
01.11.26: Reaktionen auf Ausschreitungen Dobrindt macht linke Gruppen und »Chaoten aus dem migrantischen Milieu« für Randale verantwortlich
An die weitestgehend friedlichen »Gen Z«-Demonstrationen schlossen sich Krawalle und Polizeieinsätze an. Der Innenminister will sein Täterprofil bereits gefunden haben. Andere Politiker erinnern an den Kern der Proteste.
🔍Über Randale reden – und die Anliegen verdrängen?
Die Proteste richten sich gegen hohe Preise und für bessere Bildung. Doch nach den Ausschreitungen drohen diese Anliegen hinter der vertrauten konservativen Erzählung von linken Chaoten und dem »migrantischen Milieu« zu verschwinden.
Gewalttaten müssen aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Innenminister sollte dabei gesicherte Ermittlungsergebnisse vorlegen. Politische Zuordnungen und Herkunftsverweise ersetzen keinen individuellen Tatnachweis.
Wer jetzt vor allem über Randale und Migration spricht, muss sich fragen lassen, wo seine Antworten auf die Forderungen der friedlich Demonstrierenden bleiben. Die öffentliche Debatte darf sich nicht darin erschöpfen, Ausschreitungen zu verurteilen und die gesellschaftlichen Probleme dahinter auszublenden. Sicherheitspolitik entbindet nicht von sozialer Verantwortung.
🔍 Hintergrund: ► Gen Z regelt ► Es brodelt gefährlich auf unserem Planeten (2019) ► Wenn der Schutz zur Bedrohung wird – Demokratie gegen die Willkür der Macht (Essay)
31.10.26: Ausschreitungen in Frankfurt und Köln: Krawalle und Plünderungen überschatten „Gen Z regelt“-Demos
Zehntausende junge Menschen sind in über 30 Städten für bessere Bildung und gegen hohe Preise auf die Straße gegangen. Am Abend kam es vor allem in Frankfurt und Köln zu Krawallen.
Proteste der Gen Z: Das Protest-Missverständnis
Was soll man nun halten von den Protesten, die jetzt auch Deutschland erreicht haben? Am besten schaut man nicht auf ihre Inhalte, sondern auf ihre Form.
🔍Was denkt sich DIE ZEIT bei dieser Empfehlung? Wer Proteste beurteilen will, muss sich zuerst mit ihren Inhalten auseinandersetzen: Was kritisieren die jungen Menschen, was fordern sie – und sind ihre Anliegen berechtigt? Die Protestform gehört zur Bewertung dazu, ersetzt aber keine inhaltliche Auseinandersetzung. Gewalt und Randale sind zu kritisieren. Sie dürfen jedoch nicht als Vorwand dienen, die Forderungen einer ganzen Protestbewegung auszublenden. Wer empfiehlt, von den Inhalten abzusehen, lenkt den Blick von den gesellschaftlichen Problemen auf deren lauteste Begleiterscheinungen.
Demonstration „differenziert betrachten“
Protestforscher Florian Staudt schließt nicht aus, dass kleine Gruppen gezielt Ausschreitungen suchen. Alle Demonstrierenden unter Generalverdacht zu stellen, sei aber ein „falsches Signal“. Von Nils Markwardt und Lenz Jacobsen
🔍Die Anliegen ernst nehmen – Gewalt klar verurteilen
Wer für bessere Bildung und bezahlbare Lebensbedingungen demonstriert, verdient eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinen Forderungen. Krawalle und Plünderungen müssen verfolgt werden. Sie rechtfertigen aber nicht, eine ganze Protestbewegung unter Generalverdacht zu stellen.
Die Empfehlung der ZEIT, vorrangig auf die Form statt auf die Inhalte zu schauen, setzt deshalb den falschen Schwerpunkt. Entscheidend ist doch: Welche Zukunft bieten wir jungen Menschen angesichts hoher Wohnkosten, ungleicher Bildungschancen und der Klimakrise? Und welche politischen Veränderungen sind notwendig?
Differenzierung bedeutet, friedlichen Protest und Gewalttaten auseinanderzuhalten – und zugleich die gesellschaftlichen Ursachen der Unzufriedenheit zu untersuchen. Die Ausschreitungen dürfen nicht zum bequemen Anlass werden, über die berechtigten Anliegen hinwegzugehen. Junge Menschen brauchen Gehör und politische Antworten.
🔍 Hintergrund: ► Gen Z regelt ► Klimawandel ► Eindringliche Warnung von Hoimar von Dithfurt aus dem Jahr 1978
► Wem gehört die Zukunft? (Essay) ► Die globale Schieflage ► Der Billionen-Prozess: Wer bezahlt die Klimakatastrophe? (Essay)