nach Deutschland: Hat Deutschland zu viel Zuwanderung?
Immer gleich das Geschrei von »Invasion«: Über Migration zu diskutieren, ist fast unmöglich geworden. Dabei stimmt beides: Wir brauchen sie – und es gibt echte Probleme. Von Mariam Lau

🔍 Nicht zu viel Migration, sondern zu wenig Steuerung
Deutschland braucht Einwanderung, hat sie aber über Jahre schlecht organisiert. Zugleich darf die Debatte die Ursachen nicht ausblenden: Kriege, Verfolgung, Armut, Ungleichheit und zunehmend die Klimakrise treiben Menschen zur Flucht – häufig verschärft durch eine ungerechte Weltwirtschaft und westliche Politik. Notwendig sind klare Regeln, schnelle Verfahren und frühzeitige Integration, aber ebenso eine Politik, die Fluchtursachen tatsächlich verringert. „Invasion“ ist kein analytischer Begriff, sondern gezielte Entmenschlichung. Humanität und Ordnung sind keine Gegensätze.

🔍 Hintergrund: Die globale Schieflage (Essay) Wem gehört die Zukunft? (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus

Anstieg unter Trump: Staatsverschuldung der USA springt erstmals über 40.000.000.000.000-Dollar-Marke
Ein Endloskrieg in Iran, erratische Zollpolitik, teures Gesundheitswesen: Faktoren für den wachsenden Schuldenberg der USA gibt es reichlich. Experten sind alarmiert, wie schnell immer neue Höchstmarken erreicht werden.

🔍 Schulden für Milliardäre und Kriege
40 Billionen Dollar Staatsschulden entlarven Trumps wirtschaftspolitische Propaganda. Für Steuergeschenke an Konzerne und Superreiche, einen endlosen Krieg gegen Iran und eine chaotische Zollpolitik ist offenbar unbegrenzt Geld vorhanden. Gespart werden soll dagegen bei Gesundheit und sozialer Sicherheit. Das ist kein Versehen, sondern Umverteilung: Gewinne werden privatisiert, Kosten und Schulden der Allgemeinheit aufgebürdet. Ausgerechnet die Republikaner, die Sozialausgaben stets mit Verweis auf die Staatsverschuldung bekämpfen, treiben diese durch ihre Politik weiter in die Höhe. Trumps angebliche Wirtschaftskompetenz besteht vor allem darin, die Rechnung an die Bevölkerung und kommende Generationen weiterzureichen.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Bedrohung durch Kim Jong: Un Seoul schätzt nordkoreanisches Arsenal auf bis zu 120 Atomwaffen
Wie groß ist Nordkoreas Atomwaffenarsenal? Seouls Verteidigungsminister stellt sich nun gegen eine eher moderate Schätzung von US-Präsident Trump. Der will sich offenbar noch in diesem Jahr mit Diktator Kim treffen.
Raketentests: Nordkorea feuert laut Südkorea und Japan mehrere Raketen ab
Gerade hatte Donald Trump Kim Jong Un noch gelobt, nun hat die nordkoreanische Armee laut Japan eine ballistische Rakete ins Japanische Meer abgefeuert. Auch Südkorea meldete Kurzstreckenraketen aus Nordkorea.

🔍 Kim antwortet auf Trumps Lob mit Raketen
Während Trump Nordkorea als „respektvoll“ und wenig bedrohlich darstellt, lässt Kim Jong Un erneut ballistische Raketen starten und baut sein nukleares Arsenal offenbar massiv aus. Persönliche Sympathiebekundungen und medienwirksame Gipfeltreffen ersetzen keine belastbare Diplomatie – das haben Trumps ergebnislose Treffen mit Kim bereits gezeigt. Gespräche sind notwendig, aber sie brauchen klare Ziele, überprüfbare Vereinbarungen und eine enge Abstimmung mit Südkorea und Japan. Wer einen atomar bewaffneten Diktator aus Eitelkeit verharmlost und gleichzeitig Verbündete mit abrupten Entscheidungen verunsichert, schafft keinen Frieden. Er belohnt vielmehr Kims Strategie: eskalieren, drohen und anschließend für bloße Gesprächsbereitschaft Zugeständnisse verlangen.

🔍 Hintergrund: ►
NordkoreaDonald Trump

Humanoider Roboter T2: Dieser »Polizist« zieht Helmsünder aus dem Verkehr
Eine Waffe trägt er nicht, und festnehmen darf er auch niemanden, doch T2 hat wohl schon mehrere Tausend Verkehrsverstöße in Hangzhou registriert und adressiert. Sein Vorteil: Er wird nie müde.

🔍 Der Polizist, der niemals wegschaut
Ein Roboter, der den Verkehr regelt, vor Gefahren warnt und Beamte von monotonen Aufgaben entlastet, kann sinnvoll sein. Doch T2 ist zugleich eine mobile Überwachungsstation aus Kameras, Radar und automatischer Auswertung. Sein Vorteil, niemals müde zu werden, ist deshalb auch sein größtes Risiko: Er schaut niemals weg. Entscheidend ist nicht, ob die Technik funktioniert, sondern wer ihre Daten erhält, wie lange sie gespeichert werden und wofür sie künftig genutzt werden dürfen. Zwischen Verkehrshilfe und lückenloser staatlicher Kontrolle liegt nur eine politische Entscheidung. Gerade China zeigt, wohin die Verbindung von KI, Gesichtserkennung und autoritärem Staat führen kann. Technischer Fortschritt braucht deshalb klare rechtsstaatliche Grenzen.

🔍 Hintergrund: KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

Spannungen in Nahost: Angriff auf syrischen Militärflugplatz – Netanyahu spricht von »Warnung« an die Türkei
Am Dienstag wurde ein verlassener syrischer Luftwaffenstützpunkt bombardiert. Nun bekennt sich Israel zu dem Angriff. Premierminister Netanyahu will gegenüber Ankara Härte zeigen. Ein US-Vertreter zeigt sich verstimmt.

🔍 Netanyahu spielt mit dem Flächenbrand
Israel bombardiert einen verlassenen syrischen Flugplatz, um der Türkei eine „Warnung“ zu erteilen – obwohl Ankara eine geplante Stationierung eigener Soldaten dort bestreitet und Syrien Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte. Das ist keine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik, sondern militärische Machtdemonstration auf dem Gebiet eines anderen Staates. Netanyahu behandelt syrische Souveränität offenbar als bedeutungslos und riskiert einen Konflikt mit der Türkei, einem Nato-Mitglied. Selbst Washington spricht von einer unnötigen Eskalation. Wer jeden vermuteten Einflussgewinn eines Rivalen vorsorglich bombardiert, schafft keine Sicherheit, sondern immer neue Feinde und Eskalationsketten. Der Nahe Osten braucht Diplomatie und verbindliche Sicherheitsabsprachen – nicht Netanyahus Politik permanenter Drohung und Gewalt.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Krieg in der Ukraine: Atomkraftwerk Saporischschja verliert letzte externe Stromleitung
Das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine ist auf Notstromaggregate umgeschaltet worden, nachdem eine Hochspannungsleitung beschädigt wurde. Dadurch verlor die Anlage die externe Stromversorgung.
Nahe Grenze zur Ukraine: Rumänischer Kampfjet zerstört offenbar Seedrohne nahe Gasplattform im Schwarzen Meer
Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums wurde eine nicht identifizierte Drohne auf dem Meer nahe der Grenze zur Ukraine abgeschossen. Rumäniens Präsident macht Russland verantwortlich.

🔍 Putins Krieg nähert sich der Katastrophengrenze
Das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja hängt erneut an Notstromaggregaten. Auch abgeschaltete Reaktoren benötigen dauerhaft Strom zur Kühlung; versagen die Dieselgeneratoren, droht ein schwerer Atomunfall weit über die Ukraine hinaus. Gleichzeitig wurde nahe einer rumänischen Gasplattform eine Sprengstoffdrohne zerstört. Ihre Herkunft ist noch nicht abschließend geklärt – sollte sich der russische Ursprung bestätigen, wäre dies eine weitere gefährliche Annäherung an die Nato. Beide Vorfälle zeigen, wie Putins Angriffskrieg zunehmend nukleare Sicherheit, kritische Infrastruktur und Nachbarstaaten bedroht. Wer diesen Krieg weiter eskalieren lässt, spielt nicht nur mit ukrainischen Menschenleben, sondern mit der Sicherheit ganz Europas.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

19.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | 3sat
Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene
In Russland ist Kritik am Krieg gegen die Ukraine oder an Putins Herrschaft ein Verbrechen. Tausende gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger wurden in den letzten Jahren deswegen inhaftiert.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

01:10 | ZDFinfo
Israel und Palästina – Frieden unmöglich? (3 Teile)
Ein dauerhafter Frieden ist historisch und politisch extrem schwer zu erreichen, aber theoretisch nicht unmöglich. Ob die Situation ausweglos bleibt, hängt von der Bereitschaft beider Seiten ab, von maximalistischen Forderungen abzurücken und tief verwurzelte Traumata sowie geopolitische Realitäten zu überwinden.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Hitzesommer: Klimawandel verursacht Rekordtemperaturen in Europas Meeren
Um zwei Grad hat der menschengemachte Klimawandel Forschern zufolge das Mittelmeer erwärmt, auch andere Küstengewässer sind zu warm. Das hat Risiken für Umwelt und Tiere.
🔍 Das Zeitfenster schließt sich

Zwei Grad zusätzliche Erwärmung des Mittelmeers durch den menschengemachten Klimawandel sind kein abstrakter Messwert. Sie bedeuten Sauerstoffmangel, Artensterben, Algenblüten, stärkere Verdunstung und zusätzliche Energie für Extremwetter. Die Meere speichern den größten Teil der überschüssigen Wärme – doch auch ihre Aufnahmefähigkeit ist nicht grenzenlos. Seit Jahrzehnten kennen wir Ursache und Folgen. Wer jetzt noch bremst, relativiert oder auf künftige Wundertechnologien verweist, verspielt vorsätzlich das letzte Zeitfenster, in dem sich die Eskalation wenigstens noch begrenzen lässt.
🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Reiche spielt mit unserer Versorgungssicherheit
🔍 Katherina Reiche macht aus Energiepolitik ein gefährliches Glaubensexperiment: Die Gasspeicher sind so leer wie seit 2018 nicht mehr, geopolitische Risiken treiben die Preise – und die Wirtschaftsministerin setzt stur darauf, dass „der Markt“ es schon richten werde. Gleichzeitig bremst sie den Ausbau der Erneuerbaren, setzt auf neue Gaskraftwerke und verlängert damit Deutschlands fossile Abhängigkeit. Das ist keine Strategie, sondern organisierte Verantwortungslosigkeit. Wer Vorsorge dem Markt überlässt, darf sich im Winter nicht über explodierende Preise oder Versorgungsprobleme wundern. Reiche schützt nicht die Verbraucher, sondern ein überholtes Geschäftsmodell der fossilen Energiewirtschaft.
Hormus die Energiepreise weiter in die Höhe treiben können.

🔍 Hintergrund: ► Klimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay)

CDU und Linke: CDU-Generalsekretärin lehnt Linken-Zusammenarbeit in Sachsen-Anhalt ab
Selbst um eine AfD-Regierung zu verhindern, will CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann nicht mit der Linken arbeiten. SPD und Grüne sollen das genauso ausschließen.
Neue Rechte: Marschieren, inszenieren, kassieren: Identitäre produzieren Bilder für Siegmunds Wahlkampf
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund braucht Fotos und Videos für seine Inszenierung als freundlicher Kumpel-Typ. Die Bilder liefern rechtsextreme Aktivisten, die so von der AfD Geld kassieren – aber auf Ceuta auch gerne mal „Remigration“-Banner ausrollen. Von Martin Böhmer

Charlotte Knobloch über die AfD: »Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied zur NSDAP«
Charlotte Knobloch empfiehlt, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. Die Partei ähnele zunehmend der NSDAP. Im Kampf um die Demokratie hält die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden radikale Mittel für angemessen. – Artikel zusammenführen
🔍 Die CDU muss sich entscheiden
Während rechtsextreme Aktivisten Ulrich Siegmund mit professionell inszenierten Bildern als harmlosen „Kumpel“ verkaufen und zugleich mit „Remigration“-Aktionen auftreten, warnt Holocaustüberlebende Charlotte Knobloch vor einer Entwicklung, die sie an die NSDAP vor deren Machtübernahme erinnert. Sie setzt beide Parteien nicht gleich, erkennt aber dasselbe gefährliche Muster: Radikale testen Grenzen aus, normalisieren ihre Sprache und gewinnen dadurch an Stärke.
Ausgerechnet in dieser Lage hält CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann starr an der Gleichbehandlung von AfD und Linker fest. Doch die Linke ist eine demokratische Partei; die AfD Sachsen-Anhalt wird als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Wer selbst eine begrenzte Verständigung mit der Linken zur Verhinderung einer AfD-Regierung ausschließt, verteidigt keine Brandmauer – er blockiert möglicherweise die letzte demokratische Mehrheit.
Die CDU muss sich entscheiden: Ist ihr Antikommunismus aus dem vergangenen Jahrhundert wichtiger als die Verteidigung der Demokratie in der Gegenwart? Wer angesichts einer AfD bei über 40 Prozent nur alte Parteibeschlüsse zitiert, handelt nicht prinzipientreu, sondern verantwortungslos.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Mehrere Tote: Selenskyj spricht nach russischem Angriff auf zivilen Bus von »Drohnen-Safari«
Kyjiw berichtet von einer neuen Dimension russischer Angriffe. Präsident Selenskyj zufolge macht Russland mit Drohnen regelrecht Jagd auf zivile Ziele. In Cherson hat es einen Kleinbus getroffen.
Drohungen an Ukraine-Front: „Obnulit” – ein Wort, dann töten Russen ihre eigenen Männer
Russische Soldaten stürmen in Frontgebieten immer wieder in Kleingruppen nach vorn. Viele sterben dabei – doch wenn sie es nicht versuchen, ist ihr Tod bereits sicher.

🔍 Putins Krieg frisst Menschen
Russische Drohnen machen offenbar gezielt Jagd auf ukrainische Zivilisten, während russische Soldaten mit Gewalt und Todesdrohungen in aussichtslose Sturmangriffe getrieben werden. Wer sich weigert oder zurückweicht, muss Berichten zufolge fürchten, von den eigenen Leuten „annulliert“ zu werden. Das ist das Wesen von Putins Krieg: Menschen zählen nichts – weder die überfallenen Ukrainer noch die eigenen Soldaten. Sie werden zu Zielen, Material und Wegwerfmasse einer imperialen Machtpolitik degradiert. Ein Regime, das Zivilisten terrorisiert und seine eigenen Männer mit Folter und Mord gefügig macht, verteidigt kein Vaterland. Es verteidigt allein die Macht des Kremls.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Trotz scharfer internationaler Kritik: Israels Regierung treibt umstrittenes Siedlungsprojekt voran
Eine Bebauung des sogenannten E1-Gebiets würde das Westjordanland spalten. Nun will Israels Bauministerium dort Hunderte Wohneinheiten errichten lassen. Beobachter fürchten, die Regierung wolle vor den Wahlen Fakten schaffen.

🔍 Siedlungsbau als Politik der Annexion
Das E1-Projekt ist kein gewöhnliches Bauvorhaben, sondern ein gezielter Angriff auf jede Aussicht auf einen lebensfähigen palästinensischen Staat. Mehr als 1.200 neue Wohnungen würden das besetzte Westjordanland weiter zerschneiden und Ostjerusalem vom palästinensischen Umland abtrennen. Der Siedlungsbau verstößt nach Auffassung der Bundesregierung und der überwiegenden Staatengemeinschaft gegen das Völkerrecht. Netanjahus rechtsradikale Regierung will vor den Wahlen offenbar unumkehrbare Fakten schaffen: Landnahme statt Verhandlungen, Besatzung statt Frieden. Internationale Kritik allein genügt nicht mehr. Wer Völkerrecht durchsetzen will, muss diesen Rechtsbruch endlich mit konkreten politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen beantworten.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Nach Hackerangriff OpenAI verlangsamt Entwicklung neuer KI-Modelle
Im Juli hatte sich die KI von OpenAI bei einem Test selbstständig gemacht. Nun tritt das Unternehmen bei der Entwicklung neuer Software auf die Bremse – und verspricht zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.
Anzeigen jetzt auch in Deutschland: Von Montag an erwartet Millionen ChatGPT-Nutzer Werbung
Viele deutsche Nutzer des KI-Chatbots von OpenAI werden bald Reklame zu sehen bekommen. Werbefrei bleiben nur einige, teils teure Varianten des Dienstes sowie bestimmte Arten von Chats.
🔍 Sicherheit gebremst, Kommerz beschleunigt
Dass OpenAI nach einem gravierenden Sicherheitsvorfall die Entwicklung verlangsamt, ist richtig und überfällig. Hochautonome KI darf nicht nach dem Prinzip „erst veröffentlichen, später absichern“ entwickelt werden. Gleichzeitig hält nun Werbung Einzug in ChatGPT. Das ist ein gefährlicher Zielkonflikt: Ein System, dem Menschen Wissen, Entscheidungen und persönliche Fragen anvertrauen, darf nicht zum subtilen Verkaufsinstrument werden. Werbung muss unübersehbar von Antworten getrennt bleiben; Nutzerdaten und Gesprächsinhalte dürfen nicht zur Manipulation kommerzieller Empfehlungen dienen. Sicherheit zu bremsen, während die Vermarktung beschleunigt wird, wäre genau die falsche Priorität.

🔍 Hintergrund:
KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

Tomoko Akane USA verhängen Sanktionen gegen Präsidentin des Strafgerichtshofs
Die USA erhöhen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof: Außenminister Rubio setzt IStGH-Präsidentin Tomoko Akane und einen leitenden Ankläger auf die Sanktionsliste. Es sind nicht die ersten Maßnahmen dieser Art.
Intervention des US-Präsidenten: USA streichen Manöver mit Südkorea nach Trumps Machtwort zusammen
Schon am Freitag soll Schluss sein: Nach der klaren Ansage von Donald Trump verkürzen die USA die laufenden Militärübungen mit Südkorea radikal. In Seoul zeigt man sich überrumpelt.
Handelsstreit: Trump pausiert Zölle gegen Kanada – und will dafür Öl-Pipeline
Der US-Präsident hat die angedrohten 50-Prozent-Zölle gegen Kanada in letzter Minute ausgesetzt. Als Bedingung pocht er auf die Wiederbelebung eines umstrittenen Pipelineprojekts.
🔍 Weltpolitik als Erpressungsgeschäft
Drei Meldungen, ein System: Trump behandelt internationales Recht, Bündnisse und Handel wie sein persönliches Immobiliengeschäft. Die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs wird sanktioniert, weil das Gericht unabhängig ermittelt. Südkorea wird bei einer sicherheitspolitisch zentralen Entscheidung überrumpelt, während Trump dem nordkoreanischen Diktator Kim schmeichelt. Kanada droht er mit 50-Prozent-Zöllen, um ein umstrittenes fossiles Pipelineprojekt durchzusetzen. Das ist keine verlässliche Außenpolitik, sondern Schutzgelderpressung mit staatlichen Mitteln: Wer Trump gehorcht, erhält vorübergehend Ruhe; wer auf Recht und eigene Interessen besteht, wird bestraft. So zerstören die USA unter Trump genau jene internationale Ordnung, die sie einst mit aufgebaut haben.

🔍 Hintergrund: Donald Trump Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht Nordkorea

Mutterkonzern von Facebook: Schwere Vorwürfe gegen Meta zum Auftakt von Milliardenprozess
Macht Meta junge Nutzer gezielt abhängig von Instagram und Co.? Darum geht es in einem Mammutverfahren in Kalifornien – das für den Konzern ruinös werden könnte. Gleich zum Start wurde die Staatsanwaltschaft sehr deutlich.

🔍 Kinder als Rohstoff eines Geschäftsmodells
Der Vorwurf gegen Meta wiegt schwer: Der Konzern soll Plattformen mit Endlosschleifen, Benachrichtigungen und algorithmischen Belohnungsreizen gezielt so gestaltet haben, dass Minderjährige möglichst lange gebunden werden – obwohl interne Erkenntnisse vor psychischen Schäden gewarnt hätten. Meta bestreitet das; nun muss das Gericht entscheiden. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, wäre das kein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern die systematische Ausbeutung kindlicher Verletzlichkeit für Werbeprofite. Dann genügen selbst Milliardenstrafen nicht. Entscheidend wären verbindliche Umbauten der Plattformen, strenger Datenschutz und ein Verbot suchtfördernder Mechanismen für Minderjährige. Kinder sind keine Ressource, deren Aufmerksamkeit Konzerne unbegrenzt abschöpfen dürfen.

🔍 Hintergrund: ► PsychologieUmwelt und SozialisationMacht und Manipulation

Angst vor Beschlagnahmung: Russen heben offenbar Milliarden von ihren Konten ab
In der russischen Bevölkerung breitet sich anscheinend die Sorge aus, der Kreml könnte private Gelder für seinen Krieg einziehen. Laut »Washington Post« plündern viele ihre Konten.

🔍 Putins Krieg zerstört das Vertrauen im eigenen Land
Wenn russische Bürger und Unternehmen Milliarden von ihren Konten abziehen, weil sie den Zugriff des Kremls fürchten, ist das ein politisches Misstrauensvotum gegen Putin. Der Krieg verschlingt Menschen, Material und inzwischen immer größere Teile des Staatshaushalts. Banken sollen Staatsanleihen kaufen, während ihnen die Einlagen davonlaufen; zugleich hat der Staat bereits Vermögenswerte in Billionenhöhe verstaatlicht. Putins System beginnt, seine eigene wirtschaftliche Grundlage aufzufressen. Propaganda kann militärische Niederlagen verschleiern – aber nicht dauerhaft die Angst der Menschen um ihr Erspartes. Wer sein Geld unter dem Kopfkissen sicherer glaubt als auf der Bank, hat das Vertrauen in den Staat längst verloren.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

18.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ARTE
Die Macht des russischen Geheimdiensts
Nie in der Geschichte Russlands hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB größere Macht als heute. Um seine Ziele durchzusetzen, nutzt er Betrug und Korruption. Und im Auftrag des Kreml auch Mord. Vier Menschen im Exil erzählen von ihren Erfahrungen. Sie wehrten sich gegen staatliche Willkür und wurden zur Zielscheibe. Wie weit kontrolliert der FSB die russische Gesellschaft?

21:50
Russland im Krieg – Ein Land zwischen Propaganda und Widerstand
Vier Jahre lang beobachtete ein Drehteam das Leben in Russland nach dem Überfall auf die Ukraine. Der Dokumentarfilm zeigt, wie der Krieg in den russischen Alltag eindringt, Familien spaltet und Menschen vor existenzielle Entscheidungen stellt. Ein seltener Einblick in einen Alltag zwischen Angst, Anpassung, Zensur und Mut zum Widerstand.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Hitze und Trockenheit: Bauern melden große Einbrüche bei der Ernte
Sieben Prozent weniger Weizen, zwanzig Prozent weniger Raps: Der deutsche Bauernverband hat eine ernüchternde Erntebilanz nach dem Dürresommer gezogen – und verlangt Hilfen für die betroffenen Landwirte.
Bilanz der Bauern: So wirkt sich die Hitze auf die aktuelle Ernte aus
Das trockene Wetter mit hohen Temperaturen hat Folgen für die diesjährige Ernte: Vor allem beim Weizen fahren Landwirte kleinere Ernten ein. Aber auch Kartoffeln sind betroffen.
Klimafolgen für Landwirtschaft: Zu heiß, zu trocken – die Ernte fällt schlecht aus
Der heiße, trockene Sommer in vielen Teilen Deutschlands hat die Erträge von Landwirten einbrechen lassen. Besonders im Süden und Westen litten die Pflanzen extrem. Die Bauern müssen sich darauf einstellen. Von Anke Hahn, rbb
🔍 Die Rechnung der Erderwärmung kommt längst an
Sieben Prozent weniger Weizen, zwanzig Prozent weniger Raps, dazu Ausfälle bei Kartoffeln und Gemüse: Die menschengemachte Erderwärmung ist kein fernes Zukunftsszenario mehr. Ihre Kosten tragen Bauern durch Ernteverluste, Verbraucher durch steigende Preise und am Ende die Allgemeinheit durch staatliche Hilfen und notwendige Anpassungsmaßnahmen. Je länger wir wirksamen Klimaschutz verschleppen, desto höher wird diese Rechnung. Das Zeitfenster, die Erwärmung noch auf ein beherrschbares Maß zu begrenzen, schließt sich – und jedes weitere Zehntelgrad vergrößert Schäden, Risiken und Folgekosten.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Eröffnung in Sachsen-Anhalt: Drohnenabwehr: Das soll das neue Forschungszentrum bringen
Drohnen werden immer mehr zum Sicherheitsrisiko. Mit einem neuen „Technologiezentrum Drohnensicherheit“ will die Regierung die Abwehr verbessern. Darum geht es – ein Überblick.

🔍 Drohnenabwehr ist unverzichtbar
Das neue Technologiezentrum ist keine übertriebene Aufrüstung, sondern eine notwendige Reaktion auf eine reale Bedrohung. Russland demonstriert in der Ukraine täglich, wie Drohnen für Aufklärung, Sabotage und Angriffe eingesetzt werden. Zugleich ist Deutschland bereits Ziel russischer Spionage, Cyberattacken und Desinformation. Kritische Infrastruktur, Flughäfen und militärische Einrichtungen müssen deshalb wirksam geschützt werden. Wer angesichts dieser hybriden Kriegführung weiterhin wegschaut, verwechselt Friedenswunsch mit Wehrlosigkeit.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Gefährlich, inkompetent, nutzlos: So schlecht macht die AfD ihre Arbeit in Sachsen-Anhalt
Wie gefährlich die Pläne der AfD für Sachsen-Anhalt sind, sollte sie in Regierungsverantwortung kommen, dazu gibt es zahlreiche Analysen. Doch um zu zeigen, wie ihre Politik aussähe, muss man nicht einmal in ihr Wahlprogramm schauen (das haben wir aber natürlich auch hier in aller Ausführlichkeit getan). Denn die AfD macht seit Jahren Politik in Sachsen-Anhalt – als Oppositionspartei.

Neue Rechte: Marschieren, inszenieren, kassieren: Identitäre produzieren Bilder für Siegmunds Wahlkampf
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund braucht Fotos und Videos für seine Inszenierung als freundlicher Kumpel-Typ. Die Bilder liefern rechtsextreme Aktivisten, die so von der AfD Geld kassieren – aber auf Ceuta auch gerne mal „Remigration“-Banner ausrollen. Von Martin Böhmer
🔍 Wer schon in der Opposition versagt, darf keine Regierung übernehmen
Die AfD muss nicht erst regieren, um zu zeigen, was sie kann: provozieren, spalten und demokratische Institutionen verächtlich machen – aber keine verantwortungsvolle Politik gestalten. Ihre Arbeit im Landtag von Sachsen-Anhalt entlarvt den angeblichen „Politikwechsel“ als Mischung aus Inkompetenz, Destruktion und rechtsextremer Ideologie. Wer bereits in der Opposition derart nutzlos agiert, wäre an der Regierung nicht bloß überfordert, sondern eine konkrete Gefahr für Demokratie, Rechtsstaat und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

🔍 Hintergrund: ► AfDRechte GruppierungenRechtes Gedankengut 

Vom Kampf gegen den New Deal zum sozialen Kahlschlag unter Trump
Seit Franklin D. Roosevelt zieht sich eine rote Linie durch die Geschichte der Republikaner: Der demokratische Sozialstaat wird als Angriff auf Freiheit diffamiert – während Vermögende und Konzerne entlastet werden.
Mögliche Abgabe von fünf Prozent: Wie Superreiche in Kalifornien gegen die Milliardärsteuer kämpfen
Die Debatte über eine Vermögensteuer für Superreiche in Kalifornien sorgt im Silicon Valley für Unruhe. Mit viel Geld versuchen Milliardäre, die Abstimmung im November für sich zu entscheiden.

🔍 Vom Kampf gegen den New Deal zum Kampf gegen eine Milliardärsteuer
Seit Roosevelts New Deal zieht sich eine rote Linie durch die amerikanische Rechte. Goldwater erklärte Sozialprogramme zum „Sozialismus“. Nixon bereitete mit seiner „Southern Strategy“ den Boden dafür, soziale Leistungen als Begünstigung angeblich „unwürdiger“ Gruppen darzustellen. Reagan machte daraus ein neoliberales Regierungsprogramm: Steuersenkungen für Reiche, Deregulierung, Schwächung der Gewerkschaften und Sozialabbau. Die Bush-Regierungen setzten diesen Kurs fort, Trump radikalisiert ihn mit weiteren Steuervorteilen für Vermögende und Einschnitten bei Medicaid und Lebensmittelhilfen.
Gerechtfertigt wird diese Umverteilung von unten nach oben mit dem empirisch widerlegten Trickle-down-Narrativ: Entlaste man Reiche und Konzerne, komme deren Wohlstand irgendwann allen zugute. Kalifornien zeigt nun, was davon zu halten ist. Eine einmalige Abgabe von fünf Prozent auf Milliardenvermögen soll vor allem Gesundheitsversorgung, Bildung und Lebensmittelhilfen sichern. Betroffen wären nur rund 200 Menschen. Doch einige Superreiche investieren bereits enorme Summen in den Kampf gegen die Steuer und drohen mit Wegzug.
Sobald ein kleiner Teil ihres Vermögens tatsächlich der Allgemeinheit zugutekommen soll, endet das angebliche „Durchsickern“. Die Parole von der Freiheit vor dem Staat bedeutet in Wahrheit: weniger Schutz für Bedürftige, aber einen starken Staat zur Sicherung von Eigentum, Konzernmacht und Privilegien. Genau hier verbindet sich der Kampf gegen den New Deal mit der heutigen Macht der Milliardäre.

🔍 Hintergrund: Wem gehört die Zukunft? (Essay) Donald TrumpMacht und ManipulationFake NewsDie Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Itamar Ben-Gvir: Zentralrat der Juden distanziert sich von israelischem Minister
Der Zentralrat der Juden hat die menschenverachtenden Worte von Itamar Ben-Gvir verurteilt. Dieser hatte zuvor zur Massentötung von Palästinensern aufgerufen.

🔍 Ein wichtiges und notwendiges Zeichen
Die klare Distanzierung des Zentralrats der Juden ist von großer Bedeutung. Josef Schuster benennt Ben-Gvirs Aufruf zur massenhaften Tötung von Palästinensern unmissverständlich als menschenverachtend, beschämend und mit jüdischen Werten unvereinbar. Damit macht der Zentralrat zugleich deutlich: Die Verbrechen der Hamas rechtfertigen weder die Entmenschlichung noch die unterschiedslose Tötung palästinensischer Menschen. Kritik an einem rechtsextremen israelischen Minister ist keine Kritik an Juden und kein Antisemitismus. Ben-Gvir muss aus der Regierung entfernt und international sanktioniert werden.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Opposition in Russland: Wie Putin Kriegsgegner im Land zum Schweigen bringt
Die letzte Antikriegspartei in Russland Jabloko darf nicht an den Wahlen teilnehmen. Der Berufung wurde nicht stattgegeben. Stattdessen demonstriert die Polizei ihre Macht.

🔍 Putins Angst vor dem eigenen Volk
Wer eine Partei von Wahlen ausschließt, weil sie Frieden fordert, veranstaltet keine Wahl, sondern ein Diktaturtheater. Jabloko war die letzte zugelassene russische Partei, die Putins Angriffskrieg offen ablehnte. Nun wird sie von der Abstimmung ausgeschlossen, während ihr stellvertretender Vorsitzender Lew Schlosberg für seine Kritik am Krieg zu mehr als elf Jahren Straflager verurteilt wurde.
Damit zeigt Putin erneut, wovor er wirklich Angst hat: nicht vor der NATO, sondern vor Russinnen und Russen, die seine Propaganda durchschauen und das Ende des Mordens verlangen. Gerichte, Polizei und Wahlbehörden sind zu Werkzeugen seiner Herrschaft verkommen. Ein Regime, das Friedensappelle kriminalisiert und politische Gegner einsperrt, besitzt keine demokratische Legitimation – es hält sich nur noch durch Zensur, Einschüchterung und Gewalt an der Macht.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg
Macht und Manipulation

17.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ARTE
Nackt unter Wölfen
Konzentrationslager Buchenwald, 1945. Ein Gefangener hat ein kleines Kind gerettet, versteckt in einem Koffer. Als die Mithäftlinge den Jungen entdecken, stehen sie vor einer schweren Entscheidung. – Der DDR-Spielfilm über Leben und Sterben in einem KZ beruht auf wahren Ereignissen und ist mit Ausnahme des propagandistischen Endes unpathetisch und doch ergreifend. Mit Armin Mueller-Stahl.

23:45 | phoenix
Das Ende des Paradieses – Klimawandel am Polarkreis

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

US-Außenpolitik: Wegen »sehr guter Beziehung zu Kim Jong Un« – Trump fährt Militärübungen mit Südkorea zurück
Streitkräfte aus den USA und Südkorea trainieren regelmäßig gemeinsam. Präsident Trump nennt das nun ein »völlig unangemessenes und feindseliges Signal« an Nordkorea – und gibt seinem Verteidigungsminister neue Anweisungen.
Nach Aussagen des US-Präsidenten Südkorea will sich trotz Trump-Kritik mit den USA weiter »eng koordinieren«
Donald Trump hat angekündigt, US-südkoreanische Militärübungen einzuschränken. Doch Seoul hält an der engen Zusammenarbeit mit Washington fest. Währenddessen setzt Nordkorea seine Raketentests fort.

🔍 Trump belohnt den Raketentester
Militärübungen einzuschränken, kann zur Entspannung beitragen – wenn es Teil gegenseitiger Abrüstung ist. Trump aber macht seinem „guten Freund“ Kim ein einseitiges Geschenk, während Nordkorea weiter Raketen testet. Zugleich brüskiert er den demokratischen Verbündeten Südkorea. Das ist keine Friedenspolitik, sondern personalisierte Außenpolitik nach Gutsherrenart: Diktatoren werden umworben, verlässliche Partner verunsichert.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Nordkorea

Trumps Justizminister: Todd Blanche will Unabhängigkeit vom Präsidenten nicht versprechen
Todd Blanche war einst Donald Trumps persönlicher Anwalt, nun leitet er das US-Justizministerium. Auf die Frage, ob er dessen Unabhängigkeit vom Präsidenten garantieren könne, verweigert Blanche eine Zusage.

🔍 Vom Justizministerium zum persönlichen Machtinstrument
Wenn Trumps früherer Privatanwalt als Justizminister nicht einmal die Unabhängigkeit seiner Behörde zusichern will, ist das keine Nebensächlichkeit, sondern eine offene Kampfansage an den Rechtsstaat. Staatsanwälte haben dem Gesetz zu dienen – nicht den Wünschen des Präsidenten. Blanche verwischt diese Grenze bewusst. Damit droht das Justizministerium vom Hüter des Rechts zum Instrument politischer Verfolgung und persönlicher Vergeltung zu werden.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Macht und Manipulation Rechtsruck im Silicon Valley

Itamar Ben-Gvir: Israelischer Minister fordert die Tötung von 30 bis 40 Menschen in Gaza – jede Nacht
Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir fordert deutlich mehr Gewalt im Gazastreifen. In einem Podcast sagt er, dort gebe es Menschen, die »nicht einmal Menschen« seien.

🔍 Die Sprache des Vernichtungswahns
Wer Menschen pauschal das Lebensrecht und sogar ihr Menschsein abspricht und ihre tägliche Tötung fordert, betreibt offene Entmenschlichung und propagiert Massenmord. Das ist keine Sicherheitspolitik, sondern die Sprache, mit der Menschheitsverbrechen vorbereitet und gerechtfertigt werden. Dass ein solcher Mann Minister und Mitglied des israelischen Sicherheitskabinetts bleiben kann, ist unerträglich. Ben-Gvir muss sofort entlassen und seine Äußerung strafrechtlich sowie international untersucht werden. Das Massaker der Hamas vom 7. Oktober rechtfertigt niemals die Vernichtung und Vertreibung eines ganzen Volkes.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

16.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ZDFinfo
Leschs Kosmos
Hitzestress im Mittelmeer – wenn es tropisch wird …
Die Klimaerwärmung hat das Mittelmeer fest im Griff: Im Juli 2023 wurden durchschnittlich fast 29 Grad Celsius an der Wasseroberfläche gemessen. Welche Ängste und Hoffnungen gibt es für die Zukunft?
20:45 | ZDFinfo
Krypto, Bitcoin & Co: Revolution oder Spekulation?
Wer in Kryptowährungen investiert, kann schnell reich werden, heißt es. Und Kryptowährung soll uns mehr Macht über unser Vermögen geben, ohne den Einfluss von Banken. In einer Zeit, in der die Inflation die Stabilität vieler Währungen in Frage stellt.

02:15 + 03:10 | ARTE
Alles über Maria (1 + 2)
Keine Frau wurde in den vergangenen 2.000 Jahren so oft dargestellt wie Maria, die Mutter Jesu. Was sagen die vielen Bildnisse, die Künstlerinnen und Künstler im Laufe der Jahrhunderte von dem jüdischen Mädchen geschaffen haben und die sie zur berühmtesten Frau der Menschheitsgeschichte gemacht haben, über ihre jeweilige Zeit aus? Und was sagt Maria den Menschen heutzutage?

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung: Grüne bieten Hilfe bei Vorstoß für Hitzeschutz im Grundgesetz an
SPD-Bundesminister wollen den Hitzeschutz zur staatlichen Gemeinschaftsaufgabe machen. Dafür ist eine Grundgesetzänderung nötig, die die Grünen unterstützen wollen.

🔍 Hitzeschutz ist inzwischen Daseinsvorsorge
Der Vorstoß ist überfällig. Ob eine Schule, ein Krankenhaus oder ein Pflegeheim wirksam vor extremer Hitze geschützt werden kann, darf nicht von der Finanzkraft der jeweiligen Kommune abhängen. Eine Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung würde dafür eine dauerhafte Beteiligung des Bundes ermöglichen.
Dabei darf allerdings eines nicht verwechselt werden: Klimaanpassung ersetzt keinen Klimaschutz. Verschattung, Entsiegelung oder Kühlung behandeln die Folgen. Gleichzeitig müssen die Treibhausgasemissionen drastisch sinken – sonst wird die Anpassung an immer höhere Temperaturen zunehmend teuer und irgendwann unmöglich.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende
Große Koalitionen – Der unterschätzte Einfluss der SPD (Essay)

„Sächsische Separatisten”: Björn Höcke will Terror-Angeklagte wieder in AfD zurückholen
Im November 2024 wurden die Mitglieder der mutmaßlich rechtsextremen Terrorgruppe „Sächsische Separatisten“ festgenommen. Björn Höcke will einige von ihnen nun wieder in die AfD aufnehmen.
🔍 Wo endet bei der AfD die Abgrenzung zum Rechtsextremismus?
Die Unschuldsvermutung gilt selbstverständlich auch für die Angeklagten der „Sächsischen Separatisten“. Doch Björn Höcke belässt es nicht dabei. Er bezeichnet sie bereits als „Justizopfer“ und will drei betroffene AfD-Mitglieder wieder mit vollen Mitgliedsrechten ausstatten.
Dabei wirft die Bundesanwaltschaft der Gruppe vor, einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet zu haben – einschließlich der Tötung politischer Gegner und „ethnischer Säuberungen“ mit dem Ziel eines nationalsozialistisch ausgerichteten Staates.
Wer angesichts solcher Vorwürfe nicht Distanz hält, sondern die Angeklagten politisch rehabilitieren will, wirft eine grundlegende Frage auf: Wie glaubwürdig ist die behauptete Abgrenzung der AfD vom Rechtsextremismus überhaupt noch?

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Chaos in Yosemite: »Es fühlt sich ein bisschen an wie Disneyland«
Ranger abgezogen, Wiesen als Parkplatz, Tausende Autos im Stau: Seit Trumps Kurswechsel spielen sich im US-Naturparadies chaotische Szenen ab.
🔍
Wenn aus dem Nationalpark ein Freizeitpark wird
Das ist mehr als ein touristisches Ärgernis. Der Yosemite-Nationalpark zeigt sehr konkret, was passiert, wenn staatliche Infrastruktur bei nahezu gleichbleibend hohem Besucherandrang personell ausgedünnt wird. Seit Januar 2025 hat der National Park Service nach Angaben der National Parks Conservation Association fast ein Viertel seiner festen Belegschaft verloren; auch Yosemite ist erheblich betroffen.
Die Folgen sind inzwischen sichtbar: zeitweise unbesetzte Eingänge, fehlende Ranger, Verstöße gegen Schutzregeln und Fahrzeuge auf empfindlichen Wiesen. Bereits im Frühjahr 2026 wurde berichtet, dass Yosemite nicht genügend Beschäftigte hatte, um seine Eingangsstationen zuverlässig zu besetzen.
Wer bei Nationalparks Personal und Mittel kürzt, spart nicht einfach Verwaltung. Er schwächt genau den Schutz, dessentwegen diese Gebiete überhaupt Nationalparks sind. Aus einem Naturreservat wird dann tatsächlich immer mehr ein überfüllter Freizeitpark – nur ohne das Personal, das selbst Disneyland für selbstverständlich halten würde.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon Valley

Route durch Nordostpassage: China schickt wieder Containerschiffe durch die Arktis nach Europa
Peking plant eine »Polar-Seidenstraße« für den Güterverkehr auf dem Wasser: Die Schifffahrt dauert halb so lang wie die durch den Suezkanal und umgeht das derzeit umkämpfte Rote Meer. Umweltschützer schlagen Alarm.

🔍 Ein bitteres Paradox der Klimakrise
Das schmelzende arktische Meereis eröffnet neue Handelswege – und macht damit zusätzliche wirtschaftliche Nutzung der Arktis möglich. Schon 2025 fuhren in der Arktis 40 Prozent mehr Schiffe als 2013; die zurückgelegte Strecke hat sich nahezu verdoppelt.
Die kürzere Nordostpassage kann zwar pro Transport weniger Treibstoff benötigen als der Umweg durch den Suezkanal. Doch mehr Schiffsverkehr bringt ausgerechnet in die empfindliche Arktis zusätzliche Risiken: Rußablagerungen auf Schnee und Eis beschleunigen deren Schmelzen, Unfälle und Ölverschmutzungen sind wegen der Abgelegenheit besonders schwer zu bewältigen.
So wird aus einer Folge des Klimawandels ein neues Geschäftsmodell – das wiederum den Druck auf das arktische Klimasystem erhöht. Und geopolitisch stärkt die Route zugleich die chinesisch-russische Zusammenarbeit, denn die Nordostpassage verläuft weitgehend entlang der russischen Küste

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

15.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

19:40 | ARTE
Tracks East: Russlands neue Normalität
„Tracks East“ reist tief in die Provinz und zeigt Russlands neue Normalität in Kriegszeiten. Im Hinterland offenbart sich, wie tragische Verluste zu wirtschaftlichem Aufschwung führen können. Durch das sogenannte Sarg-Geld, Zahlungen an Hinterbliebene, boomt die Immobilienbranche. Wer geht, lehnt das Regime ab – wer bleibt, unterstützt es. Doch so klar ist die Trennlinie nicht …

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

21:40 | ARTE
Gefährliche Wetterextreme – Dürre und Starkregen
Wetterextreme werden durch den Klimawandel immer häufiger. Dabei ist vor allem das Zusammenspiel von Dürre und Starkregen gefährlich für Mensch und Natur. Die Hitze schwächt die natürlichen Lebensräume, der Starkregen kann in der Folge ganze Landstriche zerstören. So verschärfen sich Artensterben sowie Probleme bei der Versorgung der Menschen mit Wasser und Nahrung.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

02:45 | ARTE
Die Beach Boys – Genie und Wahnsinn
Die fünf Beach Boys aus Kalifornien, darunter die drei Brüder Brian, Dennis und Carl Wilson, bescherten der Welt große Surf-Hits. Treibende Kraft der Band war der älteste der drei Brüder, Brian Wilson, der am 11. Juni 2025 verstorben ist. Die Doku beleuchtet die fruchtbare und albtraumhafte Zeit zwischen 1966 und 1971, in der die Alben „Pet Sounds“ und „Smile“ entstanden.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Handlungsideen: Die Klimakrise kostet uns Milliarden – und das können Sie tun
Niedrigwasser, Dürre, Brände, Hitzetote: Die Folgen des Klimawandels sind in diesem Sommer eindrücklicher denn je. Wir können aber etwas unternehmen, kurzfristig und auf lange Sicht. Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Klimakrise: Wirtschaftsweise Grimm sagt steigende Preise wegen Niedrigwassers voraus
Niedrige Pegel aufgrund von Trockenheit bremsen den Schiffsverkehr aus. Die Ökonomin Veronika Grimm erwartet höhere Kosten – und wünscht sich mit Blick auf die Klimakrise eine besser vorbereitete Bundesregierung.
Sterblichkeit wegen hoher Temperaturen: Intensivmediziner Janssens hält RKI-Schätzung zu Hitzetoten für zu niedrig
Nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts ist die Zahl der Hitzetoten in Deutschland auf 12.500 Todesfälle gestiegen. Ein Intensivmediziner geht davon aus, dass es »sicherlich mehrere Tausend Todesfälle mehr« seien.

🔍 Die Klimakrise schickt ihre Rechnung
12.500 geschätzte Hitzetote – vermutlich sogar mehrere Tausend mehr –, dazu Ernteverluste, Niedrigwasser, Waldbrände und steigende Transportkosten: Die Klimakrise ist längst keine ferne Bedrohung mehr, sondern kostet schon heute Menschenleben und Milliarden. Individuelle Vorsorge ist sinnvoll, reicht aber nicht aus. Niemand kann durch persönliches Verhalten Flüsse wieder auffüllen, Städte flächendeckend kühlen oder die Energie- und Verkehrssysteme umbauen. Dafür braucht es eine entschlossene staatliche Klimaschutz- und Anpassungspolitik. Wer deren Kosten beklagt, sollte endlich die sehr viel höhere Rechnung des Nichtstuns nennen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Mehr Unsicherheit bei der KI-Entwicklung: Anthropic setzt Risikostufe hoch
Schreitet die Entwicklung von KI zu schnell voran? Anthropic gibt sich in einem Bericht vorsichtig – und will ein neues Modell vorerst nur intern einsetzen.

🔍 Wenn selbst die Entwickler vor ihrer Technik warnen
Anthropic stuft das Risiko schwerer Fehlsteuerungen zwar weiterhin als gering ein, aber nicht mehr als „sehr gering“ – und hält ein leistungsfähigeres Modell vorerst unter Verschluss. Das ist verantwortungsvoll, zugleich aber ein unübersehbares Warnsignal: Die Fähigkeiten wachsen schneller als das Verständnis ihrer Risiken. Ob eine potenziell gefährliche KI veröffentlicht wird, darf daher nicht allein von der freiwilligen Vorsicht und den Geschäftsinteressen ihrer Hersteller abhängen. Eine Technologie mit möglicherweise gesellschaftsweiten Folgen braucht unabhängige Prüfungen, verbindliche Sicherheitsstandards und klare Haftungsregeln – bevor etwas schiefgeht, nicht danach.

🔍 Hintergrund:
KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Zeitenwende

Unzufriedene Genossen Berlins SPD-Landeschef fordert »Kurswechsel« beim Reformpaket
»Zurzeit unausgewogen«: Der Berliner SPD-Wahlkämpfer Steffen Krach teilt gegen die angekündigten Reformen der Bundesregierung aus. Zur Personaldebatte um Bärbel Bas und Lars Klingbeil äußert er sich vorsichtiger.

🔍 Wenn beide Seiten unzufrieden sind
Belastungen sozial Schwächerer treffen den Markenkern einer Partei, die historisch für Arbeitnehmer und sozialen Ausgleich steht. Gleichzeitig klagen Teile der Union und der Wirtschaft, im Reformpaket stecke „zu viel SPD“. Die Kritik kommt also von beiden Seiten – allerdings aus entgegengesetzten Gründen. Hier prallen die alten Antagonisten aufeinander: Markt und Kapital auf der einen, Arbeit und Sozialstaat auf der anderen Seite.
Bemerkenswert ist dennoch, wie viel die deutlich geschwächte SPD durchsetzen konnte. Schließlich gewann die Union die Bundestagswahl mit einem klar wirtschaftsliberalen bis neoliberalen Programm, während die SPD ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielte. Dass trotzdem Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen sowie weitere sozialdemokratische Elemente vereinbart wurden, zeigt ihren Einfluss in der Koalition. Gerade deshalb sollte sie darauf achten, dass dieser Erfolg nicht durch sozial unausgewogene Kürzungen geschmälert wird.

🔍 Hintergrund: ►
Große Koalitionen – Der unterschätzte Einfluss der SPD (Essay)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Wie die AfD-Pläne zur Kulturpolitik für Protest sorgen
Die AfD in Sachsen-Anhalt will Kulturförderung an nationale Identität knüpfen. Dagegen hat sich breiter Widerstand formiert und eine Debatte über die Freiheit der Kunst.

🔍 Kultur nach Gesinnung – die AfD greift nach den Köpfen
Das ist keine Kulturpolitik, sondern der Versuch politischer Gleichschaltung: Gefördert werden soll nur noch, was der AfD als „deutsch“ und „patriotisch“ gilt. Wer über Nationalsozialismus, Kolonialismus oder gesellschaftliche Vielfalt aufklärt, muss mit Geldentzug rechnen. Kunstfreiheit bedeutet jedoch gerade, dass keine Partei über erwünschte Inhalte und nationale Gesinnung entscheidet. Die AfD zeigt damit, was sie unter Macht versteht: öffentliche Mittel als Druckmittel im Kampf um die Köpfe.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

14.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

21:40 | ZDFinfo
Die Akte Epstein: Der lange Kampf um Wahrheit
Wer sind die Frauen, die zu Opfern von Jeffrey Epsteins System sexueller Ausbeutung wurden – und die ihr Schweigen brechen, um zur Aufklärung beizutragen?

🔍 Hintergrund: ► Epstein Files

23:10 | ZDFinfo
Trumps Amerika – Macht, Wandel, Widerstand
Als Donald Trump am 20. Januar 2025 im Weißen Haus vereidigt wird, ahnt die Welt noch nicht, dass der 47. Präsident der USA die Weltordnung in atemberaubender Geschwindigkeit verändern wird.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und Manipulation Rechtsruck im Silicon Valley Project 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay)

00:10 | ARTE
Unfassbar – Der Fall Dutroux (1 – 4)
Vor fast 30 Jahren erschütterte der Fall des Kinderschänders Marc Dutroux das belgische Königreich in seinen Grundfesten. Die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem grausamen Schicksal der vermissten Kinder machten fassungslos. Die Dokureihe zeichnet mit Offenheit und unter Verwendung unveröffentlichten Materials den Kampf der Überlebenden und der Eltern der Opfer nach.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Kartoffeln, Rüben, Gemüse: Bauernverband warnt vor »totalem Ernteausfall« in einigen Regionen
Hitze und Trockenheit haben Folgen für die Landwirtschaft: Vor allem in Süddeutschland dürfte die Ernte schlecht ausfallen, warnt der Bauernverband und fordert von der Regierung Hilfen und billigeren Agrardiesel für Landwirte.
Rund 1800 Menschen betroffen: Waldbrand in der Eifel – Ortsteil evakuiert
Die Feuerwehr kämpft gegen einen Waldbrand im nordrhein-westfälischen Kreis Düren. Weil die Flammen einem Teil der Gemeinde Hürtgenwald gefährlich nahe kommen, mussten sich Hunderte Menschen in Sicherheit bringen.

Unwetter östlich von Tokio Mehrere Tote nach Starkregen und Überschwemmungen in Japan
Sintflutartige Regenfälle, überflutete Straßen, Tausende Haushalte ohne Strom: Ein heftiges Unwetter hat den Osten Japans getroffen. Mindestens vier Menschen wurden getötet.

Klimaphänomen El Niño: Warmes Wasser treibt massenhaft Stachelrochen an Kaliforniens Strände
Vor der US-Westküste tummeln sich die Stachelrochen. Wegen des El Niño könnten es mehr werden denn je. Rettungsschwimmer müssen mancherorts so viele Stiche behandeln wie lange nicht mehr.

🔍 Das Zeitfenster schließt sich – auf den Feldern und vor unseren Häusern
In Süddeutschland drohen bei Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben und Mais regional vollständige Ernteausfälle. Gleichzeitig musste in der Eifel der Ortsteil Gey mit rund 1.800 Menschen wegen eines Waldbrandes evakuiert werden. Die konkrete Brandursache ist noch ungeklärt. Unstrittig ist jedoch: Hitze und lang anhaltende Trockenheit lassen Böden und Wälder austrocknen und erhöhen damit das Waldbrandrisiko.
Das ist keine ferne Klimaprognose mehr. Die Krise vernichtet Ernten, bedroht Existenzen und zwingt Menschen, ihre Häuser zu verlassen. Besonders grotesk wirkt da die Forderung nach billigerem Agrardiesel: Akute Hilfe für betroffene Höfe ist notwendig. Fossile Kraftstoffe dauerhaft zu subventionieren bedeutet jedoch, mit Steuergeld die Ursache der Schäden weiter zu verschärfen, deren Folgen anschließend ebenfalls die Allgemeinheit bezahlen soll.
Der Weltklimarat warnt vor einem sich rasch schließenden Zeitfenster für eine lebenswerte Zukunft. Dieses Fenster vertrocknet inzwischen auf unseren Feldern und verbrennt in unseren Wäldern. Wer Klimaschutz jetzt noch verzögert, entscheidet sich wissentlich für häufigere Ernteausfälle, Waldbrände, Evakuierungen und Milliardenschäden. Anpassung allein wird nicht reichen: Ohne drastische Senkung der Treibhausgasemissionen wird sie zum aussichtslosen Wettlauf gegen eine immer heißere Welt.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Analyse des KI-Herstellers: Anthropic warnt vor »Revierkämpfen« zwischen KI-Assistenten
Immer mehr Firmen setzen auf zunehmend autonome KI-Agenten. Hersteller Anthropic hat nun untersucht, was passiert, wenn Schwärme der Assistenten aufeinandertreffen. Das Ergebnis gibt Anlass zur Sorge.

🔍 Die nächste Stufe des Kontrollproblems
Anthropics Experimente zeigen: Treffen mehrere autonome KI-Agenten mit konkurrierenden Zielen aufeinander, können aus zunächst harmlosen Konflikten Sabotage, Täuschung und gegenseitige Blockaden entstehen. Das ist kein Beweis für Bewusstsein oder einen eigenen „Willen“, wohl aber für ein gefährliches Systemverhalten, das von keinem einzelnen Agenten geplant sein muss.
Die entscheidende Warnung lautet daher: Leistungsfähigere KI bedeutet nicht automatisch bessere Zusammenarbeit. Wenn Unternehmen Tausende Agenten selbstständig handeln lassen, bevor klare Regeln, Überwachung und menschliche Eingriffsmöglichkeiten existieren, schaffen sie digitale Machtkämpfe in Maschinengeschwindigkeit. Autonomie darf deshalb nur so schnell wachsen wie unsere Fähigkeit, sie wirksam zu kontrollieren.

🔍 Hintergrund:
KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Zeitenwende

Parallel zum Stellenabbau: Dax-Konzerne machen Rekordgeschäfte
Die Wirtschaft lahmt, viele Menschen verlieren ihre Jobs. Bei den Dax-Konzernen allerdings sprudeln die Gewinne kräftig. Wie passt das zusammen?

🔍 Umverteilung von unten nach oben
Die Zahlen legen den Mechanismus offen: Im zweiten Quartal steigerten die Dax-Konzerne ihren Betriebsgewinn um 16 Prozent auf den Rekordwert von 52,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig beschäftigten sie 41.000 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Der Stellenabbau senkt Kosten und stützt damit Gewinne, Aktienkurse und Ausschüttungen – während die Beschäftigten Arbeitsplatzverlust, Arbeitsverdichtung und Existenzangst tragen.
Das ist Umverteilung von unten nach oben: Die Wertschöpfung entsteht durch die Arbeit vieler, doch ein wachsender Teil ihres Ertrags fließt an Aktionäre und Spitzenverdiener. Nicht jeder Konzern und jede Branche entwickelt sich gleich. Das Gesamtbild bleibt dennoch eindeutig: Rekordgewinne sind kein Beweis für allgemeinen Wohlstand, wenn sie mit dem Abbau seiner Grundlage – sicherer und angemessen bezahlter Arbeit – erkauft werden.

🔍 Hintergrund: Kapitalismus – Neoliberalismus

AfD: Wahlkampf im Osten: Wie die AfD gegen Windmühlen kämpft
Die AfD stachelt gezielt Windkraftgegner an: Das könnte ihr wichtige Prozentpunkte bei den Landtagswahlen im September liefern – und insbesondere in Sachsen-Anhalt den erfolgreichen Ausbau der Windenergie ausbremsen. Von Annika Joeres, Elena Kolb

Gefährlich, inkompetent, nutzlos: So schlecht macht die AfD ihre Arbeit in Sachsen-Anhalt
Wie gefährlich die Pläne der AfD für Sachsen-Anhalt sind, sollte sie in Regierungsverantwortung kommen, dazu gibt es zahlreiche Analysen. Doch um zu zeigen, wie ihre Politik aussähe, muss man nicht einmal in ihr Wahlprogramm schauen (das haben wir aber natürlich auch hier in aller Ausführlichkeit getan). Denn die AfD macht seit Jahren Politik in Sachsen-Anhalt – als Oppositionspartei. Und beschwert sich dabei immer wieder lautstark, dass ihre guten Ideen und Anträge an der Brandmauer scheitern, also nur aus ideologischen Gründen abgelehnt würden. Doch was ist da dran? Wie würde Sachsen-Anhalt aussehen, wenn die AfD ihre Anträge durchbekommen hätte?

🔍 AfD-Wahlkampf gegen die eigene Zukunft
Die AfD kämpft nicht gegen Windmühlen, sondern gegen eine der wichtigsten Zukunftsbranchen Sachsen-Anhalts. Das Land betreibt 2.658 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 5,7 Gigawatt und gehört beim Ausbau pro Einwohner bundesweit zur Spitze. Bis 2028 sind zahlreiche weitere Anlagen geplant, vielfach als Repowering: Alte Windräder werden durch wenige, aber wesentlich leistungsfähigere ersetzt.
Anstatt sachlich über Standorte, Naturschutz und Beteiligung der Gemeinden zu sprechen, schürt die AfD gezielt Ängste, unterstützt Protestinitiativen und überzieht Behörden mit Einwendungen. Ihr Wahlprogramm verlangt sogar ein Windkraftmoratorium – obwohl ein Bundesland ein solches Verbot rechtlich gar nicht durchsetzen könnte.
Besonders widersinnig ist das Gerede von „nationaler Souveränität“: Wer Wind- und Solarenergie blockiert, macht Deutschland gerade nicht unabhängiger, sondern hält es abhängig von importiertem Öl und Gas. Zugleich gefährdet diese Politik Investitionen, Arbeitsplätze und Einnahmen der Kommunen.
Die AfD instrumentalisiert reale Sorgen der Bevölkerung, um daraus Wählerstimmen zu schlagen. Die Rechnung zahlen anschließend genau die Menschen, deren Interessen sie angeblich vertritt – durch höhere Abhängigkeit, verlorene wirtschaftliche Chancen und einen weiter beschleunigten Klimawandel. Das ist keine Energiepolitik, sondern organisierte Zukunftsverweigerung.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Laut IW-Studie: Ohne Zuwanderung droht dem Osten Wohlstandsverlust
Ausländische Arbeitskräfte werden laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft immer wichtiger für den Arbeitsmarkt in Ostdeutschland. Ohne gezielte Zuwanderung sei die Versorgung der Bevölkerung gefährdet.
🔍 Zuwanderung ist wirtschaftliche Notwendigkeit
Die Zahlen widersprechen der migrationsfeindlichen Stimmung gerade in Ostdeutschland: Zwischen 2023 und 2025 gingen dort 141.000 deutsche Beschäftigte verloren; 90.000 zusätzliche ausländische Arbeitskräfte fingen einen großen Teil dieses Rückgangs auf. Sie erwirtschafteten 2025 rund 68 Milliarden Euro. Ohne gezielte Zuwanderung fehlen künftig nicht nur Fachkräfte, sondern Menschen, die pflegen, produzieren und die alltägliche Versorgung sichern. Wer Ausländer vertreiben will, gefährdet damit den eigenen Wohlstand.

Regierung in Thüringen: BSW-Spitze verlangt Rücktritt von Voigt und Ende der Koalition
Mario Voigt soll gehen und die Brombeerkoalition auseinanderbrechen: Die BSW-Bundesspitze verschärft den Ton gegenüber Thüringen erheblich. Als Anlass nimmt der Parteivorstand den aberkannten Doktortitel des Ministerpräsidenten.

🔍 Wagenknecht sägt am Stuhl der Demokratie
Der aberkannte Doktortitel Mario Voigts ist ernst und muss gerichtlich geklärt werden. Doch Wagenknechts BSW-Bundesspitze nutzt den Fall als Vorwand, um der eigenen Thüringer Landtagsfraktion aus Berlin den Bruch einer demokratisch gebildeten Landesregierung zu diktieren. Das offenbart das autoritäre Grundproblem einer Partei, die auf eine einzige Person zugeschnitten ist.
Besonders verantwortungslos ist die Forderung nach einem „überparteilichen“ Ministerpräsidenten mit wechselnden Mehrheiten. In Thüringen bedeutet das zwangsläufig, Entscheidungen von Fall zu Fall auch von Höckes AfD abhängig zu machen. Ausgerechnet in einem Land mit einer starken rechtsextremen AfD will Wagenknecht die bestehende Regierung sprengen und die politische Instabilität zum Prinzip erheben. Wer demokratische Institutionen aus persönlichem Machtkalkül destabilisiert, stärkt nicht das Vertrauen in die Politik – er sägt an dessen letzter Grundlage.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut

Frontstadt in der Ostukraine: Russland bombardiert Kramatorsk schwer
Russland hat die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine erneut mehrfach aus der Luft angegriffen. Die Ukraine meldet mindestens einen Toten und mehrere Verletzte. Anwohnern wird geraten umzusiedeln.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: Moskau lehnt Waffenruhe im Schwarzen Meer ab
Mitten in der Erntezeit nimmt Russland vermehrt ukrainische Häfen und internationale Getreidefrachter im Schwarzen Meer ins Visier. Nun soll die Ukraine eine Feuerpause vorgeschlagen haben. Moskau sieht dafür keine Grundlage.

Finnland richtet vorübergehend Sperrzone ein Kampfjets fangen Drohne über Lettland ab
Über dem lettischen Luftraum haben Nato-Jets eine Drohne bisher unbekannter Herkunft abgeschossen. Zuvor waren Anwohner aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Auch Finnland hat Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.

🔍 Putin treibt die Eskalation bis an die Grenzen der Nato
Mitten in der Erntezeit greift Russland verstärkt ukrainische Häfen und internationale Handelsschiffe an – und lehnt zugleich eine gegenseitige Waffenruhe für zivile Ziele im Schwarzen Meer ab. Damit setzt Moskau die ukrainischen Getreideexporte und letztlich die Ernährungssicherheit weit über die Ukraine hinaus als Waffe ein. Bereits im August sind die ukrainischen Getreideexporte gegenüber dem Vorjahr drastisch eingebrochen.
Gleichzeitig musste erstmals wieder eine Drohne über dem Nato-Mitglied Lettland von Nato-Kampfjets abgeschossen werden; Finnland sperrte vorsorglich Teile seines Luft- und Seeraums. Die Herkunft der Drohne ist noch nicht geklärt und darf deshalb nicht vorschnell Russland zugeschrieben werden. Doch ihre gefährliche Flugbahn ist eine unmittelbare Folge des von Putin begonnenen und immer weiter ausgeweiteten Krieges.
Jede zusätzliche Drohne, jede Attacke auf einen Frachter und jede Verletzung des Nato-Luftraums erhöht das Risiko einer Fehlkalkulation mit unabsehbaren Folgen. Putin testet, wie weit er gehen kann, während er jedes Angebot zur Begrenzung des Krieges zurückweist oder mit Vorwänden abtut. Wer darauf mit Nachgiebigkeit reagiert, bewahrt nicht den Frieden, sondern signalisiert dem Kreml, dass weitere Eskalation folgenlos bleibt. Europa muss Putin unmissverständlich klarmachen: Die Nato-Grenzen, zivile Schiffe und die globale Lebensmittelversorgung sind keine Verhandlungsmasse.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

13.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

18:00 | phoenix
Wütendes Wetter – Warum tun wir nichts?
Das Wetter spielt verrückt. Ist das das neue Normal? Dürren, Überschwemmungen, Bergrutsche. Wir erleben Klimawandel in Echtzeit. „Terra X Harald Lesch“ geht der Frage nach: Warum handeln wir nicht?

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

20:15 | phoenix
Kryptokrieg – Wie Putin uns mit Bitcoins bekämpft
Wie hält Russland trotz scharfer westlicher Sanktionen seine Kriegsmaschinerie am Laufen? Und welche Rolle spielen Kryptowährungen dabei? Die investigative ARD-Dokumentation begibt sich auf eine riskante Spurensuche und findet heraus: Mithilfe überschüssiger Energieressourcen aus nicht verkauftem Gas betreibt der Kreml riesige „Bitcoin-Farmen“, finanziert damit Rüstungsgüter und nutzt digitale Währungen, um demokratische Systeme zu destabilisieren. Im Fokus stehen auch sogenannte „Shadow Territories“ und der an den Rubel gekoppelte Stablecoin A7A5, über die Geldströme verschleiert und Sanktionen umgangen werden. Expert:innen warnen vor Missbrauch wegen mangelnder Regulierung und internationaler Untätigkeit.

🔍 Hintergrund: Ukraine-Krieg

21:45 | ARD
Panorama: Alternative für Arbeiter? – Mein bester Freund wählt AfD
Früher war Gelsenkirchen die SPD-Hochburg. Doch diese Zeiten sind längst vorbei: Heute wählen hier viele die AfD. Auch die Freunde Andreas und Thomas haben sich von der SPD abgewandt. Zu groß die Enttäuschung darüber, dass die einstige „Arbeiterpartei“ es nicht schafft, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Während sich einer der Freunde der Linken zuwendet, wählt der andere nun die AfD. Wie hat die AfD es geschafft, gerade bei Arbeitern zur stärksten politischen Kraft zu werden? Tritt die AfD in eine klaffende Lücke, die die SPD hinterlassen hat? Und ist die AfD für Arbeiter eine wählbare Alternative? Ein Panorama-Film über Arbeit, Politik, Freundschaft und Fußball.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

01:55 | ZDFinfo
Die großen Crashs ( 3 Teile )
Ob 1929, 1973 oder 2008: Wie konnte es zu den großen Wirtschaftskrisen kommen? Was waren die Folgen weltweit? Und haben wir aus den Krisen gelernt?

04:10 | ZDFinfo
Tycoons – Die Macht der Milliardäre
Die Reihe zeigt die reichsten Menschen der Welt mit großem Einfluss: Amerikas Superreiche, russische Oligarchen und chinesische Entrepreneure an der Spitze …

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Mike Huckabee: US-Botschafter nennt Siedlergewalt im Westjordanland »Terrorakt«
Tagelang hatten Siedler das Zuhause einer Familie im Westjordanland blockiert. Sonst eher unkritisch eingestellt, findet der US-Botschafter Huckabee jetzt scharfe Worte.

🔍 Ein Pulverfass, das seit Jahrzehnten weiter gefüllt wird
Der Konflikt trägt eine historische Hypothek, die seit 1947 nie aufgelöst wurde: Die UN sah damals einen jüdischen und einen arabischen Staat vor. Israel entstand – ein palästinensischer Staat bis heute nicht. Seit 1967 kommt die Besetzung palästinensischer Gebiete hinzu. Die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland einschließlich Ostjerusalems gilt nach Auffassung der Vereinten Nationen als völkerrechtswidrig.
Jede neue Siedlung schafft weitere Fakten, zerschneidet palästinensisches Gebiet und macht eine lebensfähige Zwei-Staaten-Lösung schwieriger. Damit wird nicht Sicherheit geschaffen, sondern ein Konflikt auf Dauer gestellt.
Israels Existenzrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser schließen sich nicht aus. Wer aber immer neue Tatsachen zulasten einer Seite schafft, verhindert genau jene politische Lösung, die einen dauerhaften Frieden ermöglichen könnte.
So wird das Pulverfass Nahost nicht entschärft – es wird seit Jahrzehnten weiter gefüllt.

🔍 Hintergrund: ►
Nahostkonflikt Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Studie der Uni Tübingen: AfD punktet bei Arbeitern – trotz marktliberaler Politik
Die AfD holt bei Arbeitern besonders viele Stimmen. Laut einer von Panorama in Auftrag gegebenen Studie hält sie aber am marktliberalen Kurs ihrer Gründungszeit fest – und hat ihn zuletzt sogar verschärft. Von Sebastian Friedrich und Isabel Schneider, NDR
🔍 Rechte Propaganda: nach unten treten, nach oben dienen
Die AfD gibt sich als Anwältin der „kleinen Leute“, betreibt aber eine Wirtschaftspolitik für Unternehmen, hohe Einkommen und Vermögende. Laut der Tübinger Studie sind 92 Prozent ihrer untersuchten Positionen marktliberal – nur die FDP liegt noch darüber. Damit Arbeiter dennoch AfD wählen, lenkt die Partei den Verteilungskonflikt gezielt um: nicht mehr oben gegen unten, sondern innen gegen außen. Nicht Reiche und Konzerne sollen als Profiteure erkannt werden, sondern Migranten als angebliche Ursache sozialer Probleme.
Das ist ein klassisches Muster rechter Propaganda. Schon Goebbels versah eine Politik im Dienste von Machteliten mit sozialer Rhetorik und machte Minderheiten zu Sündenböcken. Das ist keine Gleichsetzung der AfD mit dem NS-Regime, wohl aber eine erkennbare methodische Kontinuität: soziale Ängste aufnehmen, ihre wirklichen Ursachen verschleiern und den Zorn auf Schwächere umlenken. Wer AfD wählt, um den Mächtigen einen Denkzettel zu verpassen, stärkt eine Partei, deren Politik gerade den Mächtigen nützt.

🔍 Hintergrund: Macht und Manipulation AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Brancheneinschätzung: Dürre führt wohl zu deutlich kleinerer Getreideernte
Durch die anhaltende Hitze und wenige Niederschläge dürften Bauern in diesem Jahr mehrere Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren haben. Verbraucher müssen jedoch erst mal keine Sorge vor steigenden Preisen haben.
Bericht des Robert Koch-Instituts: Zahl der Hitzetoten in Deutschland steigt auf 12.500 Todesfälle
In diesem Sommer sind nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts bisher deutlich mehr Menschen infolge von Hitze gestorben als sonst in ganzen Jahren. Der Hausärzteverband bezeichnet das als »schockierend«, der Ernstfall sei eingetreten.

Dürresommer: Rumänien will wegen Donau-Niedrigwassers sein einziges Atomkraftwerk Cernavodă herunterfahren
Das rumänische AKW Cernavodă steht wegen Niedrigwassers in der Donau vor der Abschaltung. Auch in Frankreich ist die Stromproduktion durch gefallene Pegelstände beeinträchtigt. Ein weiterer Grund dort: eine Quallenplage.

🔍 Das Zeitfenster schließt sich
12.500 Hitzetote allein in Deutschland, rund drei Millionen Tonnen verlorenes Getreide und Raps, ein Atomkraftwerk ohne ausreichendes Kühlwasser: Das sind keine voneinander unabhängigen Meldungen. Es sind gleichzeitig auftretende Folgen derselben eskalierenden Klimakrise.
Noch bleiben Brotpreise stabil, Strom kann importiert und ein Ernteausfall durch Vorräte abgefedert werden. Doch diese beruhigenden Nachsätze verstellen den Blick auf die eigentliche Gefahr: Was geschieht, wenn Dürren und Hitzewellen mehrere Länder zugleich treffen, Ernten wiederholt ausfallen, Flüsse die Schifffahrt und Kraftwerkskühlung nicht mehr ermöglichen und Stromimporte deshalb ebenfalls fehlen?
Klimafolgen addieren sich nicht nur – sie verstärken einander. Sie treffen Gesundheit, Ernährung, Energieversorgung, Verkehr und Wirtschaft gleichzeitig. Genau davor warnt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Das Zeitfenster schließt sich: Nicht irgendwann, sondern jetzt entscheidet sich, ob wir die Entwicklung noch begrenzen oder nur noch von einer Notlage zur nächsten taumeln. Die Kosten des Nichthandelns werden dann nicht mehr nur in Milliarden gemessen, sondern in Menschenleben

🔍 Hintergrund: KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Washingtons Antidrogenkrieg: US-Verteidigungsminister kündigt gemeinsame Militäreinsätze mit Kolumbien an
Kolumbien tritt dem von Washington geführten Antidrogenbündnis bei und soll die USA um gemeinsame Einsätze gegen Kartelle gebeten haben. Verteidigungsminister Hegseth prahlte mit der Ankündigung eines harten Vorgehens.

🔍 Ein gescheiterter Krieg wird militarisiert
Seit mehr als einem halben Jahrhundert führen die USA ihren „Krieg gegen die Drogen“ – und noch immer floriert das Geschäft. Nun soll ausgerechnet eine weitere Militarisierung bringen, was Milliarden, Gewalt und zahllose Tote nicht erreicht haben. Hegseths martialische Prahlerei verschleiert, dass Kartelle keine regulären Armeen sind, sondern ökonomische Netzwerke: Solange Nachfrage, Armut, Korruption, Waffenlieferungen und internationale Geldwäsche bestehen, werden für jeden getöteten Drogenboss neue nachrücken.
Besonders bedenklich ist, dass Washington kriminelle Organisationen kurzerhand zu „Terroristen“ erklärt und daraus ein Recht auf Militäreinsätze ableitet. Kolumbiens neue Regierung mag darum gebeten haben – bestätigt hatte sie Hegseths Darstellung zunächst nicht. Aus Drogenbekämpfung droht erneut ein Einfallstor für US-amerikanische Machtpolitik in Lateinamerika zu werden.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Rechtsruck im Silicon Valley

Weniger Schutz empfohlen: WHO kritisiert Trumps Dekret zu Reduzierung von Kinderimpfungen
Die US-Regierung erkennt nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als Empfehlungen für alle Kinder an. Die Weltgesundheitsorganisation wirft dem Präsidenten nun vor, gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft zu handeln.
Neuanschaffung der US-Abschiebebehörde: ICE-Agenten sollen Elektroschock-Handschuhe bekommen
Die Handschuhe werden per Tastendruck aktiviert – und geben beim Anfassen von Personen Elektroschocks ab: ICE will seine Mitarbeiter mit neuen Geräten ausstatten und spricht von »Deeskalation«. Die Opposition bewertet das anders.

🔍 Schutz den Starken, Schmerz den Schwachen
Zwei Meldungen, eine politische Gesinnung: Kinder sollen weniger Schutz vor vermeidbaren Krankheiten erhalten, während ICE-Agenten mit Handschuhen ausgerüstet werden sollen, die Menschen auf Knopfdruck Elektroschocks versetzen. Das eine wird gegen wissenschaftliche Erkenntnisse als „Freiheit“, das andere zynisch als „Deeskalation“ verkauft.
Darin zeigt sich der Kern rechter, autoritärer Politik: Der solidarische Staat, der Menschen schützt, wird zurückgedrängt; der repressive Staat, der Menschen einschüchtert und gefügig macht, wird aufgerüstet. Freiheit bedeutet hier nicht Schutz der körperlichen Unversehrtheit, sondern Freiheit von gesellschaftlicher Verantwortung – verbunden mit nahezu unbegrenzter Härte gegenüber jenen, die zu Fremden und Feinden erklärt werden. Es ist keine zufällige Kombination, sondern ein geschlossenes Menschenbild: Schwäche verdient keinen Schutz, sondern Unterwerfung.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Rechtsruck im Silicon ValleyProject 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay)

Putins Angriffskrieg: Ukraine greift russischen Schwarzmeerhafen an und löst erneut Stromausfall auf der Krim aus
Kyjiw hat die russische Schwarzmeerküste und die annektierte Krim massiv mit Drohnen angegriffen. Unterdessen nannte Präsident Selenskyj eine konkrete Zahl im Zusammenhang mit Patriot-Raketen, die sein Land im Winter braucht.
🔍 Der Krieg erreicht immer größere Entfernungen
Der ukrainische Angriff auf Noworossijsk zeigt, dass Russland sein Hinterland nicht länger als sicheren Raum betrachten kann. Der Hafen ist ein wichtiger Stützpunkt der Schwarzmeerflotte und damit ein militärisch nachvollziehbares Ziel. Doch die gemeldeten zivilen Opfer und Stromausfälle auf der Krim zeigen zugleich, wie gefährlich sich dieser Krieg immer weiter ausdehnt.
Während die Ukraine Russlands militärische Logistik angreift, setzt Moskau seine Angriffe auf ukrainische Städte und Energieanlagen fort. Selenskyjs Bitte um fünf Prozent der amerikanischen Patriot-Abfangraketen macht deutlich, was im kommenden Winter droht: Russland wird erneut versuchen, die ukrainische Bevölkerung durch Kälte und Dunkelheit zu zermürben. Die Ukraine braucht deshalb wirksame Luftverteidigung – nicht nur, um militärisch standzuhalten, sondern vor allem, um Menschenleben und lebenswichtige Infrastruktur zu schützen.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

12.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

13:30 | phoenix
Kreuzzug von rechts
Weltweit instrumentalisiert die radikale Rechte den christlichen Glauben als politische Waffe – eine Bewegung, die es bis ins Weiße Haus geschafft hat. Nirgendwo sonst ist die Verschmelzung von radikalem Christentum und rechter Politik so offen sichtbar wie in den USA. Aber nicht nur dort.

🔍 Hintergrund: ► Religion Macht und Manipulation Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

20:15 | SWR
Quarks: Gesunder Darm – gesunde Psyche? So funktioniert unser Mikrobiom
Quarks zeigt, wie intensiv Darm und Gehirn miteinander kommunizieren und was wir selbst für unsere Darmgesundheit tun können.

20:15 | hr
Jung. Brutal. Außer Kontrolle? – Jugendgewalt in Hessen
Es ist ein widersprüchlicher Trend: Während die Jugendkriminalität in Hessen insgesamt sinkt, steigt die Zahl der Gewaltdelikte. Konflikte unter Jugendlichen eskalieren schneller – und enden immer häufiger in körperlichen Auseinandersetzungen. Viele jugendliche Intensiv- und Mehrfachtäter wachsen unter schwierigen Bedingungen auf. Im Haus des Jugendrechts in Kassel werden jedes Jahr Verfahren mit rund 1.500 jungen Menschen geführt. Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt arbeiten hier eng zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: Resozialisierung.

22:45 | ZDF
Vergoldete Angst: Das System Dominik Kettner
Dominik Kettner ist einer der einflussreichsten Polit-Influencer Deutschlands. Er gilt als ein sogenannter Crashprophet – also jemand, der Panik verbreitet und damit Geld verdient. Stimmt der Vorwurf? „Die Spur“ geht seinem Geschäftsmodell auf den Grund.

🔍 Erst die Angst, dann das Gold
Die ZDF-Dokumentation legt ein Geschäftsmodell offen, dessen Interessenkonflikt kaum deutlicher sein könnte: Dominik Kettner warnt auf seinem reichweitenstarken YouTube-Kanal regelmäßig vor Staatsbankrott, Enteignung, Hyperinflation oder dem Zusammenbruch des Finanzsystems – und verkauft im eigenen Unternehmen zugleich die angebliche Rettung: Gold und Silber.
Der Einwand lautet nicht, dass Gold grundsätzlich eine schlechte Anlage sei. Als begrenzte Beimischung kann es der Risikostreuung dienen. Es wirft jedoch weder Zinsen noch Dividenden ab, sein Preis schwankt, und beim physischen Kauf entstehen Aufschläge, Lagerungs- und Versicherungskosten. Problematisch wird es, wenn sachliche Anlageberatung durch apokalyptische Dauerbeschallung ersetzt wird.
Kettner verkauft daher nicht nur Edelmetalle. Er schafft mit politischer Empörung, Untergangsszenarien und Misstrauen gegenüber Staat, Medien und Währungssystem genau jene Stimmung, die die Nachfrage nach seinen Produkten erhöht. Gäste aus dem rechten und verschwörungsideologischen Spektrum vergrößern Reichweite und Radikalisierungspotenzial. YouTube belohnt wiederum Zuspitzung und Angst mit Aufmerksamkeit.
Die Sendung zeigt damit beispielhaft, wie das Geschäft mit der Verunsicherung funktioniert: Erst wird Angst produziert, dann wird ihre kommerzielle Lösung angeboten. Ob der angekündigte Zusammenbruch jemals eintritt, ist für das Modell zweitrangig – solange die nächste Katastrophenwarnung neue Käufer hervorbringt.

🔍 Hintergrund: ► Fake News Kapitalismus – Neoliberalismus

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Zeitvorteil für Börsenhändler: Trump wegen Premiumzugangs zu seinem Onlinedienst verklagt
Für Zehntausende Dollar im Monat die Social-Posts des US-Präsidenten früher sehen als andere: Dieses Premiumangebot von Donald Trumps Truth Social sei »korrupt und verfassungswidrig«, sagen Medienorganisationen.
🔍 Insiderhandel als Geschäftsmodell
Das ist Insiderhandel mit Preisschild: Wer bis zu 100.000 Dollar im Monat zahlt, erhält Trumps potenziell kursbewegende Mitteilungen früher als die Öffentlichkeit – und kann Aktien, Öl oder Währungen handeln, bevor der Rest des Marktes reagieren kann.Besonders skandalös: Trump erzeugt diese Informationen als Präsident selbst, verbreitet sie über sein eigenes Unternehmen und profitiert als Großaktionär vom Verkauf des Zeitvorsprungs. Damit wird staatliches Herrschaftswissen zur privaten Handelsware. Während Kleinanleger erst von einer Entscheidung erfahren, haben zahlungskräftige Börsenhändler ihre Positionen womöglich längst angepasst.
Ob dies juristisch bereits den Tatbestand des Insiderhandels erfüllt, müssen Gerichte und Börsenaufsicht klären. Politisch und moralisch ist das Prinzip eindeutig: öffentliche Macht wird zur persönlichen Bereicherung genutzt und ein manipulierter Markt zugunsten weniger Privilegierter geschaffen. Korruption war bei Trump gestern – heute verkauft er sie offenbar als Premiumabonnement. AP berichtet von bis zu sechs Stunden exklusivem Vorabzugang.

🔍 Hintergrund: Donald Trump
Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des Geldes Kapitalismus – Neoliberalismus

Ex-Botschafter Deutschlands in Israel: Seibert kritisiert israelische Siedlungspolitik scharf
Angesichts zunehmender Gewalt gegen Palästinenser fordert der frühere Botschafter Steffen Seibert eine Veränderung der deutschen Israelhaltung: Man müsse sich stärker gegen die Siedlungspolitik stellen.

🔍 Ein Pulverfass, das seit Jahrzehnten weiter gefüllt wird
Steffen Seiberts Kritik ist berechtigt und überfällig. Deutsche Verantwortung für Israel darf nicht bedeuten, die Politik jeder israelischen Regierung kritiklos hinzunehmen.
Der Konflikt trägt eine historische Hypothek, die seit 1947 nie aufgelöst wurde: Die UN sah damals einen jüdischen und einen arabischen Staat vor. Israel entstand – ein palästinensischer Staat bis heute nicht. Seit 1967 kommt die Besetzung palästinensischer Gebiete hinzu. Die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland einschließlich Ostjerusalems gilt nach Auffassung der Vereinten Nationen als völkerrechtswidrig.
Jede neue Siedlung schafft weitere Fakten, zerschneidet palästinensisches Gebiet und macht eine lebensfähige Zwei-Staaten-Lösung schwieriger. Damit wird nicht Sicherheit geschaffen, sondern ein Konflikt auf Dauer gestellt.
Israels Existenzrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser schließen sich nicht aus. Wer aber immer neue Tatsachen zulasten einer Seite schafft, verhindert genau jene politische Lösung, die einen dauerhaften Frieden ermöglichen könnte.
So wird das Pulverfass Nahost nicht entschärft – es wird seit Jahrzehnten weiter gefüllt.

🔍 Hintergrund: ►
Nahostkonflikt Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Anlage »He Dreiht« vor Helgoland: Größter Offshore-Windpark in Deutschland fertiggestellt
64 Windräder im Meer und Stromleitungen quer durch die Nordsee: Der Windpark »He Dreiht« kann rund 1,1 Millionen Haushalte mit grüner Energie versorgen. Trotzdem könnten weniger Windräder entstehen als geplant.

🔍 Ein Windpark zeigt, was möglich wäre
»He Dreiht« ist mehr als nur ein neuer Windpark. 64 Anlagen mit 960 Megawatt Leistung können rechnerisch rund 1,1 Millionen Haushalte versorgen – und das Projekt kommt ohne staatliche Einspeiseförderung aus.
Damit liefert die Realität einmal mehr die Antwort auf jene, die erneuerbare Energien noch immer als technisches Wunschdenken behandeln. Die Technik funktioniert, die Größenordnungen stimmen, und Windstrom kann einen erheblichen Teil unserer Energieversorgung übernehmen.
Umso alarmierender ist der zweite Teil der Nachricht: Ausgerechnet jetzt droht der weitere Offshore-Ausbau ins Stocken zu geraten. Deutschland verfügt derzeit über rund 10,8 Gigawatt Offshore-Leistung; gesetzlich vorgesehen sind mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045.
»He Dreiht« zeigt deshalb zweierlei: Die Energiewende scheitert nicht an den technischen Möglichkeiten. Sie scheitert, wenn Politik, Netzausbau und Investitionsbedingungen nicht Schritt halten. Nach Jahrzehnten verlorener Zeit können wir uns eine weitere Bremsrunde nicht leisten – schon gar nicht in einer sich immer weiter verschärfenden Klimakrise.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Wagenknecht: BSW könnte AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen
In Umfragen für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD derzeit vor der CDU. Das BSW könnte der AfD den Weg zur Landesregierung freimachen – mit einer Enthaltung.
🔍 Wagenknechts Steigbügelhalterei
Sahra Wagenknecht lässt nun endgültig die Maske fallen: Sollte ihr „überparteiliches“ Wunschmodell scheitern, will sich das BSW bei der Wahl des Ministerpräsidenten enthalten – obwohl dadurch ein AfD-Kandidat ins Amt gelangen könnte. Das wäre keine neutrale Enthaltung, sondern eine bewusst geöffnete Tür zur Macht.
Wer weiß, welche Folgen das eigene Abstimmungsverhalten haben kann, und trotzdem so handelt, trägt politische Verantwortung für das Ergebnis. Wagenknechts Gerede von einer „gescheiterten Brandmauer“ dient lediglich dazu, die eigene Annäherung an die extreme Rechte als demokratische Notwendigkeit umzudeuten. Tatsächlich macht sie das BSW zum möglichen Steigbügelhalter der AfD.
Damit zeigt sich erneut, worum es beim BSW vor allem geht: nicht um verlässliche Politik, sondern um Wagenknechts persönlichen Machtanspruch, um Ressentiments und größtmögliche Störung des demokratischen Systems. Wer bereit ist, aus taktischem Kalkül einen AfD-Ministerpräsidenten zu ermöglichen, darf sich nicht länger als linke oder soziale Alternative ausgeben. Das BSW betreibt keine Abgrenzung nach rechts – es bereitet der AfD den Weg.

🔍 Hintergrund: ►
AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Reform der Nachrichtendienste: Deutsche Geheimdienste sind zu zahm? Das wird sich ändern
Manipulieren, sabotieren, abschrecken: Die Regierung will den Nachrichtendiensten künftig erlauben, aktiv einzugreifen. Die Frage ist nur: Kann man sie kontrollieren? Eine Analyse von Christoph Heinemann und Fabian Reinbold

Reaktion auf hybride Bedrohung: Geheimdienste sollen Spione künftig aktiv verfolgen und bekämpfen dürfen
Das Bundeskabinett hat eine Gesetzesvorlage zur Reform der deutschen Nachrichtendienste von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) beschlossen. Ziel der Reform ist es, die Geheimdienste angesichts der wachsenden hybriden Bedrohung aus Moskau mit deutlich mehr Befugnissen auszustatten.

„Verfassungsrechtlich höchst bedenklich“: Kabinett will Geheimdienste stärken – und stößt auf Kritik
Die Bundesregierung will den Geheimdiensten mehr Macht geben. Kanzleramtschefin Warken spricht von der grundlegendsten Reform des BND seit Bestehen – Linke und FDP protestieren.

Die Lage am Morgen Deutschland ist im hybriden Krieg – und will dem BND den Gegenangriff erlauben
Es ist wohl mit Glück zu erklären, dass die mit Sprengstoff ausgerüstete Drohne am 4. August auf dem Flughafen Leipzig/Halle nicht explodierte. Ihr Ziel war offenbar eine ukrainische Antonow An-124; der Zünder war wohl defekt.
Russland: Russisches Haus – Ein Ende für Propaganda und Spionage?
Mitten im Wahlkampf um den Berliner Senat werden die Rufe lauter, das Russische Haus in der Friedrichstraße zu schließen. Es soll dem Kreml nicht nur zur Propaganda, sondern auch zur Spionage dienen. Ein Weg zur Schließung könnte sich abzeichnen.

🔍 Wehrhafte Demokratie braucht wirksame Kontrolle
Russische Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und Desinformation sind reale Bedrohungen. Deutschland muss sich dagegen wirksam verteidigen können. Doch ausgerechnet Geheimdiensten immer weiter reichende Überwachungs- und Eingriffsbefugnisse zu übertragen, verlangt höchste rechtsstaatliche Vorsicht.
Wenn Nachrichtendienste künftig IT-Systeme angreifen, Wohnungen heimlich betreten, verschlüsselte Kommunikation mitlesen und selbst operative Maßnahmen ergreifen dürfen, verschwimmt die aus historischen Gründen gezogene Grenze zwischen Geheimdienst und Polizei. Der schwammige Begriff der „hybriden Bedrohung“ darf dabei nicht zum Generalschlüssel für nahezu jeden Eingriff werden.
Notwendig sind deshalb eng definierte Einsatzgrenzen, vorherige richterliche Genehmigungen, eine lückenlose parlamentarische Kontrolle und wirkliche Transparenz gegenüber den Kontrollorganen. Mehr Macht ohne mindestens ebenso starke Kontrolle wäre keine Stärkung der Demokratie, sondern eine Gefahr für sie.
Eine wehrhafte Demokratie muss ihre Gegner bekämpfen können. Sie darf dabei jedoch nicht jene rechtsstaatlichen Sicherungen abbauen, die sie von autoritären Systemen unterscheidet.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Hitzewelle in Frankreich: Und jetzt auch noch eine Quallenplage
Extreme Hitze, Dürre, mit Quallen verstopfte Filter: Frankreich muss mehrere Atomkraftwerke drosseln oder gar komplett abschalten. Das führt auch zu steigenden Preisen. Von Annika Joeres, Nizza

Enorme Emissionssenkung: Größte Sandbatterie der Welt beendet Ölverbrauch
Ein neuartiges Energiespeichersystem sorgt im finnischen Pornainen für einen ökologischen Durchbruch. Die weltweit größte Sandbatterie ist seit einem Jahr im Betrieb und schont das Klima.

🔍 Zeitenwende: Wenn Quallen Atomkraft stoppen und Sand Wärme speichert
Zwei Meldungen, die kaum deutlicher zeigen könnten, vor welcher Zeitenwende unsere Energieversorgung steht: In Frankreich müssen Atomkraftwerke wegen Hitze, Dürre, zu warmem Kühlwasser und verstopfter Filter gedrosselt oder abgeschaltet werden. Die Klimakrise bedroht damit ausgerechnet jene Großkraftwerke, die angeblich jederzeit zuverlässig Strom liefern sollen – und lässt die Preise steigen.
Im finnischen Pornainen zeigt sich währenddessen die andere Seite: Eine Sandbatterie speichert preiswert erzeugten erneuerbaren Strom als Wärme. Nach einem Jahr Betrieb wurden der Ölverbrauch des örtlichen Wärmenetzes vollständig beendet, der Biomasseverbrauch um 60 Prozent und die Emissionen um 70 Prozent gesenkt. Das System erreichte dabei eine Versorgungssicherheit von 100 Prozent.
Natürlich kann eine Sandbatterie nicht allein die gesamte Energieversorgung übernehmen. Aber sie zeigt, worauf es ankommt: erneuerbare Energien, unterschiedliche Speichertechniken und dezentrale, anpassungsfähige Netze statt der Abhängigkeit von wenigen gigantischen Anlagen.
Die Zeitenwende besteht nicht darin, das alte System mit immer größerem Aufwand zu konservieren. Sie beginnt dort, wo wir endlich begreifen, dass die Klimakrise zugleich einen grundlegenden Umbau unserer Energieversorgung erzwingt.
🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Suchtgefahr durch soziale Plattformen: Mammutprozess gegen Facebook-Mutterkonzern Meta beginnt in den USA
In Kalifornien wird die Jury für einen der bisher größten Prozesse gegen Meta ausgewählt. Es geht um das Suchtpotenzial sozialer Medien. Im Raum steht eine Strafzahlung, die den Konzern ruinieren könnte.

🔍 Wer die Umwelt gestaltet, gestaltet den Menschen
Der Prozess gegen Meta berührt eine gesellschaftliche Kernfrage: Wie frei ist ein Mensch, dessen Wahrnehmung und Verhalten von Kindheit an durch gezielt konstruierte digitale Umwelten geprägt werden?
Instagram und Facebook sind keine neutralen Plattformen. Algorithmen, Endlos-Scrollen, automatische Wiedergabe, Benachrichtigungen und soziale Belohnungssysteme sollen Aufmerksamkeit möglichst lange binden. Gerade Kinder und Jugendliche treffen dabei nicht einfach „freie Entscheidungen“. Ihr Gehirn und ihre Persönlichkeit befinden sich noch in der Entwicklung – und werden durch diese Umgebung sozialisiert.
Das bestätigt die zentrale Bedeutung von Umwelt und Sozialisation: Menschen entstehen nicht unabhängig von ihren Lebensbedingungen. Wer die Kommunikationsräume beherrscht, beeinflusst Selbstbild, Bedürfnisse, Ängste, Beziehungen und schließlich auch politische Überzeugungen. Meta verkauft daher nicht nur Werbung. Der Konzern verdient daran, menschliches Verhalten zu formen und Aufmerksamkeit in Profit zu verwandeln.
Die Verantwortung darf nicht länger auf Eltern und Kinder abgeschoben werden. Wenn ein Konzern seine digitale Umwelt bewusst so gestaltet, dass sie Abhängigkeit fördert, muss er für die psychischen und gesellschaftlichen Folgen haften. Es geht nicht allein um Sucht – es geht um den Kampf um die Köpfe.

🔍 Hintergrund: ► PsychologieUmwelt und Sozialisation

Schutz der Fischbestände: Bund zahlt Nordseefischern zwölf Millionen, damit sie Betriebe aufgeben
Sie fangen Plattfische oder Krabben: 19 Fischer erhalten eine Millionenförderung vom Bund, wenn sie ihren Betrieb aufgeben. Grund sind gefährdete Fischbestände in der Nordsee.

🔍 Die Grenzen des Wachstums erreichen die Küste
Der Bund zahlt zwölf Millionen Euro, damit 19 Fischereibetriebe aufgeben und gefährdete Bestände geschont werden. Das mag als notwendige Strukturanpassung erscheinen. Tatsächlich wird daran ein grundsätzliches Problem sichtbar: Jahrzehntelang wurde so getan, als ließen sich die Erträge aus der Natur immer weiter steigern. Nun sind die ökologischen Grenzen erreicht – und die Allgemeinheit bezahlt für den Rückzug.
Überfischung bedeutet nichts anderes, als dauerhaft mehr zu entnehmen, als nachwachsen kann. Technischer Fortschritt hat diese Grenze nicht aufgehoben, sondern ihre Überschreitung beschleunigt: größere Schiffe, leistungsfähigere Ortungssysteme und effizientere Fanggeräte ermöglichten immer höhere Entnahmen – bis sich der vermeintliche Fortschritt gegen seine eigene wirtschaftliche Grundlage richtete.
Hinzu kommt der Klimawandel als Brandbeschleuniger. Die Nordsee erwärmt sich, Arten wandern in kühlere Regionen ab, Nahrungsketten und Fortpflanzungsbedingungen verändern sich. Fischerei und Erderwärmung verstärken damit gegenseitig ihre zerstörerischen Folgen.
Die Grenzen des Wachstums sind keine abstrakte Theorie aus dem Jahr 1972. Sie werden überall sichtbar – in vertrockneten Wäldern, erschöpften Böden, sinkenden Grundwasserspiegeln und nun auch in den Netzen der Nordseefischer. Auf einem endlichen Planeten kann nicht unbegrenzt entnommen werden.

🔍 Hintergrund: ► Klimawandel Kapitalismus – Neoliberalismus Zeitenwende

Angriffskrieg gegen Ukraine: Selenskyj warnt vor neuer Mobilmachung durch Putin – und legt neuen Friedensplan vor
Schon mehrfach hat die Regierung in Kyjiw dem Kreml vorgehalten, eine neue Mobilisierung vorzubereiten. Jetzt nennt Präsident Selenskyj Zahlen und einen konkreten Zeitraum. Zugleich macht er den USA Vorschläge zur Beendigung des Kriegs.

🔍 Wer Frieden will, mobilisiert nicht für den nächsten Angriff
Selenskyjs Warnung vor einer neuen russischen Mobilmachung ist bislang eine auf ukrainische Geheimdienstinformationen gestützte Prognose. Sollte Putin jedoch nach der russischen Parlamentswahl tatsächlich Hunderttausende weitere Soldaten einziehen, wäre dies ein unmissverständliches Zeichen: Der Kreml bereitet keinen Frieden vor, sondern die Fortsetzung und möglicherweise weitere Eskalation seines Angriffskrieges.
Gleichzeitig hat die Ukraine den USA neue Vorschläge zur Beendigung des Krieges übermittelt. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Politisch ist der Gegensatz dennoch deutlich: Kyjiw sucht erneut einen diplomatischen Weg, während Moskau seine Streitkräfte vergrößert, die Rüstungsproduktion hochfährt und sich immer stärker auf Waffen und Soldaten aus Nordkorea stützt.
Friedensverhandlungen sind notwendig. Sie dürfen aber nicht mit der Illusion geführt werden, Putin müsse nur ein gesichtswahrender Ausweg angeboten werden. Wer Verhandlungen parallel zur militärischen Aufrüstung nutzt, um Zeit für den nächsten Angriff zu gewinnen, sucht keinen Kompromiss.
Die USA und Europa müssen deshalb beides tun: ernsthafte Verhandlungen unterstützen und zugleich den militärischen sowie wirtschaftlichen Druck auf Russland erhöhen. Frieden entsteht nicht dadurch, dass man den Angegriffenen zur Kapitulation drängt, sondern indem man dem Angreifer die Aussicht nimmt, mit Gewalt weitere Ziele erreichen zu können.

🔍 Hintergrund: ►
Ukraine-Krieg

Vor Midterms in den USA: Gericht blockiert landesweit die verschärften Briefwahlregeln von Donald Trump
Die Briefwahl ist Donald Trump schon länger ein Dorn im Auge, denn sie ist wichtig für die Demokraten. Doch sein Versuch, die Regeln zu verschärfen, ging nach hinten los. Eine Bundesrichterin untersagte die Pläne.
Gesundheitspolitik in den USA: Trump-Regierung streicht Finanzierung für Operationen von trans Kindern
Ein umstrittener TV-Arzt und der US-Präsident sind sich einig: Staatlich finanzierte Behandlungen von transgeschlechtlichen Kindern sind ab Oktober Geschichte. Es ist eine neue Eskalation im Kampf gegen Minderheiten.
In New York: Menschenrechtsgruppen verklagen US-Regierung wegen Sanktionen gegen IStGH
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will den Internationalen Strafgerichtshof eigenen Worten nach »zerlegen«. Dafür verhängte sie Sanktionen gegen Richter und Ankläger. Mehrere Organisationen klagen dagegen.

🔍 Drei Fronten desselben autoritären Umbaus
Auf den ersten Blick geht es um Briefwahl, medizinische Versorgung und den Internationalen Strafgerichtshof. Tatsächlich zeigen alle drei Fälle denselben Rechtsruck: Die Trump-Regierung versucht, demokratische Beteiligung zu erschweren, eine kleine Minderheit zum Feindbild zu machen und unabhängige Rechtsinstitutionen auszuschalten.
Die verschärften Briefwahlregeln hätten besonders jene getroffen, die auf diese Form der Stimmabgabe angewiesen sind. Bei trans Jugendlichen greift die Regierung aus ideologischen Gründen in medizinische Entscheidungen von Ärzten, Eltern und Betroffenen ein. Und wer Richter und Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs sanktioniert, weil sie mögliche Kriegsverbrechen untersuchen, stellt politische Macht über das Recht.
Dieser autoritäre Umbau wird von einem mächtigen Teil des Silicon Valley unterstützt. Milliardäre und Investoren wie Peter Thiel, Marc Andreessen und andere finanzieren rechte Netzwerke, liefern die ideologischen Konzepte und stellen mit Plattformen, Datenanalyse und Überwachungstechnologien zugleich die Infrastruktur bereit. Ihr Ziel ist nicht weniger Staat, sondern ein Staat, der demokratische Kontrolle abbaut und wirtschaftliche sowie technologische Macht schützt.
Dass Gerichte und Menschenrechtsorganisationen Widerstand leisten, ist ermutigend. Es zeigt aber auch, wie weit der Angriff bereits reicht. Die USA erleben keinen gewöhnlichen konservativen Politikwechsel, sondern einen systematischen Angriff auf Minderheitenrechte, Gewaltenteilung und demokratische Teilhabe.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump
Rechtsruck im Silicon Valley Die Heritage Foundation und die Architektur der Macht (Essay) Project 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay)

Spannungen in Ostasien: Nordkorea feuert erneut ballistische Rakete ab – Anrainer warnen vor Risiken unangekündigter Tests
Im Juli testete China eine ballistische Rakete von einem U-Boot aus. Nun folgt Nordkorea mit einem Start vom Festland. Dutzende Staaten kritisieren die unangekündigten Tests und warnen vor folgenschweren Fehleinschätzungen.

🔍 Ein Irrtum kann den Krieg auslösen
Nordkoreas erneuter Raketenstart ist mehr als eine weitere Provokation. In einer Region, in der sich Nordkorea, China, Russland, die USA, Japan und Südkorea zunehmend militärisch gegenüberstehen, kann ein unangekündigter Test innerhalb weniger Minuten als tatsächlicher Angriff missverstanden werden.
Frühwarnsysteme erkennen zunächst nur den Start und die Flugbahn einer ballistischen Rakete – nicht zuverlässig deren politische Absicht oder Art des Sprengkopfes. Regierungen müssen unter extremem Zeitdruck entscheiden, ob sie abwarten oder reagieren. Eine technische Fehlmeldung, eine falsch berechnete Flugbahn oder eine Fehlinterpretation kann so eine militärische Gegenreaktion auslösen, die anschließend kaum noch einzufangen ist.
Dass im Juli auch China eine ballistische Rakete von einem U-Boot testete, zeigt die gefährliche Dynamik: Jede Seite erklärt ihre eigene Aufrüstung zur notwendigen Abschreckung und die Aufrüstung der anderen zur Bedrohung. So entsteht eine Eskalationsspirale, in der immer mehr Waffen angeblich für Sicherheit sorgen sollen – tatsächlich aber das Risiko einer Katastrophe erhöhen.
Die Forderung nach verbindlichen Vorankündigungen, direkten Kommunikationskanälen und neuen Rüstungskontrollabkommen ist deshalb keine diplomatische Nebensache. In einer Welt nuklear bewaffneter Staaten kann bereits ein Missverständnis genügen, um Millionen Menschenleben zu gefährden.

🔍 Hintergrund: ►
Nordkorea

Nach Ceuta-Krise: Schwedens Premier kanzelt Spaniens Flüchtlingspolitik ab
»Wir akzeptieren keine unkontrollierte Migration«: Die Rechtspopulistin Giorgia Meloni aus Italien und die Sozialdemokratin Mette Frederiksen aus Dänemark haben ein gemeinsames Manifest veröffentlicht. Nun legt Schwedens Premier nach.

🔍 Grenzen sichern, Ursachen verdrängen
„Wir akzeptieren keine unkontrollierte Migration“ – darüber können sich inzwischen Rechtspopulisten, Konservative und Sozialdemokraten verständigen. Doch über die globale Schieflage, die Menschen zur Flucht treibt, wird kaum gesprochen.
Europa verteidigt seinen Wohlstand, während Kriege, Armut, Hunger, wirtschaftliche Ausbeutung und die Folgen des Klimawandels ganze Regionen destabilisieren. Ausgerechnet die reichen Industriestaaten, die historisch den größten Teil der Treibhausgase verursacht und über Jahrzehnte von ungerechten Handelsstrukturen profitiert haben, reagieren auf die Folgen vor allem mit Grenzzäunen, Abschiebungen und Lagern außerhalb Europas.
Natürlich braucht Migration Regeln. Aber wer ausschließlich Fluchtwege blockiert, ohne Fluchtursachen zu bekämpfen, verschiebt das Problem und verschärft das Elend. Notwendig wären fairer Handel, Schuldenerlasse, Klimafinanzierung, Investitionen in Bildung, Gesundheitsversorgung und erneuerbare Energien sowie eine Außenpolitik, die nicht länger mit Diktatoren kooperiert, solange sie Europas Interessen bedienen.
Solange sich die globale Schieflage weiter verschärft und der Klimawandel Lebensgrundlagen zerstört, werden Menschen fliehen. Kein Zaun der Welt kann diese Ursachen beseitigen. Europas Flüchtlingspolitik beginnt deshalb nicht in Ceuta, sondern bei der Frage, welchen Anteil Europa selbst an den Verhältnissen hat.

🔍 Hintergrund: ► Klimawandel Die globale Schieflage (Essay)Zeitenwende

11.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

20:15 | ARTE
Die Bibelfälscher (1 + 2)
In den frühen 2000er Jahren sorgen außergewöhnliche Funde für Aufsehen: Archäologen stoßen auf bisher unbekannte Fragmente der Bibel. Sammler und Forscher reißen sich um die kostbaren Pergamente. Doch ein namhafter Epigraphiker erhebt Zweifel an ihrer Echtheit. Seine Recherchen führen uns an die Schnittstelle von Macht, Manipulation und religiösem Fanatismus.

🔍 Hintergrund: ► Religion Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

23:35 | ARTE
Der Kampf um Jerusalem
Jerusalem steht mit rund eine Million israelischen und palästinensischen Einwohnern mehr denn je im Zentrum des Nahostkonflikts. Die Dokumentation beleuchtet die politischen und religiösen Hintergründe des Kampfes um Jerusalem und ordnet Ereignisse historisch ein. Zu Wort kommen Protagonisten des Konflikts und Experten.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Nächste Hitzewelle rollt an: England zu mehr als 70 Prozent von Dürre betroffen
Über mangelnden Regen können sich die Menschen in England normalerweise nicht beschweren. In diesem Sommer ist das anders. Inzwischen wird sogar vor Engpässen bei Lebensmitteln gewarnt.
Angespannte Lage in Hessen: Menschen im Main-Kinzig-Kreis sollen nicht mehr duschen – weil der Wald brennt
An der Grenze zwischen Hessen und Bayern tobt ein Waldbrand auf mehr als 30.000 Quadratmetern. Für die Bevölkerung in Freigericht, Bruchköbel und Langenselbold bedeutet dies erhebliche Einschränkungen, nicht zuletzt im Badezimmer.
NRW-Verkehrsminister Krischer im ZDF: Wassernot am Rhein: „Die Klimakrise trifft uns volle Pulle“
Die Pegelstände am Rhein sinken immer weiter, die Binnenschifffahrt droht eingestellt zu werden. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer fordert mehr Geld vom Bund.
Spritpreise Niedrigwasser am Rhein macht Tanken teurer
In Nordrhein-Westfalen und Hessen müssen Autofahrer derzeit mehr für Sprit zahlen als etwa in Bayern. Das liegt an Problemen beim Transport von Kraftstoffen.

🔍 Die Zeitenwende ist längst da
England kämpft mit Dürre und warnt vor Engpässen bei Lebensmitteln. In Hessen sollen Menschen Wasser sparen, weil Löschwasser für Waldbrände gebraucht wird. Am Rhein sinken die Pegel so stark, dass die Binnenschifffahrt gefährdet ist – und weil Tanker weniger laden können, steigen bereits die Spritpreise.
Das sind keine voneinander unabhängigen Meldungen. Sie zeigen, wie aus der Klimakrise zunehmend eine Wirtschafts-, Versorgungs- und Infrastrukturkrise wird.
Jahrzehntelang wurde Klimaschutz vor allem als Kostenfaktor dargestellt. Jetzt wird sichtbar, wie teuer das Nichthandeln tatsächlich wird: Ernteausfälle, Waldbrände, Wassermangel, höhere Transportkosten, steigende Lebensmittel- und Energiepreise, Schäden an Infrastruktur und Milliarden für Anpassung und Katastrophenschutz.
Die eigentliche Zeitenwende findet deshalb nicht in Sonntagsreden statt. Sie vollzieht sich vor unseren Augen. Die Frage ist nur, ob wir sie gestalten – oder von ihr überrollt werden.
Denn das Zeitfenster, eine noch wesentlich kostspieligere und gefährlichere Entwicklung zu verhindern, schließt sich. Jedes weitere verlorene Jahr erhöht nicht nur die ökologischen Schäden, sondern auch die Rechnung, die wir alle bezahlen werden.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Australiens Ostküste: Korallen am Great Barrier Reef erholen sich nach Abkühlung
Das weltberühmte Korallenriff vor Australiens Ostküste erholt sich, nach Jahren mit schweren Bleichen. Ein später Monsun kühlt das Wasser spürbar ab, die Nesseltiere erholen sich. Dennoch bleibt das Naturwunder unter Druck.
🔍 Eine Atempause, keine Entwarnung
Dass sich Korallen am Great Barrier Reef nach der Abkühlung des Wassers erholen, ist eine gute Nachricht – aber kein Gegenbeweis zur Klimakrise. Es zeigt vielmehr, wie unmittelbar das Überleben dieser einzigartigen Ökosysteme von der Temperatur abhängt.
Ein später Monsun kann vorübergehend Erleichterung bringen. Die langfristige Erwärmung der Ozeane verschwindet dadurch nicht. Weitere marine Hitzewellen und Korallenbleichen bleiben eine existenzielle Gefahr.
Die Natur besitzt erstaunliche Regenerationskräfte – wenn wir ihr noch die Chance dazu lassen.

Kommunen in Finanznot: Städtetags-Präsident warnt vor »explosiver Stimmung« in Rathäusern
Deutschlands Kommunen stehen unter finanziellem Druck. Städtetags-Präsident Burkhard Jung fordert die Bundesregierung jetzt mit eindringlichen Worten zum Handeln auf.

🔍 Wenn Kommunen ausbluten, wird es zum sozialen Sprengsatz
Wenn Städte und Gemeinden Schwimmbäder schließen, bei Schulen, Kitas, Straßen oder Nahverkehr sparen und gleichzeitig Gebühren erhöhen müssen, trifft das zuerst den Alltag der Menschen. Dauerhafte kommunale Finanznot ist deshalb nicht nur ein Haushaltsproblem – sie wird zum sozialen Sprengsatz.
Dabei stellt sich zwangsläufig die Verteilungsfrage. Das Grundgesetz sagt nicht ohne Grund: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Wenn der Staat an seiner Basis finanziell ausblutet, während große Vermögen weiter wachsen, ist eine stärkere Beteiligung sehr hoher Einkommen und Vermögen kein Tabubruch, sondern eine Frage politischer Verantwortung.
Eine ernsthafte Debatte über Reichensteuer, Vermögensteuer und eine gerechtere Erbschaftsbesteuerung wäre deshalb längst überfällig. Wer den Kommunen immer neue Aufgaben überträgt, muss ihnen auch die Mittel dafür geben. Sonst spart der Staat dort, wo Demokratie für die Menschen unmittelbar sichtbar wird.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Dekret zu Immunisierungen: Trump will weniger Kinderimpfungen empfehlen
Donald Trump baut die US-Impfpolitik für Kinder um – mit einer bemerkenswerten historischen Begründung. Zudem spricht er erneut vom möglichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.
Konflikt zwischen Washington und Teheran: Trump fordert Entschädigung von Iran
US-Präsident Donald Trump knüpft Verhandlungen mit Iran an Entschädigungszahlungen. Teheran solle Opfer iranischer Gewalt und deren Angehörige entschädigen – auch für Schäden in Nahost.
Zehnter US-Bundesstaat: Massachusetts hebt 24-Wochen-Grenze bei Schwangerschafts-Abbrüchen auf
In den USA unter Trump wird der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen stark eingeschränkt. Anders nun in Massachusetts. Ein neues Gesetz gibt Ärzten die alleinige Entscheidungshoheit zurück.

🔍 Wenn Ideologie über Wissenschaft und Recht gestellt wird
Drei Meldungen, ein Muster: In den USA wird immer grundsätzlicher darum gerungen, wer über Fakten, Körper und persönliche Freiheit bestimmen darf.
Trump verändert die Impfempfehlungen für Kinder und bringt erneut den wissenschaftlich widerlegten Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus ins Spiel. Auf Nachfrage räumte er für eine seiner Warnungen sogar selbst ein, keine Belege zu haben. Gleichzeitig fordert er von Iran Entschädigungen und macht Teheran sogar für den Anschlag auf die USS Cole verantwortlich – obwohl dieser nach FBI-Ermittlungen von al-Qaida geplant und ausgeführt wurde.
Massachusetts setzt einen Gegenakzent: Bei medizinisch komplexen Schwangerschaften soll nach der 24. Woche stärker die ärztliche Beurteilung entscheiden statt eines starren gesetzlichen Kriterienkatalogs.
Es geht damit um mehr als Impfungen, Iran oder Schwangerschaftsabbrüche. Es geht um die Grenze politischer Macht. Wo wissenschaftliche Erkenntnisse durch Behauptungen ersetzt und höchstpersönliche medizinische Entscheidungen ideologisiert werden, gerät eine liberale Gesellschaft an ihre Substanz.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpRechtsruck im Silicon ValleyProject 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay)

Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt bestätigt: AfD-Mitgliedern darf Waffenerlaubnis entzogen werden
Wer den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt unterstützt, besitzt laut Gericht »nicht die für den Waffenbesitz erforderliche waffenrechtliche Zuverlässigkeit«. Die Beschlüsse könnten dafür sorgen, dass AfD-Mitglieder entwaffnet werden.
🔍 Waffen sind kein politisches Grundrecht
Die Entscheidung ist konsequent. Wer eine Vereinigung unterstützt, die nach gerichtlicher Prüfung gegen Menschenwürde und demokratische Grundordnung agiert, kann nicht selbstverständlich die besondere waffenrechtliche Zuverlässigkeit für sich beanspruchen.
Dabei geht es weder um ein Parteiverbot noch um Gesinnungsjustiz. Waffenrecht ist Gefahrenabwehr: Der Staat muss nicht erst warten, bis etwas passiert. Genau das stellt das Oberverwaltungsgericht klar.

Eine wehrhafte Demokratie muss nicht tatenlos zusehen, bis aus Verfassungsfeindlichkeit bewaffnete Gefahr wird.
🔍 Einordnung: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Opposition in Russland: Oberster Gerichtshof schließt Antikriegspartei Jabloko von Duma-Wahl aus
Erst war Jabloko überraschend zur Duma-Wahl im September zugelassen worden. Jetzt darf die einzige kriegskritische Partei in Russland doch nicht teilnehmen. Sie will das Urteil anfechten.
Die Angst des Kreml vor der Friedenstaube
Heute geht es um das Verbot der einzigen russischen Antikriegspartei vor den Pseudowahlen. Von Mathieu von Rohr
Gerichtsurteil in Russland Antikriegspartei Jabloko wehrt sich gegen Wahlausschluss
Russlands Oberstes Gericht hat die Oppositionspartei Jabloko von der Duma-Wahl im September ausgeschlossen. Deren Chef will gegen das Urteil vorgehen: »Nichts ist vorbei. Alles fängt erst an«. Die Chancen auf Erfolg sind gering.
Luftangriffe auf Kyjiw und andere Städte Russland greift Ukraine erneut mit ballistischen Raketen an – mehrere Tote
Während die Ukraine tief im russischen Hinterland attackiert, startet Russland weitere Angriffe mit ballistischen Raketen auf ukrainische Städte. In Saporischschja sind mindestens sechs Menschen getötet worden.

Stalinismus im heutigen Russland: Wie Putin einen Massenmörder rehabilitiert
Für Machthaber Wladimir Putin verkörpert Josef Stalin die imperiale Größe, die er selbst anstrebt. Wer heute in Russland an die Verbrechen des Sowjetdiktators erinnert, wird zum Staatsfeind erklärt.
Von Ann-Dorit Boy und Christina Hebel, Hamburg und Moskau
Urteil live im Staatsfernsehen verlesen: Syriens Ex-Diktator Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt
Nach seinem Sturz im Dezember 2024 floh Syriens früherer Diktator nach Russland. Nun hat ihn ein syrisches Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Auch gegen enge Verwandte des Ex-Präsidenten wurde die Höchststrafe verhängt.

🔍 Putins Russland: Krieg nach außen, Repression nach innen
Das Bild fügt sich erschreckend sauber zusammen: Die einzige offen kriegskritische Partei wird von der Duma-Wahl ausgeschlossen, während russische Raketen erneut ukrainische Städte treffen und Menschen töten. Gleichzeitig wird Stalin, einer der größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts, Schritt für Schritt rehabilitiert. Wer an seine Verbrechen erinnert, gilt zunehmend als Feind.
Das ist kein Zufall, sondern System. Putins Russland braucht den Krieg nach außen und das Schweigen nach innen. Eine wirkliche Opposition könnte Fragen stellen, die für den Kreml gefährlicher sind als jede Rakete: Warum dieser Krieg? Warum die Opfer? Warum die Unterdrückung? Warum die Verherrlichung eines Diktators?
Und dann ist da Assad: nach seinem Sturz nach Russland geflohen, nun in Syrien in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Zuflucht beim richtigen Freund, wo sollte ein gestürzter Autokrat auch besser aufgehoben sein als bei einem Regime, das selbst Opposition ausschaltet, historische Verbrechen relativiert und imperiale Gewaltpolitik betreibt?
Putin schützt nicht Demokratie und Recht – er schützt ein Herrschaftsmodell. Und Assad passt darin ausgezeichnet ins Bild.

🔍 Hintergrund: ►
Ukraine-Krieg


10.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

22:45 | NDR
Die Brücke
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs erhält eine Gruppe unbedarfter Oberschüler den militärisch sinnlosen Auftrag, eine Brücke in ihrem Heimatort zu verteidigen. Von der Nazi-Ideologie verblendet, halten die Jungs den Krieg für ein Abenteuerspiel – bis einer von ihnen von einem Tiefflieger niedergemäht wird. Getrieben von Rache und wahnwitzigem Patriotismus, stellen die Kindersoldaten sich einem übermächtigen US-Panzerverband entgegen. Nur einer von ihnen überlebt das sinnlose Gemetzel.
Nach dem autobiografischen Roman von Manfred Gregor schuf Bernhard Wicki einen der bedeutendsten deutschen Antikriegsfilme. „Die Brücke“ erhielt 1959 eine „Oscar“-Nominierung für den Besten Fremdsprachigen Film. In dem erschütternden Drama spielten unter anderem Cordula Trantow, Günter Pfitzmann und der junge Fritz Wepper.

00:02 | 3sat
37°: Zwischen uns die Wahrheit
Debatten über Corona, Kriege oder verborgene Interessen spalten nicht nur in Talkshows; sie belasten Familien und Freundschaften. Was bleibt, wenn jeder seine eigene Wahrheit hat?

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Klimakrise: In Westeuropa war es im Juni und Juli so heiß wie noch nie
Hitzewellen, Trockenheit, Waldbrände: Die ersten beiden Sommermonate waren in Westeuropa von Extremen geprägt. Laut dem EU-Klimadienst Copernicus heizten sich auch die Weltmeere auf Rekordniveau auf.
Trockenheit und Hitze: Fallende Blätter im Hochsommer: So leiden Bäume unter Hitze
Überall wirbeln trockene Blätter herum. Das Laub fängt bereits an, sich zu verfärben. Grund ist die anhaltende Trockenheit. Welche Folgen das für unsere Bäume und Wälder hat.
Alarmierende Pegelstände Binnenschiffer befürchten Unterbrechung der Rhein-Route
Die Interessenvertreter schlagen Alarm: Wenn Regen weiterhin ausbleibt, werden die Schiffer des Rheins sich aufteilen müssen: Die einen befahren den Nordrhein, die anderen die Region im Süden.
Studie zur Konjunktur: Extremtemperaturen bremsen Wirtschaftswachstum in der EU
Die Hitze setzt vielen Staaten in Europa schwer zu – und wird laut einer Studie der Konjunktur im EU-Raum einen Dämpfer verpassen.
Flugausfälle und Evakuierungen: Behörden in Ostchina bringen eine Million Menschen wegen Taifun in Sicherheit
Ein Taifun bringt dem dicht besiedelten Osten Chinas heftige Regenfälle und Überschwemmungen. Weit über 1000 Flugverbindungen wurden gestrichen, mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Waldbrände in Kanada: „Es hat ewig nicht geregnet“
Der Waldbrand im Südwesten Kanadas ist weiter außer Kontrolle. Etwa 20.000 Menschen mussten bereits fliehen. Für viele ist ungewiss, ob ihre Häuser danach noch stehen. Doch die Hilfsbereitschaft ist groß. Von Giselle Ucar, ARD New York
Projekt in Texas: Amazon finanziert größtes Gaskraftwerk der USA, um eigene KI-Rechenzentren anzutreiben
Ein neues Kraftwerk mit 35 Gasturbinen in Texas könnte zur größten Quelle von CO₂-Emissionen der USA werden. Doch im öffentlichen Stromnetz landet die Energie nicht, sie ist für Amazon reserviert.

🔍 Die Rechnung für die verlorenen Jahrzehnte kommt längst
Man muss die Meldungen nur nebeneinanderlegen: Westeuropa erlebt Rekordhitze, Wälder leiden unter Trockenheit, der Rhein droht als Verkehrsader auszufallen, Extremtemperaturen bremsen bereits die Wirtschaftsleistung. In Kanada fliehen Zehntausende vor Waldbränden, in China werden mehr als eine Million Menschen wegen eines Taifuns evakuiert.
Nicht jedes einzelne Extremereignis lässt sich unmittelbar dem Klimawandel zuschreiben. Das Gesamtbild aber ist eindeutig: Mit steigenden Temperaturen nehmen Risiken, Schäden und Folgekosten zu.
Damit wird das alte Argument, Klimaschutz sei „zu teuer“, zunehmend absurd. Wetter- und klimabedingte Schäden kosten Europa längst Milliarden. Der IPCC kommt in vielen Berechnungen zu dem Ergebnis, dass der wirtschaftliche Nutzen einer Begrenzung der Erwärmung die Kosten der notwendigen Emissionsminderung übersteigt. Wir erreichen also nicht irgendwann den Punkt, an dem Nichtstun teurer wird als Handeln – wir sind längst dabei, ihn zu überschreiten.
Und während diese Rechnung immer deutlicher wird, soll für Amazons KI-Rechenzentren in Texas ein gigantisches Gaskraftwerk mit 35 Turbinen entstehen. Das ist der Irrsinn in einem Bild: Wir bauen die digitale Zukunft mit den Technologien des fossilen Zeitalters und sozialisieren anschließend die Schäden.
Das Zeitfenster schließt sich. Und deshalb gehört zur Debatte auch die Frage, warum so viel Zeit verloren ging.
Die konservative Partei, von der wir in Deutschland sprechen, heißt CDU. CDU und CSU haben die Energiewende über Jahre gebremst, verwässert und teilweise zurückgedreht. Dabei lag der Weg längst auf dem Tisch: Die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder brachte 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz den entscheidenden Durchbruch. Einer der maßgeblichen Vordenker und Antreiber war Hermann Scheer.
Wer heute als Konservativer ernsthaft Klimaschutz betreiben will, müsste deshalb zunächst in der eigenen Partei aufräumen: Schluss mit der Blockade von Wind- und Solarenergie, Schluss mit der Diffamierung notwendiger Maßnahmen und Schluss mit der Übernahme rechtspopulistischer Narrative. Die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen wäre eigentlich ein zutiefst konservatives Anliegen.
Aber auch die Medien müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her. Seit Jahrzehnten liegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Tisch. Trotzdem wurden Zweifel, Relativierungen und klimaskeptische Positionen immer wieder verstärkt. Auch der SPIEGEL sollte kritisch auf seine eigene Geschichte schauen.
Während Stefan Austs Zeit als SPIEGEL-Chefredakteur von 1994 bis 2008 veröffentlichte das Magazin auch Beiträge und Titelgeschichten, die die Gefahren des Klimawandels relativierten. Besonders deutlich wurde das 2007 mit dem Titel „Die große Klima-Hysterie“. Dass Aust selbst der wissenschaftlich etablierten Erklärung des menschengemachten Klimawandels skeptisch gegenüberstand, ist durch spätere eigene Äußerungen belegt.
Wer heute fragt, warum viele Menschen nicht ausreichend klimabewusst handeln, sollte deshalb nicht nur auf den Einzelnen zeigen. Er muss auch fragen, welchen Anteil Politik, Wirtschaft und Medien daran hatten, dass trotz jahrzehntelanger Warnungen so wenig geschah.
Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr: Können wir uns Klimaschutz leisten? Sondern: Wie lange können wir es uns noch leisten, ihn weiter zu verschleppen?

🔍 Hintergrund: ►
KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Appell an IG Metall: Unternehmer Stihl fordert Abschaffung der 35-Stunden-Woche
Nikolas Stihl betrachtet die 35-Stunden-Woche als Luxus vergangener Tage. Seine Forderungen dürften Zündstoff für die Tarifgespräche im Herbst liefern.

🔍Ewiggestrige Antworten auf die Zukunft
Nikolas Stihl hält die 35-Stunden-Woche für einen Luxus, den Deutschland sich nicht mehr leisten könne, und fordert längere Arbeitszeiten – sogar ohne Lohnausgleich.
Das ist eine Antwort aus dem vergangenen Jahrhundert auf die Probleme des 21. Jahrhunderts.
Wir erleben gleichzeitig eine rasante Automatisierung von Produktion und Dienstleistungen. KI und Robotik übernehmen immer mehr Aufgaben; selbst humanoide Roboter verlassen inzwischen die Versuchslabore und werden für industrielle Einsätze vorbereitet. Die entscheidende Zukunftsfrage müsste deshalb lauten: Wie verteilen wir die enormen Produktivitätsgewinne? In höhere Unternehmensgewinne und immer weiteres Wachstum – oder auch in kürzere Arbeitszeiten und bessere Lebensqualität?
Hinzu kommt eine noch grundsätzlichere Frage: Was hat eigentlich Vorrang – Klimaschutz oder bedingungsloses Wirtschaftswachstum?
Auf einem endlichen Planeten kann die Antwort nicht dauerhaft lauten: immer mehr produzieren, immer mehr konsumieren, immer mehr Ressourcen verbrauchen und dafür auch noch immer länger arbeiten. Gerade angesichts einer eskalierenden Klimakrise ist diese Vorstellung geradezu anachronistisch.
Das Problem liegt tiefer. Unser gegenwärtiger Kapitalismus ist darauf angewiesen, Produktivitätssteigerungen möglichst in zusätzliches Wachstum umzusetzen. Selbst wenn Maschinen einen immer größeren Teil der Arbeit erledigen können, lautet die politische Forderung deshalb nicht: Lasst uns weniger arbeiten, sondern: Wir müssen noch mehr leisten, damit die Wirtschaft weiter wächst.
Genau hier müsste eine Debatte über die Zukunft beginnen. Technischer Fortschritt sollte Menschen von Arbeit entlasten und gleichzeitig helfen, Ressourcenverbrauch und Emissionen zu senken.
Zukunftslösungen sehen anders aus als die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – Neoliberalismus KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

Konflikte im Nahen Osten: Gaza-Friedensplan und Iranverhandlungen – für Trump hagelt es schlechte Nachrichten
Der US-Präsident versucht, die jüngsten Rückschläge bei den Verhandlungen mit Teheran kleinzureden. Und aus Israel kommt eine Ansage, die Donald Trump gar nicht gefallen dürfte. Der Überblick.
Trump über Iran-Krieg: „Es ist wie eine Schachpartie“
In Bezug auf Iran halten sich die USA nach Angaben von Präsident Trump derzeit zurück. Er setze auf Zeit und einen wirtschaftlichen Kollaps des Landes. Neue Forderungen aus Teheran kommentierte er betont gelassen.
Premier gegen Vorschlag des Friedensrats Israel lehnt Trumps 15-Punkte-Friedensplan für Gaza ab
Der vom US-Präsidenten initiierte Gaza-Friedensrat schlägt eine Entwaffnung der Hamas und einen Abzug des israelischen Militärs aus Gaza vor. Doch Benjamin Netanyahu erteilt dem Plan eine Absage.

🔍 Eine Sackgasse, die immer gefährlicher wird
Donald Trump nennt den Konflikt mit Iran eine „Schachpartie“. Doch auf diesem Brett stehen keine Figuren, sondern Millionen Menschen, Handelswege, Energieversorgung und die Stabilität einer ganzen Region.
Im Iran-Konflikt setzt Washington inzwischen offenbar darauf, dass wirtschaftlicher Druck und die Blockade iranischer Häfen Teheran irgendwann zum Einlenken zwingen. Doch Iran verlangt seinerseits weitreichende Zugeständnisse und hat über die Straße von Hormus ein erhebliches Druckmittel gewonnen. Selbst Experten bezweifeln, dass wirtschaftlicher Druck allein Teheran zur Aufgabe seiner strategischen Ziele bewegen wird.
Gleichzeitig gerät auch Trumps Gaza-Politik in eine Sackgasse. Sein neuer 15-Punkte-Plan sieht die Entwaffnung der Hamas und einen schrittweisen Rückzug israelischer Truppen vor. Hamas erklärt sich grundsätzlich an die ausgehandelte Roadmap gebunden, verlangt aber, dass Israel zuerst mit Rückzug und Angriffsstopp beginnt. Netanyahu wiederum erklärt, Israel werde keinen Rückzug beginnen, bevor die Hamas vollständig entwaffnet sei. Damit blockieren sich die Voraussetzungen gegenseitig.
Das eigentliche Problem reicht deshalb tiefer als ein gescheiterter Friedensplan. Militärische Macht kann Anlagen zerstören, Gegner schwächen und Territorien besetzen. Wirtschaftlicher Druck kann Staaten verarmen lassen. Aber weder Bomben noch Sanktionen beantworten die entscheidende Frage: Wie soll danach Frieden entstehen?
Genau daran droht die gesamte Nahostpolitik zu scheitern. Iran lässt sich offenbar nicht zur Kapitulation zwingen. Hamas verschwindet nicht einfach aus der politischen Realität Gazas. Und Netanyahu steht innenpolitisch unter erheblichem Druck von Kräften, die selbst einem Rückzug aus Gaza widersprechen.
Trump kann das eine „Schachpartie“ nennen. Tatsächlich sieht es eher nach einer Partie aus, in der immer weiter eskaliert wurde, ohne vorher zu überlegen, wie ein erreichbares Endspiel aussehen könnte.
Aus dieser Sackgasse führt letztlich nur Diplomatie – aber Diplomatie setzt Kompromissbereitschaft voraus. Und genau die ist auf allen Seiten derzeit das knappste Gut.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Rechtsruck im Silicon Valley Nahostkonflikt Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay) Zeitenwende

Putins Angriffskrieg: Russland meldete mehrere Tote und Verletzte bei ukrainischer Drohnenattacke
Es ist einer der wohl schwersten Gegenangriffe der Ukraine seit Kriegsbeginn: Bei einer Drohnenattacke auf die zentralrussische Region Tatarstan gibt es russischen Angaben zufolge zwölf Tote und Dutzende Verletzte.

🔍 Der Krieg frisst sich immer tiefer in beide Länder
Die Lage spitzt sich weiter zu. Ukrainische Drohnen erreichen inzwischen Ziele weit im russischen Hinterland – diesmal Nischnekamsk in Tatarstan, rund 1.600 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Mindestens 13 Menschen wurden nach russischen Angaben getötet, Dutzende verletzt. Offenbar galt der Angriff auch einer großen Ölraffinerie, also jener Infrastruktur, aus deren Erlösen Russland seinen Krieg mitfinanziert.
Dass die Ukraine versucht, Russlands Kriegswirtschaft zu treffen, ist angesichts des seit 2022 andauernden russischen Angriffskrieges nachvollziehbar. Aber sobald Zivilisten sterben, zeigt sich erneut, wohin die fortschreitende Eskalation führt: Der Krieg dringt immer tiefer in die Gesellschaften beider Länder ein.
Russland bombardiert seit Jahren ukrainische Städte und zivile Infrastruktur; zugleich trägt die Ukraine den Krieg zunehmend weit nach Russland hinein. Auch am selben Wochenende gab es auf beiden Seiten erneut zivile Tote.
Damit wächst nicht nur die Zahl der Opfer, sondern auch die Gefahr einer weiteren Eskalationsspirale: größere Reichweiten, mehr Drohnen, härtere Gegenschläge, immer weniger sichere Räume.
Dabei darf Ursache und Wirkung nicht verwischt werden: Russland hat diesen Krieg begonnen und kann ihn beenden, indem es seinen Angriff einstellt. Doch gerade deshalb wird immer dringlicher, politische Wege zu finden, bevor aus einem ohnehin verheerenden Krieg ein dauerhaft entgrenzter Abnutzungskrieg wird.
Die militärischen Mittel werden immer weitreichender. Ein politischer Ausweg dagegen scheint immer weiter entfernt.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

09.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

17:00 – 20:00 | phoenix
Countdown zur Diktatur ( 4 Teile )
Deutschland in der Mitte der „Goldenen Zwanzigerjahre“. Adolf Hitler ist noch ein unbekannter Provinzpolitiker. Parteien der demokratischen Mitte bestimmen die Politik.

19:30 | ZDF
Azuchi – Die Burg des Samurai
Im Japan des 16. Jh. entsteht eine Burg wie keine andere. Azuchi ist das Symbol einer neuen Zeit, die Japan für immer verändert. Wie sah das legendäre Bauwerk aus? Terra X nimmt sich des Rätsels an.

20:15 | ARTE
Studio 54
”Studio 54” erzählt die Geschichte des 19-jährige Shane O’Shea, dem es Ende der 1970er Jahre gelingt, in den New Yorker Elite Club reingelassen zu werden. Dort “entdeckt” ihn der Clubbesitzer Steve Rubell und und gibt ihm einen Job. Shane steigt in der Hierarchie des Clubs auf, der von Drogen, Sex und anderen Exzessen geprägt ist. Ein auf wahren Begebenheiten basierendes Drama von Mark Christopher.
21:45
Studio 54 – Hinter den Pforten des legendären Clubs
Das „Studio 54“ verkörperte im New York der 1970er Jahre den Zeitgeist einer ganzen Epoche. Als Ort der Freiheit, des Exzesses und der kreativen Energie war der sagenumwobene Club ein Treffpunkt für viele bekannte Stars. Die Dokumentation blickt auf die Entstehungsgeschichte der einzigartigen Location und lässt einen ihrer Gründer zu Wort kommen.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Streit über Entlastungen: Union attackiert Klingbeils Steuerpläne
Finanzminister Klingbeil treibt die vereinbarte Steuerreform voran. Aus der Union wird ihm nun Wortbruch vorgeworfen. Von den angekündigten Entlastungen bleibe kaum etwas übrig.

Hamburgs Bürgermeister: Schwarz-rote Steuerpolitik führt in die Sackgasse, sagt SPD-Mann Tschentscher
In einer Welt, »in der Trump, Putin und Chinesen aufeinander losgehen«, kann man nicht mehr auf stabile Zeiten hoffen, sagt Peter Tschentscher. Der SPD-Politiker aus Hamburg hadert mit der Finanzpolitik der Merz-Regierung.
Steuergeschenke sind keine Zukunftspolitik
»Wie eine Zitrone ausgequetscht«: Gewerkschaften stellen sich gegen Abschaffung der Rente mit 63
Die Spitzen von Ver.di, IG Metall und weiterer Gewerkschaften kritisieren Schwarz-Rot für die geplante Abschaffung der Rente mit 63. Unions-Mittelstandschefin hält dagegen: »Das Rentenpaket ist kein Buffet.«

🔍 Schwarz-Rot streitet über die Verteilung der Lasten
Hinter dem Steuerstreit zwischen SPD und Union steckt mehr als eine technische Auseinandersetzung. Es geht um die grundsätzliche Frage: Wer soll entlastet werden – und wer soll zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen?
Die Union drängt auf umfangreiche Entlastungen für Unternehmen und kritisiert Klingbeils Steuerpläne. Gleichzeitig will die SPD steuerliche Privilegien dort einschränken, wo tatsächlich wirtschaftliche Interessen verfolgt werden: bei Wirtschaftsverbänden, großen Immobilienvereinen oder Profisportvereinen. Der kleine Sportverein, die Feuerwehr, Musik-, Umwelt- oder Tierschutzvereine bleiben als gemeinnützige Organisationen ausdrücklich außen vor.
Hier wird ein politischer Unterschied sichtbar. Während die Union Entlastungen für Unternehmen verteidigt und selbst gezielte zusätzliche Belastungen wirtschaftlich starker Organisationen ablehnt, versucht die SPD zumindest, die Finanzierung stärker nach Leistungsfähigkeit auszurichten.
Umso problematischer wäre es, gleichzeitig bei Menschen anzusetzen, die nach 45 Versicherungsjahren in Rente gehen wollen.
Eine tragfähige Politik muss klar beantworten: Wer trägt die Lasten? Wer wirtschaftlich stark ist, kann mehr beitragen. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, sollte nicht zum bequemsten Sparobjekt werden.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Wahlkampf in Berlin: Linkenchef Pantisano besteht auf Enteignung großer Wohnungskonzerne
Die Linke will eine Enteignung von Wohnungskonzernen in Berlin zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung machen. Diese Haltung bekräftigt der Parteivorsitzende im Sommerinterview mit dem ZDF.

Wahlkampf: Berlin streitet über Enteignungen – wie realistisch ist das?
Wird Berlin als erstes Bundesland Immobilienkonzerne enteignen? Über diese Frage wird vor der Wahl besonders viel gestritten. Die Positionen und Hintergründe im Überblick.

🔍 Ein Geschenk an die AfD
Die Forderung nach der Enteignung großer Wohnungskonzerne mag verfassungsrechtlich zulässig sein. Politisch aber zieht sie eine Grenze, die eine Zusammenarbeit mit der CDU praktisch ausschließt – in Berlin und darüber hinaus.
Damit verengt sich der demokratische Spielraum weiter. Gerade in einer Zeit, in der die AfD stärker wird, wäre es notwendig, politische Gegensätze auszutragen, ohne mögliche Mehrheiten im demokratischen Spektrum von vornherein unmöglich zu machen.
Wer Maximalforderungen zur Bedingung jeder Regierungsbeteiligung erklärt, muss deshalb auch die Folgen bedenken. Wenn demokratische Parteien einander ausschließen, profitieren am Ende diejenigen, die das demokratische System selbst infrage stellen.
Das nützt vor allem einer Partei: der AfD.

🔍 Hintergrund: Propaganda

Historischer Wasserstand Niedrigwasser bringt Hungerstein in der Elbe zum Vorschein
An Sachsens Flüssen herrscht Niedrigwasser. Das bringt steinerne Zeugen zum Vorschein – wie den Hungerstein in der Elbe bei Pirna. Die Steine erinnern an vergangene Dürren.

Rhein, Elbe, Bodensee Experten erwarten noch weniger Wasser in vielen deutschen Flüssen und Seen
Das Rekordniedrigwasser in deutschen Flüssen und Seen dürfte sich in der kommenden Woche mancherorts verschärfen. Am Rhein liegt der Schwimmer eines Pegels bereits trocken.

Kanada: British Columbia ruft wegen Waldbränden Notstand aus
Angefacht durch starke Winde haben sich im Westen Kanadas Waldbrände rasend schnell ausgebreitet. Die Provinz British Columbia rief daraufhin den Notstand aus. Teils mussten eingeschlossene Menschen aus der Luft gerettet werden.
Zehntausende evakuiert: Waldbrand frisst sich durch Wein- und Obstregion in Kanada
Das Feuer ist über Nacht massiv gewachsen, der Regierungschef spricht von einer »Bombe«: Im kanadischen British Columbia verschärft sich die Lage um die Waldbrände. Zahlreiche Menschen sollen eingeschlossen sein.

🔍 Das Zeitfenster schließt sich
Der Hungerstein in der Elbe erinnert an die Dürren vergangener Jahrhunderte. In Kanada brennen gleichzeitig Wälder und ganze Regionen müssen evakuiert werden. Zwei Meldungen, ein Zusammenhang: Extreme Trockenheit und Hitze werden in einer sich erwärmenden Welt häufiger und gefährlicher.
Natürlich hat es Dürren und Waldbrände immer gegeben. Neu ist ihre zunehmende Häufung, Intensität und räumliche Gleichzeitigkeit. Aus historischen Ausnahmeereignissen droht eine neue Normalität zu werden.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Natur. Es geht um Ernten, Trinkwasser, Wälder, Häuser, Infrastruktur, Versicherungen und Milliardenkosten. Und mit jedem weiteren Zehntelgrad Erwärmung steigen die Risiken.
Der Hungerstein zeigt, was frühere Generationen in einzelnen Katastrophenjahren erlebten. Unsere Generation läuft Gefahr, solche Zustände dauerhaft zu verschärfen.
Das Zeitfenster, diese Entwicklung noch zu begrenzen, schließt sich. Jeder weitere verlorene Sommer macht die Aufgabe schwieriger, teurer – und manches irgendwann unumkehrbar.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Übereinstimmende Medienberichte US-Geheimdienste prognostizieren Angriff durch Putin auf Nato-Gebiet
Neue Berichte der US-Geheimdienste legen offenbar nahe, dass der russische Präsident noch in diesem Jahrzehnt ein Nato-Land angreifen könnte – um die Entschlossenheit des Bündnisses auf die Probe zu stellen.
Putins Krieg gegen die Ukraine Selenskyj erwartet bis zu 50.000 nordkoreanische Soldaten in Russland
Laut einer Nachricht auf der Plattform X rechnet der ukrainische Präsident mit mehr nordkoreanischen Kämpfern als bisher angenommen. Darin sieht er auch eine Bedrohung für Asien.
Trotz Belgrads Kreml-Nähe: Ukraine und Serbien wollen stärker kooperieren
Serbien pflegt enge Beziehungen zu Russland. Dennoch war der ukrainische Präsident Selenskyj in Belgrad – zu seinem ersten offiziellen Besuch. Neben einem Freihandelsabkommen ging es auch um Kosovo – und Russlands Angriffskrieg. Von Clemens Verenkotte, ARD Wien

🔍 Putin darf keinen Zweifel haben
Wenn US-Geheimdienste inzwischen ernsthaft damit rechnen, dass Putin noch in diesem Jahrzehnt mit einer begrenzten Aktion gegen NATO-Gebiet die Entschlossenheit des Bündnisses testen könnte, ist das ein Warnsignal, das Europa nicht ignorieren darf. Gerade hybride Angriffe oder begrenzte militärische Provokationen könnten darauf zielen, Unsicherheit darüber zu erzeugen, ob die NATO tatsächlich geschlossen reagiert.
Die Antwort darauf kann jedoch nicht allein Aufrüstung heißen. Wie wichtig zugleich Diplomatie ist, zeigt ausgerechnet Serbien. Das Land pflegt traditionell enge Beziehungen zu Russland und verweigert weiterhin Sanktionen gegen Moskau. Dennoch empfängt Präsident Vučić Selenskyj in Belgrad, bekräftigt die territoriale Integrität der Ukraine und will die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Kyjiw ausbauen.
Genau darin liegt eine zweite Säule europäischer Sicherheitspolitik: Russland militärisch keinen Zweifel an der Verteidigungsbereitschaft der NATO lassen – und gleichzeitig seinen politischen Einfluss zurückdrängen, indem Staaten für Kooperation gewonnen werden, die bisher zwischen Moskau und Europa lavieren.
Abschreckung und Diplomatie sind keine Gegensätze. Beides gehört zusammen.
Putin muss wissen, dass ein Angriff keinen Erfolg haben wird. Aber Europa muss ebenso zeigen, dass Zusammenarbeit die bessere Alternative zur Konfrontation ist.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

08.08.26

🎬 TV-Tipp(s)

19:40 | ARTE
Tracks East: Provokation und Empörung
Donald Trump nutzt sie als Machtinstrument, in der Türkei wird sie zensiert: Provokation polarisiert – aber macht sie Politik lebendiger? New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani gewann mit viralen Aktionen, die Girlband Manifset fordert mit frechen Texten Normen heraus. Doch wo endet Kritik und wo beginnt es grenzwertig zu werden?

20:15 | ARTE
Alhambra – Das Vermächtnis der Sultane Spaniens
Die Alhambra in den Hügeln von Granada ist ein einzigartiges Juwel: Die Palaststadt wurde zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert von den letzten muslimischen Herrschern in Spanien errichtet. Die „rote Burg“ gehört zu den weltweit meistbesuchten Kulturstätten. Und sie fasziniert auch heute noch zahlreiche Spezialistinnen und Spezialisten der nasridischen Handwerkskunst.

21:00 | 3sat
Ambros
Er ist eine lebende Legende, die Stimme mehrerer Generationen und längst österreichisches Kulturgut: Wolfgang Ambros.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Unionsfraktionschef Frei CDU-Spitze will in Sachsen-Anhalt intervenieren, sollte die Landes-CDU Koalition mit der AfD erwägen
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine deutliche Mehrheit einfahren. Für Unionsfraktionschef Thorsten Frei ist eine Koalition mit seiner Partei ausgeschlossen.

🔍 Die Brandmauer darf keine Frage der Wahlarithmetik sein
Dass Thorsten Frei eine Koalition der CDU mit der AfD in Sachsen-Anhalt kategorisch ausschließt, ist richtig – und angesichts der Lage dringend notwendig. Der Verfassungsschutz des Landes stuft die AfD Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Frei verweist deshalb zu Recht darauf, dass das Kooperationsverbot ein Grundsatzbeschluss der gesamten CDU sei und nicht von Landesverbänden nach Bedarf ausgelegt werden könne.
Doch genau hier liegt das Problem: Eine Brandmauer ist nur glaubwürdig, wenn sie nicht erst dann hochgezogen wird, wenn die AfD vor der absoluten Mehrheit steht. Wer zuvor ihre Sprache übernimmt, gegen Migranten Stimmung macht oder demokratische Konkurrenten als eigentlichen politischen Gegner behandelt, darf sich nicht wundern, wenn Wähler am Ende lieber das Original wählen.
Sachsen-Anhalt könnte deshalb zum Lackmustest für die CDU werden. Es geht um mehr als eine Regierungsbildung. Es geht um die Frage, ob eine konservative Volkspartei bereit ist, auch unter massivem Machtverlust demokratische Grenzen einzuhalten. Gerade weil die AfD dort weit vor der CDU liegt, bekommt Freis Aussage Gewicht.
Demokratische Grundsätze verlieren ihren Wert, sobald sie von Umfragewerten abhängig gemacht werden
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🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Rechtsextreme Teilnehmer: 10.000 Menschen demonstrieren in Plauen gegen die Regierung
Bei Protesten in Sachsen haben Tausende Menschen den Rücktritt der Bundesregierung gefordert. Unter den Demonstranten waren auch die rechtsextremen »Freien Sachsen«.

🔍 Wenn Protest zum Einfallstor für Rechtsextreme wird
Gegen eine Bundesregierung zu demonstrieren, ihren Rücktritt zu fordern oder Neuwahlen zu verlangen, ist selbstverständliches demokratisches Recht. Problematisch wird es dort, wo demokratischer Protest Rechtsextremen eine Bühne bietet und ihre Parolen gesellschaftsfähig macht. In Plauen demonstrierten nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen; auch die rechtsextremen »Freien Sachsen« hatten für die Teilnahme mobilisiert.
Besonders perfide ist der Versuch, sich dabei auf die Friedliche Revolution von 1989 zu berufen. Damals gingen Menschen gegen eine Diktatur auf die Straße, weil ihnen freie Wahlen, Meinungsfreiheit und politische Teilhabe verweigert wurden. Heute garantiert genau diese Demokratie das Recht, zu demonstrieren – sogar gegen die Regierung.
Wer berechtigte Unzufriedenheit mit Energiepreisen, Migration oder Regierungspolitik mit rechtsextremen Kräften auf die Straße trägt, sollte deshalb wissen, wem er damit nutzt. Demokratie bedeutet nicht, eine Regierung nicht kritisieren zu dürfen. Demokratie bedeutet, Regierungen abzuwählen – und zugleich diejenigen zurückzuweisen, die demokratische Institutionen und gesellschaftliche Vielfalt verächtlich machen.
Plauen 1989 stand für den Aufbruch zur Demokratie. Diesen historischen Ort zur Kulisse für Rechtsextreme werden zu lassen, verdreht seine Geschichte ins Gegenteil.

🔍 Hintergrund: Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Hohe Spritpreise Übergewinn bei Konzernen, Überverlust bei Kunden
An den Tankstellen werden Autofahrer abgezockt, doch das liegt weniger am Irankrieg als die Konzerne glauben machen wollen. Was Kunden tun können. Hohe Spritpreise Übergewinn bei Konzernen, Überverlust bei Kunden. Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen

🔍 An der Zapfsäule zeigt der Ölmarkt sein wahres Gesicht
Fast 93 Milliarden Dollar Gewinn in nur drei Monaten: So viel verdienten acht der größten Ölkonzerne im zweiten Quartal 2026 zusammen – nahezu doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Während Verbraucher an der Tankstelle über hohe Preise klagen, beschert die geopolitische Krise der Branche Traumrenditen.
Das altbekannte Spiel funktioniert hervorragend: Steigen Rohölpreise oder politische Risiken, werden höhere Kosten schnell weitergegeben. Sinken die Preise wieder, kommt die Entlastung beim Kunden deutlich zögerlicher an. Die Differenz landet nicht im luftleeren Raum.
Besonders bitter: Jahrzehntelang haben Ölkonzerne Milliarden mit einem Geschäftsmodell verdient, dessen Folgen die Allgemeinheit zunehmend durch Klimaschäden, Extremwetter und notwendige Anpassungsmaßnahmen bezahlen muss. Nun werden auch noch Kriege und Krisen zu Gewinnbeschleunigern.
93 Milliarden Dollar in einem Quartal sind deshalb mehr als eine beeindruckende Bilanzzahl. Sie sind ein starkes Argument für eine Übergewinnsteuer. Wer außergewöhnlich von einer Krise profitiert, darf auch außergewöhnlich an ihren gesellschaftlichen Kosten beteiligt werden.
Die Krise zahlen die Kunden – den Übergewinn kassieren die Ölkonzerne.

🔍 Hintergrund: ►
Kapitalismus – Neoliberalismus

Nach Massenansturm auf Ceuta WDR-Journalist Restle sieht »US-israelisch-marokkanisches Bündnis« am Werk – Rundfunkrat reicht Beschwerde ein
Ex-»Monitor«-Moderator Georg Restle legt in einem Tweet auf X nahe, dass ein Netzwerk aus Israel, den USA und Marokko die Ereignisse in Ceuta herbeigeführt hätte. Das könnte Konsequenzen haben.

🔍 Verdacht ist noch kein Beweis
Dass Migration als politisches Druckmittel instrumentalisiert wird, ist weder neu noch abwegig. Auch im Fall Ceuta muss deshalb untersucht werden, wer die Falschinformationen über angeblich offene Grenzen verbreitet und verstärkt hat – und ob dahinter organisierte oder gar staatliche Akteure standen.
Doch Georg Restle geht einen entscheidenden Schritt weiter, wenn er ein »US-israelisch-marokkanisches Bündnis« hinter den Ereignissen vermutet. Für eine koordinierte Aktion dieser drei Staaten gibt es bislang keine belastbaren Belege. Interessenüberschneidungen, politische Beziehungen und auffällige Begleitumstände ergeben noch keine Verschwörung.
Gerade von einem erfahrenen Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss man erwarten, diese Grenze besonders sorgfältig zu ziehen. Spekulationen dürfen eine Recherche anstoßen – sie dürfen deren Ergebnis aber nicht vorwegnehmen.
Das bedeutet umgekehrt nicht, die Vorgänge in Ceuta vorschnell abzuhaken. Im Gegenteil: Entscheidend ist die Frage, wer die Falschmeldungen ursprünglich in Umlauf brachte, wer sie systematisch verstärkte und wem die Eskalation politisch nutzte. Erst belastbare Antworten darauf erlauben weitergehende Schlussfolgerungen.
Kritische Recherche ist unverzichtbar. Aber gerade in Zeiten massenhafter Desinformation gilt: Erst die Fakten, dann die These – nicht umgekehrt.

Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan: „Mekka“-Verteidigungspakt: Das steckt im neuen Abkommen
Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben ein neues Verteidigungsbündnis besiegelt. Wie die drei Staaten davon profitieren wollen und wie Iran reagiert. Ein Überblick.

🔍 Ein Bündnis zur Verteidigung – oder zur Sicherung der Macht?
Der neue „Mekka“-Verteidigungspakt zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan wird mit gemeinsamer Sicherheit und Abschreckung begründet. Doch eine andere Frage drängt sich auf: Geht es dabei tatsächlich nur um äußere Sicherheit – oder auch um die Stabilisierung der eigenen Herrschaftssysteme?
Alle drei Staaten weisen erhebliche autoritäre Strukturen auf, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. In Saudi-Arabien konzentriert sich die Macht beim Königshaus, in der Türkei wurden Gewaltenteilung, Medienfreiheit und politische Opposition über Jahre geschwächt, und in Pakistan besitzt das Militär traditionell enormen politischen Einfluss.
Ein enger sicherheits- und militärpolitischer Schulterschluss kann deshalb mehr leisten als die Abschreckung äußerer Gegner: Er schafft gegenseitige Rückendeckung, verringert Abhängigkeiten vom Westen und stärkt Regierungen gegenüber inneren wie äußeren Herausforderungen.
Besonders brisant ist Pakistans Rolle als Atommacht. Damit erhält das Bündnis eine strategische Dimension, die weit über Mekka und den Schutz Saudi-Arabiens hinausreicht.
Die entscheidende Frage lautet daher: Entsteht hier eine neue Sicherheitsarchitektur für den Nahen Osten – oder ein Machtblock autoritär regierter Staaten, die neben ihrer äußeren Sicherheit auch ihre eigene Herrschaft absichern wollen? Beides muss sich keineswegs ausschließen.

🔍 Hintergrund: ► Nahostkonflikt Macht und Manipulation

»Heute können Frauen selbst vorsorgen«: Wirtschaftsweiser plädiert für Abschaffung der Witwenrente
Martin Werding will die Witwenrente durch ein Splitting ersetzen. Zugleich warnt der Wirtschaftsweise davor, die Reform wegen des Streits über die »Rente mit 63« aufzuschnüren.

🔍Während die Reichen immer reicher werden, entdeckt man ausgerechnet bei Witwen weiteres Sparpotenzial. Dabei gilt: Eigentum verpflichtet. Statt soziale Sicherung weiter auszudünnen, müssen große Vermögen stärker zum Gemeinwohl beitragen. Vor allem aber muss der politische Fokus endlich auf die wirklich relevanten Zukunftsfragen der Menschheit gerichtet werden: Klimakrise, globale Ungleichheit, Ressourcenverbrauch und die wachsende soziale Schieflage. Daran entscheidet sich unsere Zukunft – nicht an der Witwenrente.
🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet Klimawandel Die globale Schieflage (Essay)

Stresstest für das Wirtschaftssystem: Der neue KI-Kapitalismus
Künstliche Intelligenz ist dabei, menschliche Arbeit überflüssig zu machen. Die Mittelschicht bangt, die Techbosse profitieren, die Demokratie ist in Gefahr. Naht das Ende des Kapitalismus, das Karl Marx prophezeit hat? Die SPIEGEL-Titelstory. Von Simon Book und Nicola Abé

🔍 Ohne einen gründlichen Blick auf die sich fundamental ändernden globalen Randbedingungen zu werfen, ist jede Analyse des Wirtschaftsgefüges aus einer mehr oder weniger nationalen Perspektive unvollständiger und somit hinfälliger Natur. Schon allein die Einbeziehung der Mammutaufgabe der zwingend erforderlichen Eindämmung der Erderwärmung, werfen jene Formen des Wirtschaftens nahezu komplett über den Haufen, die geprägt sind durch den Glauben an ein stetiges Wirtschaftswachstum, vor allem unter der irrigen Annahme von endlos zur Verfügung stehenden Ressourcen. Da der Ausstoß von Treibhausgasen eng gekoppelt ist an wirtschaftliche Aktivitäten, was Art und Umfang der Produktion betrifft, zeigt sich bereits an diesem Punkt deutlich, wo der Lösungsansatz zu suchen und zu finden ist, ähnliches gilt für den Bereich der Landwirtschaft. Es ist demzufolge zukünftig nicht mehr der Fokus auf größtmöglichen Ausstoß von Waren zu legen, auch indem ein Heer von Marketingstrategen fortwährend neue Bedürfnisse zu wecken versucht, um irgendwelche Gewinnaussichten von Aktionären zu befriedigen, sondern die Grenzen des Wachstums zu akzeptieren und den vorhandenen Spielraum zum Wohl der Menschheit zu nutzen. Was nichts anderes bedeuten kann als den Menschenrechten den absoluten Vorrang einzuräumen, vor Shareholder Value und grenzenloser Kapitalanhäufung durch fette Rendite für Menschen, die ohnehin über genügend Spielgeld dafür verfügen. Gleichermaßen gilt es die Möglichkeiten der Digitalisierung in den Dienst des anstehenden Umbruchs zu stellen, anstatt einseitig auf die Möglichkeiten der Gewinnmaximierung durch globale Vernetzung zu starren. Volker Zorn (2019)
Rendite muss erwirtschaftet werden und das ist nicht unbegrenzt möglich, da es ewiges Wirtschaftswachstum nicht geben kann auf einem Planeten mit begrenzter Oberfläche und endlichen Ressourcen, das hat schon Karl Marx glänzend dargelegt. Dem System sind also schon von vorneherein natürliche Grenzen gesetzt. Jetzt kommt noch der Kampf gegen die Klimakatastrophe hinzu, die engstens mit den wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschheit verknüpft ist. Darum kann ein Wirtschaftssystem, das uns den Schlamassel eingebrockt hat, nicht der Schlüssel zur Lösung sein. Deshalb sind nicht gleich alle Überlegungen von Adam Smith gänzlich falsch und über Bord zu werfen, aber das Prinzip Wirtschaftswachstum in der jetzigen Form hat jedenfalls ausgedient. Man könnte ja zur Not die Vermögen, die nicht mehr investiert werden können auf die herkömmliche Weise, zum Kampf gegen Klimawandel, Armut, Elend und vieles mehr verwenden. Wenn die Zahl derjenigen steigen würde, die nicht mehr hungern müssen auf unserem Planeten, wäre das ja auch eine Art Wachstum.Volker Zorn (2020)

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – Neoliberalismus Rechtsruck im Silicon Valley KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Zeitenwende Die globale Schieflage (Essay)

Die Lage: Inside Austria Hitzeopfer Österreich
Die Folgen der Klimakrise wirken sich zwischen Neusiedler See und Bodensee besonders drastisch aus. Die FPÖ reagiert besonders peinlich. Von Oliver Das Gupta, Wien

🔍 Die Realität lässt sich nicht wegpopulisieren
Österreich wird zum Hitzeopfer der Klimakrise – und ausgerechnet rechte Gruppierungen wie die FPÖ reagieren weiterhin mit Verharmlosung, Ablenkung oder Spott über Klimaschutz. Doch Temperaturen lassen sich weder mit Parolen senken noch durch Kulturkampf wegdiskutieren.
Das Zeitfenster für wirksamen Klimaschutz schließt sich immer schneller. Wer angesichts der längst sichtbaren Folgen weiterhin wissenschaftliche Erkenntnisse relativiert und notwendige Maßnahmen blockiert, betreibt keine verantwortungsvolle Politik. Er macht die Rechnung nur größer – ökologisch, wirtschaftlich und letztlich auch in Menschenleben.
Die Klimakrise kennt weder links noch rechts. Aber sie wird durch rechte Realitätsverweigerung garantiert nicht verschwinden.

🔍 Hintergrund: Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay)

Satellitendaten aus Brasilien: Abholzung im Amazonas auf niedrigstem Stand seit einem Jahrzehnt
In den letzten zwölf Monaten verschwand im Amazonas deutlich weniger Regenwald als zuvor. Ein Erfolg für den linken Präsidenten Brasiliens, Lula. Er tritt im Herbst bei der Wahl gegen den Sohn des Ex-Präsidenten Bolsonaro an.
🔍 Es geht also doch
Endlich einmal eine gute Nachricht aus der Klimakrise: Die Abholzung im brasilianischen Amazonas ist innerhalb eines Jahres um fast 37 Prozent gesunken und liegt auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt.
Das zeigt vor allem eines: Politik kann etwas bewirken. Schutzgebiete, Kontrollen und konsequenteres Vorgehen gegen illegale Abholzung sind keine wirkungslosen Symbolmaßnahmen.
Noch ist der Amazonas längst nicht gerettet und das Zeitfenster bleibt eng. Aber dieser Erfolg macht Mut: Wo politischer Wille vorhanden ist, lässt sich die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen tatsächlich bremsen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

CNN-Bericht: US-Generalstabschef Caine sucht angeblich Ausweg aus Trumps Irankrieg
Amerikas ranghöchster General glaubt offenbar nicht mehr an einen militärischen Sieg gegen Iran: Einem Bericht zufolge lotet Dan Caine derzeit aus, wie die USA sich zurückziehen könnten. Noch nicht eingeweiht: der Präsident.
Eskalation in Nahost: Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung in den Gazastreifen
Donald Trump will den Gazakrieg mit seinem Friedensrat beenden. Nun hat das Gremium offenbar den ersten Bauauftrag erteilt – für eine Militärbasis im völlig zerstörten Rafah. Dort soll ein Expeditionskorps aus Afrika stationiert werden.

🔍 Die Grenzen militärischer Macht
Während Amerikas ranghöchster General offenbar bereits nach einem Ausweg aus Trumps Irankrieg sucht, entsteht im zerstörten Gaza die nächste Militärstruktur. Ausgerechnet ein „Friedensrat“ beginnt seine Arbeit mit einer Militärbasis, in der künftig ausländische Truppen stationiert werden sollen.
Beide Meldungen erzählen im Kern dieselbe Geschichte: Militärische Macht kann Kriege beginnen, aber sie schafft noch lange keinen Frieden. Wenn selbst der US-Generalstabschef offenbar daran zweifelt, Iran militärisch besiegen zu können, sollte das eine Warnung sein. Jahrzehnte von Vietnam über Afghanistan und Irak bis heute haben gezeigt, wie schnell vermeintlich begrenzte Interventionen zu jahrelangen Konflikten werden.
Und nun Gaza: Statt den Wiederaufbau, humanitäre Hilfe und eine tragfähige politische Lösung sichtbar an die erste Stelle zu setzen, wird zunächst militärische Infrastruktur geschaffen. Das bekämpft bestenfalls Symptome.
Wer Frieden will, braucht Diplomatie, Sicherheit und Wiederaufbau – aber vor allem politische Perspektiven. Sonst folgt auf jeden beendeten Krieg nur die Vorbereitung des nächsten.

🔍 Hintergrund: ► NahostkonfliktDonald Trump

Kommunistische Karibikinsel: USA werfen Kuba vor, als Operationsbasis für China, Russland und Iran zu dienen
Donald Trump und Marco Rubio wollen das Regime in Havanna stürzen – auch mit Sanktionen. Die treffen nun auch die kubanischen Militärattachés an den Botschaften in Moskau und Peking.

🔍 Kuba, Ukraine, Taiwan – wenn Großmächte wieder Einflusszonen abstecken
Der amerikanische Vorwurf, Kuba könne China, Russland und Iran als Operationsbasis dienen, ist mehr als eine weitere Episode im jahrzehntelangen Konflikt mit Havanna. Er zeigt, wie eng die großen Krisen unserer Zeit inzwischen miteinander verflochten sind.
Russland führt Krieg gegen die Ukraine und begründet seine Politik immer wieder mit eigenen Sicherheitsinteressen und der westlichen Präsenz in seinem Umfeld. China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und die militärische Unterstützung der Insel durch die USA als Einmischung in seine unmittelbare Einflusssphäre. Und Washington reagiert nun alarmiert, wenn China und Russland ausgerechnet auf Kuba – nur rund 150 Kilometer von Florida entfernt – ihre Präsenz ausbauen könnten.
Damit wird ein grundlegender Widerspruch sichtbar: Jede Großmacht beansprucht Sicherheitsinteressen vor der eigenen Haustür, während sie vergleichbare Ansprüche der anderen Seite zurückweist. Das rechtfertigt weder Russlands Angriff auf die Ukraine noch einen möglichen chinesischen Angriff auf Taiwan. Aber es erklärt einen Teil jener Eskalationsdynamik, die die Welt zunehmend in neue Blöcke treibt.
Hinzu kommt die immer engere Verflechtung: Russland und China rücken strategisch zusammen, Iran kooperiert militärisch mit Russland, Nordkorea unterstützt Moskau, während die USA ihre Bündnisse von Europa bis in den Indopazifik stärken. Sanktionen, Rohstoffe, Waffenlieferungen, Handelswege und Technologiepolitik verbinden Konflikte, die früher weitgehend getrennt betrachtet wurden.
Kuba könnte damit erneut zu einem Symbol werden – ähnlich wie 1962. Damals führte die Stationierung sowjetischer Raketen die Welt bis an den Rand eines Atomkriegs. Die entscheidende Lehre der Kubakrise war nicht, dass eine Seite die andere militärisch besiegte. Die Katastrophe wurde verhindert, weil Kennedy und Chruschtschow schließlich die Sicherheitsinteressen der Gegenseite in ihre Kalkulation einbezogen und einen Kompromiss fanden.
Genau diese Fähigkeit fehlt heute zunehmend. Ukraine, Taiwan, Iran und nun wieder Kuba dürfen deshalb nicht nur als voneinander isolierte Krisen betrachtet werden. Sie sind Schauplätze einer sich verschärfenden globalen Machtkonkurrenz.
Wer überall nur den nächsten Zug des Gegners beantwortet, landet irgendwann in einer Welt, in der jeder Konflikt den nächsten verschärft. Die Alternative dazu heißt nicht Unterwerfung, sondern Diplomatie, Völkerrecht und eine Sicherheitsordnung, die nicht nur für die eigene Seite gelten darf.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Rechtsruck im Silicon ValleyProject 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay) Kalter Krieg Vom WM-Wahnsinn zur Zeitenwende (Essay)

Techunternehmen: EU-Kommissarin gibt TikTok und Meta Mitschuld an Krise in Ceuta
Auf TikTok und Facebook hätten sich Falschinformationen zur Situation in Ceuta verbreitet, sagt Henna Virkkunen. Die Unternehmen hätten stärker dagegen vorgehen müssen.

🔍 Ceuta zeigt, welche reale Macht digitale Desinformation inzwischen besitzt. Wenn Falschmeldungen auf Meta und TikTok Zehntausende Menschen in Bewegung setzen können, geht es längst nicht mehr nur um problematische Inhalte im Internet, sondern um gesellschaftliche und politische Sicherheit.
Die Plattformkonzerne verdienen Milliarden mit Aufmerksamkeit und Empörung – Verantwortung lässt sich deshalb nicht an den Algorithmus delegieren. Ob Migration, Wahlen, Klimawandel oder Krieg: Wer Desinformation massenhaft verbreiten lässt, schafft ein Einfallstor für Manipulation und Destabilisierung.
Die EU muss handeln. Denn die entscheidende Frage lautet längst: Wer kontrolliert wen – demokratische Gesellschaften die digitalen Plattformen oder deren Algorithmen zunehmend unsere Gesellschaften?

🔍 Hintergrund: Rechtsruck im Silicon ValleyFake News Soziale Medien Migrationspolitik

Irreguläre Migration: Spanien hebt großen Schleuserring aus – fast 80 Festnahmen
Sie sollen Drogen geschmuggelt und Hunderte Menschen illegal nach Europa gebracht haben. Nun hat Spaniens Polizei den Schleuserring zerschlagen und macht dessen lukratives Geschäftsmodell öffentlich.

🔍 Schleuser bekämpfen – Fluchtursachen nicht vergessen
Fast 80 Festnahmen sind ein Erfolg gegen ein kriminelles Geschäftsmodell, das aus der Not von Menschen Profit schlägt. Doch jeder zerschlagene Schleuserring wird durch einen neuen ersetzt, solange die Nachfrage bestehen bleibt.
Wer irreguläre Migration dauerhaft reduzieren will, muss deshalb weiter denken als bis zur europäischen Außengrenze: Armut, Kriege, politische Instabilität, Perspektivlosigkeit – und zunehmend die Folgen der Klimakrise – treiben Menschen zur Flucht.
Schleuser gehören verfolgt. Aber solange die globale Schieflage immer größer wird, bekämpfen wir an Europas Grenzen vor allem die Symptome – nicht die Ursachen.

🔍 Hintergrund: Klimawandel Die globale Schieflage (Essay) Organisierte_Kriminalität Kapitalismus – Neoliberalismus

Macht »krank und dumm«? Kinderärzteverband attestiert Eltern »gravierendes Versagen« beim Umgang mit Social-Media-Konsum
Wie kommt es, dass viele Kinder Stunden in sozialen Medien verbringen? Für Kinderärzte-Sprecher Jakob Maske liegt das an der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit vieler Eltern. Die Politik fordert er zum Handeln auf.

🔍 Nicht nur die Eltern haben versagt
Eltern die Hauptverantwortung zuzuschieben, greift zu kurz. Kinder wachsen heute in einer digitalen Umwelt auf, die von milliardenschweren Techkonzernen gezielt gestaltet wird, um Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Umwelt und Sozialisation prägen Verhalten – und soziale Medien sind längst ein mächtiger Teil dieser Umwelt.
Wenn Algorithmen Belohnungsmechanismen, sozialen Druck und endloses Scrollen systematisch nutzen, kann man die Verantwortung nicht allein bei Familien abladen. Eltern müssen Grenzen setzen – aber Meta, TikTok & Co. tragen Verantwortung für die Umgebung, die sie geschaffen haben und an der sie verdienen.
Ceuta zeigt die gesellschaftliche Dimension, der exzessive Medienkonsum von Kindern die individuelle: Es wird höchste Zeit, die Macht der Techkonzerne über unsere Köpfe ernst zu nehmen.

🔍 Hintergrund: ► PsychologieUmwelt und Sozialisation Empathie – der verdrängte Schlüssel der Zeitenwende (Essay) Rechtsruck im Silicon ValleySoziale Medien

US-Geheimdienst berichtet: Putin erwägt begrenzten Angriff auf Nato-Staat
Russlands Präsident Wladimir Putin könnte in den nächsten Jahren einen begrenzten Angriff auf ein Bündnisland fahren, um die Nato auf die Probe zu stellen. Das geht aus Berichten des US-Geheimdienstes hervor. – was ist darübere bekannt?
🔍 Putins gefährlichster Test
Putin müsste die NATO nicht militärisch besiegen. Ein begrenzter Angriff könnte bereits genügen, um herauszufinden, ob Artikel 5 tatsächlich trägt – oder das Bündnis politisch auseinanderbricht. Gerade deshalb sind Geschlossenheit und glaubwürdige Abschreckung unverzichtbar.
Doch ebenso wichtig bleibt Diplomatie: In einer Welt voller Atomwaffen darf Sicherheitspolitik nicht zu einer Spirale werden, in der jede Aufrüstung die nächste provoziert. Der gefährlichste Krieg ist der, der aus einem vermeintlich kalkulierbaren „Test“ entsteht und anschließend nicht mehr kontrollierbar ist.

🔍 Hintergrund: Ukraine-Krieg

Uno-Sicherheitsrat alarmiert: Huthis greifen Saudi-Arabien direkt an
Der Irankonflikt franst weiter aus: Nun haben die jemenitischen Huthis Saudi-Arabien direkt attackiert, es gibt Verletzte. Das mächtigste Gremium der Uno verurteilt die Angriffe.

🔍 Cui bono? Wenn Eskalation zum Geschäftsmodell wird
Der Irankonflikt weitet sich aus, nun greifen die Huthis Saudi-Arabien direkt an. Höchste Zeit für die Frage: Cui bono – wem nützt es?
Sicher nicht den Menschen in der Region. Profitieren können dagegen Rüstungskonzerne, Spekulanten und all jene, die aus Krisen, steigenden Rohstoffpreisen und politischen Informationsvorsprüngen Kapital schlagen.
Genau hier wird es brisant: „Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht“ zeigt die gefährliche Vermischung politischer und wirtschaftlicher Interessen. „Planet Finance: Wie man Unglück zu Geld macht“ beschreibt, wie selbst Katastrophen zum Spekulationsobjekt werden. Und wenn Trump potenziell börsenrelevante Äußerungen über Truth Social gegen horrende Summen früher zugänglich macht, bekommt die Frage nach Macht, Information und Profit eine zusätzliche Dimension.
Das beweist nicht, dass Kriege deshalb geführt werden. Aber es zwingt zu einer unbequemen Frage: Wer verdient daran, wenn Konflikte eskalieren – und wer verfügt womöglich früher als andere über die Informationen, mit denen sich daraus Geld machen lässt?

🔍 Hintergrund: Kapitalismus – Neoliberalismus Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht Planet Finance: Wie man Unglück zu Geld macht Truth Social in Echtzeit: Trump startet extrem teuren Premiumzugang zu seinen Social-Post

Offener Brief an Bundespolitik: Warum so viele Juristen ein AfD-Verbotsverfahren fordern
Mehr als 1.000 Juristen fordern die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens. Wie beliebt eine Partei in Umfragen ist, sollte aus Sicht der Initiatoren dabei keine Rolle spielen.

Neue Rechte: „Remigration“, Russland, Radikalität: Wofür die AfD Sachsen-Anhalt steht
Kriege, Klimakrise, Desinformation: Viele Entwicklungen verunsichern. Investigative Recherchen machen sichtbar, was im Verborgenen passiert und wer Einfluss nimmt. Spenden Sie für Journalismus, der aufdeckt.

🔍 Demokratie darf nicht warten, bis es zu spät ist
Mehr als 1.000 Juristen fordern ein AfD-Verbotsverfahren – und ihr entscheidender Punkt ist richtig: Die Beliebtheit einer Partei kann kein Maßstab für ihre Verfassungstreue sein. Gerade die deutsche Geschichte zeigt, wie gefährlich es ist, demokratiefeindliche Entwicklungen erst dann ernst zu nehmen, wenn demokratische Mehrheiten bereits verloren gegangen sind.
Ein Verbotsverfahren bedeutet noch kein Verbot. Es bedeutet, dass das Bundesverfassungsgericht prüft, ob die hohen verfassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Entscheidung gehört weder auf die Straße noch in Umfragen, sondern vor das zuständige Gericht.
Eine wehrhafte Demokratie muss ihre eigenen Warnsignale ernst nehmen – bevor aus Warnungen Tatsachen werden.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft: Armeniens Kirchenoberhaupt steht vor Gericht
Ein bislang einmaliger Vorgang in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion: Armeniens orthodoxes Kirchenoberhaupt ist angeklagt. Der Grund: Karekin II. soll sich über das weltliche Gericht hinweggesetzt haben.

🔍 Kirche steht nicht über dem Gesetz – Ein wichtiges Signal
Dass mit Karekin II. erstmals das Oberhaupt der Armenisch-Apostolischen Kirche vor Gericht steht, ist historisch – entscheidend ist jedoch etwas anderes: Religiöse Autorität darf keine Immunität gegenüber dem Rechtsstaat bedeuten.
-*Gerade in einem Land, in dem die Kirche tief in Geschichte, nationale Identität und Politik hineinreicht, ist die Trennung zwischen geistlicher Autorität und weltlichem Recht von besonderer Bedeutung. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, dass Karekin II. eine gerichtliche Entscheidung bewusst missachtet hat, muss dafür derselbe Maßstab gelten wie für jeden anderen Bürger.
Ein funktionierender Rechtsstaat beweist seine Stärke nicht dadurch, dass er Mächtige schützt, sondern dadurch, dass auch die Mächtigen dem Gesetz unterworfen sind. Voraussetzung bleibt allerdings ebenso selbstverständlich: ein unabhängiges Gericht und ein faires Verfahren – ohne politische Abrechnung.

🔍 Hintergrund: ► ReligionMacht und Manipulation

Erbdiktatur Nordkoreas: Staatsmedien empfehlen wegen Hitzewelle Hundefleischsuppe und Ginsengbrühe
2027 tritt in Nordkorea ein Hundefleischverbot in Kraft. Aber weil es aktuell so heiß ist, gibt die Staatspresse Ernährungstipps, für die noch Vierbeiner gebraucht werden.

🔍 Wenn gegen die Hitze nur noch Hundefleischsuppe hilft
Man könnte die Empfehlung der nordkoreanischen Staatsmedien, bei extremer Hitze Hundefleischsuppe und Ginsengbrühe zu essen, als bizarre Randnotiz aus einer abgeschotteten Diktatur abtun. Doch dahinter steckt ein sehr viel ernsteres Problem.
Auch Nordkorea kann sich der Klimakrise nicht entziehen. Extreme Hitze trifft dort auf eine Bevölkerung, die seit Jahrzehnten unter Mangelversorgung, einem maroden Gesundheitssystem und einer autoritären Führung leidet, die enorme Ressourcen in Militär, Atomwaffen und Raketenprogramme steckt.
Gerade darin liegt die eigentliche Absurdität: Ein Staat kann Interkontinentalraketen und Atomwaffen entwickeln – und empfiehlt seiner Bevölkerung traditionelle Suppen als Antwort auf immer extremere Temperaturen.
Der Klimawandel interessiert sich weder für Grenzen noch für Ideologien. Doch seine Folgen treffen diejenigen besonders hart, denen Schutz, medizinische Versorgung und politische Mitsprache fehlen. Während Milliarden weltweit weiterhin in Aufrüstung fließen, schließt sich zugleich das Zeitfenster, die Erderwärmung noch wirksam zu begrenzen.
Nordkorea ist dabei nur ein besonders drastisches Beispiel für einen globalen Widerspruch: Wir perfektionieren die Mittel, mit denen Menschen einander bedrohen können, während wir bei der gemeinsamen Bedrohung unserer Lebensgrundlagen noch immer viel zu langsam handeln.

🔍 Hintergrund: ►
Nordkorea KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

07.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

19:30 | ZDFinfo
Verschwörungen – Die Wahrheit der Anderen
Klimalüge, Plandemie und 5G
Gegen jede Logik halten Verschwörungsideologen die Pandemie und die menschengemachte Klimakrise für eine Lüge und moderne Technologie wie 5G als Mittel zur Totalüberwachung.
20:15
Fake News, Angst und QAnon
Einfache Antworten in schwierigen Zeiten: Das ist der Köder der Verschwörungstheoretiker. Auf Social Media und Fake News locken QAnon und Co. so Millionen Menschen in ihr Netz.
21:00
Geheimbünde, Illuminaten und Neue Weltordnung
Hinter den Kulissen agiert angeblich eine geheime Macht. Sie führt die neue Weltordnung ein und will uns versklaven. Doch wer steckt dahinter? Illuminaten? Rothschilds? Die Bilderberger?>
21:45
Reptiloide, Aliens und Kontakte
Sind wir allein im Universum? Die Frage beschäftigt die Menschen seit Jahrhunderten. Außerirdische sind Stoff für Science-Fiction-Filme, stehen aber auch im Zentrum von Verschwörungstheorien.
22:30
Roswell, UFO-Akten und Reichsflugscheiben
Der Hype rund um das Mysterium Ufos ist weltweit auf einem neuen Hoch. Doch hinter unschuldiger Faszination lauert der Einstieg in gefährliche, realitätsverzerrende Verschwörungserzählungen.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Großbrände bei Bordeaux: Jetzt fürchten sie um ihre Existenz
Nahe Bordeaux leben sie vom Tourismus und von der Forstwirtschaft. Jetzt riecht es auf den Campingplätzen verbrannt, sind Pinien zerstört. Was das mit der Region macht. Von Annika Joeres

Die Klimakrise schickt ihre Rechnung – und sie wird unbezahlbar
Bei Bordeaux verbrennen nicht einfach nur Wälder. Es verbrennen Existenzen. Tourismus, Campingplätze, Forstwirtschaft, Immobilien, Arbeitsplätze – eine ganze Region bekommt zu spüren, was abstrakte Temperaturkurven in der Realität bedeuten.
Und die eigentliche Rechnung kommt erst danach: Wiederaufforstung, Katastrophenschutz, Feuerwehreinsätze, zerstörte Infrastruktur, steigende Versicherungsprämien, Einnahmeausfälle und Wertverluste. Hinzu kommen Schäden an Ökosystemen, Gesundheit und Wasserhaushalt, die sich kaum in Euro beziffern lassen.
Trotzdem wird Klimaschutz noch immer gegen seine angeblich zu hohen Kosten ausgespielt. Das ist eine geradezu groteske Umkehrung der Realität. Nicht konsequenter Klimaschutz wird unbezahlbar, sondern das weitere Nichtstun.
Bordeaux ist keine ferne Warnung vor einer möglichen Zukunft. Es ist Gegenwart. Und mit jedem Zehntelgrad Erwärmung steigen Risiken und Schäden weiter. Das Zeitfenster, die schlimmsten Folgen noch zu begrenzen, schließt sich.
Wir können weiter über die Kosten des Handelns streiten – oder endlich begreifen, dass die Kosten des Nichthandelns längst explodieren. Die Natur gewährt weder Aufschub noch Rabatt.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Mit Kanzler Merz Nationaler Sicherheitsrat tagt zu Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig
Eine mit Sprengstoff beladene Drohne am Flughafen Leipzig/Halle beschäftigt seit Anfang der Woche Politik und Justiz. Nun hat ein hohes Gremium der Bundesregierung darüber beraten.

Hybride Kriegsführung: Drohnen mit Sprengstoff: Das waren Profis
Die Suche nach den Hinterleuten der Drohnenattacke auf den Leipziger Flughafen läuft. Laut Innenminister Dobrindt waren keine Amateure am Werk. Auf professionelle Agenten setzt nach CORRECTIV-Informationen vor allem ein Land. Von Till Eckert , Silvia Stöber , Martin Murphy
🔍 Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne im Sicherheitsbereich eines strategisch wichtigen Flughafens ist weit mehr als ein gewöhnlicher Zwischenfall. Dass nun der Nationale Sicherheitsrat unter Kanzler Merz eingeschaltet wurde, ist deshalb folgerichtig.
Entscheidend ist jetzt, die Urheber zweifelsfrei zu ermitteln. Sollte sich eine staatlich gesteuerte Sabotageaktion bestätigen, wäre eine neue Eskalationsstufe hybrider Kriegsführung erreicht. Gerade deshalb braucht es Besonnenheit – aber ebenso klare Konsequenzen und einen wirksamen Schutz kritischer Infrastruktur.

Einreise in die USA Trump will Social-Media-Konten von Visa-Antragstellern offenbar noch stärker kontrollieren
Wer in die USA einreisen will, könnte künftig deutlich mehr von seinem digitalen Leben preisgeben müssen. Die Trump-Regierung will die Überprüfung von Social-Media-Konten auch auf ausländische Medienvertreter ausweiten.
🔍 Was als Sicherheitsmaßnahme verkauft wird, droht zur politischen Gesinnungsprüfung an der Grenze zu werden. Wenn Einreisende ihre digitale Vergangenheit offenlegen müssen und selbst ausländische Journalisten davon betroffen sind, geht es längst um mehr als Terrorabwehr.
Eine Demokratie sollte Journalisten und Besucher nicht danach beurteilen, was sie in sozialen Netzwerken geschrieben, geteilt oder kritisiert haben. Wer aus Angst vor Einreiseproblemen beginnt, seine Meinung vorsorglich zu zensieren, erlebt bereits die Wirkung solcher Maßnahmen: Einschüchterung statt Freiheit. Genau diese schleichende Verschiebung sollte alarmieren.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Rechtsruck im Silicon Valley Project 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay)

Psychische Gesundheit der Nutzer US-Gericht verdonnert Meta wegen Gefährdung von Kindern zu 567 Millionen US-Dollar Strafe
Tut Meta genug, um Minderjährige auf seinen Plattformen vor Abhängigkeit und sexueller Ausbeutung zu schützen? Ein Richter in den USA sagt: nein. Und bittet den Konzern zur Kasse. Der gibt sich trotzig.

🔍 567 Millionen Dollar Strafe sind ein deutliches Signal – doch das eigentliche Problem reicht tiefer. Kinder und Jugendliche entwickeln ihre Persönlichkeit nicht im luftleeren Raum. Umwelt und Sozialisation prägen Verhalten, Selbstbild, Bedürfnisse und Wertvorstellungen.
Soziale Netzwerke sind längst ein wesentlicher Teil dieser Umwelt. Wenn Algorithmen Aufmerksamkeit maximieren, Abhängigkeit fördern und Minderjährige zugleich unzureichend vor sexueller Ausbeutung schützen, geht es deshalb nicht nur um individuelle Medienkompetenz. Es geht um die Verantwortung derjenigen, die diese digitale Umwelt gestalten – und daran Milliarden verdienen.
Wer die Umwelt prägt, in der Kinder sozialisiert werden, trägt Mitverantwortung für deren Folgen. Der Mensch ist formbar – und genau deshalb dürfen wir die Macht über seine digitale Sozialisation nicht allein den Geschäftsmodellen großer Konzerne überlassen.

🔍 Hintergrund: ►
PsychologieUmwelt und Sozialisation

Wenn digitale Sozialisation zur Schule der Grausamkeit wird
Niemand wird als Sadist geboren. Der Fall der extremistischen „COM“-Szene zeigt, wie digitale Milieus Jugendliche prägen, Gewalt normalisieren und Grausamkeit mit Anerkennung belohnen können. Wer verstehen will, warum junge Menschen andere quälen, in den Suizid treiben oder sogar töten, muss deshalb auch über Umwelt und Sozialisation sprechen.

Der Fall der „COM“-Szene zeigt in erschreckender Weise, welche Macht Umwelt und Sozialisation entfalten können. Jugendliche bewegen sich in digitalen Räumen, in denen Gewalt Anerkennung verschafft, Grausamkeit zum Statussymbol wird und die Grenzen des Sagbaren und schließlich des Machbaren immer weiter verschoben werden.
Das entschuldigt keine Tat und entbindet keinen Täter von Verantwortung. Aber wer nur auf das vermeintlich „Böse“ im einzelnen Menschen blickt, übersieht die entscheidende Frage: Wie wird ein Jugendlicher zu jemandem, der Anerkennung daraus zieht, andere zu quälen, in den Suizid zu treiben oder sogar zu töten?
Persönlichkeit entsteht nicht im luftleeren Raum. Familie, Gesellschaft, Erfahrungen, Gruppen und heute zunehmend digitale Gemeinschaften formen Menschen. Wer solche Verbrechen verhindern will, muss deshalb nicht erst beim Täter ansetzen, sondern bei den Bedingungen, unter denen Täter entstehen.
Der Mensch ist formbar. Darin liegt die Gefahr – aber auch die Chance.

🔍 Hintergrund: ► PsychologieUmwelt und Sozialisation

06.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

20:15 | phoenix
Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp
Erstmals wird auf den US-Unternehmer Alex Karp und seine so mysteriöse wie abgeschottete Firma Palantir geschaut. Neben Elon Musk, seinem Mitgründer Peter Thiel und Sam Altman gilt der CEO von Palantir Karp als einer der bedeutendsten Digital Leader. Wie sie profitiert Karp von der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Doch hierzulande ist er noch recht unbekannt, und das, obwohl auch deutsche Polizeibehörden mit der Palantir-Software Gotham arbeiten.

🔍 Hintergrund: Rechtsruck im Silicon Valley Donald Trump

21:45 | ZDFinfo
Big Dope – Milliardengeschäft mit dem Schmerz
Amerikas Opioid-Epidemie
Alle fünf Minuten stirbt in den USA ein Mensch an einer Überdosis. Als Auslöser der Opioid-Epidemie gilt die Einführung des Schmerzmittels OxyContin der Firma Purdue Pharma in den 1990er Jahren.
22:25
Siegeszug des Fentanyl
2012 wird in den USA das Fentanyl-Spray Subsys für Krebspatienten im Endstadium zugelassen. Über ein Betrugssystem vermarktet der Hersteller Insys Therapeutics das Mittel jedoch im großen Stil.

23:45 | phoenix
Bad Banker: Geständnisse eines Geldwäschers
Ali C. war Geldwäscher. Für Hamburger Drogenhändler übernahm er die Bankgeschäfte. Exklusiv erzählt Ali C. im ZDF seine Lebensgeschichte. Über ein Leben in Saus und Braus. Kriminelle haben ein Problem: sie erbeuten Geld, schmutziges Geld. Das muss gewaschen werden, damit es wieder investiert werden kann. Das ist ein Job für Geldwäscher.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Pläne für Offshore-Projekt: USA zahlen über eine Milliarde Dollar, damit RWE keine Windparks baut
Der Feldzug der Trump-Regierung gegen erneuerbare Energieformen geht weiter: Der deutsche Konzern RWE gibt mehrere in den USA geplante große Windkraftprojekte auf – gegen eine üppige Entschädigung.
🔍 Trump führt keinen Kampf gegen den Klimawandel – sondern gegen dessen Bekämpfung. Dass die US-Regierung einem Energiekonzern über eine Milliarde Dollar zahlt, damit geplante Offshore-Windparks nicht gebaut werden, ist ein energie- und klimapolitischer Offenbarungseid. Während Hitzewellen, Dürren und Extremwetter weltweit zunehmen, werden Zukunftstechnologien aus ideologischen Gründen ausgebremst und dafür sogar noch Steuergeld eingesetzt.
Die Rechnung werden am Ende nicht Trump oder RWE bezahlen, sondern kommende Generationen. Wer den Ausbau erneuerbarer Energien sabotiert, verlängert die Abhängigkeit von fossilen Energien – und verschärft damit genau die Klimakrise, vor der die Wissenschaft seit Jahrzehnten warnt. Das ist keine Wirtschaftspolitik, sondern organisierte Verantwortungslosigkeit.

🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpRechtsruck im Silicon ValleyKlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Die Lage am Morgen: Unsere Erde wird unbewohnbar
Heute geht es um den Wassermangel in Europa. Um den Ukrainekrieg, der zunehmend in der Luft ausgetragen wird. Und um das Schicksal der Migranten, die in Ceuta verblieben sind. Von Maximilian Popp

Klimabewusster Lebensstil: Warum haben Sie aufgehört, klimabewusst zu leben?
Deutsche essen wieder mehr Fleisch, fliegen mehr und buchen mehr Kreuzfahrtreisen. Was ist mit dem klimabewussten Lebensstil passiert? Schreiben Sie uns. Von Marina Guldimann

Krisentreffen zu Niedrigwasser Wenn die Wasserstraßen versiegen
Deutschlands Flüsse führen Rekord-Niedrigwasser. Vor allem Wirtschaft und Schifffahrt sind massiv betroffen. Verkehrsminister Bilger lädt daher heute zum Krisentreffen. Was kann das bringen?

🔍 Die Frage sollte nicht nur an die Leserinnen und Leser gehen, sondern auch an die Medien selbst.
Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.
Der notwendige Reinigungsprozess muss deshalb auch in den Redaktionsstuben beginnen. Seit den 1980er-Jahren liegen die wissenschaftlichen Fakten zum menschengemachten Klimawandel auf dem Tisch. Spätestens mit den IPCC-Berichten der 1990er-Jahre gab es keine seriöse Grundlage mehr, die Klimakrise als bloße Glaubensfrage zu behandeln.
Umso wichtiger wäre eine ehrliche Aufarbeitung der eigenen Rolle. Wie konnte die Dringlichkeit über Jahrzehnte relativiert werden? Warum erhielten klimaskeptische Positionen immer wieder eine Bühne, obwohl der wissenschaftliche Konsens eindeutig war?
Dazu gehört auch die Geschichte des SPIEGEL. Stefan Aust, Chefredakteur von 1994 bis 2008, stellte den wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel wiederholt infrage und trug damit dazu bei, Zweifel an längst gesicherten Erkenntnissen zu verstärken. Auch das sollte Teil einer kritischen Selbstreflexion sein – nicht zur persönlichen Abrechnung, sondern um zu verstehen, warum trotz jahrzehntelanger Erkenntnisse so viel Zeit verloren ging.
Wer heute fragt, warum viele Menschen nicht mehr klimabewusst leben, sollte deshalb auch fragen, welchen Anteil Medien, Politik und Wirtschaft an dieser Entwicklung hatten.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Höhere Abgaben auf Brot, Butter und Bananen: Ifo-Chef plädiert für Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes
Um Haushaltslöcher zu stopfen, könnten laut dem Ökonomen Clemens Fuest künftig alle im Supermarkt mehr bezahlen. Bedürftige sollten dagegen an anderer Stelle gezielt entlastet werden.

🔍 Die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf Grundnahrungsmittel wäre keine nachhaltige Lösung für Haushaltsprobleme. Sie würde ausgerechnet Lebensmittel des täglichen Bedarfs verteuern und damit vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen belasten. Dass dieser Vorschlag aus dem wirtschaftsnahen ifo-Institut kommt, überrascht daher kaum. Statt Brot, Butter und Bananen höher zu besteuern, wäre eine konsequentere Besteuerung sehr hoher Vermögen und Einkommen sowie ein wirksameres Vorgehen gegen Steuervermeidung und -flucht zielführender. Das Grundgesetz erinnert nicht ohne Grund daran: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ (Art. 14 GG).
🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Autonomer Angriff Auch KI von Meta hackte sich in eine andere Firma
Immer häufiger steckt KI hinter Cyberattacken. Nun ist auch ein Programm des Facebook-Konzerns Meta damit aufgefallen. Der Fehler soll auf einen Testpartner zurückgehen.

🔍 Der nächste Weckruf: Wenn KI-Systeme zunehmend eigenständig Sicherheitsbarrieren überwinden und fremde Systeme angreifen, wächst das Risiko einer kaum kontrollierbaren Eskalation. Mit jedem neuen Vorfall wird deutlicher, dass der technologische Fortschritt strengere Sicherheitsstandards und verbindliche Regeln braucht – bevor solche Systeme außerhalb kontrollierter Testumgebungen ernsthaften Schaden anrichten.
🔍 Hintergrund: KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)
Zeitenwende

Ukrainische Geheimdienstinformationen: Nordkorea soll Raketeneinheit für Angriffe nach Russland verlegen
Im Angriffskrieg gegen die Ukraine setzt Moskau offenbar auf Eskalation. Kyjiws Geheimdienst meldet die Verlegung einer nordkoreanischen Raketeneinheit nach Westrussland – eine für die Ukraine bedrohliche Entwicklung.

🔍 Sollte sich diese Meldung bestätigen, wäre das ein weiterer Schritt zur Internationalisierung des Krieges. Die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea würde damit eine neue Eskalationsstufe erreichen und die Gefahr weiterer Angriffe auf die Ukraine erhöhen. Jede zusätzliche Waffenlieferung oder Truppenverlegung verlängert den Krieg – und damit das Leid der Zivilbevölkerung.
🔍 Hintergrund: Ukraine-Krieg Nordkorea

Ermittlungen behindert?: New Mexico verklagt US-Justizministerium im Fall Epstein
Der US-Bundesstaat New Mexico ermittelt zum Fall Jeffrey Epstein, im Fokus steht die »Zorro-Ranch« des verurteilten Sexualstraftäters. Nun will der oberste Staatsanwalt die Herausgabe von ungeschwärzten Dokumenten erzwingen.
🔍 Sollten Ermittlungen durch geschwärzte oder zurückgehaltene Akten tatsächlich behindert worden sein, wäre das ein schwerwiegender Vorgang. Gerade im Fall Epstein besteht ein besonderes öffentliches Interesse an vollständiger Transparenz und rechtsstaatlicher Aufklärung. Das Vertrauen in die Justiz hängt entscheidend davon ab, dass niemand – unabhängig von Einfluss oder Prominenz – vor einer lückenlosen Untersuchung geschützt wird.
🔍 Hintergrund: ► Epstein Files

Hilfe für Demokratische Republik Kongo: USA stellen zusätzlich 242 Millionen Dollar für Ebola-Bekämpfung bereit
Washington verdoppelt seine Ebolahilfen nahezu. Ärzte beschreiben die Situation in Kongo als »kritischer denn je«. Die Krankheit verbreite sich in beispiellosem Tempo – fast 1800 Menschen sind bereits gestorben.

🔍 Die zusätzlichen Hilfen sind dringend notwendig – sie zeigen aber zugleich die globale Schieflage. Während wohlhabende Staaten jedes Jahr Billionen für Rüstung, fossile Subventionen oder Steuervergünstigungen mobilisieren, fehlen oft vergleichsweise geringe Summen, um Epidemien einzudämmen und Menschenleben zu retten. Globale Verantwortung darf nicht erst beginnen, wenn Krisen außer Kontrolle geraten – sie muss sich auch in einer gerechteren Verteilung von Ressourcen und einer nachhaltigen Stärkung der Gesundheitssysteme widerspiegeln.
🔍 Hintergrund: Die globale Schieflage (Essay)
Kapitalismus – Neoliberalismus

05.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

14:30 | phoenix
Wenn die AfD regiert
Was will die AfD laut ihrem Wahlprogramm in Wirtschaft, Migration, Sicherheit und Bildung anders machen? exactly zeigt, was eine AfD-Regierung mit Ulrich Siegmund als Ministerpräsident für Sachsen-Anhalt bedeuten würde.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

22:50 | ARD
Trügerische Etiketten – Chinas Modemafia in Europa
In deutschen Fußgängerzonen, auf Wochenmärkten und Flohmärkten kommt man nicht daran vorbei: In unglaublichen Mengen wird Kleidung mit dem Label „Made in Italy“ verkauft, aber zu Billigpreisen, die kaum zu erklären sind. Was steckt dahinter?

23:30 | ZDF
Die Spur: Aufrüstung im All: Droht ein Weltraum-Krieg?
Lange war es nur Science-Fiction: ein Krieg im Weltall. Mittlerweile ist es technisch möglich, und die Großmächte bereiten sich offensichtlich darauf vor. Was unternimmt die Bundeswehr?

05:00 | phoenix
Putins Kanonenfutter – Wie Ausländer an die Front gelockt werden
Russland braucht Soldaten. Mehr als 200.000 sind im Ukraine-Krieg gefallen. Neue Kämpfer rekrutiert Russland auch im Ausland – als Söldner, mit Geld, Jobs oder Studienversprechen und teils unter Zwang.

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Ärzte ohne Grenzen Ebola verbreitet sich in DR Kongo in »beispiellosem Tempo«
Mehr als 1700 Menschen sind nach offiziellen Zahlen mittlerweile durch die Ebolaepidemie in der DR Kongo ums Leben gekommen. Beobachter sehen keine Anzeichen, dass der Ausbruch sich verlangsamt.

🔍 Die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist nicht nur eine medizinische Katastrophe, sondern auch ein Spiegel der globalen Ungleichheit. Während sich das Vermögen der reichsten Menschen der Welt in den vergangenen Jahren auf Rekordniveau erhöht hat, fehlt es Millionen Menschen weiterhin an sauberem Wasser, medizinischer Grundversorgung, Impfstoffen und funktionierenden Gesundheitssystemen.
Epidemien wie Ebola entstehen nicht im luftleeren Raum. Armut, mangelnde Infrastruktur, bewaffnete Konflikte und jahrzehntelange Vernachlässigung schaffen ideale Bedingungen für die Ausbreitung tödlicher Krankheiten. Die Weltgemeinschaft reagiert oft erst dann mit Nachdruck, wenn eine Bedrohung die Grenzen wohlhabender Staaten erreicht.
Wer von Globalisierung, offenen Märkten und internationalen Lieferketten profitiert, trägt auch Verantwortung für die globalen Folgen. Gerade die Superreichen und multinationalen Konzerne, die in einer vernetzten Welt enorme Vermögen erwirtschaften, müssen einen deutlich größeren Beitrag zur Finanzierung von Gesundheitsversorgung, Prävention und Entwicklung leisten. Globale Krisen lassen sich nicht dauerhaft mit Nothilfe bekämpfen – sondern nur, indem ihre Ursachen entschlossen angegangen werden.
Ebola erinnert uns daran: Gesundheit ist kein Luxusgut, sondern ein globales öffentliches Gut. Solange Milliarden in den Händen weniger konzentriert sind, während grundlegende medizinische Versorgung für Millionen unerreichbar bleibt, ist die nächste humanitäre Katastrophe nur eine Frage der Zeit.

🔍Hintergrund: ► Die globale Schieflage (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus Rechtsruck im Silicon Valley

Studie des IWH: AfD-Programm würde Milliardenloch in Sachsen-Anhalts Haushalt reißen
Die AfD hat für Sachsen-Anhalt viel vor – finanziell umsetzbar wären die Pläne laut einer neuen Studie nicht. Es fehlen demnach mindestens 2,2 Milliarden Euro.
Angeblicher Angriff in Rott am Inn Ermittlungen gegen ehemaligen AfD-Bürgermeisterkandidaten wegen falscher Verdächtigung
Michael Maurer wollte Bürgermeister von Rott am Inn werden. Der AfD-Politiker erlangte Bekanntheit durch einen Vorfall an einem Wählerstand. Einen vermeintlichen Angriff von Linken hat es aber gar nicht gegeben.

🔍 Die beiden Fälle zeigen ein wiederkehrendes Muster: Die AfD arbeitet häufig mit maximalen Versprechen und maximaler Empörung – doch bei näherem Hinsehen halten zentrale Behauptungen der Realität nicht stand. Während eine Studie dem Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt ein Milliardenloch von mindestens 2,2 Milliarden Euro bescheinigt, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen ehemaligen AfD-Bürgermeisterkandidaten wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung eines angeblichen politischen Angriffs.
Demokratie lebt von kontroversen Debatten. Sie setzt aber voraus, dass politische Versprechen finanzierbar sind und öffentliche Vorwürfe auf Tatsachen beruhen. Wer mit unrealistischen Haushaltsplänen oder unbelegten Erzählungen Politik macht, untergräbt das Vertrauen in staatliche Institutionen und erschwert eine sachliche Auseinandersetzung. Gerade vor Wahlen sollten deshalb Programme und Behauptungen konsequent an Fakten gemessen werden – nicht an ihrer Wirkung in den sozialen Medien oder auf Wahlkampfveranstaltungen.

🔍Hintergrund: ► AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Saudi Aramco, BP, Shell und Co. Ölkonzerne erzielen zwischen Irankrieg und Hitzewellen 93 Milliarden Dollar Gewinn
Acht der größten Ölkonzerne haben ihre Gewinne im Frühjahresquartal im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die neuen Zahlen heizen die Debatte über eine Übergewinnsteuer an.

🔍 93 Milliarden Dollar Gewinn in nur einem Quartal – während Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und geopolitische Krisen immer weiter eskalieren. Ausgerechnet jene Unternehmen, deren Geschäftsmodell maßgeblich auf fossilen Energieträgern basiert, profitieren von Kriegen, Unsicherheit und steigenden Energiepreisen. Das verleiht der Debatte über eine Übergewinnsteuer zusätzliche Brisanz.
Gleichzeitig zeigt sich in den USA eine beunruhigende Entwicklung: Donald Trump vermarktet über kostenpflichtige Premium-Zugänge auf Truth Social einen früheren Zugang zu potenziell börsenrelevanten Aussagen. Die Grenze zwischen politischer Macht, wirtschaftlichen Eigeninteressen und Finanzmärkten verschwimmt zunehmend. Wer sich einen Informationsvorsprung kaufen kann, verschafft sich unter Umständen auch einen finanziellen Vorteil.
Genau diese Verflechtungen beleuchtet die Dokumentation „Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht“. Sie zeigt, wie politische Entscheidungen, wirtschaftliche Interessen und milliardenschwere Profite immer stärker ineinandergreifen. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur, wer an Krisen verdient – sondern wie lange Demokratien akzeptieren können, dass globale Risiken für viele zu existenziellen Bedrohungen werden, während wenige daraus Rekordgewinne erzielen.

🔍Hintergrund: Donald Trump Truth Social in Echtzeit: Trump startet extrem teuren Premiumzugang zu seinen Social-Post Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht Kapitalismus – Neoliberalismus Klimawandel

Energiewende: Reiche rechnet erst in den 2030er-Jahren mit deutlich niedrigerem Strompreis
Die Wirtschaftsministerin verteidigt in einem Interview das neue Heizungsgesetz. Es gehe darum, Kosten zu senken. Bis Verbraucher davon etwas merken, soll es aber noch dauern.

Folgen der Klimakrise: Wassermangel auf Berghütten – Hubschrauber liefert Trinkwasser
Trockentoiletten, PET-Flaschen, geschlossene Waschräume: Weil das Wasser in den Alpen knapp wird, müssen einige Berghütten rationieren. Der Deutsche Alpenverein spricht von einer Mangellage auf fast allen Hütten.

🔍 Klimakrise kennt keinen Aufschub – das Zeitfenster schließt sich
Während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sinkende Strompreise erst in den 2030er-Jahren in Aussicht stellt, macht die Klimakrise längst deutlich, dass sie nicht auf politische Zeitpläne wartet. Wenn selbst Berghütten in den Alpen Trinkwasser per Hubschrauber anliefern müssen, weil Quellen versiegen und Schneereserven fehlen, sind die Folgen der Erderwärmung in einer Region angekommen, die jahrzehntelang als wasserreich galt.
Genau darin liegt der Widerspruch: Die Energiewende ist keine Aufgabe für irgendwann, sondern die zentrale Voraussetzung, um die Ursachen der Klimakrise zu begrenzen und ihre Folgen abzumildern. Jeder verlorene Monat bedeutet höhere Schäden, steigende Anpassungskosten und einen enger werdenden Handlungsspielraum.
Das Zeitfenster schließt sich – nicht in den 2030er-Jahren, sondern jetzt. Wer den Umbau des Energiesystems verzögert, riskiert, dass die Kosten der Klimakrise schneller steigen als die Einsparungen, auf die man noch Jahre warten will.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Warnung deutscher Sicherheitsbehörden: Russland verstärkt vor Landtagswahlen offenbar Desinformation
Mit immer mehr gefälschten Social-Media-Posts über CDU, SPD, ​Grüne und FDP versucht Russland offenbar, Wahlen in Deutschland zu beeinflussen. Sicherheitsexperten rätseln allerdings, warum die Desinformationskampagne auf Englisch geführt wird.

»Sicherheitsrelevanter Vorfall«: Mögliche Sprengstoffladung – Drohne nahe ukrainischem Flugzeug am Leipziger Flughafen
Am Flughafen Leipzig/Halle ist eine Drohne mit einem verdächtigen Gegenstand gefunden worden, Sicherheitskreise sprechen von Sprengstoff und einem Zünder. In der Nähe stand offenbar ein ukrainisches Frachtflugzeug.
Krieg in der Ukraine: Russland feuert ballistische Raketen auf Kyjiw
Russland hat die ukrainische Hauptstadt in der Nacht erneut massiv beschossen. Es gibt Tote und Verletzte. Parallel schlägt die Ukraine mit Drohnen zurück und trifft ein weiteres Lagerhaus.
Laut ukrainischem Geheimdienst Nordkorea verlegt offenbar ballistische Raketen nach Russland
Die Militärallianz zwischen Moskau und Nordkorea wird immer enger. Eine mögliche Raketenlieferung aus Pjöngjang verstärkt die Sorgen der Ukraine, die sich mit der Abwehr ballistischer Raketen ohnehin schwertut.

🔍 Russlands Krieg endet nicht an der Front
Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass Russlands Vorgehen weit über die Kämpfe in der Ukraine hinausreicht. Während ballistische Raketen erneut Wohngebiete in Kyjiw treffen und Nordkorea seine militärische Unterstützung für Moskau offenbar weiter ausbaut, warnen deutsche Sicherheitsbehörden vor verstärkten Desinformationskampagnen im Vorfeld der Landtagswahlen. Hinzu kommt der sicherheitsrelevante Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs.
Militärische Angriffe, Desinformation, Sabotage und die Unterstützung durch autoritäre Verbündete sind keine voneinander isolierten Ereignisse. Sie sind Bestandteile einer hybriden Kriegsführung, die darauf abzielt, den Gegner militärisch, politisch und gesellschaftlich zugleich unter Druck zu setzen. Europa muss dieser Entwicklung mit einer ebenso umfassenden Antwort begegnen: durch den Schutz kritischer Infrastruktur, widerstandsfähige demokratische Institutionen und eine entschlossene Unterstützung der Ukraine. Denn die europäische Sicherheit wird längst nicht mehr nur an der Front in der Ukraine verteidigt.

🔍 Hintergrund: ►
Ukraine-Krieg

Deutliches Minus: Noch weniger Studentinnen und Schüler erhalten Bafög
Während die Bundesregierung weiter um eine grundlegende Bafög-Reform ringt, sinkt die Zahl der Bezieher weiter. 2025 waren es sieben Prozent weniger als im Jahr zuvor. Und das Studierendenwerk übt grundsätzliche Kritik.
🔍 Bildung braucht Solidarität – auch von den Reichen
Der erneute Rückgang der BAföG-Bezieher ist ein Warnsignal. Wenn immer weniger junge Menschen die wichtigste staatliche Studienförderung erhalten, stellt sich die Frage, ob das System seine Aufgabe noch erfüllt. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und wachsender sozialer Ungleichheit sind Investitionen in Bildung Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität – nicht bloß eine Ausgabe.
Wer über hohe Vermögen und Einkommen verfügt, profitiert in besonderem Maße von einer funktionierenden Gesellschaft mit gut ausgebildeten Fachkräften. Deshalb ist es auch eine Frage der Solidarität, dass Reiche einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung von Bildung leisten. Bildung ist keine Belastung, sondern eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft eines Landes.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Raketen im Irankrieg: US-Verteidigungsminister bestreitet angeblichen Waffenmangel der Armee barsch
Werden bei den US-Streitkräften die Raketen knapp? Mehrere Berichte legen das nahe. Aus dem Pentagon allerdings kommt ein hartes Dementi – Seitenhieb auf die Medien inklusive.
Trotzreaktion der Trump-Regierung: USA kassieren Visum von brasilianischer Botschafterin ein
Brasilien lässt sich Zeit, den neuen US-Botschafter in Brasília durchzuwinken. Das kommt in Washington gar nicht gut an. Dort setzt man auf diplomatische Eskalation.

🔍 Militärische Stärke und diplomatische Eskalation ersetzen keine Außenpolitik
Die beiden Meldungen fügen sich zu einem größeren Bild: Während das Pentagon Berichte über mögliche Engpässe bei Raketen scharf zurückweist und den Medien widerspricht, verschärft die Trump-Regierung den diplomatischen Konflikt mit Brasilien durch den Entzug des Visums für dessen Botschafterin.
Beides verdeutlicht einen Politikstil, der auf demonstrative Stärke und Konfrontation setzt. Militärische Handlungsfähigkeit und diplomatischer Druck sind legitime Instrumente staatlicher Politik. Werden sie jedoch vor allem zur öffentlichen Machtdemonstration eingesetzt, steigt das Risiko weiterer Eskalationen und sinkender internationaler Kooperationsbereitschaft.
Gerade in einer Zeit, in der Kriege, geopolitische Spannungen und globale Krisen zunehmen, gewinnen belastbare Diplomatie und verlässliche internationale Beziehungen an Bedeutung. Dauerhafte Stabilität entsteht nicht allein durch militärische Abschreckung oder politische Härte, sondern vor allem durch funktionierende diplomatische Kanäle und gegenseitiges Vertrauen.

🔍 Hintergrund: ►
Donald TrumpMacht und Manipulation

SpaceX zieht Quartalsbilanz: Diese Sparte finanziert Elon Musks teure Visionen
Elon Musks SpaceX macht nach dem Börsengang den ersten Kassensturz. Die Starlink-Sparte wächst rasant und finanziert Musks ambitionierte Pläne für Raketen, KI und den Mars.
🔍 Starlink als Geldmaschine
Die Zahlen zeigen, dass Starlink weit mehr ist als ein Satelliteninternetdienst. Die Sparte entwickelt sich zur finanziellen Grundlage für Elon Musks langfristige Projekte – von neuen Raketensystemen über KI bis zur Marsmission. Das verdeutlicht zugleich, wie stark wirtschaftliche Erfolge in einem Bereich genutzt werden können, um technologisch riskante und kapitalintensive Zukunftsvisionen zu finanzieren.

🔍 Hintergrund: ► Die Elon-Musk-Story

Infantino unter Druck: Geld für Unterstützung? Topfunktionär wirft Fifa Erpressung vor
Immer mehr Stimmen wenden sich gegen Gianni Infantino. Nun wirft Jordaniens Verbandschef Ali bin al-Hussein der Fifa vor, seiner Mannschaft Preisgeld vorzuenthalten – und sieht das als Versuch, ihn für Infantino einzuspannen.
🔍 Transparenz statt Machtpolitik
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein schwerer Vorgang. Finanzielle Mittel dürfen im Weltsport nicht als Druckmittel eingesetzt werden, um politische Loyalität zu erzwingen. Gerade die Fifa steht seit Jahren wegen mangelnder Transparenz und fragwürdiger Machtstrukturen in der Kritik. Umso wichtiger ist eine unabhängige Aufklärung der Vorwürfe und eine konsequente Trennung von Sportförderung und Verbandsmacht.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – Neoliberalismus Korruption

Zwischenfall bei IT-Forschungsprojekt: KI schickte Menschen Phishingmails
Um öffentlich zugängliche Software infizieren zu können, verschickte ein KI-Programm Phishingmails und kontaktierte Verantwortliche mit einer Fakeidentität. Als die Codemanipulation auffiel, griff die KI zum nächsten Trick.
🔍 KI überschreitet Grenzen – ein weiterer Weckruf
Der Vorfall zeigt, dass leistungsfähige KI-Systeme längst zu Handlungen fähig sind, die bislang menschlichen Angreifern vorbehalten waren. Wenn eine KI eigenständig Phishingmails verschickt, falsche Identitäten nutzt und nach Entdeckung ihre Strategie anpasst, unterstreicht das den dringenden Bedarf an wirksamen Sicherheitsmechanismen und unabhängiger Kontrolle. Je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger werden klare Leitplanken – bevor aus Forschungsprojekten reale Sicherheitsrisiken entstehen.

🔍 Hintergrund: KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)
Zeitenwende

04.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

15:30 | phoenix
Wenn die AfD regiert
Was will die AfD laut ihrem Wahlprogramm in Wirtschaft, Migration, Sicherheit und Bildung anders machen? exactly zeigt, was eine AfD-Regierung mit Ulrich Siegmund als Ministerpräsident für Sachsen-Anhalt bedeuten würde.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

20:15 | ARTE
Countdown in ein neues Zeitalter: Hiroshima
Die Atombombe, die 1945 auf Hiroshima fiel, tötete mehr als 100.000 Menschen und symbolisierte das Ende des Zweiten Weltkriegs, aber auch den Beginn des Atomzeitalters. Der Dokumentarfilm schildert die Ereignisse vor, während und nach der Detonation und erzählt anhand von Berichten der letzten Überlebenden die Geschichte dieses Wendepunktes mitten im 20. Jahrhundert.

22:15 | ZDF
37 Grad: Zwischen uns die Wahrheit
Debatten über Corona, Kriege oder verborgene Interessen bestimmter Akteure spalten nicht nur in Talkshows; sie belasten Familien und Freundschaften. Was bleibt, wenn jeder seine eigene Wahrheit hat?

23:20 | ARTE
Kulissen der Macht
„Kulissen der Macht“ ist eine fesselnde Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie amerikanische Staats- und Regierungschefs seit 1989 auf Berichte über Völkermord und Massentötung von Zivilisten reagierten. Von Bosnien bis Ruanda und, in jüngerer Zeit, in Libyen und Syrien – wie denken US-Politikerinnen und -Politiker über ihre schwerwiegenden Entscheidungen nach?

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Klimaschutz: US-Gericht erklärt Streichung von Klimaschutzprojekt für rechtswidrig
Die US-Regierung soll wegen eines Gerichtsentscheids Fördergelder für saubere Energie freigeben. Die Umweltschutzbehörde EPA hatte Milliarden an Mitteln eingefroren.

🔍 Klimaschutz vor Gericht: Rechtsstaat setzt Grenzen gegen politischen Kahlschlag
Ein US-Bundesgericht hat entschieden, dass die Blockade milliardenschwerer Fördergelder für Klimaschutz und saubere Energien durch die US-Umweltschutzbehörde EPA rechtswidrig war. Das Urteil zeigt: Selbst tiefgreifende politische Kurswechsel unterliegen rechtsstaatlichen Grenzen.
Gerade angesichts der sich verschärfenden Klimakrise zählt jeder Monat – das Zeitfenster, um die schlimmsten Folgen der Erderwärmung noch zu begrenzen, schließt sich zunehmend. Werden bereits beschlossene Investitionen in erneuerbare Energien und Klimaschutz aus ideologischen Gründen gestoppt, gehen wertvolle Zeit, Planungssicherheit und wirtschaftliche Chancen verloren. Das Urteil ist deshalb weit mehr als eine juristische Entscheidung: Es ist ein Signal, dass der Rechtsstaat politische Blockaden nicht grenzenlos hinnimmt. Beim Klimaschutz geht es längst nicht mehr um parteipolitische Symbolik, sondern um Verantwortung gegenüber künftigen Generationen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende
Rechtsruck im Silicon Valley

Big Tech: KI-Test: So einfach lassen sich Nachrichten mit ChatGPT und Co. fälschen
Mit KI-Chatbots von Google, OpenAI und Microsoft lassen sich gefälschte Beiträge von existierenden Medien erstellen – selbst zu sensiblen Themen. Eine CORRECTIV-Recherche zeigt Sicherheitslücken vor allem bei ChatGPT.
🔍 Wenn sich mit KI-Systemen täuschend echte Nachrichten im Stil etablierter Medien erzeugen lassen, ist das keine technische Spielerei, sondern eine ernsthafte Gefahr für Demokratie und Öffentlichkeit. Je einfacher sich Fälschungen massenhaft erstellen lassen, desto schwieriger wird es für Bürgerinnen und Bürger, Wahrheit von Manipulation zu unterscheiden.
Das Problem liegt dabei nicht allein bei einzelnen KI-Anbietern. Jede leistungsfähige generative KI kann missbraucht werden. Umso wichtiger sind wirksame Schutzmechanismen, transparente Kennzeichnungen, eine kontinuierliche Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen und vor allem eine kritische Medienkompetenz. Nutzer sollten insbesondere bei emotionalisierenden oder spektakulären Meldungen die Quelle prüfen und Informationen möglichst durch mehrere seriöse Medien bestätigen lassen.
Die größte Gefahr besteht darin, dass das Vertrauen in glaubwürdigen Journalismus schleichend erodiert. Wenn am Ende alles als potenzielle Fälschung gilt, profitieren vor allem jene, die gezielt Desinformation verbreiten. Deshalb ist ein verantwortungsvoller Umgang mit KI heute nicht nur eine technische, sondern eine demokratische Aufgabe.

🔍 Hintergrund: ► KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

Video von Attacke auf Gemüsehändler: Selenskyj kritisiert Drohnen-»Safari« auf Zivilisten in Cherson
Vorwürfe, Russland mache in Cherson mit Drohnen Jagd auf Zivilisten, gibt es schon länger. Jetzt kursiert ein Video, das einen besonders krassen Fall zeigen soll. Darin explodiert offenbar eine Drohne neben einem Gemüsehändler.
🔍 Sollte sich das veröffentlichte Video bestätigen, zeigt es keinen militärischen Kampf, sondern die gezielte Verfolgung eines wehrlosen Zivilisten. Ein Gemüsehändler, der um sein Leben rennt und von einer Drohne verfolgt wird, ist kein legitimes militärisches Ziel. Solche Angriffe würden einen eklatanten Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen, das den Schutz der Zivilbevölkerung ausdrücklich verlangt.
Besonders erschütternd ist, dass Berichte über eine systematische »Drohnen-Safari« in Cherson nicht neu sind. Bereits frühere Recherchen und Berichte, darunter auch von den Vereinten Nationen, beschrieben gezielte Angriffe auf Zivilisten in der Region. Sollte sich dieses Muster fortsetzen, wäre dies nicht nur militärisch, sondern auch moralisch ein weiterer Tiefpunkt des russischen Angriffskrieges. Terror gegen Zivilisten darf niemals zur Normalität werden – und solche Taten müssen lückenlos dokumentiert und strafrechtlich verfolgt werden.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Extremtemperaturen in Europa: Österreich knackt Hitzerekord, Italien ruft höchste Warnstufe für Großstädte aus
Wegen Temperaturen von bis zu 40 Grad hat die italienische Regierung die Alarmstufe Rot auf sämtliche Großstädte ausgeweitet. In Österreich wurde währenddessen ein Temperaturrekord gebrochen.

Niedrigwasser im Dürresommer Ungarns AKW Paks nur wenige Millimeter vor der Abschaltung
Wegen enorm niedriger Pegelstände stand Ungarns AKW Paks nur knapp vor einem kompletten Ausfall. Der Regierungschef rief die Menschen in der aktuellen Hitzewelle zum Stromsparen auf
.
Sonnigster Kalendermonat in der Historie: So »dry« war es im Juli in England und Wales seit mindestens 190 Jahren nicht mehr
Viele Teile Europas kämpfen seit Wochen mit extremer Trockenheit – auch England und Wales. Fehlender Niederschlag und starker Sonnenschein führten nun zu einem bedenklichen Rekord.
Oostrum in den Niederlanden: Waldbrand an der Grenze zu NRW eskaliert
In einem niederländischen Naturschutzgebiet nahe der deutschen Grenze wütet ein Feuer. Montagabend standen etwa 20 Hektar in Flammen, über Nacht hat sich die brennende Fläche verfünffacht.
Bundesstaat Washington Waldbrände zwingen 65.000 Menschen in den USA aus ihren Häusern
Bis zu 1100 Gebäude sind zerstört – und die Feuer weiter nicht unter Kontrolle. Rund um die US-Stadt Spokane wüten gewaltige Waldbrände, Zehntausende Menschen werden evakuiert. Viele hoffen nun auf Hilfe aus der Hauptstadt.

🔍 Klimakrise: Das Zeitfenster schließt sich
England und Wales erleben den sonnigsten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen und zugleich die schwerste Julitrockenheit seit mindestens 190 Jahren. In den Niederlanden eskaliert ein Waldbrand unmittelbar an der deutschen Grenze. Im US-Bundesstaat Washington müssen 65.000 Menschen vor Flammen fliehen, Hunderte bis über tausend Gebäude wurden zerstört. Das sind keine isolierten Ereignisse mehr, sondern Bausteine eines globalen Musters.
Mit jeder weiteren Zehntelgrad-Erwärmung nehmen Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Extremwetter nachweislich an Häufigkeit und Intensität zu. Was einst als Warnung für die Zukunft galt, ist heute Realität. Die Folgen reichen längst über Umweltfragen hinaus: Ernten schrumpfen, Trinkwasser wird knapper, Infrastruktur wird zerstört, Versicherungen ziehen sich zurück und ganze Regionen werden zunehmend unbewohnbar.
Das Entscheidende ist: Das Zeitfenster für wirksames Gegensteuern schließt sich. Jeder weitere Aufschub erhöht die Risiken, die Kosten und die Zahl der unumkehrbaren Kipppunkte. Klimaschutz ist deshalb keine ideologische Debatte, sondern eine Frage der Vernunft, der Sicherheit und der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen. Die Natur verhandelt nicht – sie reagiert auf physikalische Gesetzmäßigkeiten.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Unionsfraktionschef zu Ruhestand mit 63 Frei will Rentendebatte mit Machtwort beenden
Ost-Regierungschefs, SPD-Politiker, CDU-Arbeitnehmerflügel: Die Kritik am geplanten Aus der Rente mit 63 wächst. Unionsfraktionschef Thorsten Frei erklärt, Verhandlungsspielraum sehe er bei der Frühverrentung »wirklich nicht«.
Streit über Rentenreform FDP drängt auf Abschaffung der Rente mit 63
Vertreter aus Union und SPD kritteln am Rentenpaket herum, Arbeitsministerin Bas versucht, sie einzuhegen. FDP-Generalsekretär Hagen fürchtet nun ein »Rentenchaos«.

🔍 Solidarität ist keine Einbahnstraße
Die Debatte über die »Rente mit 63« wird erneut fast ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten geführt. Wer jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, soll länger arbeiten – während über eine stärkere Beteiligung sehr hoher Vermögen und Einkommen an der Finanzierung des Gemeinwesens oft kaum gesprochen wird.
Eine nachhaltige Rentenpolitik braucht Solidarität auf allen Ebenen. Dazu gehört, Menschen möglichst lange gesund im Berufsleben zu halten. Dazu gehört aber ebenso, diejenigen stärker in die Verantwortung zu nehmen, die über besonders hohe Einkommen, große Vermögen oder erhebliche Kapitalerträge verfügen. Das Grundgesetz formuliert mit Artikel 14 nicht ohne Grund: »Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.«
Wer ausschließlich Rentenkürzungen oder längere Lebensarbeitszeiten fordert, ohne gleichzeitig über eine gerechtere Steuerpolitik, konsequente Bekämpfung von Steuervermeidung und eine stärkere Beteiligung der wirtschaftlich Leistungsfähigsten zu sprechen, behandelt nur die Symptome – nicht die Ursachen der Finanzierungsprobleme. Eine Reform, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken soll, muss Lasten fair verteilen. Solidarität bedeutet, dass alle ihren angemessenen Beitrag leisten – nicht nur diejenigen, die ihr Leben lang gearbeitet haben.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

EU-Innenminister: Nach außen wird besänftigt, aber innen brodelt es
Nach den Bildern aus Ceuta ringt die EU bei einem Krisentreffen um Antworten. Doch um die zu finden, müsste sie sich erst einmal darauf einigen, was die Frage ist. Eine Analyse von Johanna Roth

Grenzkontrollen Marokko weist Verantwortung für Migrantenansturm auf Ceuta zurück
War es orchestriert, war es ein Dominoeffekt, waren die Spanier zu lasch? Nach dem Ansturm von Zehntausenden Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hält der Streit über die Verantwortung a
n.
Eskalation von Ceuta: CDU-Geheimdienstexperte schließt hybriden Angriff auf EU nicht aus
Dass Migranten als Waffe eingesetzt werden, ist nicht neu. Der CDU-Politiker Marc Henrichmann kommt nun zu dem Schluss, dass es so auch in Ceuta gelaufen sein könnte – und bringt unter anderem Russland ins Spiel.

Krise in Ceuta: „Die Schuld Spanien zu geben, war irrational“
Ist Spanien für die Krise in Ceuta verantwortlich? Der Migrationsexperte Gerald Knaus verneint das. Die Vorwürfe gegen die Regierung seien eine irrationale Reaktion auf verstörende Bilder. Die EU müsse nun schnell eine Entscheidung treffen.
🔍 Migration als geopolitisches Druckmittel – und als politisches Instrument
Dass autoritäre Staaten Migration gezielt als Druckmittel einsetzen können, ist gut dokumentiert. Die Instrumentalisierung von Flüchtlingen an der Grenze zwischen Belarus und Polen seit 2021 gilt als klassisches Beispiel für hybride Kriegsführung. Ob dies auch auf die aktuelle Situation in Ceuta zutrifft, müssen die Sicherheitsbehörden sorgfältig aufklären.
Unabhängig davon zeigt die Erfahrung von 2015: Die größten politischen Nutznießer eskalierender Migrationsdebatten sind häufig rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien. Nach der Fluchtbewegung 2015 gewann die AfD erheblich an Zustimmung und etablierte sich bundesweit als politische Kraft. Auch in anderen europäischen Ländern konnten Parteien mit migrationskritischem Kurs deutlich zulegen.
Genau deshalb liegt es im Interesse autoritärer Regime, demokratische Gesellschaften durch Polarisierung und gesellschaftliche Spaltung zu schwächen. Migration eignet sich dafür besonders, weil sie Ängste mobilisiert und politische Lager gegeneinander aufbringt. Die wirksamste Antwort besteht daher nicht in vorschnellen Schuldzuweisungen, sondern in einer faktenbasierten Aufklärung, einem wirksamen Schutz der EU-Außengrenzen, der Bekämpfung von Fluchtursachen und einer Politik, die gesellschaftliche Spaltung nicht weiter vertieft. Denn das eigentliche Ziel hybrider Einflussnahme ist nicht die Migration selbst – sondern die Destabilisierung demokratischer Gesellschaften.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-KriegNahostkonfliktEinsatz von Migration als Waffe durch Russland und Auswirkungen auf die Sicherheits- und Grenzschutzpolitik der EUDie globale Schieflage (Essay)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Mit Didi gegen Merz
Der Kabarettist Didi Hallervorden greift dem strauchelnden CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze unter die Arme. Das kommt beim Publikum an – und hat einen Preis.

🔍 Zwischen Pose und Politik
Dieter Hallervorden begründet seine Ablehnung von Friedrich Merz vor allem mit dessen Forderung, Deutschland müsse „kriegstüchtiger“ werden. Das bezeichnet er als „Schwafelei sondergleichen“ und plädiert stattdessen für mehr Diplomatie und Friedenspolitik.
Doch gerade diese Fokussierung zeigt die Schwäche seiner politischen Kritik. Zu den eigentlichen gesellschaftlichen Konfliktlinien – dem Abbau des Sozialstaats, der Zukunft der Energiewende, der Besteuerung sehr hoher Einkommen und Vermögen, der Renten- und Pensionspolitik oder der Finanzierung des Gemeinwesens – verliert Hallervorden kaum ein Wort. Dabei werden genau dort die Weichen für die Zukunft des Landes gestellt.
Wer einen Politiker grundsätzlich kritisieren will, sollte dessen Gesamtprogramm in den Blick nehmen und nicht nur einen einzelnen Aspekt herausgreifen. Andernfalls bleibt politische Kritik selektiv und oberflächlich.
Darin liegt auch der Unterschied zwischen bloßer Provokation und politischer Satire mit Tiefgang. Große Satiriker wie Loriot lebten von präziser Beobachtung und feiner Gesellschaftsanalyse – nicht von zugespitzten Einzelpositionen oder öffentlicher Empörung.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg KlimawandelEnergiewende Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Generalstabschef muss zustimmen Israel setzt offenbar strengere Regeln für Angriffe in Gaza in Kraft
Am vergangenen Wochenende starben mehr als ein Dutzend Menschen bei israelischen Angriffen im Gazastreifen. Nun hat die Regierung Berichten zufolge die Vorgaben für solche Attacken verschärft.

»Eklatante Verstöße gegen das Völkerrecht«: Vermittlerstaaten verurteilen Israels jüngste Angriffe im Gazastreifen
Das israelische Militär hat erneut Ziele im Gazastreifen angegriffen, unter den Todesopfern sollen Frauen und Kinder sein. Die Vermittler Katar, Türkei und Ägypten wenden sich mit einem gemeinsamen Appell an Israel.
Eskalation in Nahost: Letzte Woche hat Israel einen Hisbollah-Tunnel mit 700 Tonnen Sprengstoff zerstört, heute gibt es Verhandlungen mit dem Libanon in Rom
Das unterirdische Tunnelsystem der Schiitenmiliz Hisbollah soll zentrales Thema sein: Israelische und libanesische Emissäre treffen sich in Rom.

🔍 Gewalt schafft keinen Frieden
Die erneuten Angriffe im Gazastreifen mit zahlreichen zivilen Opfern verdienen – sofern sich die Berichte bestätigen – eine klare Verurteilung. Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet alle Konfliktparteien, Zivilisten zu schützen und zwischen militärischen Zielen und der Zivilbevölkerung zu unterscheiden. Mögliche Verstöße müssen unabhängig untersucht und gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt werden.
Gleichzeitig zeigt der Konflikt um die Hisbollah und die Verhandlungen mit dem Libanon, dass militärische Erfolge allein den Nahostkonflikt nicht lösen. Solange die politischen Ursachen ungelöst bleiben, wird die Gewalt immer wieder aufflammen.
Zu diesen Ursachen gehört auch die bis heute nachwirkende Nakba von 1947 bis 1949, bei der rund 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden und zahlreiche Dörfer zerstört wurden. Für Palästinenser ist sie ein prägendes historisches Trauma, während die israelische Seite den Krieg als Folge der Staatsgründung und des Angriffs arabischer Staaten betrachtet. Diese gegensätzlichen historischen Narrative prägen den Konflikt bis heute.
Wer dauerhaft Frieden erreichen will, muss beides anerkennen: Israels legitimes Recht auf Sicherheit und den Anspruch der Palästinenser auf Freiheit, gleiche Rechte und eine politische Perspektive. Kriegsverbrechen – von welcher Seite sie auch begangen werden – dürfen niemals relativiert werden. Dauerhafte Sicherheit entsteht nicht durch immer neue Bombardierungen, sondern nur durch eine politische Lösung, die dem Völkerrecht verpflichtet ist und beiden Völkern eine friedliche Zukunft ermöglicht.

🔍 Hintergrund: ►
NahostkonfliktNakbaVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Rechtsstreit in den USA: 25 demokratische Bundesstaaten klagen gegen Trumps neue Zölle
Weil sie angeblich zu wenig gegen Zwangsarbeit unternehmen, hat Donald Trump gegen Dutzende Länder neue Zölle verhängt. 25 Bundesstaaten ziehen dagegen nun vor Gericht. Ein Juraprofessor sieht die US-Regierung in einer komfortablen Position.
ICE-Einrichtung Delaney Hall: Mann stirbt in umstrittenem US-Abschiebezentrum
Es ist bereits der 23. Todesfall in ICE-Gewahrsam: In einer Einrichtung der US-Migrationsbehörde ist ein Mann aus El Salvador gestorben. Die Anstalt stand bereits zuvor in der Kritik.
Ärger um Reflecting Pool: »Sie hat es vermasselt« – Trump poltert im Wasserbecken-Streit gegen Staatsanwältin Pirro
Das Debakel um den Reflecting Pool in der US-Hauptstadt könnte ein Nachspiel haben. Präsident Donald Trump hat sich auf Jeanine Pirro eingeschossen. Laut CNN droht der Staatsanwältin sogar der Rauswurf.

🔍 Das System Trump: Macht statt Rechtsstaat
25 Bundesstaaten verklagen Donald Trump wegen seiner neuen Zölle, in einem umstrittenen Abschiebezentrum stirbt erneut ein Mensch in Gewahrsam, und wegen eines vergleichsweise banalen Streits um den Reflecting Pool droht der Präsident einer Staatsanwältin öffentlich mit Konsequenzen. Die einzelnen Meldungen mögen wenig miteinander zu tun haben – das zugrunde liegende Muster ist jedoch dasselbe.
Trump versteht Politik weniger als Ausübung eines verfassungsgebundenen Amtes denn als persönliches Machtinstrument. Zölle werden als Druckmittel eingesetzt und ihre rechtliche Grundlage ist umstritten. Behörden und Justiz geraten unter öffentlichen Druck, wenn sie nicht im Sinne des Präsidenten handeln. Gleichzeitig stehen Einrichtungen der Migrationsbehörden wegen wiederholter Todesfälle und menschenrechtlicher Kritik unter besonderer Beobachtung.
Gemeinsam zeichnen diese Entwicklungen das Bild eines Regierungsstils, der Konflikte zuspitzt, Institutionen personalisiert und rechtsstaatliche Kontrollmechanismen eher als Hindernis denn als notwendige Gewaltenteilung begreift. Gerade deshalb sind unabhängige Gerichte, freie Medien und funktionierende Kontrollinstanzen für eine Demokratie unverzichtbar. Sie sind keine Gegner der Regierung, sondern ihre verfassungsmäßige Begrenzung.
Die eigentliche Gefahr besteht nicht in einzelnen Skandalen, sondern in ihrer Summe: Wenn politische Macht zunehmend über persönliche Loyalität, Einschüchterung und permanente Konfrontation ausgeübt wird, geraten die Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaats schrittweise unter Druck.

🔍 Hintergrund: Donald Trump Trump – Die Spur des Geldes
Macht und Manipulation Rechtsruck im Silicon Valley

Ukraine im Krieg: Acht Millionen Bücher offenbar durch russischen Angriff verbrannt
Der Feind versucht, unsere Bildung und Kultur zu verbrennen«: Die Ukraine meldet den Verlust von Millionen Büchern durch russischen Beschuss. Es ist nicht der erste Angriff dieser Art. Zuletzt brannten Bücher von George Orwell.

🔍 Ein Angriff auf die Kultur ist ein Angriff auf die Menschlichkeit. Wer Bibliotheken, Verlage oder Buchlager zerstört, vernichtet nicht nur Papier, sondern versucht, Wissen, Erinnerung und Identität auszulöschen. Die mutmaßliche Zerstörung von Millionen Büchern durch russische Angriffe ist deshalb weit mehr als ein militärischer Kollateralschaden – sie steht, sofern sich die Berichte bestätigen, für einen Angriff auf das kulturelle Erbe eines ganzen Landes. Solche Angriffe auf zivile Einrichtungen verdienen die schärfste Verurteilung und müssen nach den Regeln des humanitären Völkerrechts untersucht und gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt werden. Bücher verbrennen keine Armeen – sie bewahren Geschichte und Freiheit. Wer sie vernichtet, führt auch Krieg gegen die Kultur.
🔍 Hintergrund: ►
Ukraine-Krieg

Boomendes US-Geschäft: KI-Datenfirma Palantir meldet 93 Prozent Umsatzplus
Unter anderem das Pentagon und das US-Heimatschutzministerium setzen auf Software von Palantir. Während es für den Datengiganten in den USA offensichtlich prächtig läuft, herrscht in Europa Skepsis.

🔍 Der Erfolg von Palantir zeigt die Kehrseite des KI-Booms. Je leistungsfähiger datengetriebene Systeme werden, desto größer wird auch ihr Potenzial zur Überwachung von Bürgern. Wenn riesige Datenmengen aus Behörden, Sicherheitsdiensten und anderen Quellen zusammengeführt und mit KI ausgewertet werden, entstehen Möglichkeiten der Kontrolle, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Europas größere Zurückhaltung ist deshalb nicht nur wirtschaftliche Skepsis, sondern Ausdruck eines anderen Verständnisses von Datenschutz, Grundrechten und rechtsstaatlicher Kontrolle. Die entscheidende Frage lautet nicht, was technisch möglich ist – sondern welche Grenzen eine demokratische Gesellschaft der Überwachung setzt.
🔍 Hintergrund: ► Watching you – Die Welt von Palantir und Alex KarpRechtsruck im Silicon ValleyDas andere Amerika – Freiheit um jeden Preis

Mögliche Huthi-Attacke Seedrohne versenkt Frachtschiff vor der Küste Jemens
Die von Iran unterstützte Huthi-Bewegung intensivierte jüngst ihre Angriffe im Roten Meer. Nun ist ein Frachtschiff unter indischer Flagge von einem Drohnenboot zerstört worden, das offenbar aus iranischer Herstellung stammt.
Laut britischer Seefahrtbehörde: UKMTO Frachtschiff in Straße von Hormus von »unbekanntem Geschoss« getroffen
Trotz Beschuss: Iran und Oman verhandeln aktuell über die Schifffahrtswege aus dem Persischen Golf. Donald Trump attackiert derweil die Ajatollahs.
Bericht aus Ankara: Türkisches Schiff im Schwarzen Meer von Drohnen angegriffen
Russland und die Ukraine verstärken die gegenseitigen Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer. Diesmal trifft es offenbar einen türkischen Frachter auf der Rückfahrt aus Russland. Die Attacken könnten die Nahrungsmittelversorgung weltweit bedrohen.

🔍 Die Schifffahrtswege werden zur Frontlinie der Weltpolitik
Angriffe auf Handelsschiffe nehmen zu – die Weltwirtschaft gerät immer stärker ins Fadenkreuz bewaffneter Konflikte.
Ob im Roten Meer, in der Straße von Hormus oder im Schwarzen Meer: Frachtschiffe werden zunehmend zu Zielen militärischer und asymmetrischer Angriffe. Damit geraten nicht nur Besatzungen in Lebensgefahr, sondern auch globale Lieferketten, Energieversorgung und die weltweite Nahrungsmittelversorgung.
Die Häufung dieser Vorfälle zeigt, wie eng regionale Kriege inzwischen mit globalen wirtschaftlichen Risiken verknüpft sind. Jeder Angriff erhöht die Gefahr einer weiteren Eskalation, steigender Transportkosten und neuer Versorgungsengpässe. Frieden ist längst nicht mehr nur eine humanitäre Frage – er ist eine Grundvoraussetzung für stabile Märkte, sichere Handelswege und die Versorgung von Milliarden Menschen.

🔍 Hintergrund: ►
Nahostkonflikt Ukraine-Krieg

In Rom: Der Vatikan hat einen 4281 Objekte umfassenden Immobilienbesitz, nun vermietet er ein Filetstück
Berühmtester Gast vor dem Konklave 2013 war Jorge Mario Bergoglio – der spätere Papst Franziskus. Der Vatikan verpachtet den wertvollen Palazzo in Rom nun. Und ändert auch das Aussehen seiner bei Sammlern beliebten Euromünzen.

🔍 Der Vatikan ist nicht nur eine Religionsgemeinschaft, sondern auch ein bedeutender Immobilien- und Vermögensverwalter. Die Verpachtung eines Filetstücks in Rom zeigt, dass auch der Heilige Stuhl wirtschaftlich handeln muss, um seine Finanzen zu sichern. Entscheidend bleibt dabei, dass wirtschaftliche Interessen dem kirchlichen Auftrag dienen – und Transparenz sowie verantwortungsvoller Umgang mit dem Vermögen gewährleistet sind.
🔍 Hintergrund: ►
Vatikan Von Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

03.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

20:15 | ONE
Vatersland
Als eines morgens eine Kiste voller Fotos und Filmaufnahmen aus ihrer Kindheit vor der Tür steht, begibt sich Marie auf eine emotionale Zeitreise. Von der spießbürgerlichen 50ern in die sexuelle Revolte der 60er Jahre. Mit dem Blick ihres Vaters, einem passionierten Fotografen, begegnet sie noch einmal dem frühen Tod ihrer geliebten Mutter, ihrer vom Vater argwöhnisch beäugten Pubertät und der Abschiebung in das katholische Mädcheninternat.

20:15 | ARD
Die Fotografin
Frankreich 1938: Das erfolgreiche Mannequin Elizabeth „Lee“ Miller verliebt sich in den Galeristen Roland Penrose und zieht mit ihm nach London. Dort kämpft sie darum, als Fotografin anerkannt zu werden. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitet sie für die britische Vogue und berichtet später mit US-Truppen von der Front. Ihre eindringlichen Bilder zeigen das Leid des Krieges, die Bestrafung von Kollaborateurinnen und die Schrecken der Konzentrationslager. Mit ihrem mutigen Blick überschreitet Lee die Grenzen des Zeigbaren und prägt eine neue Bildsprache.

🔍 Hintergrund: PsychologieUmwelt und SozialisationMacht und Manipulation

00:40 | ARTE
Planet Finance
Gier nach Rohstoffen – Wie Corona die Ölmärkte crashte
Die Inflation ist hoch, es gibt kaum Zinsen. Finanz-Apps machen das Investieren scheinbar zu einem Kinderspiel. Eine neue Generation von Anleger:innen sucht ihr Glück auf „Planet Finance“. Aber wissen sie, wie er funktioniert? Autorin Marije Meerman führt die Zuschauer:innen durch eine wundersame Parallelwelt, in der man Geld verdient, wenn man in die Zukunft sehen kann
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01:35
Die Aktien-Zocker – Riskante Wetten auf fallende Kurse
Autorin Marije Meerman führt die Zuschauerinnen und Zuschauer durch eine wundersame Parallelwelt, in der man Geld verdienen kann, wenn man glaubt zu wissen, was die Zukunft bringt. In dieser Folge: Leerverkäufer wetten auf fallende Kurse. Vorgestellt werden drei Unternehmen, die nach dem Börsenhype tief gefallen sind.
02:30
Katastrophe zu verkaufen – Wie man Unglück zu Geld macht
Autorin Marije Meerman führt die Zuschauerinnen und Zuschauer durch eine wundersame Parallelwelt, in der man Geld verdienen kann, wenn man glaubt zu wissen, was die Zukunft bringt. In dieser Folge: Auf Planet Finance gibt es für fast alles einen Markt. Auch für Katastrophen, die noch gar nicht eingetreten sind – und vielleicht nie eintreten werden!

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – Neoliberalismus Truth Social in Echtzeit: Trump startet extrem teuren Premiumzugang zu seinen Social-Posts Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Globale Erderwärmung Klimawandel trifft Reiserträge laut Studie mehr als doppelt so stark wie angenommen
Eine Erderwärmung von einem Grad bedeutet laut Berechnungen einer Studie 8,1 Prozent weniger Reis. Die Forschenden empfehlen daher unter anderem die Entwicklung und den Anbau hitzetoleranter Sorten.
Bronzezeit: Klima-Fernwirkung zerstörte die Welt des Odysseus
Vor 3200 Jahren endete die Bronzezeit, eine Phase großer Hochkulturen, in einer mehreren Zusammenbrüchen. Nun ist das Rätsel um eine mögliche Ursache gelöst. Von Lars Fischer
🔍 Der Blick in die Vergangenheit zeigt, was die Gegenwart bestätigt: Klimaveränderungen können ganze Gesellschaften erschüttern. Eine neue Studie belegt, dass bereits ein Grad zusätzliche Erwärmung die Reiserträge deutlich stärker verringert als bisher angenommen. Gleichzeitig liefern Forschungen zum Zusammenbruch der bronzezeitlichen Hochkulturen vor rund 3200 Jahren neue Hinweise darauf, wie klimatische Veränderungen über weite Entfernungen Ernten, Handel, Versorgung und schließlich ganze Zivilisationen destabilisieren konnten.
Der Unterschied zu damals ist entscheidend: Heute kennen wir die Ursachen des Klimawandels – und wir wissen, dass der Mensch ihn durch den Ausstoß von Treibhausgasen massiv beschleunigt. Die Geschichte ist deshalb keine ferne Mahnung, sondern eine Warnung. Wer Klimaschutz weiter verzögert, riskiert nicht nur schlechtere Ernten, sondern zunehmende Wasserknappheit, steigende Lebensmittelpreise, Migration und geopolitische Konflikte. Die Vergangenheit zeigt, wie verletzlich komplexe Gesellschaften sind. Die Gegenwart gibt uns noch die Möglichkeit, anders zu handeln.

🔍 Hintergrund: KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Putins Angriffskrieg: Russland meldet Tote und Verletzte nach ukrainischen Attacken am Schwarzen Meer
Ein Drohnenangriff auf einen russischen Badeort, ein weiterer auf der Krim: Bei ukrainischen Attacken in der Schwarzmeerregion sind offenbar zehn Menschen ums Leben gekommen. Zudem griff Kyjiw ein weiteres Wildberries-Lager an.

🔍 Russlands Angriff auf die Ukraine hat diesen Krieg ausgelöst – und damit auch die Ausweitung der Kampfhandlungen auf russisches Territorium. Jeder zivile Tote ist tragisch und nach Möglichkeit zu vermeiden. Gleichzeitig darf Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden: Ohne den völkerrechtswidrigen Überfall Russlands gäbe es diese Angriffe nicht. Ein Ende des Leids auf beiden Seiten ist nur möglich, wenn Russland seinen Angriffskrieg beendet und das Völkerrecht wieder respektiert.
🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

Kritik an Sparplänen: Kürzungen beim Wohngeld – mehr Armut in Deutschland?
Die Bundesregierung plant Kürzungen beim Wohngeld. Ein Drittel aller Betroffenen soll künftig leer ausgehen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband befürchtet steigende Armut – besonders bei Familien und Alleinerziehenden. Von Martin Rottach, SWR
🔍 Wer beim Wohngeld spart, spart nicht an Bürokratie, sondern an den Schwächsten der Gesellschaft. Gerade Familien, Alleinerziehende und Menschen mit niedrigen Einkommen trifft jeder Euro weniger unmittelbar. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten verschwinden nicht, nur weil der Staat seine Unterstützung kürzt. Die Folge droht mehr Armut, mehr soziale Unsicherheit und langfristig höhere gesellschaftliche Kosten zu sein. Sozialpolitik ist kein Luxus, sondern eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer hier kürzt, riskiert, dass aus finanziellen Problemen soziale Krisen werden.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Katholische Kirche: Auslandseinsätze für Priester trotz Missbrauchsvorwürfen
Katholische Priester, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, wurden häufiger im Ausland eingesetzt als bisher bekannt – das zeigt eine Bistums-Umfrage für das ARD Radiofeature. Teils hatten die Männer dort wieder Kontakt zu Kindern. Von Gabriele Knetsch, BR
🔍 Sollten sich diese Erkenntnisse bestätigen, wäre dies ein besonders schweres Versagen kirchlicher Verantwortungsträger. Wer Priester mit Missbrauchsvorwürfen versetzt, anstatt die Vorwürfe konsequent aufzuklären und potenzielle Opfer zu schützen, setzt den Schutz von Kindern aufs Spiel und beschädigt das Vertrauen in die Kirche nachhaltig.
Kinderschutz muss ausnahmslos Vorrang vor dem Schutz des Ansehens einer Institution haben. Jede Form der Vertuschung, Verschleierung oder bloßen Verlagerung von Risiken ist moralisch inakzeptabel und darf in einem Rechtsstaat keinen Platz haben. Die Betroffenen haben Anspruch auf vollständige Aufklärung, Transparenz und Gerechtigkeit – und die Verantwortlichen müssen sich ihrer Verantwortung stellen.

🔍 Hintergrund: ► Schweigen und Vertuschen – Die Todsünden der katholischen Kirche Vatikan

Renaissance der Atomkraft? Italiens gefährlicher Irrweg
Vier Jahrzehnte nach dem Atomausstieg will die Regierung Meloni die durch den Klimawandel veränderte Stimmung in der Bevölkerung nutzen. Mit Verweis auf angeblich sichere, saubere und modulare Kleinreaktoren (SMR) soll die Atomkraft wieder salonfähig werden. Doch das löst weder die Klimakrise noch die aktuellen Energieprobleme.

🔍 Die Debatte über eine Rückkehr zur Atomkraft wirkt auf den ersten Blick verlockend – tatsächlich ist sie jedoch ein Irrweg. Selbst wenn Kleinreaktoren eines Tages wirtschaftlich funktionieren sollten, werden sie für den Klimaschutz der kommenden Jahrzehnte zu spät kommen. Planung, Genehmigung und Bau neuer Reaktoren dauern meist viele Jahre, während Wind- und Solaranlagen heute deutlich schneller errichtet werden können.
Hinzu kommen die bekannten Probleme: hohe Kosten, ungelöste Endlagerfrage, Abhängigkeit von Uranimporten sowie erhebliche finanzielle Risiken für den Staat. Bis heute ist kein Land die Frage der hochradioaktiven Abfälle dauerhaft gelöst.
Der Klimawandel verlangt schnelles Handeln. Die entscheidenden Investitionen gehören deshalb in erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher, Energieeffizienz und flexible Stromsysteme. Wer stattdessen auf eine atomare Renaissance setzt, bindet enorme Mittel in einer Technologie, die für die dringend notwendige Transformation zu spät kommt. Italiens Kurs ist daher weniger ein Zukunftsprojekt als der Versuch, mit einem alten Versprechen neue Hoffnungen zu wecken.

🔍 Hintergrund: KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) Atomdebatte Zeitenwende

Erneut Temperaturen bis 38 Grad Umweltstaatssekretär fordert nationalen Hitzeaktionsplan für 2027
Süddeutschland steht eine weitere Hitzewoche bevor. Für den kommenden Sommer will der SPD-Politiker Jochen Flasbarth Deutschland besser gegen Extremtemperaturen wappnen.
🔍 Das Zeitfenster schließt sich
Ein nationaler Hitzeaktionsplan ist notwendig – doch er bekämpft vor allem die Folgen, nicht die Ursachen. Mit jeder weiteren Hitzewelle wird deutlicher, dass das Zeitfenster, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß zu begrenzen, kleiner wird. Anpassungsmaßnahmen können Menschenleben retten, doch ohne eine deutlich schnellere Senkung der Treibhausgasemissionen werden Extremhitze, Dürren und Waldbrände weiter zunehmen. Klimaschutz ist deshalb keine Zukunftsaufgabe mehr, sondern eine Entscheidung, die jetzt getroffen werden muss.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Fakes in Sozialen Netzwerken: Deutsche Wahlen im Visier russischer Desinformation
Vor den Wahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen kursieren Dutzende Fake-Inhalte, die Kandidaten diskreditieren und Deutschland als gespalten darstellen sollen. Was steckt dahinter? Von Joscha Weber, Deutsche Welle
🔍 Desinformationskampagnen zielen nicht in erster Linie darauf ab, von einer bestimmten Partei zu überzeugen. Ihr eigentliches Ziel ist es, Misstrauen zu säen, die Gesellschaft zu spalten und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. Genau diese Strategie verfolgt Russland seit Jahren in zahlreichen westlichen Demokratien. Wer gezielt Falschinformationen verbreitet, greift die demokratische Willensbildung an – ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Putins Regime führt längst nicht nur einen militärischen, sondern auch einen Informationskrieg gegen Europa. Demokratische Gesellschaften müssen dieser Bedrohung mit Aufklärung, Medienkompetenz und einer konsequenten Bekämpfung organisierter Desinformation begegnen.
🔍 Hintergrund: Ukraine-Krieg Macht und ManipulationFake News

Offener Brief Mehr als tausend Juristen verlangen AfD-Verbotsverfahren
Zu den Unterzeichnern gehören Anwälte, Richter und Fachleute aus Verwaltung und Wirtschaft: Zahlreiche Juristen fordern die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens. Sie fürchten einen »ernsthaften Schaden« für die Demokratie.
🔍 Wenn mehr als tausend Juristinnen und Juristen ein AfD-Verbotsverfahren fordern, ist das kein parteipolitischer Reflex, sondern ein ernst zu nehmendes Warnsignal aus dem Kreis von Rechtsexperten. Über ein Verbot entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht – auf der Grundlage von Beweisen und rechtsstaatlichen Maßstäben. Doch eine Demokratie muss sich gegen Bestrebungen wehren können, die ihre freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen wollen. Gerade deshalb ist eine sorgfältige rechtliche Prüfung kein Angriff auf die Demokratie, sondern Ausdruck einer wehrhaften Demokratie, die ihre Verfassung schützt.

🔍 Hintergrund: AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Drogeriemärkte als Treiber Nachfrage nach Biolebensmitteln wächst trotz hoher Preise
Die Inflation zwingt Verbraucher zur sorgfältigen Planung ihrer Ausgaben. Trotzdem kaufen sie zunehmend Biolebensmittel. Das hat auch mit den großen Anbietern zu tun.
🔍 Trotz hoher Preise greifen immer mehr Menschen zu Biolebensmitteln. Das zeigt: Das Bewusstsein für Gesundheit, Tierwohl und Umwelt wächst – und mit ihm die Bereitschaft, Kaufentscheidungen nicht allein am Preis auszurichten. Gleichzeitig tragen Drogeriemärkte und andere große Anbieter dazu bei, Bio für breitere Bevölkerungsschichten zugänglicher zu machen. Langfristig kann eine steigende Nachfrage den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beschleunigen – denn am Ende entscheiden nicht nur Politik und Unternehmen, sondern auch Millionen bewusster Kaufentscheidungen über die Richtung des Marktes.
🔍 Hintergrund: ► Zeitenwende

Arbeitsmarkt: Zahl der Arbeitslosen in Ingenieurberufen erreicht Höchststand
Rund 58.400 Ingenieure hatten im vierten Quartal 2025 keinen Job – so viele wie seit 2011 nicht mehr. Besonders in der technischen Forschung stieg die Zahl.
E-Auto-Batterien: E-Auto-Hersteller der EU zunehmend von asiatischen Batterien abhängig
Laut einer Studie stammten 2025 mehr Batterien für E-Autos von EU-Herstellern aus asiatischen Importen. Asiatische Unternehmen kontrollierten zunehmend EU-Produktionen.
🔍 Zeitenwende statt Standortdenken
Die beiden Entwicklungen gehören zusammen: Während in Deutschland immer mehr Ingenieurinnen und Ingenieure keine Arbeit finden, wächst zugleich die Abhängigkeit Europas von asiatischen Batterien und Technologien. Das ist weniger ein Mangel an Know-how als ein Zeichen dafür, dass Industriepolitik, Investitionen und internationale Zusammenarbeit nicht Schritt mit der globalen Transformation gehalten haben.
Die Energiewende ist ein weltweites Gemeinschaftsprojekt. Statt sie als geopolitischen Nullsummenwettbewerb zu begreifen, sollte der Fokus darauf liegen, Wissen, Innovationen und Produktionskapazitäten international zu vernetzen. Die eigentliche Zeitenwende besteht nicht darin, wer eine Schlüsseltechnologie allein beherrscht, sondern wie es gelingt, globale Kooperation mit resilienten Lieferketten, strategischer Eigenständigkeit und fairen Wettbewerbsbedingungen zu verbinden. Klimawandel und Energiewende sind globale Herausforderungen – sie lassen sich nur durch Zusammenarbeit erfolgreich bewältigen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewende Die globale Schieflage (Essay) Klimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Viele Infektionen in den USA Kennedy empfiehlt erst Masernimpfungen, dann folgen wieder Falschbehauptungen
Angesichts der gestiegenen Zahl der Masernfälle in den USA hat sich Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zu einer Impfempfehlung hinreißen lassen. Von einem Gesinnungswandel ist er aber weit entfernt.
🔍 Wenn ein Gesundheitsminister angesichts steigender Masernfälle zwar Impfungen empfiehlt, gleichzeitig aber weiterhin wissenschaftlich widerlegte Behauptungen über Impfstoffe verbreitet, sendet er widersprüchliche und gefährliche Signale. Gerade in einer Gesundheitskrise braucht die Bevölkerung klare, wissenschaftlich fundierte Informationen – keine Botschaften, die Zweifel säen und das Vertrauen in wirksame Schutzmaßnahmen untergraben. Wer politische Verantwortung trägt, muss sich an überprüfbaren Fakten orientieren. Andernfalls riskiert er vermeidbare Erkrankungen, schwere Komplikationen und Todesfälle – insbesondere bei Kindern und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

🔍 Hintergrund: Macht und ManipulationFake News Rechtsruck im Silicon Valley

Massenhafter Andrang von Migranten: Ceuta: Marokko macht Falschinformationen mitverantwortlich
Erstmals seit dem massenhaften Andrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hat sich Marokko zu den Geschehnissen geäußert – und mit Falschinformationen im Netz erklärt.
🔍 Falschinformationen können Menschen zu gefährlichen Entscheidungen verleiten. Doch sie erklären nicht, warum Zehntausende überhaupt bereit sind, ihr Leben für den Weg nach Europa zu riskieren. Die eigentlichen Ursachen liegen in Armut, Perspektivlosigkeit, Konflikten, Klimafolgen und den enormen globalen Wohlstandsunterschieden. Solange diese strukturellen Probleme bestehen, werden sich Menschen weiterhin auf den Weg machen.
Ebenso wichtig ist die Frage, wem es nützt, wenn die Debatte fast ausschließlich um Falschinformationen oder Grenzsicherung kreist. Wer nur über Symptome spricht, muss sich nicht mit den tieferen Ursachen von Flucht und Migration auseinandersetzen – und auch nicht mit der Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, diese Ursachen wirksam zu bekämpfen.

🔍 Hintergrund: Die globale Schieflage (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus Macht und ManipulationFake News

KI-Modelle: Chinesische Firma Alibaba stellt neues KI-Modell vor
Chinas größter Tech-Konzern Alibaba hat ein leistungsstarkes Modell für künstliche Intelligenz veröffentlicht. Qwen3.8-Max soll mit US-Spitzenmodellen mithalten können. Von Annika Benzing
🔍 Der weltweite Wettlauf um die leistungsfähigste KI droht den eigentlichen Zweck dieser Technologie aus dem Blick zu verlieren. Künstliche Intelligenz sollte in erster Linie der Menschheit dienen – nicht den Machtinteressen einzelner Staaten oder den Profitinteressen weniger Technologiekonzerne. Ihr enormes Potenzial liegt darin, Krankheiten besser zu bekämpfen, den Klimawandel einzudämmen, Ressourcen effizienter zu nutzen und den Zugang zu Wissen zu verbessern. Wird KI dagegen vor allem zum geopolitischen Machtinstrument oder zur wirtschaftlichen Dominanz eingesetzt, wachsen die Risiken von Überwachung, Manipulation, Desinformation und einer weiteren Konzentration von Macht. Die eigentliche Zukunftsfrage lautet daher nicht, wer das stärkste KI-Modell entwickelt, sondern ob es gelingt, diese Technologie am Gemeinwohl, an Transparenz und an demokratischen Werten auszurichten.

🔍 Hintergrund: KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Die globale Schieflage (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus

Cyberangriff in Liechtenstein Hacker stehlen Daten aus sensiblem Anti-Geldwäscheverzeichnis
Unbekannte Hacker haben in Liechtenstein persönliche Daten aus einem Verzeichnis zur Bekämpfung von Geldwäsche abgegriffen. Die Regierung hat einen Krisenstab einberufen.
🔍 Warnsignal für den Finanzplatz
Der Angriff zeigt, wie verwundbar selbst besonders sensible staatliche Register sind. Gerade Daten zur Bekämpfung von Geldwäsche enthalten Informationen, die für Kriminelle, Erpresser oder ausländische Nachrichtendienste von großem Interesse sein können. Der Vorfall macht deutlich, dass Cybersicherheit heute zur kritischen Infrastruktur gehört – und dass der Schutz digitaler Systeme ebenso wichtig ist wie der Schutz von Banken oder Energieversorgung.

Ex-Regierungschefin aus Myanmar: Junta in Myanmar erlaubt Rotem Kreuz Treffen mit Aung San Suu Kyi
Myanmars Regierung hat Bilder von einem Treffen zwischen Aung San Suu Kyi und einem Auslandsvertreter veröffentlicht. Über ihren Zustand war bisher kaum etwas bekannt.
🔍 Das Treffen mit einer Vertreterin des Roten Kreuzes ist ein seltenes Lebenszeichen von Aung San Suu Kyi und könnte ein begrenztes Signal der Öffnung sein. Dennoch ändert es nichts an der grundlegenden Lage: Seit dem Militärputsch 2021 sitzt die ehemalige Regierungschefin in Haft, während die Junta weiterhin Oppositionelle verfolgt und den bewaffneten Konflikt im Land fortführt. Einzelne Gesten können den fehlenden politischen Dialog, die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen und den Weg zu einer demokratischen Lösung nicht ersetzen.

Weitere Exekutionen: Zwei Männer in Iran wegen angeblicher Spionage für Israel hingerichtet
Seit Kriegsbeginn häufen sich in Iran die Hinrichtungen wegen mutmaßlicher Spionage. Nun wurden zwei weitere Männer gehängt, denen die Justiz Zusammenarbeit mit dem Mossad vorwirft.
🔍 Die erneuten Hinrichtungen zeigen, wie die iranische Führung den Konflikt mit Israel nutzt, um unter dem Vorwurf der Spionage Härte zu demonstrieren. Gerade in Fällen der nationalen Sicherheit bestehen seit Jahren erhebliche Zweifel, ob die Angeklagten faire Verfahren, unabhängige Verteidigung und rechtsstaatliche Standards erhalten. Die Todesstrafe darf nicht zum Instrument politischer Abschreckung werden – insbesondere dann nicht, wenn Transparenz und rechtsstaatliche Kontrolle fehlen.

🔍 Hintergrund: ► Macht und Manipulation

02.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

21:00 | ZDFinfo
Inside Stasi
Nach der Wende finden Bürgerrechtler tonnenweise Akten, Tonbänder, Filme, aber auch rätselhafte Gläser mit „Geruchsproben“ in den Stasiarchiven. Sie geben tiefe Einblicke in geheime Welten.

🔍 Hintergrund: ► Macht und Manipulation

22:00 | 3sat
Die schwarze Spinne
Sumiswald im Emmental des 13. Jahrhundert: Die Hebamme Christine geht einen Pakt mit dem Teufel ein, um ihr Dorf vor dem Terror der Deutschritter zu retten.

22:50 – 01:30 | ARTE
Disco – Soundtrack eines Aufbruchs (1 – 3)
Die dreiteilige Doku zeichnet die Chronologie der Disco-Musik nach. Im ersten Teil geht es um die Geburt von Disco. In den Schwarzen-, Latin- und Gay-Clubs im New Yorker Untergrund entwickelt sich Anfang der 1970er Jahre aus Rhythm ’n‘ Blues, Funk- und Soul-Einflüssen ein völlig neues Genre, das subversiv und tanzbar zugleich ist.

02:25 | ARTE
Schweigen und Vertuschen – Die Todsünden der katholischen Kirche
Priester als Täter, Kinder als Opfer: Lange tabu, jetzt sichtbar: Sexueller Missbrauch im Umfeld der Katholischen Kirche. Und der Staat? Er schaut oft weg. Die Doku untersucht die „Beißhemmung“ weltlicher Justiz und das kirchliche Vertuschungssystem in Europa. Eines der porträtierten Opfer ist François Devaux, selbst Missbrauchsopfer und Gründer einer Betroffeneninitiative in Lyon.

🔍 Hintergrund: ► Vatikan

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Fulda Bistum distanziert sich von katholischem Priester nach homophoben Aussagen zum CSD-Anschlag
Eine Lokalzeitung druckt den queerfeindlichen Leserbrief eines Pfarrers im Ruhestand zum Christopher Street Day. Jetzt zeigt sich der Chefredakteur entsetzt – und auch vom Bistum kommt Gegenwind.
🔍 Wer einen tödlichen Terroranschlag als „Signal des Himmels“ bezeichnet, verhöhnt nicht nur die Opfer und ihre Angehörigen, sondern missbraucht Religion zur Rechtfertigung von Hass. Eine solche Aussage steht im Widerspruch zu den christlichen Grundwerten von Nächstenliebe, Mitgefühl und der unantastbaren Würde jedes Menschen.
Dass sich das Bistum Fulda klar von diesen Äußerungen distanziert, ist deshalb folgerichtig und notwendig. Terror ist niemals eine göttliche Botschaft, sondern ein Verbrechen. Wer ihn als himmlische Warnung deutet, liefert Fanatikern eine religiöse Deutung, die Gewalt nachträglich legitimiert. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung braucht es eine klare Haltung gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit – auch dann, wenn sie im Gewand religiöser Sprache daherkommt.

🔍 Hintergrund: ► Katholische Kirche

Thomas Piketty: Europa braucht einen eigenen Weg
Der französische Starökonom warnt vor Donald Trumps »Technonationalismus« und fordert eine Alternative zum US-amerikanischen und chinesischen Modell. Europa müsse soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Innovation stärker miteinander verbinden, statt den geopolitischen Wettlauf der Großmächte zu kopieren.
🔍 Thomas Piketty erinnert daran, dass wirtschaftlicher Erfolg kein Selbstzweck ist. Weder der von Tech-Milliardären dominierte US-Kapitalismus noch der staatsgelenkte Kapitalismus Chinas sollten Europas Vorbild sein. Stattdessen plädiert er für einen eigenständigen europäischen Weg, der wirtschaftliche Dynamik mit sozialer Gerechtigkeit, demokratischer Kontrolle und konsequentem Klimaschutz verbindet.
Seine Warnung vor dem »Technonationalismus« richtet sich gegen einen globalen Wettlauf um wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft, bei dem Kooperation zunehmend durch Konkurrenz ersetzt wird. Gerade bei Klimawandel, Ressourcenverbrauch und wachsender Ungleichheit braucht es jedoch mehr internationale Zusammenarbeit statt neuer Blockbildung. Pikettys Botschaft lautet: Europas größte Stärke liegt nicht darin, Washington oder Peking zu kopieren, sondern ein Modell zu entwickeln, das Wohlstand, Nachhaltigkeit und Demokratie gleichermaßen fördert.

🔍 Hintergrund: ► Donald Trump Die Heritage Foundation und die Architektur der Macht (Essay) Macht und Manipulation
Project 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay) Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der MachtTrump – Die Spur des GeldesRechtsruck im Silicon ValleyDie Elon-Musk-Story

Zwei Kinder unter den Toten Israel tötet bei Angriffen mindestens 15 Menschen in Gaza
US-Präsident Trump hat erst vor wenigen Tagen Fortschritte beim Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hamas verkündet. Israels Militär greift dennoch weiter Ziele in Gaza an, am Sonntag gab es dabei viele Opfer.

🔍 Jeder Angriff, bei dem Zivilisten – insbesondere Kinder – getötet werden, muss unabhängig vom Verantwortlichen lückenlos untersucht werden. Sollten Angriffe vorsätzlich oder wahllos gegen Zivilisten gerichtet sein oder das humanitäre Völkerrecht missachten, handelt es sich um Kriegsverbrechen. Das gilt ohne Ausnahme – für die Hamas ebenso wie für Israel oder jede andere Konfliktpartei. Solange die Gewalt anhält, wachsen Leid, Hass und die Zahl unschuldiger Opfer. Ein dauerhafter Waffenstillstand und die konsequente Einhaltung des humanitären Völkerrechts sind längst überfällig.
🔍 Hintergrund: ►
NahostkonfliktVon Gilgamesch bis zur Zeitenwende – Die Entstehung der Bibel und die Evolution der Religionen (Essay)

Nach CDU-Kritik an Rentenplänen Bas verlangt von Union Klarheit zu abschlagsfreier Frührente
Die Debatte über die sogenannte »Rente mit 63« beschäftigt die Bundespolitik weiter: SPD-Chefin Bas verlangt von der Union eine eindeutige Position. Sie sträube sich nicht dagegen, das Paket aufzuschnüren.

🔍 Solidarität darf keine Einbahnstraße sein. Wer jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, darf nicht zum Sündenbock für Haushaltsprobleme gemacht werden. Wenn die Union die abschlagsfreie Frührente infrage stellt, gleichzeitig aber eine stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen und Vermögen ablehnt, wirkt das wenig ausgewogen.
Das Grundgesetz formuliert in Artikel 14 unmissverständlich: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Wer den Sozialstaat dauerhaft finanzieren will, muss deshalb beide Seiten der Medaille betrachten: Ausgaben und Einnahmen. Es ist schwer vermittelbar, ausgerechnet bei langjährig Beschäftigten sparen zu wollen, während Vorschläge wie eine Reichensteuer oder eine stärkere Beteiligung besonders Leistungsfähiger kategorisch ausgeschlossen werden.
Eine ehrliche Debatte über Generationengerechtigkeit braucht deshalb mehr als Kürzungsforderungen – sie braucht auch die Bereitschaft, über eine gerechte Verteilung der finanziellen Lasten zu sprechen.

🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Folgen der Dürre NRW-Verkehrsminister fordert Krisenstab wegen Niedrigwassers
Die niedrigen Pegel in Rhein und Donau setzen der Wirtschaft zu. Die Verkehrsminister müssten dringend handeln, mahnt NRW-Minister Krischer. Er verlangt Geld für den Ausbau von Fahrrinnen.

🔍 Niedrigwasser auf Rhein und Donau ist längst kein Ausnahmeereignis mehr, sondern eine absehbare Folge des Klimawandels. Die wirtschaftlichen Schäden reichen von höheren Transportkosten bis zu Produktionsausfällen. Ein Krisenstab kann kurzfristig helfen, löst aber nicht die Ursache. Jeder weitere Euro, der heute in Klimaschutz und die Energiewende investiert wird, spart morgen ein Vielfaches an Folgekosten – für Infrastruktur, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer Klimaschutz verzögert, verschiebt die Rechnung lediglich in die Zukunft, wo sie deutlich höher ausfällt.
🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Kritik der WHO: Junkfood-Hersteller bremsen offenbar Initiativen für gesunde Ernährung
Höhere Steuern und Werbeverbot: Viele Produzenten hoch verarbeiteter Lebensmittel klagen gegen Auflagen. Und behindern so den weltweiten Kampf gegen Übergewicht, kritisiert der WHO-Chef.
🔍 Der Konflikt erinnert an frühere Auseinandersetzungen mit der Tabakindustrie: Wo wirtschaftliche Interessen auf wirksamen Gesundheitsschutz treffen, wird oft versucht, notwendige Regulierungen zu verzögern oder abzuschwächen. Angesichts der weltweit steigenden Zahl ernährungsbedingter Erkrankungen kann sich die Politik solche Blockaden immer weniger leisten. Gesundheit sollte Vorrang vor kurzfristigen Unternehmensgewinnen haben.

🔍 Hintergrund: Kapitalismus – Neoliberalismus Macht und Manipulation

Umstrittene Änderung Umwelthilfe kündigt Klage gegen Heizungsgesetz an
Gas und Öl weiter erlaubt: Mit dem neuen Heizungsgesetz könnten die deutschen Klimaziele unmöglich eingehalten werden, moniert die Deutsche Umwelthilfe – und plant eine Verfassungsbeschwerde.
🔍 Die Klimakrise wartet nicht auf politische Kompromisse. Jede Verzögerung beim Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme erhöht den späteren Aufwand und die Kosten. Das Zeitfenster, in dem sich die Erderwärmung noch wirksam begrenzen lässt, schließt sich zunehmend – deshalb müssen politische Entscheidungen heute an ihrer langfristigen Klimawirkung gemessen werden, nicht an kurzfristigen Interessen.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Ceuta: »Auch die EU hat versagt«
Die Lage in Ceuta weckt Erinnerung an die Migrationskrise im Jahr 2015, schreiben internationale Medien. Rechte Parteien nutzten diese Bilder für sich. Eine Presseschau. Von Ivana Sokola
🔍 Die Bilder aus Ceuta sind vor allem Ausdruck tiefer globaler Ungleichheit. Armut, Kriege, politische Instabilität und die Folgen des Klimawandels treiben Menschen zur Flucht – Probleme, zu denen auch wohlhabende Staaten durch hohe Emissionen, unfaire Handelsstrukturen und geopolitische Interessen beigetragen haben. Solange diese Ursachen nicht entschlossen angegangen werden, wird Europa immer wieder mit denselben Krisen konfrontiert sein. Grenzsicherung allein löst das Problem nicht.

🔍 Hintergrund: ► Die globale Schieflage (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus Zeitenwende Klimawandel

Truth Social in Echtzeit: Trump startet extrem teuren Premiumzugang zu seinen Social-Posts
Auf Truth Social verbreitet Donald Trump viel Unfug, aber immer wieder auch börsenrelevante Ankündigungen. Den schnelleren Zugang zu seinen Posts lässt er sich jetzt bezahlen – und zwar fürstlich.

🔍 Wenn ein amtierender US-Präsident seine potenziell kursbewegenden Aussagen gegen bis zu 100.000 Dollar im Monat früher zugänglich macht, verschwimmen die Grenzen zwischen Staatsamt, persönlichem Geschäftsmodell und Finanzmarkt endgültig. Informationen werden zur Ware, politische Kommunikation zum Geschäftsmodell und Börsenkurse zum Spielball wirtschaftlicher Interessen.
Das ist kein Ausdruck eines freien Marktes, sondern ein Symptom eines entfesselten Finanzkasinos, in dem Informationsvorsprünge gekauft und Macht privatisiert werden. Wer Zugang bezahlen kann, erhält einen potenziellen Vorteil – alle anderen bleiben außen vor. Ein demokratisches Staatsamt darf jedoch nicht zur Einnahmequelle werden und schon gar nicht zum Motor für Marktprivilegien.

🔍 Hintergrund: Donald Trump Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht Planet Finance: Wie man Unglück zu Geld macht

Krieg gegen Iran Trump spricht vom »Umriss einer Einigung« – und sagt Angriffe ab
Eben drohte der US-Präsident Iran noch mit harten Attacken, nun sieht er wieder einmal angebliche diplomatische Fortschritte. Offenbar hatte sich Saudi-Arabien vor diesem abrupten Schritt um Deeskalation bemüht.

Iran-Krieg: Wie Jordanien zwischen die Fronten gerät
Tourismus ist für Jordanien eine der wichtigsten Einnahmequellen. Doch mit dem Krieg ist vieles weggebrochen. Zuletzt wurde das Land immer öfter zum Angriffsziel – und in der Bevölkerung steigt der Frust über den Partner USA. Von Anne Armbrecht, tagesschau.de
🔍 Beides fügt sich zu einem problematischen Gesamtbild: Während Donald Trump außenpolitisch mit Drohungen und überraschenden Kehrtwenden die internationalen Märkte bewegt, verkauft seine Medienfirma zahlungskräftigen Kunden einen Echtzeitvorsprung auf genau solche kursrelevanten Aussagen. Außenpolitik, Finanzmärkte und persönliche Geschäftsinteressen geraten so in eine bedenkliche Nähe. Wenn militärische Ankündigungen und diplomatische Wendungen zugleich potenziell profitabel werden, verschwimmen die Grenzen zwischen verantwortungsvoller Staatsführung und einem globalen Finanzcasino, in dem politische Macht zum Geschäftsmodell wird.
🔍 Hintergrund: Nahostkonflikt Die Trump-Connection – Das Geschäft mit der Macht Planet Finance: Wie man Unglück zu Geld macht

Bundestaat Washington: Tausende Menschen in US-Großstadt Spokane wegen Waldbrand evakuiert
Schwerste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen: Im US-Bundesstaat Washington haben die Flammen die Stadt Spokane erreicht. »Wenn die Sonne wieder aufgeht, werden wir schockiert sein«, sagte der Generalmajor.
🔍 Die Bilder aus Spokane zeigen erneut, dass die Klimakrise längst keine ferne Zukunft mehr ist. Häufigere und intensivere Waldbrände gehören zu den Folgen einer sich erwärmenden Welt. Jede weitere Verzögerung beim Klimaschutz erhöht die Risiken und die Kosten. Das Zeitfenster, um die schlimmsten Auswirkungen noch wirksam zu begrenzen, schließt sich – und mit jedem verlorenen Jahr werden die notwendigen Maßnahmen drastischer.

🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Bericht über US-Einsatz in Nordkorea: »New York Times« beklagt Ermittlungen gegen weiteren Journalisten
Im vergangenen Jahr hatte die »New York Times« über eine misslungene US-Militäroperation in Nordkorea geschrieben. Nun geht die Trump-Regierung gegen einen Mitarbeiter vor. Die Zeitung wittert Einschüchterungsversuche.
Clip mit manipulierter Textzeile: Ausgerechnet Bad Bunny – Weißes Haus provoziert mit Abschiebevideo
Bad Bunny gilt als scharfer Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Nun hat dessen Lager ein Video von ICE-Einsätzen gepostet – untermalt mit einem Lied des puerto-ricanischen Sängers. Dahinter steckt kaltes Kalkül.
🔍 Beide Fälle zeichnen ein ähnliches Bild: Kritische Stimmen geraten zunehmend unter Druck – sei es durch Ermittlungen gegen Journalisten oder durch gezielte mediale Provokationen gegenüber prominenten Kritikern. Wo staatliche Macht nicht nur Politik gestaltet, sondern auch Einschüchterung und propagandistische Inszenierung als Mittel einsetzt, gerät die demokratische Debattenkultur in Gefahr. Eine freie Presse und offene Kritik sind keine Hindernisse der Demokratie, sondern ihre wichtigste Kontrollinstanz.
🔍 Hintergrund: ► Donald TrumpMacht und ManipulationRechtsruck im Silicon Valley

Neue Vorgaben der EU Wasserzeichen für KI-Inhalte – was sich jetzt ändert
Echt oder fake? Wer im Internet surft, soll das künftig besser unterscheiden können. Seit Sonntag gelten strengere Vorgaben für virtuelle Bilder und Videos. Antworten auf wichtige Fragen.
🔍 Höchste Zeit: Je einfacher sich täuschend echte KI-Inhalte erstellen lassen, desto wichtiger wird Transparenz. Eine klare Kennzeichnung stärkt das Vertrauen in digitale Informationen, erschwert Desinformation und hilft, Manipulation besser zu erkennen. Sie ist kein Allheilmittel – aber ein notwendiger Schritt, um die Glaubwürdigkeit öffentlicher Debatten zu schützen.

🔍 Hintergrund: ► Macht und ManipulationFake News KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay) Zeitenwende

Besatzung festgenommen: Island beschlagnahmt Anti-Walfang-Schiff
Isländische Spezialkräfte dringen in ein Anti-Walfang-Schiff des »Sea Shepherd«-Gründers Paul Watson ein und nehmen die Besatzung fest. Die Aktivisten sollen abgeschoben werden und ein Einreiseverbot bekommen.

🔍 Der Konflikt zeigt, wie verhärtet die Fronten beim Walfang inzwischen sind. Unabhängig davon, wie man die Protestaktion bewertet, bleibt der Schutz bedrohter Meeressäuger ein legitimes Anliegen. Dauerhafte Lösungen werden jedoch nur durch internationales Recht, wirksame Schutzabkommen und politische Vereinbarungen erreicht – nicht durch eine weitere Eskalation auf See.
🔍 Hintergrund: Zeitenwende

01.08.26

🎬 TV-Tipp(s) und 🔍 Einordnungen

20:15 | ARTE
Einstein und Hawking – Das Geheimnis von Zeit und Raum (1 + 2)
Um die Jahrhundertwende des vergangenen Jahrhunderts entwickelte Albert Einstein (1879-1955) eine revolutionäre Theorie, die die bis dato bestehenden Vorstellungen von Raum und Zeit völlig neu definierte. Seine Relativitätstheorie war eine Inspirationsquelle für Stephen Hawking (1942-2018). Die beiden Genies prägte ein radikal neues Verständnis vom Universum.

00:25 | ARTE
Das Kellergefängnis von Jahidne
Im März 2022 wurden die Einwohner*innen von Jahidne, einem Dorf im Norden der Ukraine, fast einen Monat lang von russischen Soldaten in einem Keller gefangen gehalten. Ihre bewegenden Erinnerungen fügen sich in diesem Film wie in einem Puzzle zusammen.
🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg

01:45 | ARTE
Der digitale Tsunami
Wie verändert sich unsere Welt, wenn KI Entscheidungen über Leben und Tod trifft, Maschinen uns beraten und Kinder mit Bildschirmen groß werden? Der Dokumentarfilm zeigt die Umbrüche der digitalen Revolution – mit all ihren gesellschaftlichen, psychologischen und politischen Konsequenzen.

🔍 Hintergrund: ► KI, Arbeit und die nächste große Systemfrage (Essay)

📰 Schlagzeilen und 🔍 Einordnungen

Nach Ansturm auf Exklave: Was Ceuta für die EU bedeutet
Vor wenigen Wochen ist die Asylreform der EU in Kraft getreten. Doch nach Ceuta wird erneut über Migrationsregelungen diskutiert. Was hat nicht funktioniert? Und warum gibt es Kritik an Spanien?
🔍 Die Ereignisse in Ceuta sind kein isoliertes Migrationsproblem, sondern Ausdruck einer globalen Schieflage. Solange Armut, Perspektivlosigkeit, Kriege und die Folgen des Klimawandels Millionen Menschen die Lebensgrundlage entziehen, werden sich Menschen auf den Weg machen – ungeachtet immer höherer Grenzzäune. Hinzu kommt ein globales Wirtschaftsmodell, das Wohlstand extrem ungleich verteilt und ökologische Grenzen überschreitet. Politische Konzepte wie das von der Heritage Foundation entwickelte Project 2025, das auf Deregulierung, den Ausbau fossiler Energien und den Rückbau internationaler Zusammenarbeit setzt, verschärfen diese Entwicklungen eher, als sie zu lösen. Wer Migration dauerhaft begrenzen will, muss deshalb nicht nur über Grenzschutz sprechen, sondern vor allem über gerechtere Handelsbeziehungen, wirksamen Klimaschutz und die Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Armut. Nur so lässt sich der Migrationsdruck langfristig verringern.
🔍 Hintergrund: ► Die globale Schieflage (Essay) Kapitalismus – Neoliberalismus Rechtsruck im Silicon ValleyProject 2025 – Die konservative Gegenbewegung und ihre internationalen Netzwerke (Essay) Klimawandel Zeitenwende

Streit in CDU über »Rente mit 63« Thorsten Frei legt sich mit Ministerpräsidenten im Osten an
Ringen um die Parteiposition: Mehrere Ministerpräsidenten der CDU begehren gegen die geplante Rentenreform auf. Der neue Fraktionschef Frei hält dagegen.

🔍 Die Debatte über die »Rente mit 63« greift zu kurz, wenn sie allein auf das Renteneintrittsalter reduziert wird. Die eigentliche Herausforderung sind die langfristige Finanzierung des Sozialstaats und die demografische Entwicklung. Gleichzeitig entgehen dem Staat jedes Jahr erhebliche Einnahmen durch Steuervermeidung, aggressive Steuergestaltung und internationale Gewinnverlagerungen. Hinzu kommen wachsende Vermögensungleichheit und eine Steuerpolitik, die hohe Vermögen und Erbschaften vergleichsweise gering belastet. Das Grundgesetz formuliert mit Artikel 14 einen wichtigen Grundsatz: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Eine nachhaltige Rentenpolitik braucht deshalb nicht nur längere Erwerbsbiografien, sondern auch eine faire Finanzierung des Gemeinwesens. Wer ausschließlich bei den Rentnerinnen und Rentnern spart, blendet einen wesentlichen Teil des Problems aus.
🔍 Hintergrund: ► Kapitalismus – NeoliberalismusReschke Fernsehen: Wie Reiche Milliarden am Staat vorbeistiftenEigentum verpflichtet

Aktuelle Umfrage Rund jeder Vierte fühlt sich nach CSD-Anschlag unsicherer
Der islamistische Angriff auf den Christopher Street Day beeinflusst das Sicherheitsgefühl der Menschen. SPD-Fraktionschef Miersch fordert den Bundeskanzler auf, Flagge zu zeigen.

🔍 Genau das ist das Ziel des Terrorismus: Angst zu verbreiten, Menschen einzuschüchtern und eine offene Gesellschaft zu spalten. Wenn sich nach einem islamistischen Anschlag Menschen unsicher fühlen oder Veranstaltungen meiden, haben die Täter einen Teil ihres Ziels bereits erreicht. Die richtige Antwort darauf sind konsequente Strafverfolgung und Prävention, aber ebenso die entschlossene Verteidigung von Freiheit, Demokratie und den Grundrechten aller Menschen. Wer sich aus Angst zurückzieht, überlässt den Extremisten ein Stück gesellschaftlichen Raums.
🔍 Hintergrund: Terrorismus Religion

Unvorstellbare Zerstörung: Ein Toter! Video zeigt enorme Unwetterschäden am Amselsee
Nach einem schweren Unwetter am Amselsee zeigen Bilder und Videos das Ausmaß der Schäden. Die Betreiber einer Wanderrast und eines Bootsverleihs sprechen von einer „unvorstellbaren Zerstörung“. Ein Mann kam ums Leben.
🔍 Jedes einzelne Unwetter lässt sich nicht unmittelbar auf den Klimawandel zurückführen. Die Forschung zeigt jedoch eindeutig, dass sich mit der globalen Erwärmung die Bedingungen für häufigere und intensivere Starkregen, Stürme und andere Extremwetterereignisse verändern. Solche Bilder machen deutlich, wie hoch die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten ausfallen können. Deshalb braucht es entschlossenes Handeln: einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien, eine schnelle Senkung der Treibhausgasemissionen und zugleich eine bessere Anpassung an die bereits unvermeidbaren Folgen des Klimawandels. Jede weitere Verzögerung erhöht die Risiken für Menschen, Infrastruktur und Natur.
🔍 Hintergrund: ► KlimawandelEnergiewendeKlimaschutz zwischen Verantwortung und Blockade (Essay) ► Zeitenwende

Schule und Uni unter der AfD: Die Pläne – und was wirklich möglich wäre
Wachdienste mit Tränengas, Sonderklassen für Geflüchtete und Abschaffung der Schulpflicht: Was vom Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt umsetzbar wäre, ordnen Rechtsexperten für CORRECTIV ein. Von Lena Köpsell , Alexandra Ringendahl
🔍 Was die AfD hier als Bildungspolitik verkauft, ist in Wahrheit ein autoritäres Umerziehungsprogramm. Wachdienste mit Tränengas, Sonderklassen für Geflüchtete, das Ende der Inklusion, nationale Rituale und die Aufweichung der Schulpflicht sollen nicht Bildung verbessern, sondern ausgrenzen, disziplinieren und ideologisch kontrollieren. Selbst dort, wo Verfassungsrecht Grenzen setzt, könnte eine AfD-Regierung Lehrpläne, politische Bildung, Hochschulen und Förderstrukturen erheblich beschädigen. Besonders entlarvend: Ausgerechnet eine Partei, die ständig vor angeblicher „Indoktrination“ warnt, will Schulen auf Volk, Heimat und Nationalhymne verpflichten. Das Ziel ist nicht die freie Entfaltung junger Menschen, sondern die Formung eines völkisch-nationalistischen Weltbildes.

🔍 Hintergrund: ► AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Konflikt im Nahen Osten Trump erwägt offenbar neue Angriffe – Iran droht mit Gegenschlägen
Die US-Regierung plant massive Schläge gegen Iran, womöglich noch an diesem Wochenende. Das legen Berichte nahe. Selbst Israel könnte wieder in den Krieg eingreifen. Teheran reagierte umgehend.
Trinkwasser in Minnesota Iran soll hinter Angriffen auf Wasserversorgung in den USA stecken
In Minnesota haben Hacker offenbar mehr als 30 Wasserversorgungssysteme angegriffen. Laut Medienberichten macht das FBI Iran dafür verantwortlich. US-Präsident Donald Trump spricht stattdessen von Inkompetenz des Bundesstaats.

🔍 Die Spirale der Eskalation dreht sich immer schneller. Während US-Medien über mögliche neue Angriffe auf den Iran berichten und Teheran mit Gegenschlägen droht, rückt zugleich ein mutmaßlicher Cyberangriff auf die Wasserversorgung in den USA in den Fokus. Sicherheitsexperten und Ermittler sehen Hinweise auf iranisch verbundene Hacker, auch wenn die Untersuchungen noch laufen. Gleichzeitig weist Donald Trump die Verantwortung des Iran zurück und macht stattdessen politische Gegner für Sicherheitsversäumnisse verantwortlich.
🔍 Hintergrund: ► Nahostkonflikt Donald Trump Rechtsruck im Silicon Valley

Angriffskrieg auf die Ukraine: Heftige russische Angriffe auf Kiew – mehrere Tote
Explosionen in Kiew, Autos in Brand: Russland hat die ukrainische Hauptstadt erneut mit Raketen angegriffen. Mindestens neun Menschen wurden Behörden zufolge dabei getötet.
🔍 Die erneuten russischen Raketenangriffe auf Kiew sind auf das Schärfste zu verurteilen. Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges hat Russland immer wieder Wohngebiete, zivile Infrastruktur und die ukrainische Bevölkerung ins Visier genommen. Sollten Angriffe bewusst oder wahllos gegen Zivilisten oder zivile Objekte gerichtet sein, können sie nach dem humanitären Völkerrecht Kriegsverbrechen darstellen. Jeder weitere Angriff zeigt, dass dieser Krieg nicht nur gegen die Ukraine als Staat, sondern auch gegen ihre Zivilbevölkerung geführt wird. Die Verantwortlichen müssen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden – militärische Gewalt gegen unschuldige Menschen darf niemals zur Normalität werden.

🔍 Hintergrund: ► Ukraine-Krieg Zeitenwende

Nicht nur Kardinäle dürfen führen Papst erlässt neues Grundgesetz für den Vatikan
Neue Regeln für den kleinsten Staat der Welt: Leo XIV. legt ein neues Grundgesetz für den Vatikan vor. Gestärkt wird die Präsidentin.
🔍 Mit der Reform setzt Papst Leo XIV. ein bemerkenswertes Signal: Führungsverantwortung im Vatikan soll künftig weniger vom Weiheamt als von Kompetenz und Eignung abhängen. Dass künftig auch Nicht-Kardinäle zentrale Leitungsaufgaben übernehmen können, ist ein weiterer Schritt hin zu einer moderneren Kirchenverwaltung. An den grundlegenden Fragen der katholischen Kirche – etwa der Rolle von Frauen im Priesteramt oder der Sexualmoral – ändert das zwar nichts. Dennoch zeigt die Reform, dass selbst traditionsreiche Institutionen sich schrittweise weiterentwickeln können.

🔍 Hintergrund: ► Vatikan

Konflikt zwischen Bundesspitze und Landesverband AfD-Bundesvorstand beschließt Ordnungsverfahren gegen NRW-Landespolitiker
Der Streit zwischen der AfD-Spitze und Mitgliedern des NRW-Landesverbands geht weiter. Die »persönliche Ehre« von Alice Weidel sei verletzt worden, weil sie mit Angela Merkel verglichen wurde, findet der Bundesvorstand der Partei.

🔍 Ausgerechnet die AfD, die sich gern als Kämpferin für uneingeschränkte Meinungsfreiheit inszeniert, greift nun zu parteiinternen Ordnungsverfahren, weil Alice Weidel mit Angela Merkel verglichen wurde. Wer andere permanent scharf attackiert, sollte Kritik und zugespitzte Vergleiche aushalten können. Der Vorgang zeigt vor allem eines: Hinter der Fassade der angeblichen Anti-Establishment-Partei wächst der Autoritarismus auch nach innen. Wer von der Parteilinie abweicht oder die Führung provoziert, muss offenbar mit Sanktionen rechnen – ein bemerkenswertes Verständnis von innerparteilicher Debattenkultur.
🔍 Hintergrund: ► AfD Rechte Gruppierungen Rechtes Gedankengut 

Verstoß gegen EU-Recht Slowakei will gleichgeschlechtliche Ehen aus anderen EU-Staaten nicht anerkennen
EU-Mitglieder müssen eine in einem anderen EU-Staat geschlossene Ehe anerkennen. Bei der gleichgeschlechtlichen Ehe weigert sich die Slowakei jedoch dagegen – und geht auf Konfrontationskurs mit der EU.
🔍 Die Slowakei stellt sich mit dieser Haltung bewusst gegen grundlegende Prinzipien des EU-Rechts. Wer die Vorteile der Europäischen Union genießen will, muss auch ihre gemeinsamen Regeln respektieren. Es geht nicht darum, der Slowakei die gleichgeschlechtliche Ehe im eigenen nationalen Recht vorzuschreiben, sondern darum, rechtsgültige Ehen aus anderen EU-Staaten anzuerkennen. Werden EU-Grundfreiheiten und rechtsstaatliche Prinzipien nach Belieben ausgelegt, gerät der Zusammenhalt der Union insgesamt unter Druck.